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Peru Ferienrundreise von der Insel Ballestas bis in die Wüste von Nasca

Dienstag

Isla Ballestas

Meine Gedanken kreisen um Erdbeben und andere Katastrophen aber ich bin müde genug um tief und traumlos zu schlafen. Auch Edith fühlt sich am anderen morgen ausgeruht, der Tintenfisch ist etwas kleiner geworden, so dass wieder Platz für das Frühstück ist.
Wir sind zu früh für unsere Abfahrt, aber Hugo hat uns „geschlagen“. Er steht fahrbereit vor der Tür unseres Hotels und wundert sich wo Juanita bleibt. Es sei doch schon viertel vor neun und wir sollten doch um halb neun hier abfahren. Halb neun? Ah ha!! Da hat Juanita wohl sicherheitshalber eine etwas frühere Uhrzeit angegeben und wenn er sich dann verspätet ist er immer noch pünktlich. Den Trick kenne ich,den  habe ich auch schon angewendet! Ich verrate Juanita natürlich nicht und lasse Hugo in dem Glauben, dass auch Deutsche sich hin und wieder verspäten.

Kandelaber

Kandelaber

Juanita kommt wie verabredet um neun Uhr und wir fahren das kleine Stück bis zum Hafen um unsere Bootsfahrt zu den Inseln Ballestras zu starten.
Juanita geht mit uns zum Bootssteg und verhandelt mit einer ihr bekannten Frau. Wir sollen mit einem Boot fahren, in das wir als erste einsteigen können. So haben wir die Auswahl und können uns den besten Platz aussuchen. Obwohl alle Plätze gute Sicht ermöglichen ist es doch angenehm.
Nachdem sich alle Fahrgäste in ihre Rettungsweste gequält haben (warum sind die Dinger immer so eng und unbequem?) geht es los, vorbei an einigen vor der Küste liegenden Schiffen in Richtung des „Kandelabers“. Der Kandelaber ist ein Scharrbild von dem eigentlich niemand so recht weiß, zu was und wozu es einst geschaffen wurde. Als wir dort ankommen  bin ich beeindruckt wie klar die Linien zu erkennen sind und wie gut sie die Jahrhunderte überdauert haben. Verständlich, dass mancher auf die skurrilsten Spekulationen über den Sinn des Bildes kommt. Wozu hat man so ein Bild in den Sand „gezeichnet“?  Vielleicht….? Nun der Phantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

Isla Balestas

Isla Balestas

Es geht weiter Richtung der Inseln, unserem eigentlichen Ziel der Bootsfahrt entgegen. Schon von weitem werden wir begrüßt durch lautes Vogelgeschrei und dem durchdringendem Geruch nach Guano. Die Insel ist bedeckt von Kormoranen, Pelikanen und hunderte mir unbekannte Vögeln. Unser „Kapitän“ versucht sich der Insel zu nähern, was bei dem Seegang und den vielen Felsen sehr schwierig ist. Aber wir können alles gut erkennen und kurz darauf entdecke ich auch die ersten Pinguine. Diese Tiere, die sonst ja wesentlich näher am Polarkreis leben findet man hier Dank des Humboldt-Stroms.

Humboldpinguine

Humboldpinguine auf der Insel Ballestas

Dieser, aus der Antarktis kommende kalte Tiefseestrom, hält die Wassertemperatur niedrig  und ermöglicht diese beeindruckende Fauna auf den Inseln vor der peruanischen Küste. Die Pinguine watscheln über die Felsen und ich versuche ein Foto zu machen. Schwierig bei dem Wellengang, jedes Mal wenn ich einen Pinguin im „Visier“ habe bewegt sich das Boot auf und ab. So fotografiere ich eben mal „blind“ drauf los und hoffe, dass ich nicht nur nacktes Gestein auf den Bildern habe. Pelikane stehen auf den Felsen wie auf Aussichtspunkten und beobachten das „Treiben“ des vielen anderen Federviehs.

Seelöwen

Seelöwen

Wir umfahren eine Felsnase und bevor wir etwas sehen können,hören wir ein lautes, schallendes Gebrüll. Was kann das sein? Das hört sich ja schaurig an! Es sind die Seelöwen. Sie liegen in einer Bucht unter einem Felsen und brüllen; einer lauter als der andere. Durch die grottenartigen Felsen herrscht eine kirchenähnliche Akustik und die Rufe der Seelöwen schallen klar und deutlich weit über das Meer hinaus. Streiten sie sich? Oder ist das eine normale „Unterhaltung“? Vermutlich ersteres, denn es wird viel gerangelt, geschubst und soweit ich es erkennen kann auch gebissen. Beim Fotografieren wende ich auch hier wieder das „Pinguin-Prinzip“ an – es geht auch nicht anders, denn das Boot hüpft auf und nieder. Zu hause bin ich überrascht, dass nur ein „Suchbild“ auf dem lediglich karges Gestein zu sehen ist.

