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Namibia-Reisebericht: Stadtrundfahrt Windhoek mit Township Katutura

Windhoek, Christuskirche und Reiterdenkmal

Windhoek, Christuskirche und Reiterdenkmal

Für Windhoek sollte man einen Tag vorsehen und dann eine Stadtrundfahrt mit Besuch von Katutura einplanen.

Obwohl ich am Tag meiner Ankunft bereits zu Fuß die wichtigsten Sehenswürdigkeiten fotografiert und eine Fahrt nach Katutura unternommen habe, nehme ich nach unserer Rundreise noch an einer Stadtrundfahrt einschließlich Katutura teil (Privattour zum Preis von 210 N$ pro Person).

Fahrt nach Katutura

Fahrt nach Katutura

Heute kann ich allerdings nicht fotografieren, da ich meinen Fotoapparat im Fahrzeug unseres Guides Frans liegen gelassen habe, so dass ich meine Fotos vom 12. Februar verwende.

Annette und ich werden um 09:00 Uhr im Hotel Heinitzburg abgeholt, und die Fahrt geht zuerst auf einen Aussichtshügel, von dem man auf Windhoek schauen kann. Unser Guide Hendrick Kavaghu erklärt uns in Kurzform die Umgebung und Geschichte von Windhoek.

Blick auf Windhoek vom Hotel Heinitzburg

Blick auf Windhoek vom Hotel Heinitzburg

Windhoek liegt
1 650 m hoch, hat um die 250 000 Einwohner (diese Zahl schwankt bis 400 000 Einwohner, je nachdem, ob Katutura mit eingerechnet wird), ist Regierungshauptstadt, einzige Universitätsstadt Namibias sowie Wirtschafts- und Kulturzentrum und ist im Nordosten von den Eros Bergen, die bis 1 879 m hoch sind (eros kommt aus der Sprache der Nama und ist eine saure Zwetschgenart), im Süden von den Auas Bergen mit 2 490 m und im Westen dem Khomas Hochland mit 2 000 m (khomas bedeutet in der Sprache der Nama „hügelig“) umgeben. Windhoek erhielt seinen Namen von Jonker Afrikaaner, der den Platz Winterhoek nannte (nach seiner Heimat in der Kapkolonie, den Winterbergen). Als Curt von François 1890 den Grundstein der Stadt legte, deutschte er den Namen in Windhuk ein. Später wurde aus Windhuk dann Windhoek.Geschichte: Die ersten Besiedler scheinen die Buschmänner (San) gewesen zu sein.
Da Aufzeichnungen fehlen, beginnt Hendrick seinen Überblick in Kurzfassung. Damit ich alles mitbekomme, steonografiere ich alles mit:

Steinsäule mit Kreuz am Cape Cross

Steinsäule mit Kreuz am Cape Cross

1486 landet der Portugiese Diogo Cão am Cape Cross (Kreuzkap), wo er eine Steinsäule mit aufgesetztem Kreuz errichtet.
1487 / 1488 umsegelt Bartolomeu Diaz, ein portugiesischer Seefahrer und Entdecker, als erster die Südspitze Afrikas.
1602 kommen Hereros und Ovambos über den Kunene nach Süden.
Ab 1700 ziehen burische Siedler vom Kap nach Norden über den Oranje und verdrängen die dort bereits Vieh züchtenden Namas nach Norden
1806 gründen Missionare der London Missionary Society in Warmbad die erste christliche Niederlassung.
Um 1840 gründet der Orlaam-Nama Führer Jonker Afrikaaner in der Nähe von Windhoek die erste Siedlung.
1883 schließt Adolf Lüderitz, ein Bremer Kaufmann, die ersten Verträge über Landverkäufe, kauft für 10 000 Mark und 260 Gewehren den Orlaam-Nama ihr Land ab und gründet Lüderitzbucht.
1889 Hendrik Witbooi ist der Anführer der wichtigsten Nama Volksgruppe, der so genannten Witbooi-Hottentotten.

Alte Feste Windhoek

Alte Feste Windhoek

1890 Der Gouverneur Curt von François trifft in Walvis Bay ein, wählt Windhoek als Stützpunkt und baut die „Alte Feste“.
Namibia wird durch den Caprivi Zipfel erweitert (Helgoland-Zanzibar-Vertrag).
1904 kommen bei einem Aufstand 50 % der Nama und 50 % der Hereros ums Leben (Schlacht am Waterberg).
1908 werden bei Lüderitz die ersten Diamanten gefunden.
1914 bricht der 1. Weltkrieg aus.
1915 kapituliert die deutsche Schutztruppe und Südafrika übernimmt die Verwaltung.
1945 übernimmt die UNO als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes das Mandat für Namibia.

