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Indien Reiseerlebnis – von Mumbai mit der indischen Eisenbahn nach Ahmedabad

Freitag 

Vielfalt der indischen Gewürze

Es ist noch stockfinster als der Weckdienst des Hotels Godwin anruft und wir leise aufstehen und uns anziehen. Vorsichtig klopft es an der Tür und mit den Worten: „Ihr Frühstück, Mam“ betritt ein Kellner das Zimmer und stellt ein Tablett auf den Tisch. Neugierig schaue ich mir das Mitgebrachte an: Tee für zwei Personen, Toast, Butter, Marmelade und Obst. Und das um halb fünf Morgens!
Pünktlich um fünf Uhr stehen wir vor dem Hotel Godwin und halten Ausschau nach Ravi. Er hat uns gestern auf der Stadtrundfahrt chauffiert und soll uns nun zum Bahnhof bringen. Wo steckt er denn? Ah , da kommt er ja schon. Es war eine kurze Nacht für ihn, da er um Mitternacht Gudrun zum Flughafen brachte und jetzt mit uns so früh unterwegs ist. Hat er überhaupt geschlafen? „Kein Problem“ erklärt mir Ravi lächelnd „es geht mir gut, ich bin wach!“ Beruhigend!  Allerdings erfahre ich später von Gudrun, dass er auf der Fahrt zum Flughafen einige Male fest einnickte und das Auto langsam am Straßenrand auszurollen begann.  Klar, dadurch ist er jetzt  ausgeschlafen.

Warten auf die Abfahrt am Bahnhof von Mumbai

Nachdem Ravi uns vor dem Bahnhof abgesetzt hat übernimmt ein  Kofferträger die weitere Führung. Er geleitet uns nicht nur zum richtigen Gleis, sondern bringt uns auch an den Haltepunkt des richtigen Wagens. Hier verbringen wir nun, zwischen irgendwelchen zwischengelagerten weißen Säcken,fast zwei Stunden mit dem Warten auf den Shatabdi-Express. Warum meinten im Hotel bloß alle wir müssten schon um 5ººh abfahren?
Endlich ist es soweit, der Zug fährt ein und sobald sich die Türen öffnen steigen wir gemeinsam mit den anderen Passagieren ein. Der Shatabdi-Express ist ein Zug der nur über 1. Klasse verfügt und jeder Reisende eine Sitzplatznummer hat. Schnell ist unser Platz gefunden und nachdem es mit Hilfe eines Mitreisenden gelungen ist unsere Koffer im Gepäckfach zu verstauen sehen wir uns um.

im Shatabdi-Express von Mumbai nach Ahmedabad

Ich bin überrascht! Nach allem was ich von Zugreisen in Indien gehört habe, hätte ich dies nicht erwartet. An jedem Platz steht eine Literflasche mit Mineralwasser auf dem dazugehörenden Tisch. Die bequemen Sitze haben reichlich Platz für Beinfreiheit  und wir werden die sieben Stunden Fahrt mit Sicherheit genießen.
Bei der Ticketbuchung hatte ich mich im Internet durch das indische Eisenbahnnetz gequält. Dabei habe ich alle möglichen Verbindungen und Preisklassen zwischen Mumbai und Ahmedabad gefunden. Die günstigste Variante war die Plattform für 45 Rupees, aber das wollte ich doch nicht. Letztendlich habe ich aufgegeben und Prakash gebeten die Fahrt für uns zu buchen, vor allem da meine Kreditkarte von der Indischen Eisenbahn nicht akzeptiert wurde. Ich weiß heute noch nicht, was ich da falsch gemacht habe.

