Reiseberatung für individuelle Reisen

Bei den Eisbären in der Hudson Bay, Manitoba – Kanada

Eisbärenbeobachtung in Churchill, Manitoba – Kanada

Mutter Eisbär mit ihrem Kleinen.

Eisbärenfamilie beim Ausruhen.

Eisbär an der Hudson Bay, Kanada

Einsamer Eisbär am Strand der Hudson Bay, Churchill – Kanada

Churchill ist eigentlich ein verschlafenes Nest an der kanadischen Hudson Bay. Kaum 800 Einwohner und durch keine Straße mit dem restlichen Kanada verbunden. Der einzige Weg führt über eine

2tägige Zugreise ab Winnipeg oder mit einer kleinen Propellermaschine in den hohen Norden. Eigentlich gibt es keinen Grund, diesen abgelegenen Ort zu besuchen, gäbe es hier nicht die Eisbären. Churchill nennt sich selbst die Eisbärenhauptstadt der Welt. Dies kommt nicht von ungefähr. Im späten kanadischen Herbst, wenn die Hudson Bay so langsam zufriert, sammeln sich die Eisbären und waren auf festes Eis, um auf Robbenjagd zu gehen. Dieses Schauspiel wollen sich einige hundert Tierliebhaber nicht entgehen lassen. Zugegeben, es gibt einfachere Reiseziele als Churchill, doch der Aufwand sollte sich lohnen.

Es war schon lange ein Traum von mir, die Könige der Arktis in natürlicher Umgebung zu beobachten. Der Kanada Reisespezialist Kanadareisen.de war mir bei meinem Vorhaben kompetent behilflich. Über Montreal ging es nach Winnipeg, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Manitoba. Nur wenige Schritte vom Flughafen entfernt befindet sich das 4 Points Sheraton. Von hier aus ging es mit einer rüstigen Reisegruppe in das etwa 1.600 Kilometer entfernte Churchill. Ich konnte mir von diesem Ort am Ufer der Hudson Bay keine so richtige Vorstellung machen. Auf den ersten Blick schaut es gar nicht so klein und verschlafen aus. Die Temperaturen waren noch einmal eine Spur kälter als in Winnipeg und Schnee liegt hier auch schon seit ein paar Tagen. Aber 0 Grad Celsius kann man mit einer ordentlichen Winterjacke gut aushalten. Wir machten eine kleine Stadtrundfahrt und stoppten im Eskimo Museum. Eine nette Dame informierte uns über die Geschichte und Bedeutung des Museums, welches auch einige recht interessante Ausstellungsstücke zu bieten hat. Wir nahmen dann ein außergewöhnlich gutes Mittagessen im Restaurant des Aurora Inns zu uns. Das Restaurant war nicht gerade klein und es überraschte mich enorm, dass kein einziger freier Platz mehr zu haben war. Nun ja, mit mir waren gut und gerne hundert weitere Eisbärliebhaber in den hohen Norden Kanadas angereist. Nach dem Essen

Die Hauptstraße von Churchill

Die vereiste Hauptstraße des kanadischen Städtchens Churchill

gab es etwas Freizeit, die gut genutzt werden wollte. Ich hatte mir vorgenommen ein schönes Souvenir mit nach Hause zu nehmen und nach dem 3. Anlauf in den 3 Galerien des Ortes wurde ich fündig. Eine Steinskulptur eines Eisbären fehlte noch auf dem heimatlichen Kaminsims. Ich war ziemlich zufrieden mit meiner Auswahl. Nun gut, es war nicht gerade billig, aber von all den Bären die ich mir angesehen habe, hat mir dieser am besten gefallen und so griff ich zu. Es lohnt sich auf jeden Fall, die 3-4 Läden, die Kunstgegenstände verkaufen zu besuchen und erst dann eine Entscheidung zu treffen. Jedes der Geschäfte hat seine Spezialität und so habe ich in allen Läden eine Kleinigkeit gekauft. Wer einen besonderen Stempel in seinem Reisepass haben möchte, dem empfehle ich einen Besuch des Postamtes. Dort hat die nette Frau darauf hingewiesen, dass dies kein offizieller Stempel sei, aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, aber schön war er trotzdem.

