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Uganda: Eine Reise in die Perle mit der dunklen Vergangenheit

Direkt am Äquator, eingerahmt von großen Seen und bis zu 5.000 m hohen Gebirgen, liegt Uganda, ein von der Natur gesegnetes Land. Eine Reise nach Uganda versprach vor all nicht so langer Zeit sämtliche Träume eines unvergesslichen Afrikaurlaubs zu erfüllen. Seine Schutzgebiete bargen den gesamten Tierreichtum der afrikanischen Fauna. Als in den 60er Jahren der Safaritourismus in Uganda boomte, wimmelte es im Südwesten des Landes nur so von Tieren. Nilpferde tummelten sich in den Flüssen, riesige Elefantenherden durchstreifen die Savanne, eine ausgezeichnete Antilopenpopulation ernährte einen überdurchschnittlich hohen Löwenbestand. Kein Wunder, dass Winston Churchill Uganda als Perle Afrikas bezeichnete.

Das fruchtbarste Land Afrikas

Schimpanse im Kibale Forest © Norbert Manthey

Schimpanse im Kibale Forest © Norbert Manthey

Es ist die überwältigende Fülle von unterschiedlichen Lebensräumen, die den Reiz dieses Stück Landes im Herzen Afrikas ausmacht. Uganda ist ein wasserreiches Land, in dem es viel regnet. Die Kombination von zahlreichen Niederschlägen und einem fruchtbaren Boden vulkanischen Ursprungs lässt überall Felder mit Bananen, Mais, Hirse und Kartoffeln sprießen. Die ausgesprochene Fruchtbarkeit seines Bodens, der zu den fruchtbarsten ganz Afrika zählt, entging den Kolonialherrschen nicht, die Tee- und Kaffeeanbau eifrig betrieben. Heute wird das Landschaftsbild um Fort Portal, die reichste Region des Landes, noch von den Teeplantagen geprägt. Überall auf den umliegenden Hügeln erstrecken sich die mit Tee angebauten Felder. Die gepflückten Teeblätter finden vor allem in Aufgussbeuteln Verwendung. Es ist eine wunderschöne Hochlandlandschaft mit einem angenehmen kühlen Klima. Unterhalb der dicht bewachsenen Berghänge flimmern mehrere Kraterseen, die von den Aktivitäten im Erdeinneren bezeugen. Wir sind im westlichen Ausläufer des ostafrikanischen Grabens, der sich wie ein gewundenes Band von dem nördlich gelegenen Albertsee bis zu den Virunga Vulkanen im Süden erstreckt. Die Kraterseen sind von einem dichten Regenwald umrahmt, in dem zahlreiche Primatenarten leben. Im Kibale Forest Nationalpark ist eine der größten Schimpansenpopulationen Afrikas beheimatet. Einige der Schimpansengruppen konnte man an die Anwesenheit von Menschen angewöhnen und so können heute Besucher des Parks unsere nächsten Verwandten aus nächster Nähe beobachten.

Der Regen über die Mondberge

Die Horizontlinie in Fort Portal wird vom Schatten des mächtigen Ruwenzori-Gebirges eingerahmt, einer stets im dichten Nebel gehüllten Hochgebirgskette, deren höchsten Gipfel bis 5.000 m hochragen. Für lange Zeit galten die Mondbergen, wie sie auch genannt werden, als eine Chimäre. Kaum verwunderlich, denn die geheimnisvollen, vegetationsdichten Landschaften des Gebirges scheinen nicht aus dieser Welt. Überall wächst Moos. Exotische Riesenbromelien, pinkfarbene Erdorchideen und baumartige Kreuzkräuter verströmen in den moosgrünen Zauberwäldern ihre die Sinne betäubenden Düfte.

Abenteuerlustige, die sich ins Herz dieses Pflanzenlabyrinths wagen, sollten lieber Regendichtekleidung mitpacken. Denn „Ruwenzori“ bedeutet in der Bantusprache „Regenmacher“. Eine durchaus passende Bezeichnung für ein Gebiet, in dem es durchschnittlich 320 Tage im Jahr regnet.

