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Hue, die letzte Königsstadt Vietnams

Samstag

Heute heißt es mal wieder früh aufstehen! Gar nicht so mein Fall, aber wir möchten unsere Urlaubszeit ja so optimal wie möglich nutzen. Wir reisen von Hanoi weiter nach Hue, die ehemaligen Königsstadt Vietnams. Gebucht ist der erste Flug morgens, so sind wir bereits um kurz nach 10ººh an unserem Ziel.

Edith und Gudrun

Edith und Gudrun

Bei der Landung in Hue bekommen wir bestätigt, was wir bereits von anderen Reisenden gehört haben – es regnet. Es regnet in Strömen und die Wiesen rings um den Flughafen sind alle überschwemmt. Es ist also kein vorüber gehender Schauer, sonder Dauerregen. So wie ich es bereits vor 2 Wochen zu Hause in der Wettervorhersage gesehen habe. Und wir haben anschließend noch 2 Tage Strand in Hoi An vor uns! Das kann ja heiter werden.
Doch am Wetter lässt sich ja nichts ändern, wir müssen es so nehmen und das beste daraus machen.
Wie in den anderen Städten haben wir im Hotel einen Transfer bestellt und auch hier steht der Fahrer pünktlich am Ausgang.
Gebucht haben wir das Hotel Orchid, es ist nicht weit vom Huong Fluss entfernt und bis zur Zitadelle mit der verbotenen Stadt sind es nur ca. 20 Minuten Fußweg.
Nach der Ankunft im Hotel müssen wir uns einen kleinen Moment gedulden, da die Zimmer noch nicht fertig sind. Klar, wir sind ja auch viel zu früh, einchecken ist eigentlich erst um 14ººh. Doch wir werden in der Wartezeit mit Kaffee, Tee und Bananen bewirtet und eine junge Dame gibt die ersten Empfehlungen. Sie reicht uns einen Stadtplan und zeichnet darin den Weg zur Zitadelle und Dong Ba Markt ein. „Sie reisen morgen schon wieder ab?“ vergewissert sie sich. „Wohin möchten sie denn von hier aus? Nach Hoi An?“ Ja, genau! Und wir würden unterwegs gerne einen Halt am Wolkenpass einlegen. „Das beste ist sie nehmen ein Taxi“ ist ihr Rat. Damit hat sie sicherlich recht, es ist genau der Gedanken den ich bereits mit Gudrun und Edith besprochen habe. Daher sind wir uns sehr schnell einige und somit ist unserer Transport nach Hoi An bereits einige Minuten später organisiert.

