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Reisebericht – am Titicacasee, dem höchsten schiffbaren See

Sonntag

Titicacasee

Gestern Abend waren wir so müde, dass wir vergessen haben an der Rezeption nachzufragen ob eine Nachricht für uns vorliegt. Wir wissen bisher nicht genau, ob wir morgen früh wie gebucht mit der Bahn weiterreisen. Ich rufe kurz an der Rezeption an, aber es ist noch keine Nachricht für uns hinterlegt worden. Wir sind heute den ganzen Tag unterwegs und am Abend ist es möglicherweise zu spät, um noch etwas umzubuchen oder zu ändern. Es soll ja morgen früh schon losgehen!
Was nun? Am besten ich schicke eine SMS an El Dorado Travel in Deutschland. Ein kurzer Blick auf meine Uhr: dort ist beinahe schon Zeit für die Mittagspause, also schnell abschicken. Mein Handy werde ich den heutigen Tag immer in der Hosentasche tragen, damit ich keinen eventuellen Anruf versäume. Ich  rechne mit einer kurzen SMS, an einen Anruf glaube ich weniger.
Nun gehen wir in Ruhe frühstücken und danach werden wir zu unserem heutigen Ausflug auf die Inseln im Titicacasee abgeholt. Der Frühstücksraum hat große Fenster zu denen jetzt die Sonne herein scheint und wir können strahlend blauen Himmel sehen. Was für ein Glück, das sieht  nach einem richtigen Schönwettertag aus. Das Frühstücksbuffet ist reichhaltig, aber als erstes mache ich mir einen Mate-Tee  mit getrockneten Cocablättern. Cocablätter werden in Peru benutzt wie eine Medizin und sind vor allem bei großen Höhenunterschieden sehr hilfreich. Die Blätter wirken im Tee leicht anregend, sie beruhigen den Magen und fehlen in keinem Hotel auf dem Frühstückstisch. Süchtig machen sie natürlich nicht! Dazu bedarf es einen langen chemischen Prozess, in dem das berühmt berüchtigte weiße Pulver hergestellt wird.

Indigena am Titicacasee

Indigena am Titicacasee

Ich nippe gerade an meiner Tasse Coca-Tee, als eine Angestellte des Hotels an unseren Tisch kommt. „Señora, ein Telefonanruf für Sie.“  Für mich? Hier in Puno? Kein Irrtum? Nein, es ist kein Irrtum sondern Señor Arce Rivero von El Dorado Travel aus Deutschland! Er hat meine SMS erhalten, in der kurzen Zeit schon mit seinem Partner in Lima gesprochen und selbstverständlich fahren wir mit dem Zug. Alles geklärt! Er erkundigt sich bei mir wie es uns geht, wie wir die Höhe vertragen und wir plaudern noch einen Moment über unsere Reise. Perplex und leicht sprachlos gehe ich zurück an unseren Tisch. Hut ab El Doradodo Travel! Das ist wirklich persönliche Kundenbetreuung!  Wann habe ich die SMS geschickt? Vor fünfzehn Minuten?
Nach dem Frühstück machen wir einen kurzen Abstecher in unser Zimmer um das Handy zurück in die Schublade und den Sonnenschutz in die Tasche zu packen.

Schilfboote der Uros

Schilfboote der Uros am Titicacasee

An der Rezeption wartet schon unsere Reiseleitung. Sie wird uns bis in den Hafen zu einem Boot bringen, mit dem wir als erstes zu den Inseln der Uros starten. Die Uros sind ein indigener Stamm und verbringen seit Generationen ihr Leben auf schwimmenden Schilfinseln. Seinen Ursprung fand dieses „Seeleben“ vor ca. 800 Jahren als die Uros den Tribut- Forderungen den Inkas entgehen wollten.
Auf dem Boot erklärt unser heutiger Reisebegleiter den Tagesablauf  und nach einer kurzen Fahrt sehen wir die ersten schwimmenden Inseln. Wir legen an einer mit unserem Boot an und können aussteigen. Vier Frauen nehmen uns in Empfang  und begrüßen uns auf Aymara. Es klingt wie „Camisaraki“ und heißt „guten Tag, willkommen!“ Die ersten Schritte sind bei mir sehr zaghaft, hält das Schilf? Oder lande ich im kalten See?

