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Tansania: Eine Reise in die endlosen Ebenen der Serengeti

Eine Reise nach Tansania enthüllt uns Afrika wie wir es uns vorstellen. Hier herrscht eine Üppigkeit an Tieren, dass man seinen Augen nicht trauen will. Überall wo man hinguckt, explodiert das Leben. Wir sind in der Serengeti, der Heimat der Big Five. Die endlosen Ebenen des riesigen Nationalparks werden noch heute von riesigen Herden durchstreift. Beim Anblick des unendlich scheinenden Marsch Tausender Gnus kann man erahnen, wie es hier vor Ankunft des Menschen ausgesehen haben muss. Die Landschaft aus Trockenwäldern und Steppe scheint zeitlos zu sein. Aber das stimmt nicht, denn nicht immer herrschten so günstige Verhältnisse für das Leben. Die Savanne ist ein recht noch junges Ökosystem und erst heute beginnen die Wissenschaftler ihre Entstehung zu verstehen.

Die Welt der Gräser

Serengeti-Landschaft im Morgengrauen © A. Gutierrez

Serengeti-Landschaft im Morgengrauen © A. Gutierrez

Vor vieler Millionen Jahre war das tropische Afrika von Regenwäldern bedeckt. Dann wurde das Klima allmählich trockener und die undurchdringliche Dickichte des Urwalds verschwand zugunsten eines Streifen aus Grasland und Trockenwald, dass das Leben zahlreicher Wald- und Wüstenbewohner für immer verändern sollte. Angelockt von der mit nahrhaftem Gras bedeckten neuen Landschaft, verließen die ersten tierischen Pioniere ihre vertraute Umgebung und begannen sich in ihre neue Wahlheimat einzusiedeln. Auch aus der Wüste kamen Tiere, Impalas besiedelten in großer Zahl das Land. Für sie war die Savanne ein Paradies, denn hier gab es Nahrung im Überfluss. Die hier wachsenden verschiedenen Gräserarten sind sehr anpassungsfähig und nahrhaft. Das Savannengras wächst beim ständigen Abgrasen zudem sehr schnell und bietet zahlreichen Pflanzenfressern eine unerschöpfliche Nahrungsquelle. Die unglaubliche Konzentration von Hupftieren prägte allmählich das neue Landschaftsbild. Waldelefanten trugen im Wesentlichen zum neuen Landschaftsbild bei: In dem sie Bäume und die Büsche zertrampelten halfen dabei, die einzigartigen weiten Ebenen zu schufen, die wir heute kennen.

Die größte Säugetierwanderung Afrikas

Die größte Tierwanderung Afrikas © A. Gutierrez

Die größte Tierwanderung Afrikas © A. Gutierrez

Das Leben in der Serengeti wird vom Gras bestimmt, das Gras hängt wiederum vom Regen ab, denn bei einer lang aushaltenden Dürreperiode sterben selbst die widerstandsfähigen Gräser aus. Die Trockenzeit dauert hier acht Monate, manchmal sogar länger. In dieser Zeit wird den Überlebensgeist der Savannenbewohner auf eine harte Probe gestellt. Es ist das ständige Bedürfnis nach frischem Gras, was Gnus und Zebras auf eine strapazierende Reise von 1500 km zwingt. Um den sonst sicheren Tod zu entgehen, müssen die Herden mit dem Regen ziehen, dabei wandern sie jedes Jahr vom Süden nach Westen, vom Westen in den Norden, vom Norden nach Osten und dann wieder in den Süden in einem immer wiederkehrenden Zyklus. Hundertmal haben wir dies in Dokumentationsfilmen gesehen. Das grandiose Spektakel von bis Hunderttausenden vorbeiziehenden Gnus mit ihren etwa viermonataltrigen Kälbern, die geradlinig immer vorwärts marschieren. Und dennoch: Das Gänsehaut-Effekt wurde völlig erreicht. Wir sind umgeben von Hunderten Tieren, die sich bei ihrem Marsch von nichts (und noch weniger von uns) aufhalten lassen. Wir haben Juni und die Herden bewegen sich Richtung Westen, wo es frisches Gras geben soll. Ihr Drang nach Nahrung ist so stark, dass selbst die Paarung unterwegs stattfinden muss. Unruhige Gnuböcke versuchen die Aufmerksamkeit der vorbeiziehenden Weibchen mit tanzenden Bewegungen und kräftigem Stöhnen auf sich lenken. Doch die Konkurrenz ist groß. Die vielen Rivalen müssen auch abgewehrt werden. Manchmal kommen die Männchen an einem körperlichen Angriff einfach nicht herum und es werden Kämpfe zwischen mit Adrenalin beladenen Bullen überall ausgelöst. Den grasenden Weibchen scheinen sich vom Trubel ungestört zu fühlen und ziehen nach einer Weile mit ihren Jungen weiter. Noch ca. drei Wochen soll die Paarungszeit dauern, bis alle Weibchen trächtig und die Männchen völlig erschöpft sind.

