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Christi Auferstehungs Kirche in St. Petersburg

die Christi Auferstehungs Kirche in St. Petersburg

Christi Auferstehungs Kirche in St. Petersburg

Heute wird es ein ruhiger Urlaubstag, dass haben wir uns fest vorgenommen. Die Eremitage, Peterhof und das Katharinenschloss mit dem Bernsteinzimmer haben wir in St. Petersburg bereits besucht. Nun wird es Zeit einfach nur die Stadt zu geniessen und zu erleben.

Auf unserem Programm steht die Besichtigung der Kirche der Auferstehung Christi sowie eine Bootsfahrt durch die Wasserstrassen im sogenannten „Venedig des Nordens“ wie St. Petersburg auch genannt wird.
Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Ob jetzt vormittags auch wieder so lange Warteschlangen an den Kassen sind? Doch nein, wir haben Glück.
Wie jeden Tag sind hier Ausflugsbusse geparkt und die Reiseleiter wedeln hektisch mit ihren Fähnchen, doch an den Kassenhäuschen hält sich der Ansturm in Grenzen. Also los, diese Kirche möchte ich unbedingt von innen sehen.

heute ist die Kirche ein Mosaik Museum

heute ist die  Christi Auferstehungs Kirche ein Mosaik Museum

Die Kirche der Auferstehung Christi wird im Volksmund Erlöser auf dem Blut genannt. Ob dies etwas mit ihrer Geschichte zu tun hat? Sie ist an der Stelle gebaut worden, an der 1881 Alexander II bei einem Bombenattentat getötet wurde. Der Zar hatte 20 Jahre zuvor die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben, doch seine Reformen blieben hinter den Erwartungen zurück und dauerten zu lange. Daher wude von der damaligen Terrorvereinigung „Volkswille“ das Todesurteil über ihn verhängt. Sein Sohn Alexander III liess als Erinnerung an ihn die Christi Auferstehungs Kirche erbauen. Es sollte eine Kirche ohne Gemeinde werden, die lediglich den Romanovs für Gedenkgottesdieste vorbehalten war. Die Kirche wurde jedoch erst nach 24 Jahren Bauzeit im Jahr 1907 von Nikolaus II eingeweiht.
Im Jahr 1930 wurde die Kirche geschlossen und darin eine Marmorwerkstatt eingerichtet. Da das Gebäude als „weder historisch noch künstlerisch wertvoll“ eingestuft wurde, hat man damals an einen Abriss gedacht. Seit 1997 können Besucher das restaurierte Gebäude als Mosaik- Museum wieder besichtigen.
Als wir die Kirche betreten bin ich sprachlos, der Anblick ist atemberaubend. Der gesamte Innenraum besteht aus Mosaikbildern. So viel Pracht habe ich nicht erwartet. Ich weiss im ersten Moment gar nicht wo ich zuerst hinsehen soll.

Prachtvolle Mosaiken in der Christi Auferstehungskirche

Prachtvolle Mosaiken in der Christi Auferstehungs Kirche

Wir sind natürlich nicht die einzigen Besucher- leider. Die Kirche ist voll, die Menschen schieben und drängeln durch den Raum. Und alle sehen nach oben- zu den Mosaiken welche auch die Deckengewölbe zieren. Es ist fast wie in einem Raum voller Handybenutzer- nur die Blickrichtung ist anders. Nach mehrfachen Zusammenstössen mit anderen Touristen haben wir alles gesehen und verlassen dieses wirklich beeindruckende und sehenswerte Gebäude.
Und vor der Tür erwartet uns eine weitere Überraschung- Stille! Zumindest kommt es uns trotz des üblichen Geräuschpegels von St. Petersburg so vor. Denn im inneren der Christi Auferstehungs Kirche herrscht ein permanentes Summen durch die Stimmen der vielen Menschen. Es hat wirklich keiner laut gesprochen oder gerufen, doch die Akustik in dem hohen Raum hat die Gespräche als einen ständigen Summ- und Brummton wiederhallen lassen. Eine Tatsache, die mir erst draussen auf der Strasse bewusst wird.

