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Kanada Ferienerlebnisse – Prince Rupert an der Pazifikküste

Montag
Heute haben wir nur eine kleine Reiseetappe von etwa 130 km und so gehen wir als erstes in aller Ruhe frühstücken. Anders als bei den Früstückbuffetts  in den Hotels ist auf den Speisekarten die Auswahl betreffs Frühstück sehr groß und reichhaltig. Es gibt Eier in allen Variationen und es ist mit Sicherheit für jeden Wunsch und Geschmack etwas dabei. Die Portionen sind riesig und Kartoffeln sind immer auf dem Teller.
Während des Frühstücks machen wir unsere Tagespläne. Als erstes werden wir die schon geschriebenen Ansichtskarten einwerfen, sonst sind wir noch vor der Post wieder zu Hause. Dabei können wir gleich noch einige Einkäufe erledigen.

Bärensuche auf dem Weg zur Pazifikküste

Der Briefkasten ist in einem Shopping Center und dort bekommen wir auch zwei Flaschen Wasser für unterwegs. Ich halte Ausschau nach Tempotüchern,ob es hier eine andere Marke gibt als die in Vancouver gekauften?  Nein, leider nicht und so müssen wir mit der wirklich super dünnen Papierqualität ausharren. Merkwürdig, gibt es in Kanada wirklich keine rissfesten Papiertaschentücher?
Wir haben uns entschlossen nochmal auf Bärensuche zu gehen. Ich schaue mir die Straßenkarte an und wir nehmen die kleine Seitenstraße nach Norden in Richtung Rosswood. Vielleicht haben wir ja Glück! Da auf dieser Straße kein Verkehr herrscht können wir langsam fahren und genau wie gestern Abend den Waldrand bzw. den Straßengraben im Auge behalten. Doch kein Bär lässt sich blicken! Wo verstecken  die sich nur alle? Eine Stunde später sind wir wieder auf dem Highway, doch so schnell möchte ich doch nicht aufgeben. Wir versuchen es nochmal auf der gleichen Piste wie gestern Abend. Eine Stunde später sind wir wieder zurück, mit dem gleichen Ergebnis. Kein Bär weit und breit zu sehen!!!
Länger suchen wir nicht mehr, sondern machen uns auf den Weg nach Prince Rupert. Dort werden wir vier Tage Aufenthalt haben, bevor es auf der Inside Passage mit dem Fährschiff nach Vancouver Island geht. Wir hoffen darauf, das in Prince Rupert bereits einige Ausflüge angeboten werden. Bekannt ist Prince Rupert unter anderem für seine Bootsfahrten zur Besichtigung der Orkawale.  Des weiteren gibt es nördlich von Prince Rupert eine Schutzzone für Grizzlybären, das Khutzeymateen Inlet, welches mit einem Wasserflugzeug angeflogen wird. Vielleicht haben wir ja Glück und können  einen Ausflug mitmachen. Es ist inzwischen ja fast Mai!

Tauwetter in Kanada

Wie schon die letzten Tage führt uns die Fahrt durch eine abwechslungsreiche und beeindruckende Landschaft. Selbst bei schlechtem Wetter ist das auf unserer Reise nirgendwo zu übersehen. Die Berge sind noch mit Schnee bedeckt,  der nun zu tauen beginnt.  Das Tauwasser fließt  in Sturzbächen die Bergwände hinab wo es dann in den Skeena River mündet. Das Wetter hat heute Aprillaunen und wechselt ständig von Sonnenschein auf Regenguss.
Als gerade mal wieder die Sonne durch die Wolkendecke blinkt machen wir an einem Parkplatz Halt um uns die Füße zu vertreten und ein paar Fotos zu schießen. Wir sind nicht mehr weit von der Pazifikküste entfernt und der Skeena River nimmt an Breite zu. Eine Ambulanz steht einige Meter von uns entfernt und sein Fahrer hält eine Pause.