Am späten Nachmittag ging es dann endlich los. Mit dem Bus sind wir zur Abfahrtstelle der sogenannten Tundra Buggys gefahren. Diese kann man sich als übergroße Busse mit mannshohen Traktorreifen vorstellen. Die Ausstattung ist zwar recht einfach gehalten, doch die Fahrt über eine alte Militärstraße machte Spaß und man musste aufpassen, dass man nicht von seinem Sitz fällt. Eine gute Stunde dauerte die holprige Fahrt und dann waren wir an der Tundra Buggy Lodge angekommen.

Diese liegt in the Middle of Nowhere und hat den großen Vorteil, dass wir genau dort hinwollten. Dass diese Lage optimal war, stellte sich bereits 5 Minuten nach unserer Ankunft heraus. Ein Eisbär stattete uns einen Besuch ab. Erst ein wenig scheu doch dann kam er ganz nahe an die Tundra Buggy Lodge heran. Für spektakuläre Fotos war es zu dunkel und aus Rücksicht vor dem Bären, durfte auch kein Blitzlicht verwendet werden. Mein erster freilebender Polarbär, mal schauen, wie viele in den nächsten 3 Tagen noch folgen werden.

Das Leben bzw. Übernachten an einem solch unwirtlichen Ort ist nur mit Kompromissen möglich. Die Schlafkojen wirken zwar recht gemütlich, doch richtig Privatsphäre will trotz eines Vorhangs,

Übernachtet wurde auf der Tundra Buggy Lodge.

Übernachtet wurde auf der Tundra Buggy Lodge, einer Ansammlung von Wohncontainern.

welcher die Kojen voneinander trennt, nicht aufkommen. Sehr praktisch sind auf jeden Fall die zahlreichen Steckdosen, die jedem Gast zur Verfügung stehen. Viele meiner Mitreisenden hatten Fotoausrüstungen dabei, die man auch bei professionellen Fotografen findet. Nach kurzer Eingewöhnung und einem Begrüßungswein ging es zum Abendessen. Ich hatte mir wohl ein wenig zu viel Zeit gelassen und der einzige freie Platz war bei 3 Chinesen, von denen 2 keine und der Dritte nur wenige Englischkenntnisse hatte. Zumindest weiß ich, dass Prost auf Mandarin „Kapee“ oder so ähnlich heißt. Nach dem Essen gab es eine kurze Zusammenkunft, bei der die Mitarbeiter der kanadischen Tundra Buggy Lodge sowie das Leben und die Besonderheiten der Lodge vorgestellt wurden. Hundemüde ging es dann in die Schlafkoje, die jede ein eigenes Fenster zur Beobachtung der Eisbären hat. Vielleicht wache ich ja am Morgen auf und schaue einem Eisbären beim Herumtollen zu.

Der heutige Tag war uns recht wohlgesonnen. Bereits zum Frühstück gab es einen Eisbären zu sehen. Kaum 5 Meter von meinen Eiern mit Speck schlich er um die Lodge. Heute sollen wir alles Mögliche über das Leben der Eisbären erfahren. Zum Beispiel, dass die Begattung im März/April vollzogen wird und der Körper dann erst im Oktober entscheidet, ob sich eine Befruchtung der Eizelle anhand der Fettreserven der Eisbärenmutter überhaupt lohnt. Die Cubs, so werden die Jungen der Polarbären in Kanada genannt, kommen dann zur Jahreswende zur Welt. In der Regel sind es 1 bis 2 Junge Eisbären. Das Weibchen verbringt die erste Zeit in einer Höhle oder Mulde, bis sie die Kleinen einigermaßen selbst überlassen kann. Denn nun wird es höchste Zeit, endlich auf Jagd zu gehen, denn die letzte Mahlzeit ist schon ein paar Monate her. Eisbären jagen auf Eis bzw. Eisschollen und die Leibspeise ist die Robbe. Eine Robbenjagd haben wir nicht gesehen, dafür war es noch etwas zu früh. Unsere Lodge steht am Ufer der kanadischen Hudson Bay. Diese friert Mitte bis Ende November zu und eröffnet die Jagdsaison der Eisbären. Und von diesen sollten wir heute eine ganze Menge sehen.

