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Tramp-Tour von Bonn nach Istanbul/ 3. Teil

Der Pfarrer der mich mit über die Grenze genommen hatte ließ mich in Deva am Bahnhof aussteigen. Da es schon langsam dunkel wurde und ich mich nicht mehr an den Straßenrand stellen wollte löste ich ein Zugticket bis nach Bukarest wo der Zug am nächsten Morgen ankommen sollte. Da mich der Tag doch recht müde gemacht hatte ist hier nichts weiter über diese Fahrt zu berichten ausser dass ich gut geschlafen habe und mich währenddessen keiner ausgeraubt hat.

In Bukarest angekommen hätte ich meine heutige Erfahrung gebraucht um erst mal den Rücken an die Wand zu kriegen. Ich zog los und mit meinem großen Rucksack und wollte die Stadt erkunden. Wenn ihr einen Tipp haben wollt. Macht so etwas nicht … zumindest nicht in Bukarest. Die Straßen und das Straßenbild welches man so entdecken kann lohnt sich nicht. Es hatte nur das Ergebniss dass ich nach etwa 2 Stunden völig erschöpft wieder am Bahnhof stand und eigentlich nichts wirkliches gesehen hatte.

Ich kaufte mir in einem Kiosk etwas zu trinken und zu essen und setzte mich auf eine kleine Steinmauer an einer Straße vor einem Kaffee wo sich der Bestitzer mit einem Bauarbeiter unterhielt. Die Sonne schien und ich konnte mich gut entspannen und den Tag genießen. Ein junger kleiner Straßen-Hund spielte zwei Meter von mir entfernt und kratzte sich genüßlich. Der Bauarbeiter kam heraus, schaute sich um und betrachtete den Straßenhund. Mit einem schnellen Schritt ging er zu ihm und trat dem Hund so fest in den Hintern dass dieser nach vorne auf die Straße flog, unter ein Auto geriet und am Hinterbein angefahren wurde. Ein lautes Jaulen war zu hören und der Hund humpelte so schnell er es jetzt noch vermochte davon. Rechts von mir hörte ich ein Lachen und sah ein fieses Grinsen dieses Bauarbeiters. Wäre ich etwas selbtbewusster gewesen hätte ich ihm gerne meine Wut ins Gesicht geschleudert, so aber war ich nur fähig meine Wut und Verachtung ihm stumm entgegen zu schleudern.

Ich packte meine Sachen und ging in eine Art Eisdiele. Ich trank dort einen Kaffee.
Vieleicht hat schon mal jemand von den Straßenkindern in Bukarest gehört und dass sie sich durch Schnüffeln von klebstoff betäuben. Jetzt standen 2 kleine Jungen die offensichtlich auf der Straße lebten im Eingang der Eisdiele. Die waren nicht älter als 8 oder 9 Jahre alt und ihre Augen waren wie zugeschwollen. Später erfuhr ich dann dass es eine Nebenwirkung des schnüffelns ist und dass ihnen die Augen zukleben. Sie fragten mit ganz dünnen und eingeschüchternten Stimmen ob sie ein Eis kaufen dürften. Der Besitzter ging hinter seine Teke und machte 2 Eiswaffeln fertig, gab sie den beiden und nahm kein Geld von ihnen. Man sah ein kurzes aufleuchten und Sie sagten Danke (Mulţumesc). So wie sie dieses sagten hat mich selten dieses Wort berührt. Es hat mir dort fast die Tränen in die Augen getrieben. Da steckte so viel drin, Dankbarkeit, eine stille hinnehmende Verzweiflung und eine Freude.

Ich sah in einem Schaufenster ein Angebot über eine Busreise bis nach Istambul für einen Spottpreis von 10,00€. Ich überlegte noch kurz und entschied mich dann diese Fahrt zu buchen. Ganz positiv nebenher war auch noch dass ich in dem Reisebüro mein Gepäck unterstellen konnte.