erste Frühlingsboten nahe Prince Rupert

Während ich am fotografieren bin beobachte ich wie Tony mit dem Ambulanzfahrer ein Gespräch beginnt. Angeregt unterhalten sich die beiden und nach einer kurzen Zeit kommt Tony zurück. „Stell dir vor“ berichtet er mir „der Fahrer ist aus Prince Rupert. Er sagt hier gibt es 350 Regentage im Jahr! Wie lange bleiben wir?“  Nun, so schlimm wird es schon nicht sein. Zumindest ist es wärmer als in den Rocky Mountains  und wir haben doch unsere Regenjacken dabei.
Nicht viel später erreichen wir die ersten Häuser von Prince Rupert. Wir folgen den Hinweisschildern bis zur Touristeninformation und erkundigen uns dort nach Hotelempfehlungen. Die Dame ist sehr hilfsbereit, führt für uns ein kurzes Telefongespräch und beschreibt uns den Weg zu der von ihr empfohlenen Unterkunft. Da wir schon hier sind frage ich gleich nach den Möglichkeiten ins Khutzeymateen Inlet zu kommen. „Jetzt im April?“ ist die erstaunte Gegenfrage. Mein Hinweis, das der April ja in zwei Tagen zu Ende ist quittiert sie mit einem Achselzucken. „Ihr guys seid ein wenig zu früh“ bekommen wir erklärt. „Aber es kann natürlich sein das John schon fliegt. Wenn einer jetzt Grizzlys findet, dann ist das John! Er lebt das ganze Jahr draußen im Schutzgebiet und kennt alle Bären.“ Wir sollen doch mal zwei Häuser weiter nachfragen, die junge Besitzerin des Souvenirladens verkauft die Ausflüge für und mit John.

Prince Rupert

Die Dame im Souvenirladen wiegt bedächtig mit dem Kopf : „Eigentlich fliegt John erst im Mai, aber da im Moment gutes Wetter ist fängt er vielleicht auch früher an.“  Gutes Wetter?  „Yes, es ist nicht durchgehend bewölkt, da hat man auf dem Flug gute Sicht.“ Und was kostet der Ausflug?  „Vierhunderfünfzig Dollar, aber es müssen mindestens drei Personen teilnehmen“ teilt sie uns lächelnd mit.  Vierhunderfünfzig Dollar??? 🙁  Wie lange geht die Reise denn?  „Drei Stunden! Ein Stunde Hinflug, eine Stunde Bärensuche mit dem Zodiac und eine Stunde Rückflug“. Tony findet als erster seine Sprache wieder: „Das ist aber teuer.“  Die junge Frau lächelt und nickt. „Yes, aber die Benzinpreise sind so gestiegen.“ Also das möchten wir doch erst nochmal überdenken! Wie ist es denn mit Walbeobachtung?  „Sorry,da seid ihr leider zu früh. Die Orkas kommen normalerweise Ende April / Anfang Mai, aber dieses Jahr haben sie sich verspätet.“  Okay, also keine Walbeobachtung.  Sie gibt mir eine Visitenkarte, so kann ich sie anrufen wenn wir uns überlegt haben ob wir ins Khutzeymateen Inlet möchten. „Aber ich kann Euch nichts versprechen, denn es muss sich mindestens noch eine Person anmelden“ ist ihr verabschiedender Kommentar.

Blick aus dem Fenster

Als nächstes kümmern wir uns um unsere Unterkunft und suchen das empfohlene „Harbour Inn“ auf. Dort werden wir schon erwartet und bekommen eine „Schlüsselkarte“ um uns das Zimmer anzusehen. Es ist im ersten Stock und als ich eintrete ist mein spontaner Kommentar: „Oh ja, lass uns hier bleiben.“ Das Zimmer ist hell, freundlich und hat ein riesengroßes Panoramafenster mit Blick auf den Pazifik. In einer Ecke steht ein Sessel mit Leselampe und gegenüber ein kleines Sofa. Das Bett macht einen bequemen Eindruck und wir beschließen die vier Tage unseres Aufenthaltes hier zu verbringen.
Und was machen wir mit unserem Ausflug zu den Grizzlybären? Für Tony ist das keine Frage: „Das ist doch Nepp! So hoch sind die Benzinpreise bestimmt  nicht, das mache ich auf keinen Fall!“   Recht hat er! Ich fliege ja nicht zum ersten Mal mit so einem kleinen Propellerflugzeug, doch so ein Preis wurde nirgendwo verlangt. Trotzdem, vermutlich komme ich nie wieder nach Prince Rupert und das ist wahrscheinlich meine einzige Gelegenheit das Khutzeymateen Inlet zu besuchen. Ich schaue mir nochmals das Prospekt an und vergleiche die Bilder mit den Fotos eines Berichts über diese Schutzzone in einer Zeitschrift. Das scheint tatsächlicher besagter John zu sein, über den hier berichtet wird. Ach was soll´s! Irgendwann habe ich den Betrag verschmerzt, aber die Erinnerung an einen wilden Grizzly bleibt. Ich melde mich jedenfalls an!