Vogelkolonie

Vogelkolonie

Langsam umrunden wir die Inseln und nach jeder Kurve gibt es etwas Neues zu sehen. Teilweise wirkt der Felsen schwarz, aber es sind Kormorane die eng aneinander gedrängt ihr Lager gefunden haben. Möwen kämpfen miteinander um ihre Platzrechte, Tölpel gehen auf Fischfang. Auch Seelöwen sehen wir noch mehrere Gruppen. Einige liegen faul auf einem Felsen und sonnen sich, andere sind in kleinen Familienclans zusammen und wälzen sich behäbig  über die Steine. Dort geht es friedlich und ruhig zu, nur in den großen Herden scheint Platzneid zu bestehen.
Auf einer der Inseln befindet sich eine Guano-Fabrik, zurzeit ist allerdings keine „Ernte“ und daher kann man  außer den Verladerampen nicht viel sehen. Später, im Auto, erzählt uns Juanita von den Arbeitern, die den Guano abbauen. Es sind Saisonarbeiter und die sechs Monate in denen der Guano „geerntet“ wird leben sie auf der Insel, der Monatslohn liegt bei ca. 100$. Die Arbeitsbedingungen sind sehr hart, da auf der Insel nichts wächst was Schatten spendet und die Arbeiter daher die ganzen Stunden der Sonne ausgesetzt sind.

Bootsfahrt

Bootsfahrt zur Insel Ballestas

Zusätzlich erkranken die meisten Beschäftigten nach wenigen Jahren an Lungenerkrankungen oder Krebs, was vermutlich durch den Kontakt mit dem im Guano enthaltenen Ammoniak bedingt sein könnte.
Nachdem wir alle Inseln umrundet haben, geht es wieder zurück nach Paracas und kurz bevor wir dort ankommen, schon in Küstennähe, tauchen einige Delphine auf. Sie sind nur kurz zu erkennen und umkreisen ein einlaufendes Fischerboot, vermutlich fällt dort einige Nahrung für sie ab. Das ist interessanter als ein Touristenboot, von dem keine Fische sondern im besten (Pech-)Fall mal eine Kamera ins Wasser fällt.
Bei der Ankunft sehen wir schon von weitem Juanita, sie wartet am Steg, hält nach uns Ausschau und ruft: „Wie war es? Konntet ihr viel Neues und Interessantes sehen?“  Wir berichten ihr ausführlich, Juanita war noch nicht auf den Inseln wie wir jetzt erst erfahren. Sie kommt zwar aus Ica, der nächsten größeren Stadt, aber ihre ausländischen Gäste begleitet sie immer nur bis zum Schiff.
Unser nächstes Ziel Richtung Nasca ist ein Weingut, wo peruanische Weine und Pisco, ein aus Trauben gewonnener Schnaps, hergestellt wird. Angekommen erklärt uns Juanita wie die Trauben behandelt und der Wein gekeltert bzw. der Schnaps gebrannt wird. Das Gut soll noch in Betrieb sein und auch heute noch nach alter Tradition betrieben werden, alles naturrein und daher besonders gut. Im Anschluss an die Besichtigung gibt es natürlich eine Probe in einer gemütlichen Bodega. Wir dürfen testen und nehmen uns auch jeder eine Flasche Pisco mit, das Rezept für Pisco Sour gibt es gratis dazu- sogar auf Deutsch.

