Reiseberatung für individuelle Reisen

Vancouver Island, Bärenbeobachtung im Rim Nationalpark

Sonntag

Früh um 6ººh klingelt mein Handy und mein erster Gedanke ist: heute klappt es, bestimmt werden wir einen Bären sehen. Immerhin hat Katie uns gesagt, dass eine große Wahrscheinlichkeit dazu besteht. Sie erklärte uns gestern auch, warum der Ausflug so früh stattfindet. Die Bären gehen bei Ebbe an das Ufer der Meeresarme und suchen nach den zurückgebliebenen und unter den Steinen versteckten Meeresfrüchten wie z.B. Krebse. Mit ihrem sensiblen Geruchssinn können sie „ihr Frühstück“ aufspüren und ausgraben bzw. unter den Steinen suchen. Sobald die Flut kommt werden sie nicht mehr fündig und ziehen sich wieder in den Wald zurück. Da wir uns deshalb nach den Gezeiten richten müssen,ist die Abfahrt schon um 8ººh. Wir sollen jedoch eine halbe Stunde früher dort sein um noch einige weitere Informationen zu bekommen.

wasserfest verpackt zur Bärenbeobachtung

Da es um diese Zeit in der Middle Beach Logde noch kein Frühstück gibt gehen wir in Tofino in ein kleines Lokal um vor der Abfahrt etwas zu essen. Ich bin überrascht, wie viele Cafés  am Sonntag um diese Zeit bereits Frühstück anbieten.
Als wir bei Katie im Büro ankommen sind die Vorbereitungen schon in vollem Gange. Außer uns nehmen noch vier weitere Personen an diesem Ausflug teil. Ein Kollege von Katie verteilt orange-rote Thermoanzüge, die wir über unsere normale Kleidung ziehen sollen. Ist das auf dem Wasser so kalt? Katie lacht und meint: „Nicht auf dem Wasser, aber im Wasser falls das Zodiac  kentert!“  An den Hosenbeinen  und Handgelenken sollen wir die Anzüge gut zuziehen, damit im Notfall kein Wasser eindringen kann. „Bei den Wassertemperaturen seid ihr sonst in kurzer Zeit unterkühlt“  ist Katies ernst gemeinter Ratschlag.Wir bekommen noch ein Paar Handschuhe und eine Wollmütze und dann sind wir fahrbereit. Begleitet werden wir von John, er übernimmt das Steuer des Zodiac und die Leitung unseres Ausfluges. Er erklärt uns kurz an Hand einer Landkarte wo wir hinfahren und als er Gas gibt weht uns kalter morgendlicher Meereswind um die Nase. Das Zodiac hüpft über die Wellen davon und entfernt sich rasch von Tofino.

Bärenmutter mit Jungem im Rim Nationalpark

Voller Spannung halten alle Ausschau nach einem Bär und John meint: „Wenn ihr guys was seht, sagt sofort Bescheid!“  Da kommt ein lauter Ruf von einem Mitfahrer: „Halt, hier rechts ist was!“ John stoppt das Boot und ich verliere fast meine Wollmütze weil ich den Kopf so schnell drehe. Doch kein Bär sondern ein Weißkopfadler sitzt dort auf einem Stein. Ein schönes Tier, ohne Frage! Doch bei fünf der sechs Passagiere ist das Interesse klein und so geht es auch nach einem kurzen Moment weiter. John sucht mit einem Fernglas immer wieder das Ufer ab und schließlich hat er etwas entdeckt. „Dort vorne, die dunklen Punkte! Seht ihr das? Das sind Bären!“  Tatsächlich, je näher wie heran fahren um so deutlicher erkennen wir die beiden Tiere. Es ist eine ausgewachsenen Bärin mit ihrem einjährigen Jungen auf Futtersuche. Als wir näher kommen ist sehr gut zu erkennen, wie sie die Steine am Ufer drehen um an die eiweißhaltigen Leckerbissen zu kommen.  Geschickt wird mit den Pfoten der Stein zur Seite geschoben und mit der Schnauze gegraben. Bei den beiden Bären handelt es sich um Schwarzbären und sie lassen sich durch uns in keiner Weise stören. Friedlich fressen sie weiter und ich bilde mir ein, das Knacken der Krebsschalen bis hierher zu hören. John versucht das Zodiac so nahe wie möglich an das Ufer heranzubringen. Da das Wasser in Ufernähe jedoch sehr flach und die Steine spitz sind muss er vorsichtig sein. Wir möchten ja nicht mit dem Zodiac auf scharfkantigen Steinen auflaufen und die Thermoanzüge auf ihre Wasserdichte testen. Doch wir sind nahe genug um endlich doch noch Bären beobachten zu können.  So langsam beginnt die Flut zu steigen und die beiden Bären ziehen sich immer weiter in Richtung Waldrand zurück. Eine Weile später haben sie genug von diesem Platz, klettern die Böschung hoch und verschwinden hinter den Bäumen. Schade!

