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Flusskreuzfahrt durch die Ukraine auf dem Dnjepr mit Kiew, Jalta, Sewastopol, Odessa und einigem mehr

Kiew

Kiew

Wir fliegen nach Kiew mit Czech Airlines. Klingt nicht besonders vertrauenerweckend, ist aber okay. Am Flughafen wurden wir schon abgeholt, in einen Bus verfrachtet und zum Schiff gebracht. Das ging erfreulich schnell, denn es war bereits ein lange Anreise gewesen. Nach einem schnellen Check-in erwartete uns der Captain zum Begrüßungscocktail und danach sind wir einfach nur ins Bett gefallen. Erst am nächsten Morgen fanden wir die Zeit und die Muße, unsere Koffer auszupacken. Dann gingen wir auf Entdeckungstour über das Schiff. Es war nicht sehr groß, aber ganz schön. Unsere Kabine war eng, aber zweckmäßig. Unser Schiff, die MS Watutin konnte 280 Passagiere aufnehmen und hatte 80 Besatzungsmitglieder. Die Länge betrug 129 Meter, seine Breite 16,7 Meter mit einem Tiefgang von 2,9 Meter. Nun aber genug der theoretischen Zahlen. Am Pier liegen wir als zweites von drei Schiffen, das bedeutet, dass wir jedes Mal das andere Schiff durchqueren, wenn wir in unseres wollen. Komisch. Nach unserem ersten Frühstück erwarteten uns vor dem Schiff vier Busse mit jeweils einem deutsch sprechenden Reiseleiter, der uns auf der ganzen Reise zugeordnet blieb. Bevor wir überhaupt mit dem Schiff los fuhren, hieß es, Kiew zu erforschen. Es gibt hier Kirchtürme aus purem Gold und daneben gleich trostlose Gebäude aus der Sowjet-Zeit. Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist die Ukraine selbständig. Das Land liegt immer noch in Europa, und wird so zu dessen größtem Land. Die Stadt ist teilweise sehr schön, teilweise sehr abstoßend. Uns hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen. Mit seiner über 1000-jährigen Geschichte gilt Kiew als die „Wiege Russlands“. Sie strahlt einen wunderbaren Charme aus. Kiew ist eine sehr schöne, malerische Stadt, sehenswert sind die Oberstadt mit dem Palast des Fürsten, den Häusern der Adligen, der Sophien-Kathedrale und dem Goldenen Tor als prunkvollem Zugang, und die Unterstadt, das Viertel der Handwerker und Kaufleute unten am Hafen.
Die darauf folgende Nacht verbrachten wir immer noch vor Ort. Es fiel mir schwer zu schlafen, da unser Schiff einen sehr lauten Generator hatte, der sich immer wieder ein- und ausschaltete. Das vorher genossene Abendessen war hervorragend, aber auch sehr schwer.

Jalta Schwalbennest

Jalta Schwalbennest

Zum Frühstück wiederum gab es ein ziemlich leckeres Buffet mit Rührei und Schinken, Obst wie z.B. Melone und Apfel, Kaffee und ein hiesiges Schwarzbrot. Danach wieder die gleiche Prozedur wie am gestrigen Tag: Draußen rein in die Busse und los ging’s zum Höhlenkloster. Wunderschöne Heiligenbilder an der Außenwand, goldene Kuppeln und eine erhabene Stimmung. Dann der Weg steil hinab zu den Höhlen des Klosters. In den Stollen ist es eng, die Luft ist dünn und verbraucht. Es ist schrecklich finster, aber auch ganz spannend. Dann Särge und Mumien. Es ist ein wenig gruselig hier unten.
Nach der Besichtigung fahren wir wieder zurück zum Boot. Dann endlich „Leinen los“! Wir fahren. Wir genießen die vorbeiziehende Landschaft vom Liegestuhl aus. Auf unserer weiteren Fahrt müssen wir immer wieder durch Schleusen. Denn der Höhenunterschied bis zum Schwarzen Meer beträgt 103 Meter. Diese Schleusen zu durchqueren ist ein Erlebnis: Man fährt hinein, wird umfangen von Beton, wenn sich das Wasser absenkt, dann öffnet sich vor einem die graue Wand und eine neue Aussicht tut sich auf. Ein grandioses Erlebnis.
Wir legen am Hafen Saporoschje an. Wieder in den Bus, wieder eine Stadtrundfahrt. Wir besuchen das Kosakenmuseum auf der mitten im Dnjepr liegenden Insel Chortitsa. Seit dem 16. Jahrhundert galt diese Insel als Sitz der „freien Kosaken“. Sonst bietet die Stadt reichlich wenig, sie ist grau und eintönig.
Also lieber weiter auf unserem Schiff. Am sechsten Tag erreichen wir Chersson. Hier sind wir dem Schwarzen Meer schon ganz nah. In kleineren Booten fahren wir durch das Dnjeprdelta zu einer Fischerinsel. Ein schöner und abwechslungsreicher Ausflug. Dann die Einfahrt in die „Verbotene Stadt“ Sewastopol. Hier gefällt es uns wieder sehr gut. Nach dem 2. Weltkrieg wurde hier alles wieder aufgebaut. Außerdem gibt es hier sogar griechische Ruinen zu sehen. Wir besichtigen den Nachimov-Platz mit dem Denkmal und das Denkmal des Kleinen Mannes. Außerdem werden wir zur Wladimir-Kathedrale gebracht.

