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Die Antarktis: Eine Reise in das Gefrierfach der Welt

Der antarktische Kontinent bleibt als eins der unerforschten Gebiete dieser Erde. Kaum ein anderer Ort übt eine größere Faszination auf den Menschen, wie diese endlose Masse aus ewigem Eis und immer vom Schnee bedeckten Gipfeln. Angezogen vom magischen Hauch des Unheimlichen, erkundeten die ersten deutschen Forscher den weißen Kontinent im Südpol bereits Anfang des letzten Jahrhunderts. Der Zeit der Forscher und Walfänger folgte dann die Ankunft der ersten Touristen in den späten 50er Jahren. Damals war eine solche Expedition noch sehr von einem starken Pioniercharakter geprägt. Diese ersten Abenteuerfahrten in das Unbekannte hatten wenig gemeinsam mit den heutigen Kreuzfahrtsschiffen, die bis 500 Passagiere befördern können. Von jedem erdenklichen Komfort umgeben, vergisst man an Bord eines solchen Schiffes schnell, dass ein solches Unterfangen vor nicht allzu langer Zeit lebensriskierend war.

Der Ruf des Eises

Endlich mit den Füßen auf dem Festland! © Oceanwide Expeditions

Endlich mit den Füßen auf dem Festland! © Oceanwide Expeditions

Heute ist die Antarktis ein beliebtes Ziel für Naturinteressierten mit einem dicken Geldbeutel geworden. Zahlreiche Dokumentationsfilme, die die natürlichen Wunder dieses letzten Paradieses preisgeben, lassen die Herzen jedes Naturliebhabers schneller klopfen.  Bis zu 28.000 Touristen besuchen die weiße Welt der Antarktis jedes Jahr. Und ihre Zahl wächst. Aus der ganzen Welt kommen sie nach Ushuaia, auf der südlichsten Spitze Südamerikas, wo die meisten der Kreuzfahrtsschiffe in den fernen Süden ablegen. Zwei komplette Tage vergehen bis das Ziel, die antarktische Halbinsel, erreicht wird. Die Durchquerung der Drakestraße, die als eins der stürmischten Meere überhaupt gilt, gestaltet sich mit Hilfe von Medikamenten zur besseren Verträglichkeit des ständigen Schaukelns meist unkompliziert. Nicht immer bleibt die Überfahrt aber ruhig: Manchmal haben schwertgerüstete Schiffe mit Wellen von bis zu 8 m Höhe zu kämpfen.

Meistens wird am zweiten Tag der Fahrt einen kurzen Landgang mit einem Schlauchboot gewagt. Zum ersten Mal betritt der berauschte Besucher den antarktischen Boden. Die Umwelt in den Polarregionen ist äußerst sehr empfindlich. Vögel und Säugetiere leben hier am Rand ihrer Existenzmöglichkeiten. Aufgrund der jahreszeitlich unterschiedlichen Lichtverhältnisse und den geringen Luft- und Wassertemperaturen laufen die Prozesse der Lebewesen langsamer ab, besonders die Erholung der Pflanzenbestände. Aus diesem Grund sollte man das Festland nur mit erhöhter Vorsicht betreten, um das fragile Ökosystem nicht zu gefährden.

Das Leben im Tiefkühlschrank

Adeliepinguine auf dem Weg zur Kolonie © Oceanwide Expeditions

Adeliepinguine auf dem Weg zur Kolonie © Oceanwide Expeditions

Die gewaltige Eiswüste der Antarktis mit ihren extremen klimatischen Bedingungen sieht für die Gedeihung des Lebens wenig viel versprechend aus. Selbst Adelie-Pinguine können die Winterkälte von minus 30 Grad nicht überleben und verbringen die meiste Zeit auf Eisschollen weitaus im Ozen. Nur zwei Monate dauert der Polartag in der Antarktis, in der die Sonne nicht untergeht. Im Sonnenlicht beginnen die Algen unter Wasser zu wachsen, Krillkrabben, die Hauptnahrungsquelle vielerlei Arten vermehren sich. Mit einem einzigen Atemzug kommen Adelie-Pinguine mehrere Minuten aus und erreichen bei ihren Tauchgängen eine Tiefe von über dreihundert Meter. Die länger werdenden Tage sind auch das Startsignal für die Pinguine: Sie verlassen das Wasser und machen sich auf den mühsamen Weg zu ihren Brutplätzen, wo die Jungen zur selben Zeit schlüpfen. Einen rund fünfzig Kilometer langen Gewaltmarsch über das gefrorene Eis muss von den Kurzbeinigen in Kauf genommen werden, die sich aufgrund ihrer Körpergröße von nur 30 cm an der Sonne orientieren müssen. In den Brutplätzen sammeln sich bis zu 300.000 Tiere, um den Nachwuchs großzuziehen. Nur zwei Monate Zeit haben die putzigen Tiere, damit ihre hilfslosen Kücken überlebensreif werden. Meistens überlebt nur eins der neugeborenen Jungtiere: Dem Kampf um die von den Eltern herausgewürgete Nahrung sind Geschwister nicht gleich gewachsen und meistens fällt der schwächere Kleinpinguin zum Opfer der immer aufmerksamen Skuas. Nur das stärkere Jungtier wird heranwachsen, um seinen Flausch durch ein wasserdichtes Kleid zu tauschen und den Sprung ins Wasser wagen, bevor der Winter wieder Einzug hält. Dieses lebensrettende Unterfangen hat aber für viele einen hohen Preis. Unter dem Treibeis lauert eine tödliche Gefahr: Hungrige Seeleoparden warten seit Monaten auf ihre große Chance. Wenn unerfahrene Adelie-Pinguine ihre ersten Schwimmversuche im offenen Meer zu hundert wagen, wird der Tisch für die Räuber reichlich gedeckt. Mit einem gewaltigen Bruch berechen Seeleoparden die Jungtiere das Genick. Die Räuber schleppen ihre Beute aufs Meer hinaus, um Fleischstücke hinaus zu reißen. Bei diesem Festmahl können sich Seeleoparden sehr schnell überfressen. Danach beginnen sie mit ihrer Beute zu spielen. Aber dennoch: Die meisten der jungen Pinguine schaffen es, geschützt von der Menge, unversehrt aufs Meer, wo sie wieder zu ihrem Element gefunden haben.

