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Kowloon und seine bunten Märkte entlang der Nathan Road

Donnerstag

Hongkong Island

Hongkong Island

Unser letzter Urlaubstag ist gekommen. Irgendwie fühlen wir uns inzwischen ein wenig besichtigungs-müde. So schnell die 4 Wochen auch vergingen, es waren sehr viele neue Eindrücke. Nun haben wir das Bedürfnis alles langsam anzugehen und einfach nur durch die Stadt zu bummeln. Daher haben wir für heute beschlossen nach Kowloon zu fahren, über den Blumenmarkt zu schlendern und uns einfach treiben zu lassen.
Nach einem kleinen Frühstück und dem allgegenwärtigen grünen Tee nehmen wir die Metro bis zur Central Station. „Von hier fährt auch der Airport Express ab“ erkläre ich Edith. „Lass uns schon mal schauen wo das ist, so brauchen wir morgen früh nicht zu suchen.“
Nach der Eröffnung des neuen Flughafens brauchte Hongkong eine neue Anbindung für die 46 km bis zur Innenstadt. Der Airport Express benötigt für diese Strecke nur 23 Minuten. Das hätten wir bei unserer Ankunft wissen sollen, mit dem Taxi waren wir entschieden länger unterwegs. Der Schalter ist leicht zu finden, der Preis beträgt 100 HKD und es gibt sogar einen Check-in Schalter. „Super! Das ist eine tolle Sache!“ findet Edith und ich bin absolut ihrer Meinung.
Auf unserem Weg zur Fähre nach Kowloon machen wir noch einen kurzen Rundgang durch das angrenzende Shopping Center. Hier findet gerade eine Ausstellung von Appel statt und jeder hat die Chance eines der i-pads oder I-phones probehalber zu benutzen. Das geht schon schneller und besser als mein No-name-Tablet. Ob ich mal rasch meine mails abfrage? Doch Google glaubt mir nicht, dass ich gerade in Hongkong bin und verweigert mir den Zugang. Aus Sicherheitsgründen!

Blick auf Kowloon

Blick auf Kowloon

Die Angebote in diesem Einkaufszentrum sind alles Markenprodukte: Gucci, Armani und alles was Rang und Namen hat. Auch Kosmetikfirmen wie Esthee Lauda oder Clinic sind hier vertreten und Kosmetikartikel sind tatsächlich entschieden günstiger als in Europa. Da lohnt es sich zu kaufen.
Jetzt aber raus hier! Sonst kaufe ich noch mehr und muss die ganzen Cremes und Wässerchen den restlichen Tag mit mir herum tragen.
Mit der Fähre geht es hinüber nach Kowloon und unterwegs studiere ich den Stadtplan. „Schau mal“ zeige ich Edith auf dem Plan. „Wir fangen am besten hier oben am Blumen- und Vogelmarkt an und schlendern dann langsam die Nathan Road zurück.“ Die Nathan Road beginnt am Hotel Peninsula und zieht sich mit knapp vier Kilometern von Süd nach Nord. Sie ist laut meinem Reiseführer der Puls von Kowloon und lässt die Herzen der Kauflustigen höher schlagen. Hier und in den kleinen Seitenstraßen liegen die bekanntesten Märkte und viele kleine Geschäfte.

Blumensträusse nahe der Nathan Road

Blumensträusse nahe der Nathan Road

Wir fahren zuerst mit der Metro an das nördliche Ende der Nathan Road, die Prince Edward Station. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Blumen Markt. Nach einigen Minuten haben wir den Markt gefunden. Es ist eine Strasse, in der sich ein Blumengeschäft neben dem anderen befindet.