Festreten des Schilfes

Festreten des Schilfes

Auf der Insel befinden sich einige Schilfhäuser und in der Mitte ist ein freier Platz auf dem für uns  Holzstämme zum Sitzen hingelegt wurden. Dieser Mittelpunkt der Insel ist das Gegenstück zur „Plaza de Armas“ auf dem Festland. Der Reiseleiter gibt uns einige Erklärungen zum Leben der Uros und dem Bau und Instandhaltung der Inseln. Wir sitzen hier auf meterdicken Binsen und da das Schilf im Wasser fault müssen sie regelmäßig in schwerer Handarbeit erneuert werden. Seit Generationen leben die Uros vom Fischfang und der Jagd auf Vögel wie z.B. Blesshühner. Was sie selbst nicht zum Leben brauchen wird verkauft bzw. getauscht gegen Kartoffeln, Gemüse und andere Dinge die auf den Inseln nicht wachsen oder aus Schilf hergestellt werden können.

Handarbeiten der Uros

Handarbeiten der Uros

In der heutigen Zeit  profitieren die Uros natürlich auch vom Tourismus. Die Boote müssen für den Besuch der Inseln eine Gebühr bezahlen, ähnlich wie eine Hafengebühr. Laut unserem Reiseleiter wird dieses Geld für die Gemeinde des Stammes der Uros verwendet wie z.B. dem Bau von Schulen. Von dieser Insel-Verwaltung wird auch entschieden welche Insel wann Touristenbesuch bekommt, so können sich die Einnahmen aus dem Verkauf von Handarbeiten als Souvenirs gleichmäßig verteilen. Gute Idee- ob´s funktioniert?
Sicherlich bringt der Tourismus vielen Inselbewohnern ein besseres Einkommen und die Möglichkeit sich das Inselleben etwas leichter zu machen. Die meisten Häuser auf „unserer“ Insel haben Strom und gewinnen diesen mit Solarenergie.

Kochstelle auf einer Schilfinsel

Kochstelle auf einer Schilfinsel am höchsten schiffbaren See

So sieht man direkt neben der Eingangstür einer Wohnung aus Binsen die Platte mit Solarzellen stehen und bunte Wäsche flattert an Stromkabeln im Wind. Die Hausfrau sitzt auf dem Schilfboden vor drei Kochtöpfen und bereitet das Essen vor. Hier trifft tatsächlich Tradition auf Moderne! Hinter einem der Häuser stehen zwei junge Frauen über große Schüsseln gebeugt und waschen sich die Haare. Auch das Wasser kommt nicht aus der Leitung sondern direkt aus dem See. Kochen und waschen, zu allem wird das Wasser aus dem See geschöpft.

Haarwäsche am Titicacasee

Haarwäsche am Titicacasee

Barfüßige, rotwangige Kinder spielen unmittelbar am Ufer. Hat denn keiner Angst das sie in den See fallen? Anscheinend nicht, obwohl uns unser Reiseleiter gewarnt hat:  „nicht so nah ans Ufer, dort sind die Binsen nicht immer trocken und fest“. Wir gehen ein wenig näher und wirklich, hier sind die Binsen dunkel und feucht und entschieden weniger stabil. Also besser zurück, bevor wir zwischen den Binsen versinken. Wir nutzen lieber die Zeit uns die Handarbeiten der Uro-Frauen anzuschauen und kaufen gleich ein paar „Mitbringsel“.

Kinder am Inselufer

Kinder am Inselufer des Titicacasees

Kurz darauf ist es Zeit für die Weiterfahrt. Wir haben die Auswahl  entweder gleich in das Motorboot einzusteigen oder uns auf einem Schilfboot bis zur nächsten Insel rudern zu lassen. Natürlich entscheiden wir uns für das Schilfboot.
Vier Frauen verabschieden uns mit einem „Ständchen“, es wird für jede Nationalität in unserer Gruppe ein Lied in ihrer Sprache gesungen. Deutsch kommt zum Schluss und vierstimmig tönt Alle meine Entchen über den Titicacasee.

Abschiedslied

Abschiedslied am höchsten See der Welt

Auf der Nachbarinsel wartet schon das Motorboot auf uns „Ruderer“ und von hier starten wir nun zu unserem nächsten Ziel, die Insel Taquile.
Diese Insel ist im Gegensatz zu den schwimmenden Schilfinseln der Uros eine feste Insel und wir werden mit dem Boot bis dorthin drei Stunden Fahrzeit haben. Der Titicacasee ist mit seiner Lage in 3.800 m nicht nur einer der höchsten schiffbaren Seen, auch seine Größe von 8.300 km2 ist beeindruckend. An seiner längsten Stelle misst er 194 km und an der breitesten 65 km, das Wasser ist leicht salzhaltig und hat das ganze Jahr eine Temperatur von 10º-13º C.