Erinnerung an die Aufständischen

Erinnerung an die Aufständischen

Am 10. Dezember 1959 werden 11 Personen bei einem Aufstand von der Polizei in Windhoek erschossen.
1966 verliert Südafrika wieder das Mandat für Namibia.
1968 entscheiden die Vereinten Nationen, dass Südwestafrika nun Namibia heißen soll.
1989 finden die ersten demokratischen Wahlen statt, die die SWAPO gewinnt.
Am 21. März 1990 erringt Namibia als letztes afrikanisches Land seine Unabhängigkeit. Der einstige Rebell Sam Nujoma wird erster Präsident.
Im März 1992 wird das Land in 13 Verwaltungsregionen aufgeteilt.
1993 wird der Namibia-Dollar (N$) eingeführt, der den gleichen Wert wie der südafrikanische Rand hat.
Im Dezember 1994 wählt die Nationalversammlung Sam Nujoma erneut zum Präsidenten.
2005 übernimmt Hifikepunye Pohamba von Sam Nujoma das Amt des Staatspräsidenten.

Christuskirche

Christuskirche

Reiterdenkmal

Reiterdenkmal

Plakette an der Alten Feste

Plakette an der Alten Feste

Wir fahren dann vorbei an der „Alten Feste“ zum Reiterdenkmal, das an die Schutztruppler erinnert, die in den Jahren 1903 bis 1907 bei den Feldzügen im Laufe der Herero- und Nama-Aufständen gefallen sind.
Nächster Stopp ist die Christuskirche im neuromanischen Stil mit gotischen Einflüssen, die von Gottlieb Redecker entworfen,  in drei Jahren Bauzeit errichtet und im Oktober 1910 eingeweiht wurde.

Tintenpalast

Tintenpalast

Ein Stück weiter bergauf liegt in einem Park der „Tintenpalast“, Sitz des Parlamentes.

Dann fahren wir die Independence Avenue entlang und weiter Richtung Katutura, das in der Ovambo Sprache „der Ort, an dem wir nicht leben möchten“ bedeutet. Die schwarze Bevölkerung identifizierte sich damals mit ihrem Stadtteil Hochland Park und wollten nicht umziehen, so dass 1959 die Zwangsumsiedlung begann. Die in Windhoek lebenden Schwarzen mussten in das 10 km entfernte Katutura umziehen. Da sie sich weigerten, ihre Wohnorte zu räumen, kamen einfach Bagger und wälzten ihre Häuser nieder. Eine Frau organisierte deshalb einen Aufstand bei der alten Werft in Windhoek, doch die Polizei erschoss 11 Aufständische und es wurden viele verletzt. Dieses Ereignes wird im Allgemeinen als die Geburtsstunde der SWAPO (South-West Africa People’s Organisation) bezeichnet. Die Zwangsumsiedlung war 1968 abgeschlossen. Wir besuchen das Grab der Aufständischen.

Blick auf Katutura

Blick auf Katutura

In Katutura  lebt der Großteil der schwarzen Bevölkerung, beinahe noch einmal so viele Menschen wie in Windhoek selbst.

Unser Guide erklärt, dass in Katutura Einheitshäuser mit einer Wohnfläche von 45 qm errichtet und Katutura in Stammesbezirke nach Ovambo, Herero und Damara gegliedert wurden. Die kann man heute noch an den Hausnummern erkennen.  Es steht der jeweilige Buchstabe des Stammes vor der Hausnummer. Allerdings mischen sich heute die Stämme untereinander.
Wir fahren durch verschiedene sehr hügelige Gebiete. Es gibt reine Siedlungen mit Wellblechhütten, andere mit bunt bemalten Häusern in Grün, Lila, Rosa und Gelb.

Haus der Damara

Haus der Damara

Siedlung in Katutura

Siedlung in Katutura

In den sandigen Vorgärten der flachen Bungalows (viele Menschen teilen sich eine solche Unterkunft) liegen hinter Stacheldraht Autoskelette, alte Ölfässer und ähnliches herum. Auch die Klohäuschen stehen separat neben den Häusern und mehrere Familien teilen sich diese.