Die wichtigsten Besucherstandorte einer Antarktis-Reise

 

 

Elephant Island

Mächtige Gletscher bilden den bildschönen Rahmen. Wo heute Goldschopfpinguine und Kapsturmvögel dem Besucher begrüßen, befand sich einst der einsame Zufluchtsort der 22-köpfige-Shackleton-Mannschaft, die 1916 vier Monate ausharrte musste, bevor es Shackleton mitten im Winter gelang, seine gestrandete Crew zu retten, nachdem ihr Schiff HMS Endurance von Packeis eingeschlossen und zerstört wurde.

Deception Island

Bad im Thermalwasser © Nick Russil

Bad im Thermalwasser © Nick Russil

Wo noch könnte man sich vor einer vereisten Kulisse beim Schwimmen in Thermalquellen fotografieren lassen? Deception Island ist eine einzigartige Vulkaninsel mit einer noch sehr aktiven vulkanischen Aktivität. Der letzte Ausbruch war erst 1970. Dennoch ist mehr als 57% der Landfläche von Gletschern bedeckt.

King George Island

Hier konzentrieren sich die meisten Stationen in unmittelbarer Nähe von Kehlstreif- und Adeliepinguinen. Königskormoran, Dominikanermöwe, Antarktische Seeschwalbe und Riesensturmvogel brüten hier ebenfalls. Dafür sind Eselspinguine und ein paar wenige Goldschopfpinguine auf der Insel Livingston in der Nachbarschaft von See-Elefanten anzufinden.

Der Lemaire-Kanal

Der weltberühmte Lemaire-Kanal

Der weltberühmte Lemaire-Kanal

Dieser von vergletscherten Bergwänden umgebene Kanal zählt zu den weltweit spektakulärsten Meerespassagen. Der Grund, warum man ihn „Kodak-Kanal“ nennt, wird spätestens nach Besteigen des Schlauchbootes einleuchtend. Ein Labyrinth aus saphirfarbigen Eisbergen, glitzernden Berggipfeln, türkisblauem Wasser entfaltet sich vor den erstaunten Augen der Bootsinsassen. Plötzlich wird es ganz still. Nur die eifrigen Klicks der Fotokameras unterbrechen die Stille. Wir lassen den Zauber dieser wunderbaren friedlichen Kristallwelt auf uns einwirken. Am anderen Ende des Lemaire-Kanals erwarten uns dann einige verspielte Zwergwale, die dem Ausflug einen krönenden Abschluss geben.

Letzter Paradies in Gefahr

Nirgendwo ist die Luft so rein wie auf der Antarktis. Doch auch hier lassen sich erhöhte Mengen der Treibhausgase CO2 und Methan, die Klimakiller des Planeten, auf den verschiedenen meteorologischen Stationen Antarktis vermessen. Die Folge: In den letzten 50 Jahren sind die Temperaturen in der Antarktis um fast drei Grad Celsius gestiegen: Das Zehnfache des weltweiten Durchschnitts. Dies hätte katastrophale Folgen für die Bewohner dieser unwirtlichen Umgebung. Auch wenn den Besuchern die ersten Anzeichen dieser allmählichen Veränderung unerkannt bleiben, die paar Grad mehr haben eine ernstzunehmende Wirkung. Laut Wissenschaftler ist die Population mancher Pinguinkolonien aufgrund der immer steigenden Temperaturen stark geschrumpft. Noch in den 1970er Jahren noch ca. 40.000 Brutpaare in der Nähe der Amerikanischen Station Palmer, heute sind es jetzt nur noch 14.000. Die Antarktische Schmiele, eine Art blühende Graspflanze, breitet sich stark aus. Die Rückbildung der Gletscher gilt als bewiesene Sache. Tausende Umweltschützer weltweit plädieren für die Einführung einer effektiven internationalen Politik zum Klimaschutz. Wir hoffen, dass Umweltschutzmaßnahmen nicht zu spät für die einzigartige Fauna des sechsten Kontinents kommen.

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Eine Reaktion bis “ Die Antarktis: Eine Reise in das Gefrierfach der Welt ”

  1. Die Antarktis ist echt toll!

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