Edith auf dem Titicacasee

Edith auf dem Titicacasee

Genau wie heute war der Titicacasee schon zur Zeit der Inka die Lebensgrundlage für die hiesigen Menschen. Er sorgt mit seinem Fischreichtum für Nahrung und dank seinem Wasser ist Landwirtschaft möglich. Es gibt im Titicacasee neben den heimischen Fischarten wie z.B. Welse auch Forellen und Felchen. Diese Raubfische wurden Mitte des 20. Jahrhundert eingeführt und dezimieren die heimischen Fische stark.
Das Wetter ist schön geblieben und die meisten der Passagiere setzen sich so wie wir nach draußen und genießen die Sonne.

Familie auf einer Nachbarinsel

Familie auf einer Nachbarinsel

Ein Crewmitglied bringt uns Kissen, so dass wir es noch schöner haben. Perfekt! Doch sobald wir die Bucht von Puno an der Strasse von Tiquina verlassen haben und draußen auf dem großen Teil des Sees sind, wird es entschieden kühler. Es herrscht hier eine kräftige Brise und dazu kommt der Fahrtwind und so wie wir flüchten die meisten Passagiere wieder  in das warme Innere des Schiffes. Die Fenster sind groß, wir können das viele Wasser sehen und müssen nicht dabei frieren.
Dann kommt Taquile in Sicht, von weitem ist die 6 km lange Insel an ihren zahlreichen Bergen zu erkennen.

Taquile am Horizont

Taquile am Horizont

Der Reiseleiter informiert uns über den Verlauf unseres Aufenthaltes: wir gehen ganz langsam ein Stück den Berg hinauf bis zum Zentrum des Ortes. Es ist nicht weit, nur 20 Minuten. Er selbst schafft es locker in 10 Minuten- aber er passt sich dem Tempo seiner Gruppe an. Dort oben haben wir einen Aufenthalt um uns den Ort anzuschauen und im Anschluss gehen wir bei einer hier lebenden Familie zum Mittagessen. Für den Rückweg gibt es eine Abkürzung, wir steigen auf der anderen Seite des Berges 500 Stufen hinab und dort wartet dann unser Boot. Ganz einfach!
??? 500 Stufen??? Das kann aber kein kleiner Aufstieg sein! „Ist es sehr steil?“ möchten wir genauer wissen. „Nein, nicht sehr!“ meint er fröhlich. Na gut, wir machen uns also mit auf den Weg.
Den ersten zeitlichen Rückwurf haben wir direkt nach unserer Ankunft in noch flachem Gelände:  ich nutze als einzige der Gruppe das Angebot eines Toilettenhäuschens. Kurz danach beginnt der Anstieg. So weit ich den Weg überschauen kann ist die Steigung nicht sehr stark. Wenn ich jedoch hinauf zum Ort blicke und die Höhe abschätze, kann das unmöglich so sanft bleiben. Wir schauen uns um und sehen wehmütig unser Boot um eine Felsnase verschwinden. Jetzt müssen wir! Am besten nicht nach oben schauen. Es wird steiler und steiler und wir legen immer häufiger eine Pause ein. Wir sind nicht die einzigen, auch andere unserer Gruppe stehen hin und wieder am Wegesrand. Bei jeder Kurve hoffe ich, dass wir am Ziel sind. Doch nein, es geht weiter! Bald überholen wir keinen mehr beim Ausruhen, wir sind inzwischen definitiv die Letzten.  Trotzdem lassen wir uns Zeit, im schlimmsten Fall verpassen wir das Mittagessen und laufen direkt auf der anderen Seite die Stufen wieder hinunter. Auf etwas mehr als der halben Strecke werden wir nochmals überholt. Eine kleine Greisin mit gebeugtem Rücken und einem großen Packen Holz geht zügig an uns vorbei und grüsst freundlich.

Geschafft, wir sind oben angekommen

Geschafft, wir sind oben angekommen

Nun müssten wir doch bald oben sein, ich bleibe stehen und wage einen Blick in die Höhe. Gott sei Dank, die Häuser kommen näher. Es begegnen uns immer häufiger Kinder die fröhlich den Berg runter und wieder hoch hüpfen. Ob wir Bonbons haben? „Si, claro“ gebe ich japsend zur Antwort und nutze den Moment des „Bonbon-Suchen“ zu einer unauffälligen weiteren Pause.
Dann endlich haben wir es geschafft und den „Gipfel“ erreicht. Die Plaza de Armas ist einfach zu finden und als erstes suchen wir ein schattiges Plätzchen für Edith. Danach schleiche ich mit letzter Kraft zum nächsten Geschäft, um Nachschub an Wasser zu holen. Gleichzeitig halte ich Ausschau nach unserer Gruppe. Sind sie hier oder schon beim Mittagessen? Sie sind noch hier und wir haben Zeit genug uns zu regenerieren und auf der Plaza umzuschauen.