am Hafen von Prince Rupert

Neben der Rezeption steht ein Telefon und bei dem Gespräch verspricht mir die Besitzerin des Souvenirshops im „Harbour Inn“ eine Nachricht zu hinterlassen wenn zwei weitere Personen buchen.
Den Nachmittag nutzen wir zur Erkundung von Prince Rupert. Unser Weg führt uns bis an die alte Eisenbahnstation mit dem Eisenbahn-und Hafenmuseum, das die Zeit um 1900 wiedergibt. An der Tür finden wir dann auch das vertraute Schild: CLOSED! Von hier aus gehen wir den Spazierweg zu den Docks, vorbei an Fischkuttern wo die Mannschaft dabei ist die Reusen auszuladen. Am Ende des Docks gelangen wir wieder an die Touristeninfo und den Souvenirshop. In einem Bogen schlendern  wir langsam zurück und sind kurz darauf wieder auf der Hauptstraße und in Downtown. Bei unserem Rundgang stoßen wir auch auf das Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1921 mit seiner kleinen Parkanlage.

Gerichtsgebäude von Prince Rupert

Das  Zentrum selbst besteht aus der Haupt- und einer Parallelstrasse mit einigen kleinen Geschäften und vielen Waschsalons. Ein zweistöckiges Einkaufszentrum scheint der Hauptanziehungspunkt in Prince Rupert zu sein. „Wann geht unser Schiff?“ möchte Tony nach der Stadtbesichtigung wissen.
Doch im Moment interessiere ich mich mehr für die Essensdüfte die aus den verschiedenen Restaurants kommen. Die meisten sind chinesisch, doch auch griechische Küche wird viel angeboten. Wir verbringen den Rest des Nachmittags damit Speisekarten zu lesen und gehen bei Einbruch der Dunkelheit ins „Harbour Inn“ um uns aufzuwärmen und für den Abend anzuziehen.
Als wir uns hungrig auf den Weg zum Essen machen entscheiden wir uns für eines der griechischen Lokale. Der Raum ist rustikal eingerichtet und die chinesische Bedienung führt uns an einen der Tische. Wie überall in Kanada bekommen wir einen großen Krug Wasser serviert während wir die Speisekarte lesen.  Wir bestellen einen griechischen Salat als Vorspeise, danach möchte Tony Lachsfilet und ich nehme eine griechische Pizza. Während wir warten schaue ich mich im Raum um. Sehr griechisch sieht hier von den Angestellten aber keiner aus und als mir die Chinesin ein Glas Wein bringt frage ich sie, wo der Koch denn her kommt. „Aus Indien“ entgegnet sie lächeln.  Dann ist bestimmt der Besitzer Grieche?  „Nein, der kommt aus Pakistan“ erfahren wir. Aha, der Herr in der Ecke mit dem langen Bart? „Yes, yes und ich bin aus China.“  Ich bedanke mich freundlich und verkneife mir die Frage wie man als Pakistani  mit indischem Koch auf die Idee kommt ein griechisches Restaurant zu eröffnen.

Abendstimmung

Der griechisch/pakistanische Salat schmeckt jedoch sehr gut und auch mit meiner Pizza bin ich zufrieden.
Den heutigen Tag lassen wir in unserem Zimmer vor dem Panoramafenster ausklingen. Der Blick über die Bucht ist auch bei Dunkelheit  fantastisch und die Eisenbahnstation liegt beleuchtet vor uns. Einige Einwohner führen noch kurz ihre Hunde spazieren doch mit der Zeit wird es immer ruhiger. Doch was ist das? Ein großer Hund? Nein, es ist ein Deer- mitten im Ort geht  es  seelenruhig spazieren.
Auch der heutige Tag war lang und nachdem ich bei Regen und Kälte vor der Hoteltür eine letzte Zigarette geraucht habe bin ich froh im warmen Bett zu liegen. Mein letzter Wunsch vor dem Einschlafen ist bescheiden: hoffentlich ist morgen einer der fünfzehn Tage im Jahr, an denen es nicht regnet.

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen.
Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist.
Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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