ausgetragen von den Dabbawallas

Während wir durch die Vororte Mumbais fahren erwacht die Stadt langsam zum Leben. Wir sehen die berühmt-berüchtigten Vorortszüge Mumbais, auf denen die Menschen teilweise tatsächlich auf dem Trittbrett mitfahren. Sie hängen wie Trauben an den Zügen und soweit ich das im Vorbeifahren erkenne,  ist es im Inneren voll wie in einer Sardinenbüchse. Mit diesem Nahverkehrsmittel fahren täglich tausende von Menschen zu ihrer Arbeit. Unter ihnen sind auch die Dabbawalla, die Essensträger von Mumbai. Die Dabbawalla verteilen täglich an die 200.000 Essen, verpackt in Lunchboxen die durch Farben, Buchstaben und Ziffern kodiert sind.
Die Lunchpakete werden von zu Hause abgeholt und an Sammelstellen an andere Dabbawallas verteilt. Das hausgemachte Essen erreicht  mit fast 100%iger Sicherheit den Auftraggeber zur Essenszeit an seinem Arbeitsplatz.
Die Fahrt verläuft angenehm und wir werden die gesamte Reisezeit mit gutem Service verwöhnt. Mit  der Tageszeitung  bekommen wir einen Tee serviert, nicht lange danach erhalten wir Corn Flakes mit Milch und im Anschluss einen Orangensaft. Auch ein Mittagessen ist mit eingeschlossen: eine Tomatensuppe, Spinat mit Reis,  ein Dal mit Chappati und als Nachtisch Obst und Eiscreme. Selbstverständlich fehlt auch der Tee nicht zum Abschluss.
Als wir gegen 14ººh in Ahmedabad ankommen sind wir überrascht wie schnell die Zeit verging.
Hier werden wir nun Prakash treffen und gespannt schaue ich den Bahnsteig entlang. Ob er schon hier ist? Ja, dort vorne  ist er und auch er hat uns entdeckt.
Nach der Begrüßung gehen wir zum Auto und fahren in das von uns gebuchte Hotel. Unterwegs tausche ich mit Prakash die letzten Neuigkeiten aus. Wir haben uns zwar  fast 1 ½ Jahre nicht gesehen, hatten jedoch dank E-mail und Telefon regelmäßigen Kontakt. „Wie hat Gudrun Goa und Mumbai gefallen?“ möchte Prakash von mir wissen, da er zuvor Gudrun, Eny und Ina eine Woche durch Rajasthan begleitete. Und die anderen Fahrgäste mit denen ich vor ihrer Rundreise in Prakashs Auto  per  E-mail Kontakt hatte? „Ja, sie haben alle gesagt die Reise mit mir hat Ihnen gefallen!“ versichert Prakash mir zufrieden. Stolz zeigt er sein Gästebuch,  in dem sich alle mit lobenden Worten verewigt haben.
Inzwischen haben wir das Hotel Ginger erreicht. An der Rezeption erhalten wir nach Erledigung der Formalitäten den  Zimmerschlüssel und eine Wegbeschreibung in den dritten Stock. Die Zimmer und das Hotel ist genau so wie bei Tripadvisor beschrieben. Einfach, zweckmäßig und sauber. Schnell packen wir das Nötigste aus, erfrischen uns ein wenig und schon ist es Zeit für unsere Verabredung mit Prakash. Er hat sich für diesen Nachmittag ein Programm für uns einfallen lassen und ich bin schon gespannt wo es hingehen soll.
Unser Ziele liegen ca. 26 km außerhalb von Ahmedabad im Verwaltungsbezirk Gandhinagar. Als erstes geht es zu dem modernen Akshardam Tempel. Leider darf in diesem Tempel nicht fotografiert werden. Der Tempel verfügt über einen großen parkähnlichen Garten mit einem Attraktionspark für Kinder. Darin sehen wir eine Wasserrutsche, eine kleine Achterbahn und ähnliches. Der Eintritt in den Tempel ist frei, der Attarktionspark dagegen kostet Eintritt. Langsam schlendern wir durch die gepflegte Gartenanlage bis zum Haupteingang des Tempels. Im Inneren erklingt leise Musik und wir beginnen mit unserer Besichtigung. Aufgeteilt ist dieser große Tempel aus Sandstein in verschieden Hallen mit unterschiedlichen Themenbereichen.
Eröffnet  wurde der Tempel im Jahre 1992 zu Ehren des Lord Swaminarayan.
Zum Abschluss bummeln wir durch den hellen und modernen Raum des Souvenirshops.
Geduldig wartet Prakash am Ausgang bereits auf uns.