Gribojedov Kanal

Gribojedov Kanal

Langsam schlendern wir am Ufer des Gribojedov-Kanals und seinen Souvenirstände entlang. Die Verkäufer bieten alle Arten von Andenken wie Bilder, Tassen mit dem Konterfei von Putin, Mützen und Kappen aus falschem Bärenfell und natürlich Holzpuppen an. Die berühmtesten Holzarbeiten sind sicherlich die Matrjoschka- Puppen, die teilweise auch Babuschka-Puppen genannt werden. Die aus Linden-oder Birkenholz gedechselten Puppen wurden erstmals 1890 von dem Maler Wassili Petrowitsch entworfen und von einem Kunsthandwerker geschnitzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Puppen in der bekannten verschachtelten Bauweise angefertigt. Der Name Matrjoschka stammt von dem Namen Matrjona ab, der für den weiblichen Begriff Matrona (Mutter) steht.
Die vorwiegend weiblichen Figuren werden mit der kleinsten Puppe beginnend gedrechselt. Je weniger unterschiedlich die Puppen sind, um so hochwertiger ist der Satz.
Seit Ende 1980 gibt es auch satirische Matjoschkas, bei denen russische Politiker dargestellt werden.
Am Ende des Gribojedov- Kanals treffen wir auf den Nevskij Prospekt. Das Wort Prospekt ist abgeleitet von dem Begriff Perspektive und bereits seit Peter I gebräuchlich. Es bezeichnet eine lange gerade Strasse, die hier in St. Petersburg allerdings mit einem kleinen Knick in Höhe Platz des Aufstandes, auf die Admiralität zuläuft. „Es gibt nichts schöneres als den Nevskij Prospekt, für die Stadt bedeutet er alles“ schrieb 1835 bereits Nikolaj Gogol in seiner gleichnamigen Novelle.
Wir erreichen den Nevskij am Haus des Buches. Diese Gebäude im Jugendstil liess die Nähmaschinenfabrik Singer im Jahr 1904 errichten. Seit 1919 ist es als das Haus des Buches bekannt und beherbert die grösste Buchhandlung der Stadt. Ein absoluter Blickfang ist die gläserne Kuppel mit einer Weltkugel.
Wir halten uns rechts und sind kurz darauf an der Moika und der mit alten Laternen geschmückten Brücke. Einige Meter weiter in Richtung Admiralität sehen wir auf der gegenüberliegenden Seite das Kotomin-Haus, in dem sich einst die berühmte Konditorei Wolf & Béranger befand. Hier trank Alexander Puschkin 1837 seine letzte Tasse Kaffee, bevor er zu dem für ihn tödlich endenden Duell aufbrach. Ob er da wohl vielleicht einen kleinen Wodka zugegeben hat? So zur Beruhigung? Also bei mir wäre es sicherlich ein grosser Schluck gewesen.

die Eremitage an der Newa in St. Petersburg

die Eremitage an der Newa in St. Petersburg

Kurz darauf haben wir die Admiralität erreicht und werden bereits auf den ersten Metern angesprochen. „Möchten Sie eine Bootstour? Machen Sie eine Stadtrundfahrt durch die Kanäle von St. Petersburg!“ Der junge Mann hat drei Stadtpläne dabei, die verschiedene Varianten der Bootstouren zeigen. Wir entscheiden uns für eine Tour die angeblich durch die gesamten Kanäle von St. Petersburg führt. Glaube ich ja nicht so recht, immerhin soll es in St. Petersburg 68 Kanäle und Flüsse geben. Aber wie es aussieht werden wir die touristisch wichtigesten Punkte sehen. Die Bootsfahrt selbst soll etwa eine Stunde dauern. „Ich gehe mit ihnen die Tickets kaufen“ bietet uns der junge Mann an. Das ist doch nett, finde ich. „Der will sicher sein, dass wir es uns nicht anders überlegen“ ist dagegen Ediths Kommentar. Vielleicht hat sie ja recht, denn das Angebot an Veranstaltern ist gross. Die Verkäufer unterscheiden sich durch die farblich unterschiedlichen T-Shirts. Es gibt gelb, blau, rot und orange. Unser Begleiter ist in orange gekleidet und erzählt uns unterwegs, dass er aus Ruanda komme, hier Informatik studiere und im Sommer mit dem Ticket-Verkauf ein wenig Geld verdiene. Wow- Ruanda via St. Petersburg, alleine schon das Wetter! „Ja!“ lacht er „besonders im Winter habe ich Heimweh und in zwei Jahren werde ich nach meinem Studium auch wieder zurück nach Hause gehen.“

Blick auf die Peter und Paul Festung

Blick auf die Peter und Paul Festung

Inzwischen haben wir an der Anlegestelle erreicht, unser Begleiter besorgt uns die Tickets und kurz darauf können wir unsere Bootstour starten. Mit dem Wetter haben wir auch heute wieder absolutes Glück! Der Himmel ist blau und die Temperatur sommerlich warm.
Die Tour startet auf der Newa, führt uns entlang der Eremitage und vorbei an der Peter- und Paul-Festung. Nachdem wir unter der Dreifaltigkeitsbrücke durch gefahren sind, sehen wir am Ufer den Sommergarten. Schön sieht das hier aus und gar nicht weit von unserem Hotel entfernt. Mal sehen, wenn unsere Zeit in St. Petersburg reicht, können wir den Garten ja vielleicht noch besichtigen. Laut meinem Reiseführer soll sich ein Besuch lohnen.

