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Kanada Erlebnisreise – Vancouver Nord und die Capilano Suspension Bridge

Sonntag

So bequem  das Bett auch ist, gegen den ersten „Jet Lag“ in meinem Leben hilft es auch nicht. Um 3ººh Nachts bin ich wach und drehe mich von einer Seite auf die andere. Mal ist es mir zu warm, dann zu kalt und alle Versuche nochmals einzuschlafen scheitern. Immer wieder schaue ich auf meine Uhr, der Zeiger will sich einfach nicht bewegen. Ob die Uhr kaputt ist? Doch auch ungläubiges Schütteln hilft nicht, die Zeit bis zum Morgen vergeht nicht schneller. Dann endlich, endlich wird auch Tony munter und so langsam können wir aufstehen, duschen und sind, wie mit Ruth verabredet,  pünktlich um 9ººh bereit zum Frühstück.
Es ist der erster „richtige“ Urlaubstag in Kanada, denn  unseren Ankunftstag haben wir mit erzählen, ausruhen und einem Abendspaziergang mit Ruth und ihrem Terrier Tosh verbracht.

Nord Vancouver

Der Frühstückstisch ist schon eingedeckt und zusammen mit den anderen Gästen nehmen wir an der langen Tafel platz und kommen auch sofort ins Gespräch. Wo wir denn hin wollen? In die Rocky Mountains? Oh ja, very nice,da ist doch gestern erst Neuschnee gefallen- 3,5 Meter!  Aber keine Sorge- der Highway ist bestimmt frei!  Tony hat wichtigere Interessen als ein wenig Schnee: „Was ist mit Bären? Ob wir wohl Bären zu sehen bekommen?“   Die Antworten kommen prompt. „Yes,of course, Bären gibt es überall hier. Die kommen bis in den Vorgarten!“  Jeder der Anwesenden hat schon mindestens einen Bären gesehen, einige haben sogar Erfahrung mit Wölfen und jeder gibt uns Tipps, wie wir uns verhalten sollten. Denn wir wollen ja nicht gefressen werden! Wow, wenn ich da so zuhöre haben wir ja gestern bei unserem Spaziergang richtig Glück gehabt, dass wir keinem wilden Bären in die Arme gelaufen sind. Oder lag das an der beschützenden Begleitung von Tosh?
In der Zwischenzeit serviert Rex das Frühstück- eine Leckerei nach der anderen. Neben Tee oder Kaffee bekommen wir einen frisch gepressten Orangensaft, danach ein Müsli mit Joghurt. Der nächste Gang besteht aus einer Schale mit warmen Kompott und der Hauptgang ist eine Blätterteigpastete mit Ragout fin. Zusätzlich steht frisches Brot auf dem Tisch mit Butter und verschiedenen Marmeladesorten.  Das Essen ist nicht nur ein Genuss für den Gaumen sondern auch für das Auge- jeder Gang ist liebevoll  dekoriert mit kleinen essbaren Blumen aus dem eigenen Garten.  Ich vermute, dass dies nicht das übliche kanadische Frühstück ist und im Laufe unserer Rundfahrt werde ich damit 100%ig recht behalten.
Gestern Abend hatten wir mit Ruth unsere Pläne abgestimmt und ausgemacht, dass Tony und ich nach dem Frühstück die ganz in der Nähe gelegene „Capilano Suspension Bridge“ besichtigen. Bei dieser Brücke handelt es sich um eine 137 Meter lange Hängebrücke, die über eine 70 Meter tiefe Schlucht führt. In einem der Reiseführer habe ich gelesen, dass es sich dabei sogar um die längste Hängebrücke Nordamerikas handelt und nur für schwindelfreie Besucher geeignet sei.

Totems an der Capilano Road

Mit warmen Jacken und Ruths Schal bekleidet machen wir uns auf den Weg. Es sind nur einige Meter die Straße hinab, gestern bei unserer Ankunft habe ich das Hinweisschild und den Eingang gesehen.  Das Wetter ist schön, kalt aber trocken und kein neuer Schneefall.
Unterwegs fällt mir siedendheiss ein: wir haben ja noch gar kein Geld gewechselt! Die werden an der Kasse doch Visakarten akzeptieren?
Wie erhofft können wir mit der Karte bezahlen(hab ich mir doch gedacht!) und betreten den zur Brücke dazugehörigen Park. Bevor wir den Rundgang starten schauen wir uns ein wenig im „Eingangsbereich“ um. Unter einer Überdachung sitzt ein Mann und eine Frau und zeigen den Touristen wie die Indianer aus der Rinde eines Baumes Körbe, Schmuck und sogar Kleidung herstellten. Interessiert bleiben wir eine Weile stehen, schauen zu und genießen die warme Luft der hier aufgestellten Gasheizer. Das tut richtig gut, wenn die klammen Finger wieder warm werden. Danach besichtigen wir einige Totems, auf welchen verschiedene Abbilder aus der indianischen Mythologie zu sehen sind.