Blumen Markt in Kowloon

Blumen Markt in Kowloon

Das Angebot ist bunt und prachtvoll, Orchideen und gebundene Sträuße aus Sonnenblumen, Rosen und Lotusblumen. Unbekannte Pflanzen, deren Früchte an kleine gelbe Chillischoten erinnern stehen neben dekorativen Bambuspflanzen. Es ist eine unglaubliche Vielfalt.

der Vogelmarkt

der Vogelmarkt

Doch nur eine Ecke weiter erwartet uns das nächste Ziel, der Vogelmarkt. Wellensittiche, Kanarienvögel, Papageien und viele mir unbekannte Vögel. Es piept uns zwitschert aus allen Ecken. Doch nicht nur die Vögel sind hier zu kaufen, sondern auch alles an Zubehör für den gefiederten Freund. Handgearbeitete Vogelkäfige in allen Variationen und Größen, Sitzstangen, Futternäpfe und vor allem auch Vogelfutter. Zum Teil als Körner, doch auch in lebender Form. Maden und Würmer werden in Tüten gehandelt, Heuschrecken sitzen in großen Käfigen und werden pro Gramm in kleinen Säckchen verkauft.

Insekten als Vogelfutter

Insekten als Vogelfutter

Es ist für jeden Vogelgeschmack das richtige dabei. Gut, dass ich das nicht verpacken oder abwiegen muss. So ein Gewimmel und Gezappel!
Manche der Käfige stehen auf dem Boden und davor hat sich eine ganze Schar Spatzen angesammelt. Sie picken die heruntergefallenen Körner auf und schauen interessiert ihre eingesperrten Artgenossen an. Die einen hinter Gitter- die anderen in Freiheit mit der Gelegenheiten jederzeit davon fliegen zu können.
Wir bummeln langsam weiter, verlassen den Vogelmarkt und landen in einem kleinen Park hinter einer Kirche. Hier sitzen ältere Herren und spielen Karten oder Majong, manche sind in eine Unterhaltung vertieft oder betrachten die vorbeigehenden Fußgänger.

eines der Geschäfte in der Nathan Road

eines der Geschäfte in der Nathan Road

„So langsam bekomme ich Hunger“ meldet sich Edith. „Meinst du nicht wir sollten etwas essen?“ Essen? Ach, ich weiß nicht! Vor meinem inneren Auge sehe ich noch die Massen von Heuschrecken vom Vogelmarkt. „Das sieht hier richtig gut aus“ behauptet Edith und zeigt auf eines der vielen Restaurants. „Hier gibt es bestimmt frischen Fisch“ erklärt sie mit begeistertem Ton in der Stimme. Fisch? Oh je, wer weiß was das für Fisch ist! „Also nur weil du verschneekt und pingelig bist, muss ich ja nicht hungern“ argumentiert meine liebe Mutti. Na gut, dann gehen wir eben hier essen. „Das ist sicher gut, da gehen so viele Leute zum Mittagessen“ bekräftigt Edith noch einmal ihre Meinung.
Was nehme ich denn nur? Auf keinen Fall Fisch, wer weiß wie der schmeckt. Irgend etwas, dass ich kenne. Vegetarisch gibt es nur Brokkoli und die glitschigen Pilze, das schmeckt mir beides nicht. Am besten ich nehme Reis mit Huhn, da kann nicht viel schief gehen. Edith bleibt bei ihrem Fisch. „Ahh, darauf freue ich mich jetzt richtig!“ verkündet sie strahlend. Und sie hat recht behalten, ihre Wahl war die bessere. Der Fisch ist ein Weißfisch mit festem Fleisch, ohne Gräten und ohne zu fischigen Geschmack. Sehr gut! Mein Huhn dagegen ist glibberig, voller Knorpel und ich versuche das gesamte Fleisch aus dem Reis heraus zu picken. „Das tut mir jetzt aber leid für dich“ meint Edith mit besorgtem Tonfall. „Möchtest du was von meinem Fisch?“ Das ist nett, aber nein danke, ist schon o.k.! „Also ich habe mir das ja fast gedacht, als du Huhn bestellt hast“ setzt Edith noch hinterher. Diese Bemerkung war jetzt aber nicht nötig!
Beide satt und Edith zufrieden verlassen wir das Lokal und setzen unseren Spaziergang in Kowloon fort.
Wir sind inzwischen in Mong Kok und nicht weit vom Jade Markt entfernt. Dies ist unser nächstes Ziel und ich hoffe ein wirklich schönes Schmuckstück in Jade zu finden. Doch der Jade Markt hält nicht so ganz was ich mir erhofft hatte. Es sind schon einige schöne Armbäder und Ketten zu finden. Doch jeder Händler beginnt uns zu erklären, woran wir erkennen können, dass genau er kein Betrüger ist. „Meine Jade ist echte Jade, gute Qualität!“ bekommen wir zu hören. „Nicht so wie bei allen anderen hier auf dem Markt“ flüstert der Verkäufer uns zu. Das schwierige dabei ist jedoch, das alle Händler dies von sich sagen. Wie soll ich da unterscheiden? Ich gehe davon aus, sie haben alle die gleiche Qualität und werden alle uns die Jade viel zu teuer verkaufen. Der Gedanke bremst meine Kauflaune enorm und so verlassen wir den Markt ohne einen Neuerwerb.