von Angesicht zu Angesicht mit einem Eisbären

So nah kommt der Eisbär an die Tundra Buggys

Wir waren kaum mit unserem Tundra Buggy gestartet, da hieß es auch schon Eisbär im Anmarsch. Der Fahrer fährt uns ganz behutsam in die Nähe des Bären, stellt den Motor aus und wir warten was passiert. Ich habe ausgesprochenes Glück gehabt, denn der erste Bär hat sich doch meine Kamera ausgesucht, in der er von Angesicht zu Angesicht schauen wollte. Ich stand hinten auf der Aussichtsplattform und da macht der Bär doch tatsächlich ein Männchen und ist nur noch einen 1/2 Meter von mir entfernt. Tolle Gelegenheit und ein tolles Foto geschossen. Die Fahrt mit den Buggys ist absolut sicher. Diese sind so hoch gelegt, dass auch der größte Bär keine Chance hat an Bord zu kommen. Diese Buggys sind Eigenkonstruktionen eines genialen Tüftlers aus Churchill. Er hatte die Idee das Chassis eines alten Feuerwehrwagens so umzubauen, dass man damit Leute gefahrlos durch die Tundra transportieren kann. Diese Dinger sehen recht gewaltig aus, doch sind sie für das Sichten der Eisbären geradezu ideal. Ein Propangasofen im Inneren des Buggys sorgt für mollige Wärme und durch die riesigen Ballonreifen, ist die Traktion so gut, dass man fast überall in der Tundra vorankommt. Das Gebiet war früher dem kanadischen Militär vorbehalten und so wird nun hauptsächlich auf alten Militärtrassen gefahren.

Große Strecken wurden heute nicht zurückgelegt, denn wir sahen Eisbären en Mass. Fast alle paar Minuten hieß es “ Look, there is a bear“. So

Eisbär in der Nähe der Tundra Buggy Lodge.

Ein großer männlicher Eisbär in Kanada

hatten wir nach wenigen Stunden um die 10-12 Bären gesichtet. Hinzu kam noch ein Polarfuchs, der flink durch die Prärie rannte und ein paar Ptarmigan, ein Vogel nicht ungleich unserer gemeinen Taube. Der Höhepunkt wurde uns kurz vor der Lodge beschert. Eine Mutter mit ihrem Jungen lag nur etwa 50 Meter von der Lodge entfernt. Mit tollen Erlebnissen des ersten Tages in der kanadischen Tundra sind wir in die Lodge zurückgekehrt. Am Abendtisch wurde der Tag Revue passiert und pünktlich zum Nachtisch, lies sich noch einmal Mutter Eisbär mit ihrem Kleinen blicken. Zum Abschluss des Abends gab es noch einen Vortrag eines Wissenschaftlers zum Thema Eisbären. Dieser war sehr kurzweilig und sehr interessant. Die Anzahl der Eisbären geht in der letzten Zeit zurück und der Grund hierfür soll die globale Erderwärmung sein. Die Futtergrundlage des Eisbären ist die Jagd auf Robben. Für diese Jagd muss die Hudson Bay zugefroren sein. Da der Winter immer später einsetzt und das Eis früher schmilzt, bleibt dem Eisbären nicht viel Zeit, sich einen ordentlichen Speck anzufressen, um über die nahrungsarme Zeit in Kanada zu kommen.

Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt einen Eisbären zu entdecken, doch bereits am Frühstückstisch wurden wir belohnt. Sie schienen von allen Zeiten zur Lodge zu strömen und uns beim Frühstücken beobachten zu wollen. Wir hätten die Lodge gar nicht verlassen müssen, denn die Bären kamen zu uns. Bis zur Abfahrt mit dem Buggy haben wir schon 4 erwachsene Bären gesehen. Es konnte also gar nichts mehr schief gehen. Nun ja, so eine kleine Autopanne kann in der Abgeschiedenheit schon einmal passieren. Nicht weiter schlimm, wenn auch das Ersatzteil erst aus Churchill besorgt werden musste. Dafür hat sich Bob unser Fahrer eine ganz besonders schöne Stelle ausgesucht. Direkt am Wasser und mit dem besten Blick auf Ebbe und Flut. Es kam auch gleich ein Eisbär an und beschnüffelte uns neugierig. So ein Video filmt man nicht alle Tage und ich muss sagen, jetzt hat sich diese Reise auf jeden Fall gelohnt. Der Bär kam aus dem vereisten Wasser direkt auf unseren Buggy zu. Neugierig schnupperte er am Wagen und zu meiner Freude setzte er direkt vor meiner Nase zu einem Männchen an. Nun war meine Kamera und seine Nase nur etwa 30 cm voneinander entfernt. Ein absolut tolles Erlebnis.

Eisbärjunges an den Tundra Buggys

neugieriges Eisbärenjunges mit der Mutter

Eine Reparatur im Eisbärenzuhause ist nicht ganz einfach. Und so standen alle Leute Wache und achteten auf unseren Fahrer und den mittlerweile angekommenen Mechaniker, dass bei der Reparatur nicht auch ein Eisbär anwesend ist. Wir sahen an diesem Tag noch zahlreiche weitere Bären und kamen hochzufrieden an unserer Lodge zurück. Wir wurden sehr nett mit ein paar Käse- und Lachshäppchen begrüßt und dazu ein Glas Wein. Ich muss sagen, unsere Gastgeber haben sich viel Mühe gegeben um uns so richtig zu verwöhnen. Man darf hier draußen auf der Lodge keinen Luxus erwarten, und dies hat wohl auch keiner der anwesenden Gäste. Ich fand es ausgesprochen gemütlich und habe die Zeit hier auf der Lodge in vollen Zügen genossen. Nach dem leckeren Essen gab unser Guide Dave einen beschwingten Vortrag über das Leben und die Jahreszeiten in Churchill. Aber das Highlight des Abends war Emma, das Mädchen für Alles auf der Lodge. Sie ist Folksängerin und hat uns hervorragend mit selbst geschriebenen Songs köstlich unterhalten. Am besten gefiel mir die Textzeile „I wish you were a soap, so I would be the cleanest girl in the World“. Es war ein Liebeslied…

Es stellt sich natürlich die Frage, lohnt sich die nicht gerade günstige Reise? Muss man tatsächlich so viel Geld bezahlen und den Aufwand einer solch langen Anreise mit mindestens 2x Umsteigen? Ich kann nur sagen, es lohnt sich auf jeden Fall. Die Eisbären in ihrer natürlichen

ruhender Eisbär in der Hudson Bay, Kanada

versteckter Eisbär vor einem der Tundra Buggys.

Umgebung zu sehen, kann man in dieser Form nur in Churchill, Manitoba. Aber auch die anderen Teilnehmer dieser Kanada Reise auf dieser Tour sind ebenso interessant. Ich habe Freundschaften mit einem Ölingenieur aus New York, einem Fotografen aus Holland, einem Abenteurer von Baffin Island und einer Lehrerin aus Wisconsin geschlossen. Alle sind sie reiserfahren und überhaupt nicht abgehoben. Bei den meisten hat man gemerkt, dass Geldprobleme kein wirkliches Thema ist. Wer Luxus erwartet ist auf einer solchen Reise fehl am Platz. Wer Abenteuer sucht und etwas Außergewöhnliches erleben möchte, dem kann ich eine solche Reise nur sehr ans Herz legen. Alleine die Fahrt von der Lodge zurück nach Churchill wird ewig in Erinnerung bleiben. An einer Stelle hielten wir an und sahen eine Mutter mit zwei Cubs, eine Mutter mit einem Cub, sowie einen großen männlichen Eisbären, der sich zu nah an die eine Mutter wagte. Sie hat ihm dann gleich klar gemacht, dass er hier nichts zu suchen hat. An dieser Stelle möchte ich mich einmal bei unserem Reiseveranstalter Fasten Your Seatbelts bedanken, welcher uns die Reise zu unserer besten Zufriedenheit organisiert hat.

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