Baumwollblüte

Baumwollblüte

 

Baumwolle

Baumwolle

Transportmittel in Pisco

Transportmittel in Pisco

Die Straße führt jetzt von der Küste weg ins Landesinnere und wir durchfahren landschaftliches Nutzgebiet. Hier wird Baumwolle, Obst und Gemüse angebaut und vermutlich kommen hier auch unsere sauren Trauben her, denn das meiste was hier wächst wird exportiert. Wir erkundigen uns bei Juanita nach den Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft; besser als bei Guano? Ja sicher, bei dem angenehmeren Produkt.  Die Arbeiter wohnen nicht auf den Feldern, sondern können nach Feierabend nach Hause gehen. Aber die Löhne sind auch hier extrem niedrig und die Arbeitszeiten extrem lang- zwölf bis vierzehn Stunden sind normal.Inzwischen sind wir schon am Stadtrand von Ica, der Heimatstadt von Juanita, angekommen. Hier lebt ihre Tochter mit ihrer Mutter während sie als Reiseleitung unterwegs ist.
Ich hatte Juanita gebeten für einige Einkäufe (Labello mit Sonnenschutz und einen neuen Film für Edith) irgendwo in Ica anzuhalten. Hugo lässt uns aussteigen und fährt mangels Parkmöglichkeit um das Karree während wir als erstes in eine Apotheke gehen. Eine ganz neue und supermoderne Apotheke! Der Besitzer steht hinter dem Tresen und fragt freundlich nach unseren Wünschen. Juanita und ich antworten beide – sie ist so an das Übersetzen für Urlauber gewohnt, das sie nun auch mein Spanisch „übersetzt“ indem sie es für den Apotheker wiederholt. Dann zeigt er uns die Auswahl an Lippenstiften mit Sonnenschutzfaktor:  Kokosnuss -, Ananas- oder Erdbeergeschmack, was bitte darf es sein? Ohne Geschmack, bitte. Gibt es nicht! Also dann das, was wahrscheinlich am wenigsten süß ist: Kokosnuss. Nachdem wir die schwere Auswahl getroffen haben, möchten wir bezahlen. Bei dem Verkäufer geht das jedoch nicht, dazu müssen wir an die Kasse: „Bitte dort drüben Señora“. Edith geht bezahlen, aber wo ist der Lippenstift?  „Nein, hier bekommen Sie ihn nicht. Das ist ja schließlich die Kasse, hier wird nur bezahlt.“ Also geht es nun mit dem Kassenbon an das andere Ende der Apotheke, dort ist die Verpackungsabteilung!! Hier bekommen wir also nun unseren Labello Stift. Auch Juanita ist ein wenig erstaunt, das unser „Großeinkauf“ drei Personen beschäftigt hat. In unserer Zeit in Peru war ich noch zweimal in einer Apotheke, aber ich habe mir da immer ganz kleine und „unmoderne“ ausgesucht, ohne Kasse und ohne Verpackungstisch.

Oase Huachachina

Oase Huachachina

Hugo steht schon wartend auf der anderen Straßenseite und möchte mangels Parkplätzen weiterfahren. Den Film für Edith hatte ich während der „Verpackungsphase“ rasch in einem Fotogeschäft gekauft, also kann es gleich weitergehen. Ica ist eine sehr lebhafte Stadt die zum bummeln gehen einlädt, ein Geschäft neben dem anderen und ein grosser Markt. Auffällig sind hier die vielen Motortaxis, ähnlich wie die thailändischen Tuktuks.
Außerhalb der Stadt umgeben uns riesige Sanddünen, die sich in Richtung Westen bis zum eine Autostunde entfernten Pazifik hinziehen. Und mitten in dieser Sandwüste liegt die Oase Huacachina wo wir heute zu Mittag essen.
Es ist das Restaurant eines Hotels, wunderschön gelegen. Wir suchen uns einen Tisch auf der Terrasse mit Blick auf die Lagune und die wie Berge anmutenden Sanddünen. Das Essen ist hervorragend und leicht, ein wenig der französischen Küche angepasst. Der Kellner meint es zum Abschluss mit uns besonders gut und wir bekommen jeder eine extra große Portion „Flan“ zum  Nachtisch. Warum habe ich mich nur davon verführen lassen und fast alles aufgegessen? Nun, vermutlich weil es geschmeckt hat!  Auf jeden Fall brauche ich jetzt ein wenig Bewegung und mache mit Edith einen Rundgang um die Lagune.