Stufenbrunnen in Gujarat

Unser nächstes Ziel ist einer der berühmte Stufenbrunnen in Gujarat, der Adalaj Vaava. Dieser Brunnen steht in dem kleinen Dorf Dalai und der Ausdruck Vaava heißt so viel wie „ein guter Schritt“. Viele Schritte muss ich tatsächlich machen, bis ich unten am Brunnen ankomme. Hier haben die Frauen über Jahrhunderte das Wasser für den Haushalt und die Familie geholt und den Behälter  auf dem Kopf nach oben getragen. Dieser Vaava wurde von der Königin Rudabai im Jahre 1499 gebaut.

Adalaj Vaava in Ahmedabad

Der Legende nach wurde ihr Mann von Sultan Beghara getötet, der damit sein Territorium erweitern wollte. Im Anschluss an diese Tat machte er der Königin einen Heiratsantrag.
Um Zeit zu gewinnen bat die Königin Rudabai zuerst den Stufenbrunnen in Gedenken an ihren liebevollen Ehemann fertig bauen zu dürfen. Der Sultan stimmte zu, ohne ihre Absicht zu durchschauen. So gewann die Königin 20 Jahre Zeit mit dem Bau des Brunnens, bis der Sultan endgültig die Geduld verlor und auf eine Heirat drängte.
Der fünf Geschosse tiefe Stufenbrunnen ist mit seinen Steinsäulen, Bogengängen und den filigranen Mustern ein sehenswertes Erlebnis.
Ganz unten, im letzten Stockwerk ist es dunkel und ich taste mich vorsichtig die Treppen hinunter. Der Brunnen führt noch Wasser und es ist angenehm kühl hier unten. Ich mache noch ein paar Fotos, obwohl leider die gesamte Höhe des Brunnens gar nicht aufs Bild passt. Im Anschluss geht es die fünf Stockwerke wieder nach oben und zurück zu dem wartenden Auto und Prakash.
„Habt ihr Interesse Science City zu besuchen?“  Ja sicher, warum denn nicht! Als wir auf den Parkplatz fahren bin ich beeindruckt von der Größe des Geländes. Ein großer Kuppelbau mit einem 3-D- Kino auf der einen Seite und ein riesiger Globus am anderen Ende des Parks.  Laut der Anzeige läuft im Kino Avatar, doch auf diesen Film mit Überlänge verzichten wir. Denn langsam bricht die Dämmerung herein und das würde mit Sicherheit den Zeitrahmen sprengen.

die Raumfahrtabteilung in Science City

Dafür gehen wir in die Halle mit dem Thema Raumfahrt und Wissenschaft. Hier wird das Planetensystem, die Milchstraße und alles was mit dem Weltall zu tun hat erklärt und an Hand von Modellen veranschaulicht. Es ist gut gemacht, nur leider fehlt die Instandhaltung. Viele Modelle sind kaputt und irgendwelche Kabel liegen in den Ecken. Wie alt ist denn diese Science City? „Och, das ist noch nicht lange“ erklärt Prakash. „Einige der Hallen, wie z.B. der Globus, sind noch im Bau!“ Ach? Wirklich? Also wenn der Rest fertig ist, müssen die Arbeiter vermutlich  wieder von vorne anfangen! Warum repariert das nur keiner?
Wieder in Spanien schaue ich auf die Web-Seite von Science City- da steht  dann jedoch nur: ERROR!