der erste Bär in Nord Vancouver  Foto: Tony Plüss

Und, kaum zu glauben, da steht doch auch ein Bär! Allerdings aus Pappmaché und in Rangeruniform- aber immerhin „unser erster Bär!“ Er hält Wache vor dem Souvenirshop, der  natürlich auch nicht fehlt.  Ich gehe zwar immer noch davon aus, dass ab heute der Frühling in Kanada einzieht- doch sicherheitshalber kaufe ich mir hier unter den Augen des wachsamen Bären trotzdem einen warmen Schal und dazu passende Handschuhe.
Nun starten wir unseren Rundgang durch den Park mit der Überquerung der Hängebrücke- eine wacklige Angelegenheit. Bei jedem Schritt vibriert die Brücke- und nicht nur bei meinen Schritten. Es sind ja außer uns noch andere sonntägliche Parkbesucher unterwegs und je mehr Leute über die Brücke gehen……….! Die ersten Schritte sind noch sehr zögernd, dann siegt mein Vertrauen in die kanadischen Konstrukteure. Warum soll die Brücke ausgerechnet reißen wenn ich darüber gehe?

Capilano Suspension Bridge  Foto: Tony Plüss

Nach einigen Metern habe ich auch das richtige Gefühl für Gleichgewicht und Balance und kralle mich nicht mehr mit beiden Händen an den beidseitig angebrachten Seilen fest.
Auf der anderen Seite der Schlucht geht es dann weiter in schwindelerregenden Höhen, denn der Rundgang führt uns auf weiteren Hängebrücke durch die Wipfel der Bäume.  Als „Zwischenstopp“ sind an den Baumstämmen kleine „Balkone“ angebracht, auf denen wir wieder „festen Stand“ haben. Auf halber Strecke gibt es sogar ein richtiges Baumhaus, in dem Besucher eine Ruhepause einlegen können.
Immer wieder schauen Tony und ich hoffnungsvoll in den Wald, spähen zwischen den Bäumen hindurch. Ob wir irgendein Tier sehen? Muss ja kein Bär sein- vielleicht ein Füchslein oder Rotwild? Oder den bösen Wolf und Rotkäppchen? So große Tiere entdecken wir allerdings nicht, aber ein Eichhörnchen lässt sich blicken. Einige Meter von uns entfernt huscht es den Baumstamm hinauf und betrachtet uns aus sicherer Entfernung.
Nach etwa zwei Stunden haben wir den „Balanceakt“ auf den Hängebrücken hinter uns und gehen an einigen Teichen entlang in Richtung Ausgang.

Wälder in Nord Vancouver

Es ist noch recht früh, gerade mal 12ººh, und wir möchten gerne noch ein wenig laufen. Daher machen wir uns auf den Weg zu der nicht weit entfernten Capilano Salmon Hatchery, eine Lachsfarm die man laut meinem Reiseführer besichtigen kann. Ein Schild an der Straße zeigt die Entfernung an: 1 km- na, das ist doch kein Problem.  Zwei Wegweiser gibt es und wir entscheiden uns für den Waldweg, ist bestimmt  viel schöner als die Autostraße entlang zu gehen.
Wir sind mit unserer Entscheidung sehr zufrieden, der Weg läuft sich sehr angenehm, auch wenn es hin und wieder bergauf oder ein wenig bergab geht. Das Wetter ist nach wie vor gut und sonnig und wir genießen den Spaziergang. Doch mit der Zeit werde ich etwas unsicher, ein Kilometer – das sind wir doch bestimmt schon gelaufen! Wie spät ist es überhaupt? Na nu -14ººh? Vermutlich wird Ruth bald eine Vermisstenanzeige aufgeben, wo sind wir hier bloß? Gott sei Dank habe ich Ruths Telefonnummer in meinem Handy gespeichert, so kann ich sie anrufen, damit sie nicht denkt wir haben uns verlaufen. Doch Tücke der Technik- die Verbindung funktioniert nicht. Was nun? Doch wir sind ja nicht alleine in den Weiten eines Waldes in Nord-Vancouver, ein junges Paar mit ihrem Hund ist ganz in unserer Nähe und wir kommen auch sofort mit ihnen ins Gespräch. Der Weg ist der richtige- immer weiter geradeaus, dann die kleine Brücke über den Bach und wir kommen direkt zur Lachsfarm. Der eine Kilometer stimmt natürlich auch, allerdings für die Autostraße!