im Hotel Orchid

im Hotel Orchid

Inzwischen sind auch unsere Zimmer fertig. Wir wohnen zwar in verschiedenen Stockwerken und Gudrun ihr Zimmer ist ein wenig kleiner, doch die Ausstattung ist in beiden Zimmern die gleiche. Neben WIFI für das eigene iPad oder Smart Phone steht uns in dem Zimmer auch ein PC zur Verfügung. Dazu Fernseher, Radio, reichlich Ablageplatz für Kleidung und Kosmetikartikel. Das Zimmer ist perfekt, es fehlt hier an nichts. Sogar die Handtücher sind auf dem Bett als Schwäne gefaltet arrangiert. Schade, das wir nur eine Nacht hier sind, in dem Zimmer kann man es gut länger aushalten.
Doch wir möchten natürlich unsere Zeit nutzen und uns die Sehenswürdigkeiten von Hue ansehen. Der Regen wird einfach ignoriert, er hat inzwischen auch nach gelassen und ist in ein Nieseln übergegangen. Laut der Information im Hotel gibt es in Hue zwei Jahreszeiten. Die trockene Zeit von März bis August mit Temperaturen bis fast 40ºC und die Regenzeit von August bis Januar. In dieser Zeit regnet es normalerweise täglich und die Temperaturen liegen so um die 20ºC. Es gibt in Vietnam keine bestimmte Reisezeit, die sich für gesamt Vietnam eignet. Mit einer Längenausdehnung von 1.600 km teilt sich das Land in drei Klimazonen: Norden, Mitte und Süden. Man kann eben nicht alles haben!
Hue ist die ehemalige Kaiserstadt Vietnams und hat heute eine Einwohnerzahl von über 300.000 Menschen. Sie unterteilt sich in die Neustadt und die Zitadellenstadt. Die Zitadelle mit der Verbotenen Stadt war einst Verteidigungsanlage und Königssitz. Gebaut wurde sie in der Zeit von 1802-1820 während der Nguyen-Dynastie nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt von Peking.
Der Spaziergang zur Zitadelle ist nicht so gemütlich in dem Nieselregen, trotzdem gefällt mir der Ort gut. Viele Restaurants und Bars mit Happy-hour-Angeboten. Am Huong-River gehen wir entlang der Flusspromenade mit den unterschiedlichsten Angeboten von Obst, Souvenirs, Schmuck oder Porträt- und Landschaftsmalerei. Und natürlich Bootsvermieter! Es werden uns Flussfahrten angeboten bis zu Zitadelle, zur Dracheninsel oder zu der Pagode der Himmelsgöttin. Doch bei dem Wetter reizt das keinen von uns. „Wir haben hier genug Wasser“ stellt Edith fest „da muss ich nicht auch noch auf den Fluss“. Recht hat sie, obwohl hier in Hue eine Flussfahrt auf dem Parfümfluss zu den Königsgräbern eine der touristischen Attraktionen ist. Diese Flussfahrten dauern einen vollen Tag und bei den meisten wird Mittagessen an Bord angeboten. Doch wir haben drei Tage Schiffsreise in der Halong Bucht hinter uns und daher steht lediglich die Zitadelle mit der Königsstadt auf unserem geplanten Programm.

Edith vor dem Flag Tower

Edith vor dem Flag Tower in der Königsstadt Hue

Unser Weg führt uns über die Trang Tien Brücke und von dort weiter bis zum Flag Tower.
Unterwegs werden wir von Rikscha-Fahrern angesprochen. „Mam, ganz preiswert!“ Nein danke. Wir gehen gerne ein Stück zu Fuß. „Mam, durch die ganze Zitadellenstadt!“ Nein, wirklich nicht. Doch der Mann gibt nicht auf, er fährt im Schritttempo hinter uns her und bietet seine Dienste an. „Mam!! I make good price!!“ Meine Güte, der Typ nervt! Kapiert der nicht, das wir keine Fahrradrikscha möchten? Unsere Gesichter werden langsam unfreundlich und unser höfliches „Nein danke“ wechselt zu einem kurzen „NO!“ Jetzt kommt sein letzter Versuch und er setzt alles auf eine Karte: „Mam, sie gehen in die falsche Richtung! Der Eingang ist auf der anderen Seite!“ Für einen Moment bin ich verunsichert, doch ein Blick auf die nass-geregnete schlappe Flagge des Flag-Towers zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gott sei Dank, der anhängliche Rikscha-Fahrer dreht endlich ab um sich ein anderes Opfer zu suchen.
Kurz darauf haben wir das Eingangstor erreicht.

Eingang zur Zitadelle der Königsstadt

Eingang zur Zitadelle der Königsstadt

Hier in der ehemaligen und auch letzten Königsstadt haben sich viele geschichtlichen Ereignisse abgespielt. So war Hue einst das Zentrum des Buddhismus in Vietnam und während der 60er Jahre kam es zu sehr vielen Selbstverbrennungen buddhistischer Mönche. Dies geschah unter der Regierung des katholischen Ngô Dinh Diêm. Nachdem unter den Augen des amerikanischen Konsuls 30 Mönche ermordet wurden gab im September 1963 John F. Kennedy ein Interview, in dem er Ngô de facto den Rücktritt nahelegte.
Ein weiterer entscheidender Tag in Hue war im September 1945 als Ho Chi Minh die Unabhängigkeit Vietnams erklärte und die Demokratische Republik Vietnam ausrief. Die mit britischer und amerikanischer Hilfe an die Macht zurück kehrenden Franzosen erkannten diese Unabhängigkeit jedoch nicht an und es entstanden schwere militärische Kämpfe. In den anschließenden Friedensverhandlungen in Genf wurde das Land in Süd-und Nordvietnam geteilt. In dem nun folgenden Krieg zwischen den beiden Staaten schlug sich Amerika auf die Seite des Südens. Am 30. April 1975 wurde der Konflikt beendet und Ho Chi Minh konnte beide Staaten als sozialistische Republik Vietnam vereinigen.