Verkaufsstände

Verkaufsstände

Toilettenhäuschen

Toilettenhäuschen

neugierige Kinder

neugierige Kinder

Hererofrau

Hererofrau

Wir fahren die Hans-Dietrich-Genscher-Street entlang, sehen immer wieder Wellblechhütten, in der Hügellandschaft neben uns liegt eine ganze Siedlung solcher Hütten. Hendrick erzählt uns von der hohen Arbeitslosigkeit in Katutura und meint, dass über 80 Prozent der Menschen keinen Job haben.
Die Regierung würde sich aber bemühen, die Lebensbedingungen in Katutura zu verbessern. So wurden Straßen geteert, weitere Bungalows hochgezogen, Stromanschlüsse und fließend Wasser gelegt.

Immer wieder interessant ist es auf dem Markt. So halten wir an der Markthalle an. In der Halle selbst gibt es viel Eßbares zu kaufen. So wird getrockneter Spinat angeboten, die sehr nahrhaften Mopanewürmer und nahrhaftes, nichtalkoholisches Bier.

Nahrhaftes Bier

Nahrhaftes Bier

Getrockneter Spinat

Getrockneter Spinat

Mopanewürmer

Mopanewürmer

Fleischstand

Fleischstand

Hendrick sagt, dass viele Arbeiter von diesem Bier nur ein bis zwei Tassen am Morgen trinken, dann können sie den ganzen Tag ohne Essen auskommen, weil es so nahrhaft ist. Ich probiere natürlich auch und es schmeckt gar nicht so schlecht.Mit gemischten Gefühlen betrachten wir die Fleischstände. Neben Köpfen von Ziegen und Rindern liegen die Beine auf dem Boden. Auf den Tischen zerhacken die Fleischer große Teile von den Tieren und bieten Innereien an.Barbecue

Wer hungrig ist, der bedient sich an den Barbecue Ständen mit Fleischbrocken, die man in Salz und andere Gewürze eintaucht. Ich probiere natürlich auch ein Stückchen Fleisch, tauche es in das Gewürz und stecke es in den Mund. Die Umstehenden amüsieren sich köstlich, da ich fürchterlich zu husten anfange und zu ersticken meine. Das Gewürz muss Chili gewesen sein!!

Auf der gegenüber liegenden Seite der Markthalle befinden sich viele kleine Läden. In einigen sind Friseure untergebracht, in den anderen schneidern Frauen Schuluniformen oder Kleider für die Hererofrauen.Hererokleid

Friseur
Friseur
Schneiderinnen
Schneiderinnen

Zum Tourende fahren wir noch nach „Penduka“, das idyllisch am Goreangab Stausee liegt.

Penduka Organisation

Penduka Organisation

Penduka bedeutet „aufwachen“. Es ist eine Frauen-Initiative, die arbeitslosen oder behinderten Frauen zu einem Einkommen verhilft. Hier gibt es Werkstätten, ein Geschäft, ein Restaurant und einfache Unterkünfte. Außerdem werden TB Kranke unterstützt.

Herero Schneiderin

Herero Schneiderin

Wir laufen durch die Werkstätten und schauen uns Korbwaren, Schmuck, Puppen und Stickereien an. Bei meinem ersten Besuch sind die Leute eifrig am Arbeiten. Eine Herero Schneiderin setzt sich in Positur und läßt sich gerne von mir fotografieren. Eine taubsumme Frau zeigt uns, wie sie aus alten Flaschen (nach Farben geordnet grün, weiß, braun) Perlen herstellen. Erst wird das Glas zerschlagen, dann in Platten mit Löchern verteilt, anschließend erhitzt und dann abgekühlt. Nun werden in die Glaskugeln noch Löcher gestanzt und dann zu Schmuck verarbeitet. Die Töpfereien stehen verlassen da. Im Geschäft erstehen wir dann noch Ketten und Anhänger. Auch die Bettwäsche gefällt mir sehr gut, aber wie transportiere ich sie?

Bestickte Bettwäsche

Bestickte Bettwäsche

Perlen aus recyceltem Glas

Perlen aus recyceltem Glas

Töpferei

Töpferei

Penduka liegt an diesem Damm

Stoffpuppen und Tiere

Stoffpuppen und Tiere

Der Regen kommt

Der Regen kommt

Es wird plötzlich ganz dunkel und es sieht nach Regen aus. Keine zwei Minuten später fängt es auch fürchterlich zu regnen an, so dass man kaum noch etwas sieht. Wir kommen durch den Stadtteil Soweto und fahren dann weiter nach Windhoek.