 

Der längste Fluss und der zweitgrößte See

Die bekannten Wasserfälle im Murchinson Falls Nationalpark © A. Gutierrez

Die bekannten Wasserfälle im Murchinson Falls Nationalpark © A. Gutierrez

Uganda verzeichnet eine unglaubliche Vogelartenvielfalt. Bis zu 1017 unterschiedliche Arten wurden hier gezählt. Die vielen Vögel weisen auf den Fischreichtum der Gewässer hin. Trotz der schweren Umweltprobleme, die seit der Einführung des Nilbarsches entstanden sind, gilt der Viktoriasee, der zweitgrößte Süßwassersee der Erde, noch als fischreiches Gewässer für Menschen und Greifvögel. Schon lange wird hier mit einfachsten Methoden reiche Beute angefangen. Etwa der Hälfte des Viktoriasees, der von zahlreichen Flüssen gespeist wird, erstreckt sich auf ugandischem Boden. Hier nimmt auch der längste Fluss der Welt seinen Lauf: Der Nil. Nach einer abenteuerlichen Reise Richtung Nordwesten, die durch riesige für Menschen unpassierbare Sumpfgebiete verläuft, macht der Nil einen seiner spektakulärsten Passagen: Er stürzt durch eine sieben Meter breite Schlucht 34 m in die Tiefe. Es sind die Murchinson Wasserfälle, die dem umliegenden Nationalpark ihren Namen gaben. Der Murchinson Falls Nationalpark im Nordwesten des Landes ist ein abwechslungsreiches Naturschutzgebiet, das eine der größten Tierbestände Ugandas nach den dunklen Episoden Staatsgewalt und verheerender Wilderei, die das Land über ca. 20 Jahre durchleben musste, erhalten konnte. Über Jahrzehnte brachte der Bürgerkrieg Uganda Unglück und Zerstörung. Nur langsam erholte sich das Land von den dramatischen Folgen seiner blutigen Vergangenheit. Die stark dezimierten Wildbestände, die einst dem Land so viel Ruhm eingebracht hatten, nehmen unter der starken Überwachung der Wildhüter wieder zu. Bei einer Bootsfahrt auf den Nil im Murchinson Falls Nationalpark scheint die gute alte Ordnung, die Herrschaft wieder übernommen zu haben. Man trifft auf Elefanten, die eine Pause zum Trinken am Ufer einlegen. Büffel, Flusspferde, Rothschildgiraffen und Wasserböcke begleiten sie. Und auch riesige Exemplare von Nilkrokodilen, die zu fünf Meter groß werden, zählen zu den häufigen Vertretern der Flussfauna.

Der unwirtliche Norden: Der Kidepo Nationalpark

Weiter nördlich wird die Landschaft zunehmend trockener und rauer. Das üppige Grün Zentralugandas wird von ariden Baumebenen aufgelöst. Die spärlichere werdende Vegetation erinnert uns an die klassischen Bilder der ostafrikanischen Savanne, die Inbegriff Afrikas ist. Der Kidepo Nationalpark, Ugandas größtes Naturschutzreservat, liegt fernab der touristischen Route, an der unmittelbaren Grenze zu Sudan. Nur mit einem gecharterten Leichtflieger lässt sich dieses Stück Wildnis erreichen, eine Fahrt übers Land wäre zu strapazierend und auch gefährlich. Immer wieder werden Überfälle und Angriffe von Rebellengruppen gemeldet. Das Landschaftsbild in Kidepo wird von offenen Savannenebenen und kleinen Wäldern von Schirmakazien und Palmen bestimmt. Hier leben viele Tierarten, die sonst nirgendwo in Uganda mehr vorkommen. Insgesamt dreißig Säugetierarten, die anderswo bereits ausgerötet wurden, haben in der Abgeschiedenheit Kidepos einen letzten Zufluchtsort gefunden.  Dazu gehören zum Beispiel die Streifenhyäne, das Wüstenfuchs, oder auch Karakal genannt, und das Oribi. Allein 60 der hier beheimateten Vogelarten sind in Kidepo endemisch. Besonders eindrucksvoll ist die riesige Büffelpopulation mit Herden, die bis zu Tausend Tieren zählen. Mit 1.250 km² geschütztem Territorium ist Kidepo das zweitgrößte Schutzgebiet Ugandas und des Landes wichtigste Herausforderung. Wildhüter müssen trainiert werden, Geld investiert, um notwendiges Ausrüstungsmaterial und 4×4 Fahrzeuge anzuschaffen, damit die Wilderei, die größte Gefahr des Parks, erfolgreich bekämpft werden kann.