Weg zur Lachsfarm nahe der Capilano Road

Die junge Frau stellt mir mit freundlichem Selbstverständnis  ihr Handy zur Verfügung, damit wir Ruth anrufen können. Toll, ich habe ja schon gehört und gelesen von der Freundlichkeit der Kanadier und kann dies nun nur noch bestätigen. Sie hat natürlich vorher gefragt ob dies denn ein lokales Gespräch sei. „Nicht nach Europa?“  Nein, nein- hier in Nord-Vancouver, ehrlich!
Eine halbe Stunde später ist es dann soweit, wir überqueren die kleine Holzbrücke und haben nach einigen weiteren Metern Waldweg die Lachsfarm erreicht.  Zu sehen gibt es leider nicht viel, es ist zum einen die falsche Jahreszeit und jetzt im April ist es hier für Besucher noch geschlossen. Macht  nichts, der Weg hierher war ja das eigentliche Ziel und hat uns auch sehr viel Spaß gemacht. Trotzdem werden wir für den Rückweg die „Abkürzung“ Autostraße nehmen, denn inzwischen bläst ein recht frostiger Wind und unsere Füße werden von Schritt zu Schritt schwerer. Doch nanu- wer kommt denn da? Das sieht ja aus wie Tosh! Hoffnungsvoll folgen meine Blicke der Leine – tatsächlich, da ist Ruth am anderen Ende. Was für eine schöne Überraschung!  Erleichtert steigen wir ins Auto und fahren den knappen Kilometer bis Thistle Down.
Hier machen wir zwar eine kleine Pause, doch möchten wir auf jeden Fall mit Ruth zum Einkaufen in den  Lonsdale Quay Market, ein Komplex mit Geschäften, Kaffees und Marktständen.

frische Blumen auf dem Markt in Vancouver      Foto: Tony Plüss

Mit dem Auto sind wir in ca. 10 Minuten dort und ich bin absolut überrascht angesichts des vielseitigen und frischen Angebotes- und das an einem Sonntag. Frisches Obst und Gemüse, frischer Fisch- vor allem Lachs in den verschiedensten Variationen und Größen-
aber auch Meeresfrüchte fehlen nicht.  Wurst -und Käsespezialitäten aus aller Welt, für jeden Geschmack findet sich hier etwas. Blumenstände auf der einen Seite, Souvenirshops gegenüber und danach eine ganze Gasse mit Imbissständen. Das duftet gut! Da bekomme ich richtig Appetit und weiß bei dem reichhaltigen Angebot gar nicht für was ich mich entscheiden soll. Thailändisch oder griechisch? Oder doch lieber italienisch?  Bei dem Chinesen einige Meter weiter- das sieht ja auch lecker aus! Und hier- die frischen duftenden Gebäckstückchen!

frische Meeresfrüchte auch am Sonntag                Foto: Tony Plüss

Hmmm, was mögen wir denn essen? Wir entscheiden uns alle drei einstimmig für – na, was wohl? Einen Obstsalat! Das ist einwandfrei der verlockendste Stand – jeder bekommt eine Plastikschale und kann sich von allen frischen Obstsorten seinen Salat zusammenstellen.
Da die Sonne einladend und verführerisch scheint,  gehen wir mit unserem „Mittagessen“ nach draußen, um uns dort auf ein Mäuerchen zu setzen. Hier genießen  wir den Blick aufs Wasser und die imposante Sicht auf das Stadtzentrum von Vancouver. Der Genuss wird allerdings ein klein wenig getrübt durch den bitterkalten Wind der sogar durch unsere Jacken hindurch pfeift und sobald wir unseren Salat gegessen haben verziehen wir uns wieder in das Innere der Markthalle.  Außerdem müssen wir ja auch noch einkaufen, der eigentliche Grund für den Besuch hier. Ruth hat eine gedankliche Einkaufsliste, denn zum Abendessen kommt ihr Bruder Diego mit seiner Familie zu Besuch. Diego lebt ebenfalls in Vancouver und möchte natürlich auch den „europäischen Teil“ der Familie begrüßen. So gehen wir von Stand zu Stand, Ruth kauft ein und wir schauen uns neugierig um.  Bei unserem Rundgang entdecken wir an einem Stand, dass nicht nur uns die Wahl- was esse ich?- schwer fällt. Ein kleines Mädchen konnte sich anscheinend auch nicht entscheiden, nun sitzt sie mit ihren Eltern ganz stolz auf einem Stuhl. In der einen Hand hält sie eine Tüte mit gegrillten Garnelen  und in der anderen die Tüte mit Eiscreme.
Sobald wir unsere Einkäufe erledigt haben packen wir alles ins Auto und machen uns auf den Rückweg. Unterwegs gibt es noch einen kurzen Stopp in einem Supermarkt um nach einem Zusatzteil für Tony´s Fotoapparat zu fragen. Doch auch hier, wie auch schon in Spanien, ist das Gewünschte nicht zu bekommen. Dabei ist es keine große Sache: eine Blende um zu verhindern, dass die Sonne auf das Display scheint und der Fotograf bessere Sicht auf das Objekt hat. Und im Hinblick auf die vielen kommenden Bären-Fotos……..!