die Fahrt im Zodiac

John steuert das Zodiac wieder zurück ins offene Wasser und wir halten von neuem nach einem weiteren Bären Ausschau. Und wir entdecken sogar den zweiten Bär für heute! Aufmerksam wurden wir auf ihn durch ein weiteres Ausflugsboot, dass versuchte möglichst nahe am Ufer seine Position zu halten. Dieser Bär ist größer, alleine und viel weiter vom Ufer entfernt als „unsere“ Bärendame. Wir könnten uns mit dem kleinen  flachen Zodiac an dem größeren Ausflugsboot vorbeimogeln, doch scheinen hier sehr klare Regeln zu herrschen. Das ist nicht „unser“ Bär und da haben wir auch nicht das Recht uns vorzudrängen. Ist ja richtig so! Wir können ihn ja auch von hier aus sehen. Ich mache noch ein letztes Fotos und dann geht es weiter.
John nimmt wieder Kurs auf Tofino und mit Erstaunen stelle ich fest, dass wir schon zwei Stunden unterwegs sind.

John, Reiseleiter im Rim Nationalpark

Auf dem Heimweg spüre ich nun auch wie die Kälte langsam in meinen Körper schleicht. Der Thermoanzug ist sehr hilfreich und hält den Wind ab, doch durch meine Schuhsohlen spüre ich das eisige Wasser unter dem Zodiac. John macht noch einen kleinen Abstecher zu einem Felsen, dort soll ein Harbour Seal wohnen. Doch der ist nicht zu Hause, vermutlich sucht er sich gerade einen leckeren Fisch als Sonntagsfrühstück.

zurück an der Remote Passage

Nachdem wir an einer Fischzucht vorbei gefahren sind nimmt John Kurs auf eine kleine Insel. Dort nisten seit bereits 10 Jahren ein Seeadlerpaar und sie ziehen jedes Jahr ihre Jungen hier auf. Adler bleiben bei ihrem einmal gewählten Partner und erreichen ein Alter von etwa 22 Jahren. Leider ist auch das Ehepaar Adler aushäusig und wir können nur den beeindruckenden Horst bewundern.
Kurz darauf stehen wir wieder bei Katie im Büro und schälen uns aus unseren Thermoanzügen in denen wir aussahen als wollten wir zum Mond reisen. Auf einem Tisch sind Thermokannen mit heißem Tee für alle bereitgestellt und es wird mir erst jetzt bewusst wie durchfroren ich bin.  Bei einer Tasse Tee kommen die „Bärenjäger“ noch ein wenig mit Katie und John ins Gespräch bis sich einer nach dem anderen verabschiedet. Tony und ich werden ja morgen wiederkommen, um an der Schiffsfahrt zur Walbeobachtung teilzunehmen.
Doch für heute haben wir noch andere Pläne. Ruth hat uns vor Beginn unserer Rundfahrt einige Tipps für Vancouver Island gegeben. Sie kennt sich in Tofino gut aus, da sie und Rex so oft wie möglich über das  Wochenende hierher kommen um sich zu erholen. Daher ist unser  weiteres Ziel  der Rainforest Trail.

