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Indiens portugiesisches Erbe – die Insel Diu

Montag

die Strasse vor unserem Hotel in Diu

Genussvoll und ausgeschlafen strecke ich mich nach dem Aufwachen in meinem Bett aus. Keine Besichtigung, keine festen  Pläne- einfach nur relaxen und sich in Ruhe die kleine Insel Diu betrachten. Toll!! Mal etwas ganz anderes in diesem Urlaub! Ein Blick nach links zeigt mir, dass auch Edith schon wach ist. „Was haben wir denn mit Prakash verabredet?“ möchte sie von mir wissen. Er wartet so zwischen zehn und halb elf um uns über die Insel zu fahren und die schönsten Plätze zu zeigen. „Fein, da haben wir ja Zeit für ein gutes Frühstück!“ macht Edith die ersten Tagespläne. Rasch ziehen wir uns an und gehen in den Frühstücksraum des Hotels. Doch im Gegensatz zu den hellen und mit Tageslicht durchfluteten Zimmer ist der Speiseraum dunkel und nur einige trübe Lampen werfen gedämpftes Licht auf die Tische. Kritisch betrachten wir die weinroten Tischdecken. Eine praktische Farbe, die Flecken sind alle sehr schwer zu erkennen. Doch mit meiner Lesebrille schaffe ich es: Dal, Joghurtsoße und das muss ein Restchen von Raita sein. Wir wechseln den Tisch und bekommen einen weiteren Einblick in die Speisekarte. Was mag das gewesen sein? Aloo Gobi, die leckeren Kartoffeln mit Blumenkohl? Offensichtlich sehen alle Tische gleich sauber aus, es gibt bestimmt den Tag X an dem generell alle Tischdecken gewechselt werden. Vielleicht Weihnachten? Wir bestellen uns jeder einen Tee und Toast mit Marmelade. Den Gedanken an die Küche, eventuelle Geschirrtücher und Putzlappen verdränge ich einfach. „Und immer dieser Toast mit Marmelade!“ moniert Edith. „Gibt es hier kein richtiges Brot?“ Morgen werden wir uns ein anderes Frühstückslokal suchen, das ist bereits beschlossen. Wobei die Sache mit dem Brot natürlich ein wenig schwierig wird.
Kurz nach zehn treffen wir Prakash, der schon vor dem Hotel auf uns wartet.
„Wir sollten als erstes das Fort besichtigen, eine wichtige Festung aus der portugiesischen Zeit in Diu“ schlägt uns Prakash vor.
Diu war von 1300 bis 1500 ein großes Handelszentrum des osmanischen Reiches, welche die Seerouten des arabischen Meeres kontrollierten. 1537 gelang den Portugiesen bei ihrem zweiten Versuch die Eroberung dieses bedeutenden Hafens und sie bauten ein Fort zur Verteidigung der Insel.

Blick vom Fort Diu

Prakash fährt uns bis fast zum Eingang des Fort und wir beginnen diese weitläufige Festungsanlage zu besichtigen. Am Eingang sitzt ein Wachmann und beobachtet das Kommen und Gehen der vorwiegend indischen Touristen, während er mit seinem Handy am hantieren ist. Und- hast du nicht gesehen- da hat er uns heimlich fotografiert. Er schaut ein wenig verlegen, als er bemerkt, dass ich ihn „auf frischer Tat“ ertappt habe. Doch da in Indien allgemein gerne fotografiert wird nicke ich ihm freundlich zu , was ihn sofort zu einem zweiten Schnappschuss veranlasst.

Gruppenfoto im portugiesischen Fort von Diu

Der Rundgang durch das Fort ist anstrengend, es geht treppauf, treppab und bergauf und bergab, wobei trotz der relativ frühen Zeit die Temperaturen fühlbar steigen. Doch der Besuch lohnt sich, der Blick über das blaue Meer und auf die Insel ist traumhaft. Das Fort ist größer und umfangreicher als von außen zu sehen ist. Wir lassen uns Zeit bei unserem Rundgang und steigen hinauf bis zu dem Leuchtturm.