Badespass

Badespass

Wir kaufen einige Ansichtskarten, schlendern an den Souvenirständen entlang bis ans Wasser. Trotz meiner gestrigen Erfahrung am Pazifikstrand ziehe ich meine Schuhe aus und teste die Wassertemperatur. Das Wasser ist angenehm warm und natürlich werde ich hier von keiner Welle überrascht, alles klappt und meine Hose bleibt diesmal trocken. Am Ufer sind einige Familien am Picknicken, die Kinder plantschen im Wasser und an den Wochenenden ist sicher ganz Ica und Umgebung hier versammelt. Neben uns ist ein Verleih für Tretboote und dann sehe ich etwas, was mich wirklich staunen lässt. Wasserski? Der See ist zwar groß genug für einige Tretboote, aber die erreichen bestimmt keine Geschwindigkeit um Wasserski zu fahren. Vielleicht Wellenreiten? Nein, wo sollen in einer Oase denn Wellen entstehen? Aber ich sehe die Bretter und es gibt mehrere Verleihstellen!

surfen in den Sanddünen

surfen in den Sanddünen

Das Rätsel löst sich als ich einen Benutzer eines Boards  beobachte. Er geht mit dem Brett nicht auf den See sondern auf  die Dünen! Durch den tiefen Sand steigt er bis oben auf den „Gipfel“,  um dann auf dem Surfbrett bergab zu fahren. Klar, habe ich doch auch schon mal im Fernsehen gesehen!

Wir gehen langsam am Ufer entlang und schauen Kindern beim Angeln zu. Sie benutzen dabei einen Stock mit Bindfaden, ob das wohl ein großer Fang wird? Aber anscheinend beisst doch hin und wieder ein Fisch an, denn in dem bereitstehenden Eimer ist schon der erste Erfolg.
Inzwischen haben wir den See fast umrundet und gehen wieder auf die Promenade um den Sand aus unseren Schuhen zu schütteln.

Handarbeit

Handarbeit

Hier sitzt ein junger Mann an einem Verkaufsstand und bietet neben den üblichen Souvenirs auch Haifischzähne an. „Wo kommen die Haifischzähne denn her?“ möchte ich gerne wissen. „Das sind echte Fossilien“ erklärt er uns, und natürlich hat er sie auch selbst gefunden. Hier in der Wüste!  Um seine Aussage zu bekräftigen holt er ein schon recht abgegriffenes Fotoalbum unter dem Tisch hervor und zeigt uns Bilder der Ausgrabungsstätten. Nun, es wird tatsächlich gegraben, es sind abgesteckte Bereiche vorhanden und eigentlich sieht  alles sehr professionell aus. Nur ein Punkt wundert mich, unser Verkäufer ist zwischen den ganzen sehr europäisch/amerikanisch wirkenden Männern nicht zu entdecken. Hat er immer fotografiert?  Sein spitzbübisches Lächeln wird für einen kleinen Moment etwas verlegen: „Nun, auf jeden Fall habe ich diese Leute gekannt. Alle! Und ab und zu bin ich auch mit dabei gewesen“.  Die Echtheit der Zähne möchte ich jetzt nicht auch noch in Frage stellen und so plaudern wir noch eine Weile über die Wunder der Natur. Als wir uns verabschieden schenkt er Edith und mir je einen Haifischzahn. Ein kleiner Zahn zwar, aber er soll uns Glück bringen. Ich trage ihn heute noch in meiner Handtasche, so was kann ja nie schaden. Außerdem – er ist sooo klein, ich habe ihn in den dunklen Ecken meiner Tasche einfach nicht wiedergefunden.

Strasse in Richtung Nasca

Strasse in Richtung Nasca

Einige Meter weiter sind wir schon wieder an dem Restaurant angekommen und nicht weit von dort warten Juanita und Hugo, denn wir haben noch eine weite Strecke bis Nasca vor uns. Ausserdem sieht der Himmel sehr bewölkt aus und Hugo sowie Juanita machen sich Sorgen, es könnte regnen. Hugo befürchtet bei Regen schlechte Strassenverhältnisse, er habe gehört die Straße sei gestern total überschwemmt gewesen. Bei nasser Strasse ist die Unfallgefahr hoch, er hofft es bleibt alles trocken.
Juanita hat andere Sorgen bei Regen- die Häuser in dieser Region sind aus getrockneten Lehmziegeln und haben ein Schilfdach. Da es hier eigentlich nie regnet ist das ja kein Problem, aber wenn es doch passiert halten die Lehmziegel und auch der Schilf dem Wasser nicht stand. Die Wände weichen auf, drei Stunden heftiger Regen reichen aus um ein Haus zu zerstören. Und in dem Teil Icas, in dem sie zuhause ist sind alle Häuser aus Lehmziegel, auch das ihrer Mutter und ihrer Tochter. Und tatsächlich, es fallen die ersten dicken Tropfen vom Himmel und die schwarzen Wolken verheißen nichts Gutes. Juanita ruft sicherheitshalber bei ihrer Mutter an- wie sieht es dort aus? Bis jetzt ist es trocken und wir drücken fest die Daumen, dass dies so bleibt.