Stadtteil Soweto

Stadtteil Soweto

Vierspurig führt die Independence Avenue von Katutura zurück nach Windhoek. Zwei Spuren führen nach Katatura, zwei zum Stadtzentrum von Windhoek, in der Mitte stehen Palmen. Gegen 12:30 Uhr sind wir wieder zurück in Windhoek. Wir lassen uns beim Tourism Office absetzen.

Souvenirs

Souvenirs

Hier beim Tourism Office haben viele ihre Kunsthandwerke ausgebreitet. Zum ersten Mal sehe ich Himbamädchen in der Stadt. Es sieht schon komisch aus, wie diese hier mit einem Handy in der Hand sitzen.

Himba-Mädchen mit Handy

Himba-Mädchen mit Handy

Annette und ich laufen noch ein bisschen durch die Straßen, fotografieren das Gathemann-Haus (vor einer Woche hatte ich hier mein Mittagessen im Restaurant im ersten Stock eingenommen),  die daneben liegende Luisen Apotheke und erreichen den bekannten Uhrenturm. Die früheren Einwanderer hatten steile Dächer gebaut, damit der Schnee herunterrutschen könnte. Sie hatten dabei aber nicht bedacht, dass es in Windhoek nie schneit!

Erkraths Building

Erkraths Building

Restaurant Gathemann

Restaurant Gathemann

steile Dächer

steile Dächer

Uhrenturm

Dann gehen wir die frühere Post Street entlang, die nun Post Street Mall heißt und eine Fußgängerzone ist. Hier bieten viele Kunsthandwerker ihre Waren auf Tischen oder am Boden an. Gegenüber vom Meteoriten-Brunnen, wie er im Volksmund genannt wird (ein künstlerisches Werk aus den nicht verglühten Resten eines Meteoriten-Regens, der in der Gegend um Gibeon niederging), befindet sich die Kaiserkrone und das Restaurant „The Gourmet“.

Kaiserkrone

Kaiserkrone

Als es urplötzlich zu regnen anfängt, flüchten wir in The Gourmet und gönnen uns ein Mittagessen.

Nach dem Regen laufen wir noch zum Namibia Craft Centre. Hier kann man sich einen guten Überblick über die Handarbeiten (Flecht-, Ton-, Schnitzarbeiten) der verschiedenen Volksgruppen Namibias und deren Preise verschaffen.

Wie sonst nirgends auf der Welt hat sich das Deutschtum im früheren Südwestafrika erhalten. Viele Straßen tragen noch heute deutsche Namen, in vielen Geschäften wird Deutsch gesprochen und viele Einwohner sind in der dritten Generation Deutsche in Namibia.

Wenn Sie gerne eine Reise nach Namibia unternehmen möchten, dann lassen Sie sich doch von uns die Reise organisieren und buchen Sie bei AST African Special Tours.

Namibia-Reisebericht: Stadtrundfahrt Windhoek mit Township Katutura
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Über den Autor

christlN

Ich habe mein Hobby Reisen zum Beruf gemacht. Aus diesem Grund bin ich mindestens sechs Mal im Jahr auf Fernreisen unterwegs und kenne somit fast die ganze Welt. Meine Lieblingsländer sind Südafrika, Namibia, Botswana, Zambia, Malawi, Tanzania, Myanmar und Chile. Ich wohne gerne in Luxuslodges, liebe die Fahrt mit dem luxuriösesten Zug der Welt, dem Rovos Rail, oder steuere während einer Kreuzfahrt viele Häfen an. Auf der anderen Seite nehme ich aber auch an Campingtouren oder abenteuerlichen Touren, wie Gorillatrekking, teil.

3 Reaktionen bis “ Namibia-Reisebericht: Stadtrundfahrt Windhoek mit Township Katutura ”

  1. Hallo ,

    Namibia war nicht das letzte Land Afrikas was unabhängig wurde .

    http://de.wikipedia.org/wiki/Westsahara

    MfG Jens

  2. Hallo,
    wo hast Du denn die Stadtrundfahrt gebucht?

    Freundlichen Gruss
    Kaktusa

  3. Hallo Kaktusa,
    ich habe einige Stadtrundfahren in Windhoek gemacht, immer mit verschiedenen Veranstaltern. Man kann diese im Namibia Touristoffice buchen oder einfach im Gästehaus fragen, die helfen Dir auch gerne.
    Viele Grüße, Christl

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