Reiseberatung für individuelle Reisen

Mailand, Venedig & Bilbao

Nur, weil ein Freund von mir, der Fernfahrer ist, von Bilbao geschwärmt hatte – von wegen, er würde am liebsten den LKW stehen lassen und für immer dort bleiben –, nur deswegen hab ich 2016 den Entschluss gefasst, nach Bilbao zu fahren. Doch zuvor stand noch eine Reise mit dem Pikanta-Kunstverein nach Mailand und Venedig an.
Mailand ist die größte und reichste Stadt Oberitaliens, hat 1,3 Millionen Einwohner und ist das Kultur- und Modezentrum des Landes. Mengoni erbaute von 1865 bis 1877 die Galleria Vittorio Emanuele, die älteste überdachte Einkaufspassage der Welt, die sehr an die Leipziger Mädlerpassage erinnert, nur größer. Allerdings war die Galleria Emanuele schon 50 Jahre eher da.
Mailand Dom
Größtes Glanzstück ist natürlich der Mailänder Dom, von Visconti in Auftrag gegeben und 1572 eingeweiht. Er ist hinter dem Petersdom und der Kathedrale von Sevilla der drittgrößte Dom der Welt. Dann geht’s weiter nach Chioggia, wo wir Quartier beziehen und von dort aus mit dem Schiff entlang der Küste nach Venedig. Nach anderthalb Stunden Fahrt ist der Turm des Markusdoms schon in Sichtweite.
Venedig
Ich weiß noch, dass im Wohnzimmer meiner Eltern ein großes Venedig-Bild hing – mit dem Markusdom drauf. Was zu DDR-Zeiten auf mich wirkte wie ein Relikt aus einer völlig fremden Welt. Unerreichbar – wie ein anderer Stern. Doch nun steht die Landung kurz bevor.

Venedig

Venedig, auch La Serenissima genannt – die Adlige –, liegt am oberen Ende der Adria, also an dem Teil des Mittelmeers, der sich hinter dem italienischen Stiefel befindet. Noch bis ins 18. Jahrhundert war die Stadt eine der größten europäischen Städte, war Handels- und Finanzknotenpunkt. Heute ist Venedig so groß wie Chemnitz und der Verfall ist leider an jeder Ecke zu erkennen. Dennoch verfügt die Stadt über einen Charme, der einzigartig ist. Schon allein dadurch, dass die Straßen Kanäle sind. Man kann sich vorstellen, welche enorme Ausstrahlung Venedig in seinen besten Zeiten hatte. Nicht ohne Grund ließen sich viele Künstler durch das besondere Flair inspirieren, unter anderem Richard Wagner, der 1858/ 59 in Venedig wohnte und hier den 2. Akt vom Tristan schrieb. Allerdings nicht ganz freiwillig, denn Wagner hatte beim Dresdner Maiaufstand mitgemacht, was ein letzter Versuch war, den König zu stürzen und eine sächsische Republik zu etablieren, weswegen er steckbrieflich gesucht wurde.

Die Flaniermeile Venedigs ist sozusagen der Canale Grande, der sich wie ein umgekehrtes ’S’ durch die Stadt zieht. An jeder Ecke ist der typisch venezianische Baustil zu erkennen, das Villigrane, – vermischt mit einer gehörigen Portion Gotik. Von März bis Oktober herrscht ein Betrieb wie auf der Flaniermeile jeder europäischen Großstadt, nur dass die Leute hier nicht auf dem Bürgersteig gehen, sondern in Schiffen und Gondeln sitzen oder steh’n. Das hat was. Etwas Erhabenes und Elitäres. Keine andere Stadt der Welt verfügt auch nur annähernd über ein derartiges Flair.

Das Wahrzeichen von Venedig ist natürlich der Markusplatz mit dem Markusdom, den beiden Monolithsäulen und dem Dogenpalast. Regelmäßig legen sogar große Ozeanriesen in Venedig an. Auch gibt es einen Flughafen. Nur mit dem Auto wird es definitiv schwierig und außerdem noch teuer.
Die letzten zwei Tage schließlich wohlverdiente Ruhe am Millstätter See. Dann geht es zurück nach Leipzig, denn schon kurz darauf steht die Reise nach Bilbao an.

Bilbao

Doch zunächst mach ich wie jedes Jahr am Bodensee halt. Wo ich mein Boot auspacke und ein paar Kilometer auf den See hinausrudere, bis alles still ist und keine Ufergeräusche mehr zu hören sind.

Dann stell ich mir vor, ich würde jetzt an Bord einer Millionen-Yacht liegen, hätte den Motor ausgemacht und würde mich einfach nur treiben lassen … Nichts wäre anders. Das Wasser nicht, der Himmel nicht. Und mich erfüllt der Gedanke, dass man mit einem 179 Euro-Boot tatsächlich den gleichen Effekt erzielen kann. Schon allein das ist ein grandioses Gefühl. Noch dazu lässt sich das Boot verstauen und an einem anderen See mühelos wieder auspacken.
Und weiter geht ’s quer durch Frankreich. Übernachte irgendwo in der Nähe von Bordeaux. Am nächsten Tag ist die französische Atlantikküste erreicht. Dann wird die Landschaft hügliger und die ersten Berge tauchen auf. Bis Bilbao sind es jetzt nur noch 180 Kilometer.
Das Navi schickt mich direkt ins Stadtzentrum, wo ich vor einem Club einen Parkplatz finde. Esse was und gehe dann schon mal entlang des Bilbao-Flusses Richtung Guggenheim-Museum.
Bilbao

Die ganze Stadt ist gewissermaßen eine Modern Art-Stadt, eine Kunststadt, die an jeder Ecke einen Geist vermittelt, der mich sehr an das Kunstverständnis der alten Griechen erinnert. Wo Kunst nicht einfach Selbstzweck war, also Entertainment, sondern wo sie dazu diente, den Menschen zu läutern und besser zu machen. Da ein Parkplatz vor einem Nachtclub nicht unbedingt dazu geeignet ist, die Nacht zu verbringen, such ich mir einen neuen Rastplatz und fahre noch mal quer durchs nächtliche Bilbao. Übernachte schließlich am Rande eines Stadtparks, unweit vom Guggenheim. Gleich Sonntagmorgen
10 Uhr komm’ ich anstandslos mit meinem Presseausweis rein. Wobei man sagen muss, schon das Guggenheim-Museum selber ist ein Kunststück für sich, die Architektur ist beeindruckend. Mache zwei verbotene Fotos von Bildern von Chagall und Picasso. Dann geht ’s zurück nach Frankreich, entlang der Atlantikküste. Halte zum Mittagessen an einem Parkplatz direkt am Meer.

Direkt neben dieser kleinen Kirche in Nannay mach ich noch einmal Mittagspause und dann geht ’s heimwärts über Orleans und Saint Germain nach St. Ingbert. Dort leg ich auf einem Waldparkplatz einen letzten Zwischenstopp ein und bin am frühen Abend wieder zu Hause (ausführlicher Reisebericht auf Youtube https://youtu.be/4cAmT1OkWf8).

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