Von Kranichen, Antilopen und Von Löwen, die auf Bäume klettern

In Ishasha klettern Löwen gern auf die Bäume © N. Manthey

In Ishasha klettern Löwen gern auf die Bäume © N. Manthey

Der Kronenkranich ist Symbol und Wappentier Ugandas. Auch die Uganda Kobantilopen schmücken das Staatswappen des Landes. Im Queen Elisabeth Nationalpark verteidigen die Böcke ihre kleinen Territorien, in denen sie auf die Weibchen warten. Die besten Plätze sind heiß begehrt, darum häufen sich blutige Revierkämpfe, wo die schwächeren Tiere ausgeschieden werden. Eine Entscheidungserleichterung für die unschlüssigen Weibchen. Unweit von hier erstreckt sich der Kazinga-Kanal, ein Wasserader, das der Albert- mit dem Georgsee verbindet. Während einer Barkassenfahrt lässt sich das üppige Tierleben der Ufer in aller Beschaulichkeit genießen. Flusspferde sind die absoluten Stars des Kanals. Sie drängen sich nah den Ufern in enormen Zahlen und werden bei Annährung des Bootes zunehmend aggressiv. Aber auch Vogelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Mehr als 560 Vogelarten wurden hier gezählt. Vom Boot aus kann man Schuhschnabelstorche, Rosapelikane, mehrere Sorten von Eisvögeln, Schreiseeadler, Uganda-Kormorane und verschiedene Reiherarten in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten.

Weiter östlich, auch innerhalb der Parkgrenzen, liegt das so genannte Ishasha-Gebiet, bekannt durch eine ganz einzigartige Besonderheit: Löwen, die auf Bäume klettern. Vor kurzem ein äußerst ungewöhnliche Verhalten, das nur hier und im Lake Manyara Nationalpark, im benachbarten Tansania, beobachtet wurde und das den Wissenschaftlern vor einem mysteriösen Rätsel stellte. Mittlerweile scheint dieses außergewöhnliche Verhalten Echo in anderen Löwenpopulationen gefunden zu haben. Manche Rudel in der Serengeti machen es den Ishasha-Löwen nach und klettern gern auf Baumäste. Vielleicht eine Strategie, in der mit Bäumen gesäumten Umgebung, Ausschau auf Beutetiere zu halten?

Die sanften Riesen des Urwalds

Mächtiger Silberrücken der H-Gruppe im Bwindi Impenetrable Forest © A. Gutierrez

Mächtiger Silberrücken der H-Gruppe im Bwindi Impenetrable Forest © A. Gutierrez

Der Mgahinga Gorilla Nationalpark im Süden Ugandas. Wir befinden uns in einem bergigen Gebiet, bedeckt mit dichtem Urwald, in der Heimat bekanntesten Bewohner Ugandas: Die Berggorillas. Der kleinste Nationalpark des Landes bildet mit dem angrenzenden Parc National des Volcans in Ruanda und dem Parc National des Virunga im Ostkongo eine ökologische Einheit, die die Hälfte des Weltgesamtbestandes der Berggorillas beherbergt. Als der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle des Landes darstellte, lange vor der blutigen Herrschaft Idi Amins, war das Leben und Verhalten unserer engen Verwandten größtenteils unbekannt. Wie Monster wurden sie in Zoos angestarrt, abgehackte Gorillahände als makabres Souvenir an Touristen verkauft.   Nur durch die Studien u. a. der Primatologin Dian Fossey, die die sanfte Natur dieser reinen Vegetarier aufdeckten, löste sich das Bild des brutalen King Kongs allmählich auf. Die friedliche Lebensweise dieser liebenswerten Riesen erblickte endlich das Licht.  Heute ziehen die Regenwälder im Dreiländereck Uganda, Ruanda und Kongo Scharen von zahlungsbereitwilligen Tierliebhabern, die 500 USD für einen einstündigen Besuch einer habituierten Gorillafamilie ausgeben: der beste Nachweis, dass Naturschutz nicht ohne das wirtschaftliche Wohlergehen der lokalen Bevölkerung  gehen kann.

Die Bergregenwälder der Virungavulkane sind von unbeschreiblicher Schönheit und von eindrücklicher, urwüchsiger Gewalt. Dass es diese Regenwälder noch gibt ist auch das beste Beispiel dafür, dass Uganda auf dem guten Weg ist, seine Naturschätze zurück zu gewinnen. Das Land pokert mit völlig unerschlossenen Wildnissen, die vom Fremdensverkehr so gut wie unberührt sind. Unbekannte Wasserfälle, schwer zugängliche Gebirgsketten, abgelegene und riesige Sumpfgebiete mit einer erstaunlichen Artenvielfalt. Für Besucher gibt es in einem Land, das mit 240.000 km² kleiner als Italien ist, noch unendlich viel zu entdecken. Die alte Perle Churchills erhält wieder ihren vollen Glanz.

Uganda: Eine Reise in die Perle mit der dunklen Vergangenheit
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Über den Autor

Eine Reaktion bis “ Uganda: Eine Reise in die Perle mit der dunklen Vergangenheit ”

  1. Hallo,

    eine Safari in Uganda können auch wir nur empfehlen! Uganda ist wirklich eine Reise wert.

    Gruß

    Arndt

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