St. Pauls Kirche, ein portugiesisches Erbe

Auch hier ist, wie bei den meisten Sehenswürdigkeiten ein Fotoshooting nicht zu vermeiden. Groß und blond bin ich ein beliebtes exotisches Modell und hier vor allem auch das Einzige. Dementsprechend oft grinse ich in fremde Kameras. Ich selbst bin bescheiden, ich möchte nicht mit jedem Besucher ein Foto, sondern bin mit einem Gruppenbild zufrieden. Es ist fast Mittag als wir zurück zum Auto kommen, wo Prakash geduldig auf uns wartet.

Marienstatur

„Ihr habt nun so viele Tempel gesehen“ teilt uns Prakash lächelnd mit, „jetzt zeige ich euch auch mal eine katholische Kirche.“ Wir müssen nicht weit fahren um das weiße Gebäude mit dem Kreuz vor uns auftauchen zu sehen. Es ist die St. Pauls Kirche und sie stammt aus der portugiesischen Kolonialzeit.Gebaut wurde sie 1600 von Jesuiten und ist 1807 renoviert worden. Ihre gotische Außenfassade zählt zu einer der schönsten portugiesischen Kirchen in Indien. Das Innere ist in hellblau und weiß gehalten und wirkt hell und freundlich. Interessant finde ich die Marienestatur. Diese katholische Dame steht auf einer Kugel mit sieben Schlangen und den Hörnern des Rindes Shivas- Symbole aus der hinduistischen Religion. Eine Vermischung, die sich im Laufe der vielen Jahre eingeschlichen hat und in ähnlicher Form auch in südamerikanischen Ländern und der dortigen Religion zu finden ist.

Nach diesem Besuch geht es  am Strand entlang bis zur Gedenkstätte der INS Khukri. Diese Mahnmal steht im Gedenken an das am 09.Dezember 1971 versunkene Schiff im Krieg gegen Pakistan. Sie sank 40 Seemeilen vor der Küste und mit ihr 18 Offiziere und 176 Seemänner. Das hier gebaute Modell soll der Männer gedenken, die ihr Leben für ihr Land gegeben haben. Nun ja, ich sage es jetzt keinem der anwesenden Inder, aber ich denke auch an die Pakistaner, die sicher ebenfalls nicht alle aus diesem Krieg nach Hause zurück gekehrt sind.

einsame Strände in Diu

Unterhalb dieser Gedenkstätte beginnt einer der vielen leeren Strände Dius. Rasch ziehen wir unsere Schuhe aus, krempeln die Hosenbeine nach oben und testen Stand und Wasser. Der Sand ist weich und sauber, das Wasser warm und klar- einfach einladend. „Wollt ihr schwimmen gehen? Ich fahre euch rasch ins Hotel, dann könnt ihr eure Badeanzüge holen!“ bietet Prakash sofort an, als er unsere Begeisterung sieht. Doch das ganze Stück zurück? Außerdem- gibt das nicht einen Volksauflauf, zwei Europäerinnen im Badeanzug? „Aber nein!“ zerstreut Prakash meine Bedenken. „Der Strand ist doch ganz einsam, kein Mensch außer uns ist hier .“ Ja, aber wie lange? Der Strand liegt direkt unterhalb der Autostraße und ist von dort gut einsehbar. Hier schaut ja jeder schon, wenn wir angezogen sind! Ich glaube, das lassen wir lieber bleiben und schwimmen im Sommer wieder an der spanischen Sonnenküste. „Schade, so schönes klares Wasser“ murmelt Edith, als wir uns von der Idee des Schwimmens gedanklich verabschieden.
Eine Weile bleiben wir hier, genießen die leichte Meeresbrise und das Gefühl des warmen Sandes an den Füßen. Doch wieso bewegen sich die Sandkörner? Das kitzelt aber stark, unangenehm, als ob irgendwas krabbelt. Iiiiiii!!!!! Da muss ich mal mit Brille schauen! Oh-Sandfliegen! Kaum bin ich einige Meter vom Wasser entfernt wimmelt es nur so von den kleinen Mücken. Nichts schlimmes, aber auch in diesem Paradies ist nicht alles perfekt. Auf jeden Fall möchte ich nicht unbedingt hier sitzen und im Badeanzug trocknen.