Simba der Löwe

Löwenportrait © A. Gutierrez

Löwenportrait © A. Gutierrez

Den Herden sind Verfolger auf der Spur.Wir begegnen einem Löwenrudel direkt am Pistenrand, zehn, fünfzehn Meter von uns entfernt. Es sind mindestens zwölf erwachsene Löwen mit ihren Jungen. Sie beugen allesamt ihre mit Blut geschmierten Köpfe vor einem noch frischen Gnukadaver, der mit zerrissenem Unterleib auf dem Boden liegt, und verschlingen seine weichen Körperteile. Das grausame Spektakel hält uns stundenlang wie gefesselt. Während einige Fahrzeuge, beladen mit fotohungrigen Touristen, ab und zu auftauchen und nach ein paar Minuten wieder schnell verschwinden, dürfen wir die unglaubliche Szene für ca. drei Stunden komplett ungestört beobachten.

Die eleganten Jäger dominieren die Savanne durch ihre Stärke, doch sie sind eindeutig in der Unterzahl. Auf ca. 800 Pflanzenfresser kommt nur ein Löwe. Die kleinen Jungtiere  sind im ersten Lebensjahr nicht in der Lage größere Entfernungen zurückzulegen. Aus diesem Grund muss der Rudel in seinem Revier bleiben und darauf hoffen, dass die Gnus seinen Weg kreuzen. Das Überleben der Tiere hängt davon ab, ob sie in mageren Zeiten genügend Beute für alle machen können. Bleibt der Jagderfolg aus, versiegt die Milch der Löwinnen und die Jungtiere müssen verhungern. Eine aussichtslose Perspektive, die sich  in langen Dürreperioden besonders verschlimmert. Wenn sich die Wetterverhältnisse ändern und die Wolken aus dem indischen Ozean fern bleiben, bricht eine schwierige Zeit aus, in der Menschen und Tiere zu leiden haben.

Die Bedeutung dieser kleinen Hügelchen

Ein Zimmer mit Ausblick: Geparden lieben Termitenhügel

Ein Zimmer mit Ausblick: Geparden lieben Termitenhügel

Eine Tierart ist noch stärker vertreten als die Gnus: Die Termiten. Die zahllosen rotsandigen Erdhügel, die man überall erkennen kann, zeugen von der Allgegenwärtigkeit dieser Insektenart. Bis zu 10.000 dieser Insekten leben hier auf einem Quadratmeter. Sitzend auf einem solchen Termitenhügel ruhen die vier Mietglieder einer Geparden-Familie. Die Blutspuren auf ihren Gesichtern deuten auf eine erfolgreiche Jagd hin. Insbesondere Geparden mögen es, in dieser sonst so flachen Landschaft, auf einem Termitenhügel Ausschau in die weite Umgebung zu halten, um Beute oder andere Raubkatze aus der Ferne zu entdecken.

Termiten haben einen beeindruckenden Appetit. Zusammen mit den Ameisen vertilgen sie pro Jahr ein Drittel des gesamten Pflanzbestandes der Savanne, mehr als Elefanten, Zebras und Gnus zusammen. Jedes Jahr vollzieht sich in den Termitenkolonien ein magisches Schauspiel: Die Paare schwärmen in einer einziger Nacht aus, um später zur Erde zurückzukehren und einen anderen Staat zu gründen.

Der ewige Kreis des Lebens

Die Serengeti in Nordtansania: Keine Landschaft verändert sich so schnell wie hier. Regenreiche Jahre lassen aus spärlichen Baumbeständen richtige Feuchtwäldchen werden. Eine lang anhaltende Trockenheit und das Buschfeuer verwandelt die Savanne wiederum in eine regelrechte Wüste. Unermüdliche Veränderung bestimmt den natürlichen Rhythmus des weltberühmten Nationalparks. Gerade darin liegt auch seine unübertreffliche Schönheit. In dieser enormen Vielfältigkeit haben die Tiere gelernt, sich nahezu meisterlich anzupassen. Somit wurde die Serengeti eine Heimat für eine Vielfalt von Lebensarten, die nirgendwo in einer derartigen Fülle anzutreffen ist. Die Serengeti ist ein Wunderwerk der Erneuerung, ein Symbol für den Triumph des Lebens. Und einer der magischen Orte dieser Erde, wo man der Kraft der Natur am intensivsten spüren kann.

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