Thistle Down B&B Foto: Tony Plüss

Nach unserer Ankunft in Thistle Down machen wir erst mal alle eine kleine Ruhepause. Tony legt sich hin und schläft, aber ich traue mich nicht so recht- nachher liege ich heute Nacht wieder wach. Also lieber nicht und so gehe ich ein wenig in den Garten, betrachte das Haus und fotografiere Tosh. Als eine Weile später Ruth und Rex mit den Vorbereitungen zum Essen anfangen geselle ich mich zu ihnen und gemeinsam pulen wir Krabben, putzen Salat und schneiden Lachs in schmale  Streifen. Die Zeit vergeht rasch, Rex fängt an schon den Tisch zu decken und ich beeile mich Tony zu wecken.
Gegen 20ºº h kommt Diego mit seiner Frau Jenny und Tochter Andrea.  Die Begrüßung ist zuerst ein wenig schwierig, denn Tosh ist aufgeregt angesichts des für ihn unerwarteten Besuches und huscht bellend zwischen unseren Füßen umher. Doch einige Minuten später sitzen wir mit einem Apperetiv im Wohnzimmer auf dem Sofa und sind am erzählen.  Nach einigen appetitanregenden Kräckern mit gegrilltem Käse wechseln wir an den Esstisch, wo Ruth uns den restlichen Abend kulinarisch verwöhnt.

Ruth und Andrea

In unserer Unterhaltung bestätigt uns auch Diego „Ja, hier in Kanada gibt es viele Bären. Ihr werdet in den Rocky´s sicher jede Menge davon sehen.“  Mein Englisch wird hier wieder aufgefrischt und leider muss ich feststellen, das ich wohl bei manchen Wörtern  meine Aussprache verbessern muss. So werde ich an diesem Abend hin und wieder missverstanden, wenn ich Bear nicht als „Bär“ sondern als „Bier“ ausspreche.
Die Zeit vergeht, wie immer bei solchen Gelegenheiten, viel zu schnell und Diego, Jenny und Andrea beginnen sich zu verabschieden. Ruth und ihr Bruder verabreden, dass wir nach unserer Rundreise einen Abend bei ihm zu Hause eingeladen sind.
Rasch helfen wir noch Ruth den Tisch abzuräumen und zum Abschluss des Tages gehe ich mit Rex in den Garten um eine Zigarette zu rauchen. Denn Kanada ist ein „Nichtraucherland“ und es ist, wie inzwischen auch in Deutschland, in allen Bars, Hotels und Restaurants verboten. Jetzt muss ich mich entscheiden- rauchen und frieren oder lieber im Warmen bleiben. Aber was tut man nicht alles für seine Laster! Bei den Temperaturen reduziert sich allerdings der Konsum erheblich.
Durchgefroren gehe ich kurz darauf in unser Zimmer, wo Tony schon schlafend im warmen Bett liegt. Hat er es nicht gut?!  Schnell ziehe ich mich aus, husche unter die warme Decke und bin kurz darauf auch eingeschlafen.

Kanada- eine Rundreise durch British Columbia

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Thailand, Kenia (Tagebuchbericht zu lesen unter www.safari-wangu.de) und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden. Auf unseren Rundreisen durch Rajasthan (Jan. 2009), Kaschmir (Aug.2009) und Gujarat (Dez. 2010) waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor kurzem selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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