Ganeshwar Mahadev Tempel

Langsam gehen wir wieder zurück zum Auto und fahren gemächlich die Küstenstraße entlang bis zum Ganeshwar Mahadev Tempel. Dies ist ein kleiner Tempel, der sich in einer Grotte im Küstengestein befindet.
Einige Stufen führen uns hinunter an die heilige Stätte, an denen Gläubige ihre Opfergaben bringen. Diese Opfer bestehen aus Blumen, Lebensmittel wie Kokosnüsse und Milch und Geldscheine. Sobald die Flut kommt und das Wasser steigt, werden die Opfergaben  in das Meer hinaus getragen. Hmmmmm, in einem Land in dem so viel Armut und Hunger herrscht? Vermutlich bin ich zu praktisch veranlagt um solche Opfergaben wirklich gut zu finden. Ich versuche die Rupiescheine zu zählen, es würden bestimmt drei Abendessen zusammenkommen.

Prakash, unser Begleiter und Führer

Einer der vielen herrenlosen Hunde Indiens kommt vorsichtig mit eingezogenem Schwanz an den heiligen Ort geschlichen. Er hat es auf die geopferte Milch abgesehen, die er rasch versucht vom Boden aufzuschlecken. Prompt wird er von einer der Besucherinnen verscheucht. Nun muss Prakash als mein Diskussionspartner herhalten. Sind Hunde nicht auch Geschöpfe Gottes? Und ist das Leben eines Tieres nicht mehr wert als eine Opfergabe? So ein armer hungriger Hund? Und die ganze Milch fließt ungenutzt ins Meer? Das ist doch eigentlich eine Vergeudung von Lebensmitteln! „Na ja, schon, aber die Menschen bringen die Opfer eben für Gott“ versucht Prakash diplomatisch zu antworten. Ich schiebe den Gedanken an die europäische Überproduktion von landwirtschaftlichen Produkten zur Seiten und lasse das Thema auf sich beruhen.
Wir bleiben nach dem Besuch des Tempels noch ein wenig auf der Steinmauer der Promenade sitzen und genießen die langsam schwächer werdende Sonne. „Sollen wir zurück ins Hotel fahren?“ fragt Prakash. „So habt ihr vor dem Abendessen noch ein wenig Zeit euch auszuruhen.“ Das ist eine gute Idee, ich bin zwar nicht müde, möchte aber gerne in ein Internet Café gehen um meine e-mails abzufragen. Vielleicht ist ja ein Kommentar von einem Leser bei Reiseberichte-blog dabei?

portugiesischer Kolonialstil

Auch Edith fühlt sich noch munter und nachdem ich eine halbe Stunde an einem Computer verbracht habe machen wir noch einen kleinen Spaziergang. Diesmal nicht in Richtung Markt, sondern durch die Gassen der Wohngegend mit ihren Häusern aus der Kolonialzeit. Geschmückt mit Fliesen und Blumen vermitteln diese Gebäude einen Hauch von einer Stadt am Mittelmeer, ein Überbleibsel der portugiesischen Herrschaft.
Unser Rundgang endet am Markt und am Hafen, wo wir auf Prakash treffen. Er hat sich im Hotel ausgeruht und ist nun ebenso wie wir über den Markt gebummelt. Da es inzwischen schon dunkel ist, beschließen wir gemeinsam ein Restaurant zu suchen. Heute aber bitte ohne Dosa! Nicht weit vom Hafen entfernt entscheiden wir uns für eines der vielen Restaurants. Und heute haben wir Glück! Das Essen schmeckt uns allen dreien gut und die Bedienung ist freundlich.
Auf dem Weg zurück ins Hotel besprechen wir noch kurz unsere Pläne für morgen. Was gibt es neben Strand noch zu sehen auf Diu? „Morgen früh fahren wir die Höhlen von Diu besichtigen“ kündigt uns Prakash an. Wir verabreden uns für ca. 11ººh, denn die Entfernungen auf der Insel sind gering und wir haben ja schließlich Urlaub. Da muss auch mal ausschlafen auf dem Programm stehen!

Mein vorhergehender Bericht ist erschienen unter:http://www.reiseberichte-blog.com/indien-vom-somnath-tempel-in-gujarath-auf-die-insel-diu/

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Indiens portugiesisches Erbe – die Insel Diu
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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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  1. […] Der vorhergehende Bericht ist erschienen unter: http://www.reiseberichte-blog.com/indiens-portugisisches-erbe-die-insel-diu/ […]

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