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Ajanta , die buddhistischen Höhlen bei Aurangabad

Heute ist es soweit, ich werde die Höhlen von Ajanta besuchen. Das Highlight der Reise und der Hauptgrund, der mich nach Auragabad geführt hat.
Wie auch gestern wartet Shaikh bereits mit seinem Auto vor dem Hotel und wir starten die Fahrt in das ca. 100 km entfernte Ajanta. „Hast du Trinkwasser dabei?“ erinnert mich Shaikh. Denn, so hat er mir gestern schon erklärt, gibt es in Ajanta keine Wasserflaschen zu kaufen. Es gibt Trinkwasser-stellen, doch dies ist lokales, offenes Wasser. „Ausländer trinken das nicht, ihr werdet davon krank“ stellt er abschließend noch einmal bekräftigend fest. Das ist durch fremde Keime natürlich möglich und ich möchte auch kein Risiko eingehen.

die buddhistischen Höhlen von Ajanta bei Aurangabad

die buddhistischen Höhlen von Ajanta bei Aurangabad

Die zweistündige Fahrt vergeht rasch und wir haben den Parkplatz oberhalb der buddhistischen Höhlen erreicht. Anders als Ellora lagen diese Höhlen über 1000 Jahre völlig verlassen da. Entdeckt wurden sie im Jahre 1819 durch die britische Madras-Armee. Die Soldaten befanden sich auf Tigerjagd und einer der Offiziere beobachtete, wie ein Tiger im Gebüsch verschwand. Auf der Suche nach seiner Beute entdeckte er einen der damals verwaisten Höhlentempel. Nach und nach wurden anschließend die anderen Höhlen freigelegt und seit 1983 gelten die Höhlen von Ajanta als Weltkulturerbe.
Wir erreichen unser Ziel und Shaikh hat absolut recht, die Aussicht ist fantastisch. Von dem Parkplatz hier oben kann ich das gesamte U-förmige Tal und die Höhleneingänge sehen. Und nicht nur das, auch die Menschenmassen, die am Haupteingang von den Bussen abgesetzt werden. Da hat mir Shaikh sehr gut geraten den Fußweg zu nehmen, auch wenn es etwas anstrengender ist. Wie lange werde ich da gehen? „Nach unten ca. eine halbe Stunde“ erklärt mir Shaikh. Und hoch? Daraufhin schweigt er sich aus und zuckt lediglich mit den Schultern.
Das Tal ist durch den Fluss Waghora gebildet worden, der während der Regenzeit durch das Tal fließt. Nun ist er ausgetrocknet und den Wasserfall, den mir Shaikh zeigt, muss ich mir in meiner Fantasie vorstellen.
„Mam, you need guide?“ werde ich von einem älteren Herrn angesprochen. Einen Führer? Durch die gesamten Höhlen? „Nein, nein!“ bekomme ich erklärt. „Nur von hier bis zu den Höhlen, den Berg hinunter und später wieder hinauf.“ Ich soll einen Guide nehmen um den Spazierweg hinunter zu gehen? „Yes, Mam! Ich besorge auch die Eintrittskarte.“
Shaikh hat dem Gespräch zugehört und mischt sich ein: „Der Fußweg ist recht einsam, er wird selten benutzt und man weiß nie wer einem begegnet.“ Also nicht ein Guide sondern ein Bodyguard? „Ich kenne den Mann schon viele Jahre, du kannst ihm vertrauen!“ lautet Shaikhs ausweichende Antwort auf meine Frage.

der Fußweg zu den Höhlen von Ajanta

der Fußweg zu den Höhlen von Ajanta

Der Weg liegt tatsächlich sehr einsam, auch der Parkplatz. Der nach unten führende Pfad macht einen verlassenen Eindruck und ist schlecht einsehbar. Vermutlich ist ein männlicher Begleiter gar keine schlechte Idee und der Mann muss ja auch leben. Die umgerechnet drei Euro machen mich nicht ärmer und ich bin auf der sicheren Seite.
Gemeinsam mit meinem Begleiter marschiere ich den Berg hinab. Unterwegs erzählt er mir von der Entdeckung der Höhlen und gibt mir Ratschläge welche Höhle ich unbedingt ansehen soll. Eine halbe Stunde später sind wir an der Brücke, die uns auf die andere Flussseite zu den Höhlen führt. „Du kannst hier sitzen bleiben, ich besorge dir deine Eintrittskarte.“ Wo werden die denn verkauft? Er zeigt auf ein kleines Häuschen in ca. 500 Meter Entfernung vor dem eine lange Menschenschlange steht. Ach Herrje! Damit hat er ja schon sein Geld verdient, das dauert sicher ewig bis er wieder hier ist. Doch schon 20 Minuten später taucht er mit meiner Karte wieder auf. „Du musst nicht zurück an den Haupteingang, mit der Eintrittskarte kannst du diese Seitentür nehmen.“ Wir verabreden, dass er mich genau hier an dieser Stelle wieder abholt, falls er nicht da ist, soll ich einfach einen Moment warten.