Da habe ich erfahren wie komfortabel es ist sein Gepäck an einem festen Punkt lassen zu können um die Stadt zu erkunden. Ich wende diesen Komfort in meinem eigenen Betrieb mittlerweile auch an. Ich führe ein kleines Hotel. Für meine Mitbewerber ist Gepäckaufbewahrung ein Fremdwort. Wer sich mein Haus mal anschauen möchte kann hier mal klicken: http://www.hotelpierre.de/index.php/de/hotel

aussenansicht

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Ich sprach dann einen Taxifaher an ob er mich ein wenig rumfahren könnte. Der Preis den er nannte war wirklich gering und so fuhren wir ein wenig durch die Gegend und er zeigte mir einige Gebäude in der Stadt und erzählte noch ein wenig. Ich fand ihn eigenlich ganz sympatisch. Dann fuhren wir in eine kleine Straße rein und er fragte ob wir nicht einen Freund besuchen wollten. Ich ging mit ihm. Wir kamen an ein Tor wo er klingelte und wurden dort von einem eher schmierigen Typ empfangen. Er bat uns herein und fing dann an ob ich nicht gegen Geld mit seiner Tochter etwas Spass haben wollte. Erst jetzt verstand ich was wir hier taten und verneinte schnell und drängte darauf dass wir auch direkt wieder fahren sollten. Zurück am Bahnhof ging ich dann ins Reisebüro und blieb dort. Ich hatte die Nase voll von dieser Stadt.

Die Fahrt mit dem Bus fing dann auch ganz gut an. Die Straßenverhältnisse waren soweit ganz gut und wir kamen schnell voran. Erst über die Grenze nach Bulgarien und in der Nacht ging es dann in Richtung türkischer Grenze. Ich hatte mich im Bus mit einem rumänischen Pärchen angefreundet die zum Arbeiten in die Türkei fuhren. Wir kamen sogar an einem Duty Free Gelände vorbei, aber wir durften nicht aussteigen. Dafür stieg der Fahrer aus und kam mit einem Einkaufswagen mit Alkoholika zurück. Ich wunderte mich schon das doch nur eine Person nicht so viel einführen darf. Er stoppte vor dem Bus und trug einzelne Tüten in den Bus, drückte jedem Fahrgast eine Tüte in die Hand und bleute den noch nicht so bewanderten ein, wozu übrigens auch ich zählte, dass ich bei einer Kontrolle angeben soll, dass das meine Tüte sei. … Es wurde mir ein wenig mulmig bis ich dann von meinen neuen Freunden erfuhr dass das der Grund sei warum das Reiseunternehmen die Reise so preiswert machen kann, da sie den Alkohl in der Türkei ziemlich teuer wieder verkaufen könnte.
Als wir dann zur eigentlichen Passkontrolle kamen schickte sich ein türkischer Beamter an die Pässe in unserem Bus zu kontrollieren. Meine neuen Freunde gerieten etwas in Panik. Sie kannten den Beamten und hatten Angst vor ihm da sie als Arbeitskräfte andere Einreiseprobleme hätten als ein Tourist. Voller Panik baten Sie mich ob ich Ihnen nicht 50€ leihen könnte für die Zeit der Kontrolle. Ich überlegte, hatte dazu aber eigenlich keine Zeit da der Beamte bald bei uns sein dürfte. Ich entschied mich dafür und gab der Frau das Geld. Der Grenzer kam, sagte aber nichts, er schaute nur wirklich grimmig. Und jetzt war ich doch gespannt ob ich mein Geld wieder bekommen würde. Ich bekam das Geld direkt wieder und hatte zwei glückliche Menschen neben mir. Sie zeigten mir als wir in Istanbul ankamen noch eine gute Unterkunft und nahmen mich an diesem Tag mit und zeigten mir die Stadt. So endete mein anfangs noch ungewisser Weg von Bonn nach Istanbul.

Hier findet ihr die ersten beiden Artikel:

http://www.reiseberichte-blog.com/tramp-tour-von-bonn-nach-istanbul-teil-2/

http://www.reiseberichte-blog.com/tramp-tour-von-bonn-nach-istanbul-per-anhalter-1-teil/

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Über den Autor

Ich bin viel in Südamerika gereist, war aber auch schon in ganz Europa unterweg. Meist trampender Weise.

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