Bitte rechts fahren

Bitte rechts fahren

Die Strasse ist jedoch etwas feucht geworden und Hugos Befürchtung der Unfälle hat sich für einige anderen Fahrer leider erfüllt, erstaunlicherweise vorwiegend für LKW- Fahrer. Es werden aber auch Überholmanöver durchgeführt,  da bleibt mir der Atem weg! „Klar“ erklärt mir Hugo, „die haben es eilig, denn abends und nachts dürfen keine LKW´s mehr fahren. Wer um die vorgeschriebene Zeit nicht an seinem Ziel ist, der muss warten bis zum nächsten Tag.
Busse ja, die dürfen fahren“. Nun, das erklärt natürlich die Eile!
Unser Weg führt uns durch eine landschaftlich beeindruckende Gegend. Fruchtbare Täler, Berge, reichlich Kurven und hin und wieder ein Schild an der Strasse mit dem Hinweis rechts zu fahren.
Die Landschaft wird wieder flacher und  wir nähern uns Nasca. Eigentlich steht für uns der Besuch des Maria Reiche Museums auf dem Plan, allerdings ist dieses Museum zurzeit leider geschlossen. Maria Reiche, eine deutsche Mathematikerin, lebte in der Wüste von Nasca und studierte bis zu ihrem Tod die fast 2000 Jahre alten Bodenzeichnungen.

Inkakopf

Inkakopf

Da der Museumsbesuch nicht möglich ist, halten wir stattdessen an dem „Torre Mirador“. Dieser Aussichtsturm steht direkt an der Panamerika und von dort ist es möglich einige der Scharrbilder zu erkennen. Kurios – die Panamerika führ direkt zwischen den Scharrbildern hindurch. Da die Bilder nur aus der Luft oder einem Turm erkannt werden können, wurde beim Bau der Strasse von niemandem bemerkt in welch geheimnisvollem Gebiet hier asphaltiert wurde. Heute ist das Betreten des Geländes verboten um die Bilder zu schützen, aber auf den Turm können wir steigen. Also hinauf! Der Himmel ist nach wie vor verhangen und es pfeift ein kalter Wind, je höher wir steigen umso kälter wird es. Aber es hat sich gelohnt, ganz klar erkennen wir die Linien. Das Gesamtbild ist nicht zu erkennen, dazu ist es zu groß, aber die Linien selbst sind ganz klar in den Wüstensand gezogen. Aber wir werden morgen mit einem Flugzeug über das Gelände fliegen und dann die einzelnen Bilder erkennen können. Jetzt  aber klettern wir schnell wieder nach unten, der Wind ist hier sehr ungemütlich, und retten uns ins warme Auto.
Von hier sind es nur noch einige Minuten bis zu unserer Lodge und ich bin schon sehr gespannt auf diese Unterkunft. In einem Telefongespräch mit El Dorado Travel habe ich bei der Buchung erfahren, das es hier in den Zimmern keine Elektrizität gibt. Mal schauen!

Rezeption

Rezeption

Die Lodge ist, wie angekündigt, außerhalb von Nasca-  über einen Feldweg zu erreichen liegt sie mitten im „Nirgendwo“. Ein junger Mann empfängt uns sehr freundlich und nachdem wir uns für heute von Juanita verabschiedet haben, zeigt er uns als erstes unsere Unterkunft. Es sind kleine Bungalows aus Lehm mit einem Schilfdach, so wie wir sie unterwegs in den Ortschaften gesehen haben. Im Inneren stehen Öllampen und Kerzen und die Öllampe im Bad sollen wir über Nacht ruhig anlassen, so müssen wir nicht im Dunkeln nach Streichhölzern tasten. Was mache ich wenn die Lampe doch ausgeht? Wir bekommen gezeigt wie die Öllampe an und aus zu machen ist, scheint ja wirklich nicht schwer zu sein. Meine Taschenlampe suche ich trotzdem aus dem Koffer – sicher ist sicher. Nachdem wir ausgepackt haben möchten wir noch einen kleinen „Erkundungsgang“ machen. Da es noch hell ist drehe ich bei der Öllampe an einem kleinen Rädchen – und tatsächlich- die Flamme erlischt. Schön, klappt ja! Ob ich die Lampe wohl jemals wieder anbekomme?
Im Garten lernen wir die weiteren Gäste kennen, zwei Italiener von denen einer schon seit Jahren in Peru lebt und häufig hier zu Gast ist. Er kennt die Familie der Lodge schon seit vielen Jahren und erholt sich hier regelmäßig vom Großstadtstress.