Wandmalerei mit Mineralfarben

Wandmalerei mit Mineralfarben

In meinem Reiseführer steht, die Höhle 1 und 2 gehören zu dem Schönsten, was die Kunstform der Wandmalerei hervorgebracht hat. Die beiden Höhlen sind zwischen 300 und 650 n. Chr. entstanden und die Innenwände sind mit Mineralfarben bemalt. Die Bilder stellen Szenen aus dem Leben von Buddha dar.
In beiden Höhlen ist der Besucherandrang so groß, dass ein Wachmann an der Tür steht und immer nur so viele Besucher einlässt, wie die Höhle auch wieder verlassen. Ich reihe mich in die Schlange ein und warte darauf, dass es vorwärts geht. Die Schuhe habe ich bereits ausgezogen und hoffe sie nachher in der Menge wieder zu finden.

Höhle Nummer 2 in Ajanta

Höhle Nummer 2 in Ajanta

Jetzt ist die Reihe an mir, ich kann mit dem jetzigen Schwung Wartender die Höhle betreten.
Im ersten Moment sehe ich fast nichts, es ist sehr dunkel. Doch einen Moment später haben sich meine Augen an das Licht gewöhnt und ich kann die Bilder an den Wänden erkennen. Es ist schwierig eine gute Sicht zu bekommen, da es trotz kontrolliertem Einlass einfach rappel- voll hier ist. Die Wandgemälde sind nur ungenügend beleuchtet, was die Besichtigung zusätzlich erschwert. Trotzdem ist zu erkennen, das auch damals die Trompe-lóeil Malerei bekannt war und beherrscht wurde.

Wandgemälde aus dem Jahr 600 n.Chr.

Wandgemälde aus dem Jahr 600 n.Chr.

Auch vor der Höhle Nummer 2 steht eine Warteschlange und der Einlass geht nach dem gleichen Prinzip. Hier ist die Beleuchtung jedoch schon etwas besser und die Drängelei vor den Bildern geringer. Oder habe ich mich schon daran gewöhnt?
Insgesamt gibt es in Ajanta 29 große Höhlen, die im Schnitt 30 Meter tief sind. Die Bauzeit für eine Höhle soll pro Höhle etwa 30 Jahre gewesen sein. Das Tal war vom 2. Jahrhundert bis zum 5. Jahrhundert von Buddhisten bewohnt und in dieser Zeit wurden die Höhlen gebaut. Am Ende des 5. Jahrhunderts breitete sich in gesamt Indien eine Welle der Feindlichkeiten gegen den Buddhismus aus und erreicht auch dieses Tal. Die hier lebenden Buddhisten verließen ihre Heimat und die Höhlen gerieten in Vergessenheit.

bitte Schuhe draußen lassen

bitte Schuhe draußen lassen

Langsam schlendere ich von Höhle zu Höhle. Der große Andrang war nur in den Höhlen 1 und 2, die Highlights dieser Anlage. Doch ansonsten kann ich in Ruhe alle Räume besichtigen. Treppauf und Treppab, Schuhe an und Schuhe aus. Warum habe ich die Schuhe mit Klettverschluss genommen anstatt der Slipper? Am besten ich lasse sie aus und gehe die paar Schritte zur nächsten Höhle barfuß. Autsch!! Der Boden ist heiß, die Mittagssonne brennt auf die Steine und heizt sie auf. Nicht nur die Steine, in dem Tal staut sich die Hitze. Ich trinke bereits meinen letzten Schluck Wasser, dabei habe ich noch nicht die Hälfte der Anlage gesehen.

lange Wege in Ajanta

lange Wege in Ajanta

Ganz zu schweigen von dem Weg hinauf zum Parkplatz. Weiter geht es, nun kommt eine Höhle, da darf ich meine Schuhe anlassen. Einmal weniger bücken, doch mein Durst wird immer grösser. Was soll ich tun? Ob ich von dem normalen Wasser wirklich so krank werde wie Shaikh mir prophezeit hat? Warum gibt es hier in dem sonst so geschäftstüchtigen Indien kein Verkaufsstand mit Wasser oder anderen Getränken?
Der Durst siegt über alle Bedenken. Außerdem liegen die Höhlen so abgelegen, das ist bestimmt Quellwasser aus den umliegenden Bergen! Ich fülle meine leere Flasche auf und trinke von dem Wasser, wie es alle indischen Besucher ebenfalls tun.