das Militär Museum in Hue

das Militär Museum in Hue

In den drei Monaten der Tet-Offensive (Januar bis März 1968) fanden besonders in Hue erbitterte Häuser- und Straßenkämpfe statt. Während dieser Kämpfe wurden zahllose Brücken und auch die meisten Gebäude und Kulturgüter des Kaiserpalastes zerstört.
In dieser Zeit wurden 10.000 Zivilisten obdachlos und unzählige Menschen kamen auf beiden Seiten ums Leben. Heute noch spricht man von dem Massaker von Hue und Jahre später wurden die bekannten Massengräber gefunden.
Wer sich für nähere Details dieses Teils der Geschichte von Hue interessiert, hat die Möglichkeit das Militär Museum zu besuchen. Es befindet sich auf dem Weg zum Flag Tower und bereits von draußen sieht man die ehemalige Kriegsmaschinerie. Hubschrauber, Panzer und Kriegsflugzeuge sind vor dem Gebäude ausgestellt.

Blick auf den Zeremoniehof

Blick auf den Zeremoniehof

Wir betreten die Königsstadt durch das Mittagstor, der Hauptzugang zur Zitadelle. Durch den Regen wirken die Mauern dunkel und ein wenig abweisend. Über die Brücke des Goldenen Wassers erreichen wir den Zeremoniehof, welcher einst nur vom König benutzt werden durfte.
Am anderen Ende befindet sich die Halle der Himmlischen Harmonie, die früher Audienzen diente.
Besonders sehenswert sind in dieser Halle die 80 rot lackierten Säulen, auf denen das Dach ruht. In einem weiteren Raum kann ein Video angesehen werden. Darin wird gezeigt, wird wie die Königsstadt vor ihrer Zerstörung durch den Krieges ausgesehen hat und welche Renovierungsarbeiten bereits durchgeführt wurden. Geplant ist, die gesamte Königsstadt wieder in ihren einstigen Zustand zu versetzen. Doch dies wird sicher noch einige Jahre dauern. Schade, es ist schlimm was die Menschen an Kulturgütern zerstört haben. Leider nicht nur in Vietnam sondern immer noch weltweit.
Die bereits restaurierten Gebäude sind jedoch auf jeden Fall sehenswert, besonders die Ahnentempel.

die Halle der Himmlischen Harmonie

die Halle der Himmlischen Harmonie

Rechts und links des Zeremoniehofes befinden sich Gemäldeausstellungen junger vietnamesischer Künstler. Ein Rundgang lohnt sich, es sind sehr schöne Bilder dabei und ich kaufe mir eines als Erinnerung an diesen Urlaub. In hellen Farben und nicht zu groß, dafür werde ich sicher noch einen Platz in meiner Wohnung finden.
Langsam schlendern wir weiter durch die Verbotene Stadt, vorbei an den Hallen der Mandarine, welche die UNESCO nach alten Plänen restaurierte. Vom Palast der Gesetze des Himmels ist nicht viel übrig geblieben, außer zwei große Bronzekessel. In diese Kessel wurden früher an Gerichtstagen siedendes Öl gefüllt und die Rebellen hinein geworfen. So demonstrierte der einstige König seine Macht. Rauhe Sitten und ohne Bewährung!
Am Ende der Purpurnen Stadt liegen die königlichen Gärten, doch da der Boden vom Regen total aufgeweicht ist verzichten wir auf eine Besichtigung.
Und nun? Haben wir schon alles gesehen? „Es soll hier ein Theater mit täglichen Aufführungen geben“ erzählt uns Gudrun. Ach ja? Ist es in dem Theater warm? Denn so langsam wird es richtig ungemütlich mit diesem andauernden Nieselregen. Mir ist kühl und auch wenn es nur schwach regnet, inzwischen bin ich durchnässt. Was steht denn in meinem Reiseführer über das Theater? Viermal täglich sollen hier Tanzaufführungen stattfinden, sofern ausreichen Publikum da ist. Na ja, ich glaube nicht an eine Aufführung! Bei den paar Leutchen die hier im Nassen mit eingezogenen Schultern spazieren gehen?

