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Oman – Eine Moschee und sehr viel Sand

Natürlich gibt es im Oman sehr viele Moscheen, im Grunde hat jedes kleine Dorf eine eigene Moschee, wenn diese auch manchmal unscheinbar aussehen. Aber für die ungläubigen Touristen, die sehr willkommen in dem friedlichen Land im Süden der arabischen Halbinsel sind, gibt es tatsächlich nur eine Moschee. Diese hat es jedoch in sich. Die Sultan Qaboos Moschee in der Hauptstadt Maskat ist die einzige, die für Touristen zugänglich ist. Frauen müssen ihre Haare verstecken, weil die Omanis glauben, dass der Anblick von weiblichen Haaren ganz zu schweigen von anderen Körperteilen es den männlichen Besuchern unmöglich macht, sich auf das Gebet zu konzentrieren. Obwohl ich den meisten Männern etwas mehr Konzentrationsvermögen zutraue, lege ich also einen Schleier um.

Die Moschee ist ein architektonisches Meisterwerk und der amtierende Sultan Qaboos hat bisher nicht verlauten lassen, wie viel Geld der Bau verschlungen hat. Der Gebetsraum für die Frauen ist wenig spektakulär, aber der Raum, in dem die an Konzentrationsstörungen leidenden Männer beten dürfen, quillt nur so über vor Prunk und Schmuck. Die Kuppel besteht innen aus einem gigantischen Mosaik aus Kacheln und der Kronleuchter war lange Zeit der größte der Welt, bis ihm der Leuchter in der neuen Moschee in Abu Dhabi den Rang ablief. Wer möchte kann hier über den 21 Tonnen schweren Teppich staunen und stolzieren.

Maskat Sultan Qabos Moschee

Ansonsten ist die Hauptstadt wenig spektakulär. Der Sultan hätte es mit seinen Einnahmen aus den Ölquellen des Omans den Emiraten oder Katar gleich tun können. Aber ihn hat dann kurz vor dem ersten Wolkenkratzer die Vernunft gepackt und er hat Schulen, Straßen, Krankenhäuser und Bewässerungssysteme im ganzen Land gebaut. Das hat die Bewohner des Omans wohlhabend und ihn selbst zu einem beliebten Herrscher gemacht.

Um die Naturwunder des Oman zu sehen, muss man sich von der Hauptstadt entfernen. Südöstlich ist der Wadi Shab noch nicht einmal eine halbe Tagesreise entfernt. Hier bringen rebellisch aussehende Jugendliche mit unorthodox geknoteten Turbanen die Touristen auf wenig Vertrauen erweckenden Booten zur anderen Seite des kleinen Meeresarmes, der in das Tal hinein ragt. Während der Trockenzeit, die fast das ganze Jahr lang anhält, kann man im Wadi ausgedehnte Spaziergänge unternehmen. Es gibt Palmen, kleine private Gärten, Ziegen und flache Wasserlöcher inmitten der schroffen Felsen zu sehen.

Wadi Shab

Im Landesinneren ist die Gegend bei Besuchern besonders beliebt, wo sich die trockene steinige Landschaft schlagartig in eine märchenhafte Sandwüste verwandelt. Allradfahrzeuge warten hier auf Kundschaft, denn mit einem herkömmlichen Wagen kommt man im dicken weichen Sand nicht weit. Beliebt sind Ausflüge um die Zeit des Sonnenuntergangs. Für einen kleinen Obolus kann ich mir von einem echten Beduinen einen traditionellen Kaffee servieren lassen. Traditionell bedeutet in diesem Fall, dass der Kaffee in einer Tasse serviert wird, die nur unwesentlich größer ist als ein Fingerhut, dass dem Getränk Kardamom beigemischt ist und dass er auch in homöopathischen Dosen Tote erwecken kann. Einen zweiten muss ich aus gesundheitlichen Gründen ablehnen.

Kamel Oman

Die Beduinen hier leben natürlich längst in einem normalen Dorf in der Nähe, aber die meisten Familien haben noch ihre Stützpunkte in der Wüste, wo sie ihre Ziegen und Kamele in artgerechter Umgebung halten, Kaffee für Touristen servieren und einfach aus nostalgischen Gründen die Stille der Wüste genießen.

Wadi Shab

Der Sonnenuntergang taucht den gigantischen Sandkasten in ein rötliches Licht und macht den weichen warmen Sand zu einer wunderschönen Fotokulisse. Der Fahrer, der mich zum Sonnenuntergang und wieder zurück fahren soll will mich entweder umbringen, mich beeindrucken oder mich dazu bringen, mich in seinen bisher so sauberen Wagen zu erbrechen. Er fährt mit dem Geländewagen nahezu senkrechte Hügel hinauf und zu allem Übel auch wieder hinunter und lächelt dabei.