Zeremoniebeginn der Pachamanca

Zeremoniebeginn der Pachamanca

Wir setzen uns zusammen in den Garten unter einen Baum, plaudern über unsere Eindrücke von Peru und genießen dabei ein Glas Wein. Es ist noch nicht ganz dunkel, also wir Motorenlärm hören. Nanu,was ist denn dies? Wo kommen denn die Autos her? Noch andere Hotelgäste? Nein, es ist eine Reisegruppe und sie kommen hierher um eine peruanische Spezialität kennenzulernen: die Pachamanca. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Festgericht, welches zu besonderen Gelegenheiten und Feiertagen zubereitet wird. In einem Erdloch werden Steine erhitzt und die in Bananenblätter gewickelten Zutaten wie Fleisch, Mais, Kartoffeln und Gemüse hinein gelegt. Das ganze wird dann nochmals mit Blättern und Erde zugedeckt und muss mehrere Stunden garen.
Die Gruppe hat diese Pachamanca vorbestellt und die angekommenen Gäste können direkt zu dem Erdofen gehen, um zu sehen wie ihre Pachamanca aus dem Ofen gepackt wird. Auch wir werden aufgefordert bei dieser Zeremonie zuzuschauen. Denn die Pachamanca gräbt man nicht einfach nur so aus, sondern zuerst wird der „Mutter Erde“ gedankt. Dies ist ein alter Brauch der auf dem indigenen Glauben an die „Pachamama“ (Mutter Erde) beruht. Gespannt schauen wir zu. Als erstes werden Kokablätter verstreut und danach ein wenig chicha mora (ein alkoholfreies Maisgetränk) auf die Erde gegossen. Ein mit Blumen geschmücktes Kreuz wird feierlich entfernt und danach kommt der erste „Spatenstich“. Vorsichtig wird die Erde abgetragen, die großen Blätter angehoben, die Zutaten auf Teller und Tabletts gelegt und in das Restaurant getragen. Die Gruppe folgt dem verführerischen Duft, ebenso die beiden anderen Hotelgäste. Edith und ich bleiben im Garten, unsere Pachamanca ist für morgen bestellt und sehr hungrig sind wir auch heute Abend nicht.

Pachamanca

Pachamanca

Wir bestellen uns jeder noch etwas zum trinken und nach einer Weile bekommen wir wieder Gesellschaft von unseren „Mitgästen“. Die Reisegruppe ist auf dem Rückweg zu ihren Hotels und auch die Dame des Hauses gesellt sich zu unserer Runde.
Doch auf einmal wird es um uns herum dunkel. Na nu! Ist der Generator ausgefallen? Ein Kurzschluss? Denn im Restaurant und im Garten gibt es natürlich Strom, die Öllampen sind nur in den Zimmern. Na ja, es wird sicher nichts ernstes sein und der Strom gleich wieder angehen. Oder???? Nein, er geht nicht wieder an aber es ist anscheinend auch nichts kaputt. Unsere Mitgäste und die Señora stehen auf, ein höfliches und freundliches „Buenas noches!“ und wir sitzen alleine im Dunkeln. Ich schaue im Licht des Feuerzeugs ungläubig auf meine Uhr – es ist neun Uhr!
In Spanien meine übliche Zeit für das Abendessen, vor 8:30 h machen dort gar keine Restaurants auf! Und nun?
Wir gehen zu unserem Zimmer wo ich zu meiner Erleichterung sehe, dass im Laufe des Abends jemand hier war und die Öllampen wieder angezündet hat. Die Lampen verbreiten ein angenehmes warmes Licht, nur leider nicht hell genug zum lesen. Ich versuche es mit meiner Taschenlampe, aber das ist sehr ermüdend. Also gehen auch bei uns an diesem Abend die Lichter sehr früh aus und ich denke an all die Dinge, die ich an diesem Tag gesehen und gehört habe. Ob es in Ica doch noch geregnet hat und das Haus von Juanitas Mutter nass wurde? Und was geschieht, wenn es hier heute Nacht regnet und das Schilfdach über meinem Kopf nass wird? Und ist das Haus in dem ich heute schlafe auch aus getrocknetem Lehm?
Und warum komme ich eigentlich auf den Gedanken es könnte regnen? Es regnet natürlich nicht, Elke – schlaf endlich ein!

Peru, eine Rundreise von der Küste in die Anden und den Regenwald Perus

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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