Buddhafiguren

Buddhafiguren

Das fehlende Angebot an abgefüllten Getränken liegt vermutlich daran, dass der ausländische Massentourismus bislang noch nicht in die Abgeschiedenheit von Ajanta vorgedrungen ist. Die erhöhten Eintrittspreise für Ausländer gibt es zwar auch hier, doch ich habe bisher noch keinen zweiten „Westler“ in Ajanta gesehen.
Die Höhlen sind allesamt beeindruckend, und langsam gehe ich von einer zur anderen. Als eine der letzten Höhlen besichtige ich den liegenden Buddha, der mich ein klein wenig an Thailand erinnert.
Inzwischen ist es 16ººh und meine Wasserflasche zum dritten mal nachgefüllt. Doch es ist nach wie vor heiß, ich schätze es hat über 30ºC in diesem Tal.
Es wird Zeit, mich auf den Rückweg zu machen, wer weiß wie lange ich für diesen steilen Pfad zum Parkplatz hinauf brauche. Doch zuerst mal schauen, ob und wie mein Sicherheitsbegleiter mich findet. An der verabredeten Stelle setze ich mich in den Schatten eines Baumes und warte ab. Und tatsächlich, knapp fünf Minuten später taucht mein Führer auf um mit mir den Berg hinauf zu steigen. Wo war er die ganze Zeit über? „Ein Stück den Berg hinauf“ erklärt er mir „so dass ich dich sehen kann, wenn du die Höhlen verlässt.“

der Pavillon auf der Spitze des Berges

der Pavillon auf der Spitze des Berges

Langsam, doch beständig gehen wir den steilen Pfad hinauf. „Noch ein Stück, dann kommen wir an einen Pavillon und du kannst Rast machen“ muntert er mich unterwegs auf. Eine gute Idee, denn die Luft sirrt vor Hitze. Wo ist dieser Pavillon? Endlich haben wir die Zwischen-Etappe erreicht und ich setzte mich mit meinem letzten Schluck Wasser in den Schatten. Hier oben weht ein kleiner Wind, der erste Lufthauch seit wir das Tal mit den Höhlen verlassen haben. Hier habe ich in etwa die Hälfte der Strecke bewältigt. Obwohl es keine so weite Entfernung ist, zieht sich der Weg auf Grund der hohen Temperatur in die Länge. Abgesehen von den Stunden die ich bereits bei den Höhlen treppauf und treppab marschiert bin.
Während ich versuche den letzten Tropfen aus meiner Wasserflasche zu pressen tauchen zwei Männer auf. Sie bieten holzgeschnitzte Figuren und Kerzenhalter an, sowie Elefanten aus Speckstein. Wo kommen die nur her? Weit und breit ist außer mir und meinem Führer kein Mensch zu sehen. Auf wen haben die gewartet? Das kann sich doch nicht lohnen hier Souvenirs zu verkaufen! Sie sind sehr freundlich und preisen lediglich ihre Ware an, trotzdem bin froh, einen „Guide- Bodyguard“ an meiner Seite zu haben. Ich gehe natürlich davon aus, dass sie nicht von ihm den Tipp bekommen haben, dass heute endlich einmal eine ausländische Touristin den Berg hinauf wandert. Oder war da irgendwo Flüsterpropaganda: „Die sieht aus, als habe sie noch keinen holzgeschnitzten Kerzenhalter!“ Nein, das glaube ich eigentlich nicht!
Doch nun auf! Zur der zweiten Hälfte des Weges. Der ist einfacher, denn er liegt um diese Uhrzeit bereits im Schatten. Daher geht es recht zügig und ich stehe wieder auf dem Parkplatz, wo ich mich von meinem Beschützer verabschiede.
„Haben dir die Höhlen gefallen?“ möchte Shaikh wissen, als ich in sein Auto einsteige. Ja, es war super! Ein wirklich lohnendes und empfehlenswertes Ziel, auch wenn es ein wenig abseits der üblichen Touristenroute liegt. Auch die Empfehlung den Fußweg zu nehmen war gut. Vor allem, wenn ich hinüber schaue und die Menschenmenge am Hauptausgang der Höhlen sehe.
Als wir das Hotel erreichen ist es bereits dunkel . Es war ein anstrengender, aber sehr schöner Tag. Morgen geht es zu meiner nächsten Reise-Etappe, die Rundreise führt mich weiter nach Poone.
Shaikh war mir gestern noch behilflich ein Busticket zu bekommen, da alle Züge ausgebucht sind. „Dein Bus geht um 14ººh, da kann ich dir morgen Vormittag noch die Sehenswürdigkeiten in Aurangabad zeigen und bringe dich anschließend zur Bushaltestelle.“ Das ist ein guter und fairer Vorschlag den ich gerne annehme und so verabreden wir uns für morgen um 9ººh.
Denn auch Aurangabad hat natürlich seine Sehenswürdigkeiten, die bisher absolut zu kurz gekommen sind.

Indien-Reise durch Maharashtra

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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