Wahiba Wüste

Ich überlebe und staune, dass ich tatsächlich nach dieser Fahrt Hunger habe. In einem Camp mitten im Sand gibt es ein umfangreiches Abendessen, bei dem auch Kamelfleisch serviert wird. Das Fleisch ist nur teilweise zart aber eine gekonnte Gewürzmischung macht es zu einer gelungenen Speise. Obwohl ich nur wenige Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt bin, fühle ich mich beim Anblick des nächtlichen Sternenhimmels als wäre ich auf einem anderen Planeten.

Maskat Oman

Die Reise durch den Oman wäre nicht komplett ohne die Besichtigung von mindestens sieben der Lehmstädte, die über das ganze Land verteilt sind. Besonders eindrucksvolle Exemplare sind Tanuf, Al Hamra und Birkat Al Mauz. Tanuf wurde von den Engländern bombardiert und dann verlassen. Die beiden anderen Siedlungen haben je einen alten Teil aus zerfallenden Lehmbauten und eine modernere Siedlung direkt nebenan. Für die Kinder, die hier aufwachsen muss die Geisterstadt in der Nachbarschaft wie ein gigantischer Spielplatz sein. Ein Paradies. Mein ehemaliges Baumhaus ist ein Witz dagegen. Auch für Freunde der Architektur ist es ein Spaß, den alten Lehmbauten dabei zuzusehen, wie sie langsam verrotten und vom Regen weggespült werden. Mein Reiseleiter sagt, dass den Omanis alte Lehmhäuser egal sind und dass man sie einfach zerfallen lässt. Als ich das unheimlich schade finde, bringt er mich nach Manah, einer weiteren Lehmstadt, die für die Nachwelt erhalten bleiben soll. Das vollkommen menschenleere Dorf wird vor dem Zerfall gerettet und liebevoll restauriert. Die Wahl ist ganz zufällig auf dieses Dorf gefallen, weil der Großvater des Sultans hier geboren wurde.

Al Hamra

Ein Highlight im Oman sind die Bienenkorbgräber im westlichen Teil des Landes. Es gibt gleich mehrere Ausgrabungsstätten, wo diese teils bis zu 5000 Jahre alten Grabanlagen gefunden wurden. Ausgrabung ist eigentlich übertrieben, denn die Steinhaufen, die tatsächlich in ihrer Form entfernt an Bienenkörbe erinnern, sind auf den unwirtlichen und steinigen Boden gebaut und die Archäologen mussten nicht in dem Sinne graben.

Al Hamra

Kulinarisch ist der Oman ein Sammelsurium aus dem Besten der arabischen, afrikanischen und indischen Küche. Die Seefahrernation hat schon vor Jahrhunderten mit anderen Kontinenten Handel getrieben und von überall her Leckereien mitgebracht. Es wird syrischer Bulgur, libanesischer Käse, türkischer Honig und indischer Eintopf serviert. Vor allem Gewürze spielen eine wichtige Rolle. Aber Vorsicht, nicht alles, was die Omanis anbieten, ist unbedingt eine Gaumenfreude. So verspeisen sie zum Beispiel auch ihren wertvollen Weihrauch, der mir noch Stunden später penetrant zwischen den Zähnen geklebt hat.

Birkat al Mauz

Wer noch mehr über den Oman erfahren möchte, der muss sich noch eine Weile gedulden, denn erst Ende 2014 soll mein drittes Buch erscheinen, in dem neben Nordkorea, Israel, Island und der Mongolei auch die Reise in den Oman Thema sein wird. In „Berufswunsch: Tourist“ berichte ich unter anderem aus Nepal, Usbekistan, Indien und Jordanien.

Sonntag Diagnose Fernweh

Mein zweites Werk „Diagnose: Fernweh“ enthält zum Beispiel bunte Geschichten aus Äthiopien, dem Senegal, Armenien, Belize und Myanmar. Auf der Suche nach Anregungen für Eure nächste Reise kann auch mein Blog: www.beatrice-sonntag.de Ideen bieten. Immer dran denken: Nach der Reise ist vor der Reise!Eure Beatrice!

Barka

 

 

 

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Über den Autor

Beatrice Sonntag

Beatrice Sonntag wurde 1979 geboren und hat bisher mehr als 90 Länder bereist. Sie schreibt Bücher zum Thema Reisen (Diagnose: Fernweh, Traumziel: weit weg) und entdeckt die Welt.

Eine Reaktion bis “ Oman – Eine Moschee und sehr viel Sand ”

  1. Bei uns geht es auch bald in den Oman. Freuen uns schon riesig!
    Vielen Dank für die tollen Anregungen!

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