Plaza de Armas in Taquile

Plaza de Armas in Taquile

Edith ist an Neuentdeckungen nicht interessiert, auch der schöne Blick kann sie nicht locken und sie bleibt auf ihrem Ruheplatz. Ich versuche uns zu beruhigen: „Jetzt sind wir ja oben, das schwerste ist geschafft.“ Edith ist realistischer: „500 Stufen! Und wer weiß wie diese Stufen sind!“
Ich beobachte wie sich unsere Gruppe in der Mitte des Platzes sammelt und wir gesellen uns dazu. Gemeinsam gehen wir durch das Dorf  bis zu einem Privathaus, in dem wir durch ein Zimmer in den Hof geführt werden. Der lange Holztisch ist für uns gedeckt und nachdem wir sitzen möchte unser Reiseleiter wissen, ob alle Forelle essen. Forelle? Was gibt es denn noch?  Omelett steht zur Auswahl und Edith und ich sind die einzigen, welche sich gegen die Forelle entscheiden. Zuerst wird eine hervorragende Suppe gebracht mit viel frischem Gemüse und gewürzt mit Ingwer. Auch die Forelle sieht viel besser aus als gestern im Hotel. Es tut uns ein wenig leid, uns anders entschieden zu haben. Aber die Omelette ist sehr schmackhaft und mit frischem Chili gewürzt und wir sind auch mit unserem Gericht sehr zufrieden.

Junggesellen

Junggesellen

Zum Dessert bekommen wir von unserem Reiseleiter noch Informationen über Taquile und seine Bewohner. Interessant und berühmt sind die Handarbeiten in Taquile. Es die Männer, die die berühmten Strickarbeiten herstellen. Die gestrickten Mützen haben ein sehr feines und kompliziertes Muster. In den Mustern und Farben kann man den sozialen und familiären Stand der Trägers erkennen. Die Mützen für Junggesellen sind in rot-weiß und verheiratete Männer tragen rote Mützen. Ein weiteres traditionelles Kleidungsstück sind die selbstgewebten Schärpen. Auch in diesen Webarbeiten sind die unterschiedlichsten Informationen enthalten. Das Weben ist jedoch  Frauenarbeit und viele Bräute schenken ihrem Mann zur Hochzeit eine selbstgewebte Schärpe, in die Haare von ihr eingewebt sind.
Nun ist es schon wieder Zeit aufzubrechen und den Abstieg zu beginnen. Nicht weit von dem Haus unseres Gastgebers entfernt beginnt das obere Ende der Stufen und es sieht so aus, als bewahrheiten sich Ediths Befürchtungen. Die Stufen sind aus Stein, ausgetreten, unterschiedlich hoch und ich vermute sie stammen noch aus der Inkazeit. Da stehen wir nun, schauen in schwindelerregende Tiefe und sehen dort unten ganz klein unser Boot liegen. Edith hakt sich bei mir ein und langsam,genau wie bergauf, geht es in die Tiefe. Stufe für Stufe tasten wir uns nach unten und sind gar nicht in der Lage den fantastischen Ausblick zu genießen. Dann haben wir es endlich geschafft: wir sind unten, wieder an Deck und auf dem Rückweg nach Puno. Die Schiffsfahrt ist angenehm und wir sitzen eine Weile draußen an der Abendsonne. Doch als dunkle Wolken aufziehen gehen wir rasch hinein und betrachten die schnell näherkommende Wolkenwand aus dem geschützten Inneren. Was eben noch wie einige Regenwolken aussah nimmt in kurzer Zeit bedrohliche Ausmaße an. Der Himmel ist schwarz in allen vier Richtungen  und der See kräuselt sich im aufkommenden Wind. Von einem Moment auf den anderen öffnet der Himmel seine Schleusen und schwere Regentropfen prasseln gegen die Scheiben des Bootes. In Richtung Puno zucken die Blitze in den schwarzgrauen Wolken. Die Scheiben beschlagen, es muss eine sehr abrupte Abkühlung der Temperatur gegeben zu haben. Ich wische über das Glas und kann kaum glauben was ich sehe, der Boden des Bootes ist weiß bedeckt. Aus dem Regen ist Hagel geworden, riesige Pingpong-Ball große Hagelkörner. Unser Kapitän hat die Scheibenwischer angemacht und der erste Maat versucht mit einem Tuch die angelaufene Scheibe zu trocknen. Doch die Sicht ist und bleibt grausig schlecht. Inzwischen türmen sich die Hagelkörner an der Frontscheibe und ich hoffe, dass das Gewitter nicht noch näher kommt.