Sommerschloss

Sommerschloss

Einer Legende nach soll im 19. Jahrhundert ein englischer Kaufmann nach seiner Ankunft den Garten einige Stunden bewundert haben. Anschliessend befahl er die Segel zu hissen, mit dem Kommentar: „Ich habe das schönste gesehen, was die Stadt bieten kann.“
Unser Boot biegt nun in die Fontanka ein, die der Newa entspringt. Im 18. Jahrhundert markierte dieser Fluss die Stadtgrenze.

Bootsfahrt im Schutz von Sonnenschirmen

Bootsfahrt im Schutz von Sonnenschirmen

Inzwischen ist es den anderen Passagieren zu warm geworden und ein grosser Teil nutzt die orangefarbenen Regenschirme als Sonnenschutz. Auch wenn es leider teilweise den Blick auf das Ufer versperrt, irgendwie sieht das lustig aus. Ein ganzes Boot voll mit orangefarbigen Schirmen, dafür ist auf dem entgegenkommenden Boot die Farbe rot angesagt. Immer passend zu dem T-Shirt des Verkäufers. Die gleiche Farbe findet sich in den Decken, die für kältere Temperaturen bereit liegen.
Die Fahrt geht weiter auf der Moika, vorbei am Puschkin Museum und durch den Winterkanal zurück auf die Newa. Hier ist ein Haltepunkt auf der Basilius-Insel an dem auch wir das Boot für eine Besichtigung verlassen. Uns interessieren bei dem schönen Wetter nicht die Museen, sondern wir gehen bis zum Birzevaja Platz, der rechts und links von den Rostra Säulen gesäumt wird. Diese Säulen wurden im Jahr 1811 erbaut und im 19. Jahrhundert galten die beiden Säulen als Hilfsmittel für die Seeleute. Es sollte die Navigation auf der Newa vereinfachen, ähnlich wie Leuchttürme.

Rostra Säule auf der Basilius Insel

Rostra Säule auf der Basilius Insel

Heute werden die beiden Säulen nur noch bei besonderen Anlässen beleuchtet, es wird dann das obere Ende der Säulen mit Gas entzündet.
Inzwischen ist es schon Nachmittag. „Wir sollten zurück zur Anlegestelle gehen, sonst verpassen wir noch das letzte Boot“ mache ich Edith aufmerksam. „Wir können aber auch zu Fuss über die Brücke gehen“ erklärt Edith. „Ist doch gar nicht weit!“ Nicht weit? Na, da bin ich aber anderer Meinung! Schliesslich bin ich heute bereits im Boot gesessen, da soll ich jetzt über die Brücke laufen? Also ich bin dafür über den Fluss zu fahren! Schliesslich müssen wir ja auch noch das Hotel erreichen! Oder soll ich mir doch ein gutes Beispiel an Edith nehmen? Ach, damit kann ich auch morgen anfangen, heute lass uns mit dem Boot fahren!
Eine gute Entscheidung, denn der Weg von der Admiralität bis zum Hotel zieht sich doch und wir sind beide froh, als wir in unserem Zimmer ankommen und uns ein wenig ausruhen können.
Eine Stunde haben wir Zeit, dann heisst es schon wieder aufstehen. Für heute abend haben wir einen Tisch in dem georgianischen Restaurant um die Ecke reserviert. Das wollen wir auf keinen Fall versäumen nachdem wir bereits zwei mal erfolglos dort waren und keinen Platz bekommen haben.

die Christi Auferstehungs Kirche bei Nacht

die Christi Auferstehungs Kirche bei Nacht

Und es ist tatsächlich so gut wie der Andrang verspricht. Es stimmt alles, die Ambiente, der georgianische Wein und das Essen ebenso wie eine freundliche Bedienung und Beratung. Die Käsespezialität – traumhaft! Zum Abschluss nehmen wir noch einen „Absacker“ in unserem Hotel mit Blick auf die beleuchtete Christi Auferstehungs Kirche. Es war mal wieder ein rundum gelungener Tag. „Und morgen?“ möchte Edith wissen. „Haben wir da schon ein Programm?“
Ja, natürlich! Für morgen ist die Peter-und Paul- Festung geplant. Ausruhen können wir ja auch auf einer Bootsfahrt, oder?

Christi Auferstehungs Kirche in St. Petersburg
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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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