Jalta Uferpromenade

Jalta Uferpromenade

Wieder eine unruhige Nacht an Bord. Am nächsten Tag ein Ausflug nach Liwadija, zum Weißen Palast, in dem sich 1945 Churchill, Roosevelt und Stalin zur Konferenz von Jalta trafen. Stühle mit hohen Lehnen stehen um einen langen Tisch herum, acht Bogenfenster beleuchten den Saal nur ungenügend. Der Konferenzsaal ist authentisch. Rund um den Weißen Palast erstreckt sich ein Park. Doch das war schon unser ganzer Ausflug hierher, wir mussten ja auch noch Jalta anschauen. Jalta ist eine Stadt der Balkone. Jugendstilfassaden liegen darunter und drüber. Wirklich sehr schön. Anton Tschechow wohnte hier lang.
Wieder genossen wir danach die Annehmlichkeiten unseres Schiffes.  Nach der Überfahrt des Schwarzen Meeres erwartete uns das Donaudelta, eine weitgehend unberührte Naturlandschaft mit vielen Tieren, vor allem Vögeln und Schlangen. Wilkowo ist unser nächster Halt, die jüngste Stadt der Ukraine an der Donau. Sie hat unzählige kleine Kanäle, da sie auf kleinen Inseln aufgebaut wurde. Unsere letzte Station: Odessa. Bald ist unsere Reise vorbei, Schade. Wir könnten noch gern ein oder zwei Wochen dranhängen. Morgens legen wir an und können schon beim Anlegen die „Potemkin-Treppe“ erkennen. Ich kannte sie aus Sergeij Eisensteins preisgekröntem Film. Odessa ist eine sehr schöne Stadt mit vielen schönen Flaniermeilen. Die Deribasovskaya ist die bekannteste. Sie führt von der Passage ostwärts vorbei an der Oper Richtung Park Schewtschenko. Hier gibt es die meisten Cafés und Restaurants. Von hier aus ist es nur sein Katzensprung zur berühmten Oper. Sie wurde von 1884 – 1887 erbaut und war nach der Mailänder Scala das zweitgrößte Opernhaus der Welt. Leider ist sie 1873 abgebrannt. Doch für den Neubau beauftragte man zwei sehr gute Architekten, und so sehen wir heute das Ergebnis: Die Fassade ist mit Büsten berühmter russischer Musiker und Dichter verziert, und die Innenausstattung ist nicht weniger prächtig. Außerdem hat sie eine hervorragende Akustik.
Noch eine letzte Nacht. Die war natürlich meine beste. Ich habe so tief geschlafen. Am nächsten Morgen mussten wir das Schiff leider verlassen und zum Flughafen. Die Reise hat uns gut gefallen, wir haben – obwohl auch anderweitig möglich – bei dem Münchner Reiseveranstalter Kiwi Tours gebucht. Wir waren mit dem Veranstalter sehr zufrieden, die Unterlagen kamen früh und sehr ausführlich, und der Service am Telefon bei unseren Fragen war sehr geduldig und ausführlich. Nr. zu empfehlen.

Ulf M.

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