Blick auf Puno

Blick auf Puno

Wir haben jedoch mal wieder Glück, eine halbe Stunde bevor wir in Puno einlaufen geht der Hagel wieder in Regen über und das Gewitter verzieht sich. Wir werden zwar nass, aber zumindest nicht von Hagelkörnern erschlagen.
Trotz des starken Regens werden wir wieder von einer Reiseleitung in Empfang genommen. Die Ärmste, bei so einem Wetter sollte keiner vor die Tür müssen. Mit einem Taxi geht es in Richtung Hotel, die Strassen stehen kniehoch unter Wasser und jeder Passant versucht sich irgendwo im Trocknen unterzustellen. Unser Fahrer bringt uns bis vor das Hotel und fährt so nahe wie möglich an die Stufen zum Eingang damit wir halbwegs trocken ankommen.
Auf unserem Zimmer halten wir Kriegsrat: „Unmöglich bei diesem Wetter ein Restaurant aufzusuchen!“ ist Ediths Kommentar. Ich schaue aus dem Fenster, es schüttet nach wie vor und die Strassen sehen aus wie die Kanäle in Venedig. An einer Ecke steht eine Familie und versucht ein Taxi zu bekommen. Die Ärmsten, die standen dort schon bei unserer Ankunft im Hotel vor einer halben Stunde. Endlich kommt ein freies Taxi, ob da alle reinpassen? Es sind immerhin vier Erwachsene und drei Kinder! Für die Familie ist das allerdings kein großes Problem. Den Kofferraum auf, die Kinder rein und die vier Erwachsenen steigen vorne ins Auto. Passt!!!
Für uns steht jedoch fest, dass wir das Kuy-Essen auf unsere Zeit in Cusco verschieben und heute doch noch mal im Hotel bleiben. Was soll´s, wir hatten ja heute Mittag ein schmackhaftes Essen!
Im Restaurant herrscht Hochbetrieb, fast alle Tische sind besetzt und Kellner sowie Küche sind völlig überfordert. Die Gäste meckern wegen zu langer Wartezeit, warum eigentlich? Wollen die noch ausgehen bei dem Wetter? Wir verkürzen uns die Wartezeit mit einem Pisco Sour und bereits nach einer Stunde können wir unsere Bestellung aufgeben indem Edith dem Kellner den Weg abschneidet. Eine Gruppe junger Leute hat einen strategisch günstigen Platz. Sie sitzen genau in der Mitte des Restaurants und können somit den Ober immer am Jackenärmel festhalten. Die italienische Familie am Nebentisch schimpft lauthals. Sie haben jetzt schon drei Mal gesagt, dass sie bezahlen möchten. Bewundernswert ist die gleichbleibende Freundlichkeit des Kellners, obwohl ihm die Verzweiflung in das Gesicht geschrieben steht.
Er versucht sein Bestes um es jedem Gast recht zu machen. Nun eilt Hilfe herbei, sein Kollege aus der Bar hat ein wenig Zeit und kommt um das gebrauchte Geschirr in die Küche zu tragen und neu einzudecken.
Irgendwann im Laufe des Abends bekommen auch wir etwas zu essen, es ist einwandfrei vom gleichen Koch wie gestern. Inzwischen hat sich der größte Ansturm gelegt und es kehrt wieder Ruhe ein. Bevor wir gehen plaudern wir ein wenig mit dem Kellner: „So viele Leute waren noch nie hier und ich war doch ganz alleine“ schüttet er uns sein Herz aus „auch in der Küche  dauert eben alles seine Zeit.“ Wir nehmen uns noch ein Wasser mit und wünschen ihm einen schönen und vor allem ruhigen Feierabend.
Auch für uns ist es Zeit, denn morgen steht uns wieder ein erlebnisreicher Tag bevor. Also schnell einschlafen!

Peru, eine Rundreise von der Küste in die Anden und den Regenwald Perus

Reisebericht – am Titicacasee, dem höchsten schiffbaren See
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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen.
Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist.
Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

Eine Reaktion bis “ Reisebericht – am Titicacasee, dem höchsten schiffbaren See ”

  1. Die schwimmenden Inseln auf dem Titicacasee…

    Der Titicaca-See ist mit einer Gesamtfläche von rund 8.300 km² der größte See in Südamerika. Er liegt auf einer Höhe von 3.810 m über dem Meeresspiegel und ist somit der höchstgelegene schiffbare See der Welt. Er befindet sich auf dem Altiplano, der Ho…

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