indischer Tinguely Brunnen

Doch der Irrgarten mit den Zerrspiegeln ist als Erwachsene noch genauso lustig wie als Kind und auf dem Weg zum Auto finden wir doch noch eine technisch funktionierende Attraktion. Es ist ein Brunnen mit verschiedenen Skulpturen die individuell und unabhängig von einander Wasser speien. Eigentlich das gleiche Prinzip wie der Tinguely-Brunnen in Basel, nur ein wenig bunter.
Von hier aus machen wir uns auf die Rückfahrt zum Hotel. Nicht nur für uns war es ein langer Tag, auch Prakash ist müde. Im Gegensatz zu uns, saß er nicht bequem in einem Zug und wurde mit Essen und Trinken verwöhnt. Er ist früh morgens mit dem Auto in Udaipur abgefahren, wo er sich gestern von seinen vorherigen  Urlaubsgästen verabschiedet hat.
„Wie ist das mit Essen? Hast du denn Hunger?“ möchte Edith von mir wissen, nachdem wir im Hotel angekommen sind.  Nein, eigentlich nicht. Das Mittagessen im Shatabdi-Express war so reichlich, ich bin nach wie vor satt. „Na ja, vielleicht eine Kleinigkeit. Die Nacht ist lang“ gibt Edith jedoch zu bedenken. Da hat sie recht und wir machen uns auf in das Hotelrestaurant. Was gibt es denn hier? Buffet? Nein, das sieht alles nicht so besonders lecker aus. Und die Kritiken über das Hotel waren zwar gut, das Restaurant wurde jedoch von allen als schlecht bezeichnet. Doch Gott sei Dank sind wir ja im Zentrum und das Hotel  ist nicht weit von einer Einkaufsstraße entfernt. Dort gibt es bestimmt ein Restaurant.

Einkaufszentrum

Doch da haben wir uns geirrt! Zumindest kein Restaurant wie wir es uns vorstellen. Wir finden PizzaHut, Mac Donalds, Subway- aber kein indisches Restaurant. „Lass es uns mal im Einkaufszentrum  versuchen“ schlage ich Edith vor. Doch dort sieht es nicht viel anders aus. Ein Lokal mit dem Namen Dschungel-Abenteuer bietet Pizza in der Größe „Kinderteller“ und von der Decke hängen künstliche Lianen. Nein- das ist auch nicht das richtige! Es ist ein ganz anderes und modernes  Indien, dass ich hier in der Shopping Mall kennen lerne.
Da wir jedoch weder Pizza noch vegetarische Burger möchten, entscheiden wir uns doch für das Buffet  im Hotel.  Die Kommentatoren bei Tripadvisor haben allerdings recht- toll ist das Essen nicht. Doch die Kellner sind freundlich, das gleicht es ein wenig aus.
Eine Stunde später liegen wir satt und müde in unseren Betten. Morgen müssen wir früh aufstehen, denn wir möchten in das Calcio Museum und dort werden nur einmal  täglich eine begrenzte Anzahl  Besucher eingelassen. Prakash hat vorgeschlagen schon um 9ººh morgens dort zu sein, um zu sichern, dass wir dieses einmalige Museum auch wirklich besuchen können.
Daher also:  „Gute Nacht!“

Der vorherige Reisebericht ist erschienen unter: http://www.reiseberichte-blog.com/indien-reisebericht-mumbai-eine-stadtrundfahrt-durch-das-hollywood-asiens/

Indien Rundreise Mumbai und Gujarat

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

3 Reaktionen bis “ Indien Reiseerlebnis – von Mumbai mit der indischen Eisenbahn nach Ahmedabad ”

  1. Wieder einmal ein genialer Reisebericht! ^_^
    Ich durfte eine Bahnfahrt in Delhi erleben mit zusätzlichem „Aus-der-Tür-Lehnen“ und fand es klasse. ;-D
    Da Sonntag war, war es nicht mal so voll!

    Schöne Grüße
    Christina

  2. Elke Hoppe

    hallo Christina

    Danke für die Zuschrift und dein nettes Kompliment,
    das motiviert natürlich für den nächsten Bericht. 😉
    viele Grüße
    Elke

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