das Theater der Königsstadt

das Theater der Königsstadt

Doch da habe ich mich geirrt, das Theater ist geöffnet. Wir kommen gerade zur richtigen Zeit um noch in die nächste Vorführung eingelassen zu werden. Schick, wir sind im trockenen.
Und das Theater ist erstaunlich gut besucht, es war mir gar nicht bewusst, dass so viele Besucher im Kaiserpalast sind.
Es werden traditionelle Tanzaufführungen mit der entsprechenden musikalischen Begleitung geboten. Ein sehenswerte Vorführung, die man auch bei schönem Wetter nicht versäumen sollte. Bunte Drachen hüpfen über die Bühne und ein Gruppe Tänzer mit Lotosblüten in der Hand sind nur zwei der Darbietungen.

das Tor der Menschlichkeit

das Tor der Menschlichkeit

Am Ende der Vorführung verlassen wir die Verbotene Stadt durch das Tor der Menschlichkeit und machen wir uns auf den Rückweg. Es ist inzwischen Spätnachmittag und bei uns allen kommt ein wenig der Hunger auf. Klar, wir hatten ja auch kein Frühstück. Abgesehen von einer Banane im Hotel hat keiner von uns etwas gegessen. Inzwischen ist es fast 5ººh p.m. und wir beschließen uns auf dem Weg zum Hotel ein Restaurant zu suchen. Dafür gehen wir heute Abend vielleicht irgendwo zur Happy-hour?
Wir suchen uns ein Lokal in der Nähe unseres Hotels, es sieht gemütlich aus und ist mit Holzmöbeln eingerichtet. Das Essen ist nicht schlecht, reißt aber auch keinen von uns vom Hocker.
„Mir ist irgendwie nicht gut“ erklärt Gudrun uns nach dem Essen. „Ich glaube ich habe eine Erkältung und am liebsten würde ich mich ins Bett legen und dort bis morgen bleiben“. Ach je, ich wundere mich schon den ganzen Nachmittag warum sie so ruhig ist. „Brauchst du irgend etwas?“ möchte Edith wissen. Ja vielleicht aus der Apotheke. Doch nein, Gudrun möchte einfach nur ins Bett. „Morgen früh bin ich wieder fit“ versichert sie uns.
Auch Edith und ich gehen auf unser Hotelzimmer und wir machen das gleiche wie Gudrun. Wir bleiben dort, nutzen das schöne Zimmer und ich habe nach 1 ½ Wochen Computer-Entzug endlich mal wieder einen PC. Warum sollen wir dann in dem kühlen Nieselregen irgendwo zur Happy-hour gehen?
Bevor ich einschlafe lesen ich noch eine Weile und bin mit diesem ruhigen Abend ausgesprochen zufrieden. Ich hoffe nur Gudrun hat recht und es geht ihr morgen früh wieder gut!

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

2 Reaktionen bis “ Hue, die letzte Königsstadt Vietnams ”

  1. Wir waren im März in Vietnam in der Region Than Thiet. Nach Hue wollten wir eigentlich auch aber irgendwie waren die 14 Tage zu kurz. Danke für deinen Bericht.

  2. Elke Hoppe

    Hallo Andreas, danke fúr deine Zuschrift.
    14 Tage sind wirklich sehr kurz, wir hatten leider auch nicht mehr Zeit und mussten einiges Sehenswertes streichen. Aber auch ein guter Grund Vietnam ein zweites mal zu besuchen 😉 Es lohnt sich auf jeden Fall, ich finde es ist dort wunderschön. Bei meiner Planung habe ich die Grösse des Landes leider ein wenig unterschätzt.
    Viele Grüsse
    Elke

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