der Rainforest Trail auf Vancouver Island

Nach ca. 20 km Fahrt von Tofino nach Süden erreichen wir den Parkplatz des Trails. Dieser Regenwald ist ein „Lehrpfad“ und wir können immer wieder über die Natur und deren Erhalt auf entsprechenden Schildern nachlesen. Ein Brettersteg führt durch diesen feuchten Urwald, so dass wir ihn bequem erkunden können. Nach zwei Stunden ist unser Rundgang durch diesen ursprünglichen Wald beendet und wir sind wieder an dem Parkplatz angekommen. Außer uns sind noch zwei weitere Autos hier.  Na nu, was bezahlen die Leute denn an diesen Automaten? Parkscheine mitten im Urwald? Sie stecken auf jeden Fall einen Zettel hinter die Frontscheibe. Hier wird doch keine Politesse kommen! Wir schauen uns die Automaten mal genauer an und lesen  die Anweisungen. Es sind keine Automaten für Parkscheine sondern um die Eintrittsgebühr  in den Rim- Nationalpark zu bezahlen! Je nachdem wie viele Tage man in dieser Gegend bleibt ist es möglich mit Visakarte die Parkgebühr zu entrichten. Hier wird auf die Ehrlichkeit der Urlauber gesetzt, was ich sehr schätze. Obwohl Tony mit den Schultern zuckt zahle ich für uns beide die „Kurtaxe“. Das wäre ja peinlich wenn uns hier einer beim Mogeln erwischt!

Leuchtturm auf Vancouver Island

Nun können wir beruhigt und mit gutem Gewissen weiter fahren bis in das kleine Fischerdorf Ucluelet. Ucluelet kommt aus der Sprache der Ureinwohner und heißt „sicherer Hafen“.  Hier gehen wir den Wild Pacific Trail in einem eineinhalb stündigen Spaziergang entlang. Es gibt unterwegs  fantastische Aussichtspunkte auf die wilden Klippen des Pazifiks und ein kleiner Leuchtturm gibt mit seinem rotem Dach ein malerisches Fotomotiv. Auch hier macht uns ein Schild auf die Gefahren der kanadischen Wildtiere aufmerksam. Bären, Wölfe und Pumas gibt es in diesem Gebiet und sie sollen bitte nicht gefüttert werden. Doch bei diesem sonnigen Wetter wie heute sind so viele Spaziergänger unterwegs, dass  sich sicher kein wildes Tier blicken lässt. Außerdem haben wir heute ja schon Bären gesehen!
Wir sind beide müde und hungrig als wir wieder bei unserem Auto ankommen. Es war ein langer Tag mit insgesamt 3 ½  Stunden Fußweg nach einer „Bärenjagd“. Daher machen wir uns nun auf den Weg zurück zur Middle Beach Lodge. Dort angekommen nehme ich als erstes eine heiße Dusche und lege mich danach unter die warme Bettdecke. Ach, tut das gut wenn die Füße ausruhen können. Die Heizung funktioniert und in unserem Zimmer ist es warm und gemütlich.

das Raincoast Café- ausgezeichnete Küche!

Doch der Hunger treibt uns wieder auf die Beine. In Tofino angekommen lesen wir die ausgehängten Speisekarten und entscheiden uns für das Raincoast Cafe. Das ist eine gute Wahl und wir beenden diesen erfolgs- und erlebnissreichen Tag mit einem ausgezeichneten und schmackhaften Essen.
Zurück in der Middle Beach Lodge gehen wir heute direkt in unser Zimmer – ohne „Absacker“ – denn auch morgen heißt es wieder früh aufstehen um rechtzeitig zur Walbeobachtung bei Katie an der Remote Passage zu sein. Also nur noch Wecker stellen und die Augen zu!

 

Kanada- eine Rundreise durch British Columbia
 

 

 

 

 

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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