frische Fische

frische Fische

Inzwischen beginnt es draußen bereits zu dämmern, wir sind schon wieder den ganzen Tag unterwegs. Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht. Doch wir möchten gerne auf den Night Market und er kann von hier nicht weit entfernt sein. Auf unserer Suche kommen wir zu einer Markthalle und gehen neugierig hinein. Es ist ein Fischmarkt, vermutlich kam Ediths Mittagessen von hier. Die Fische sind tatsächlich fangfrisch, sie schwimmen in großen Bassins mit Wasser und der Kunde kann sich das entsprechende Exemplar aussuchen. Einer der Fische startet einen Fluchtversuch, landet vor meinen Füssen und wird wieder eingefangen. Der nächste Stand bietet Meeresfrüchte, auch hier ist alles frisch und kommt direkt aus dem Wasser. Lediglich der Lachs ist bereits filetiert und liegt auf Eis. Aber der hat wahrscheinlich auch eine weite Reise hinter sich.

der Night Market

der Night Market

Auf der anderen Seite der Halle kommen wir wieder auf eine schmale Strasse und stehen nun mitten im Marktgeschehen. Gemüse und Obst wird hier unter Zeltplanen im Schein einer Glühbirne angeboten.

Trockenfisch

Trockenfisch

Geräucherte und luftgetrocknete Würste und Speck liegen auf Tischen aus. Darunter, einige Zentimeter über dem Boden, getrockneter und gesalzener Fisch. Ob das Fleisch nicht den Fischgeruch annimmt?
Langsam bummeln wir durch die engen Gassen, vorbei an Enten die knusprig gebräunt an der Straßenecke hängen. Die verschiedensten Düfte begleiten uns, gegrilltes Fleisch ebenso wie getrockneter Fisch oder aromatische Früchte. Je dunkler es wird, um so mehr Menschen drängen sich an den Verkaufsständen und in den Geschäften.

Pekingente in Kowloon

Pekingente in Kowloon

Eine Strasse weiter wird Kleidung angeboten, Küchenutensilien wie Kochtöpfe und Kochlöffel entdecken wir um die nächste Ecke. „Ich glaube, so langsam haben wir alles gesehen“ höre ich Ediths erschöpfte Stimme hinter mir. Das Gefühl habe ich auch, vor allem ist es inzwischen so voll, man kann vor lauter Menschen gar nichts mehr sehen. Daher suchen wir die nächste Metro-Station auf der Nathan Road und fahren Richtung Süden, hinüber nach Hongkong Island bis Wan Chai. Auf dem kürzesten Weg geht es in unser Hotel. „Wir haben noch gar nichts für Peter gekauft, überhaupt fehlen mir nach 4 Wochen noch so viele Mitbringsel“ überlege ich laut. „Ich will nichts mehr!“ erklärt Edith. „Nur noch meinen Koffer packen und die Füsse hoch legen.“ Das hört sich natürlich verlockend an nach so einem langen Tag und genau dies tun wir.

 

 

Freitag

Heute ist es soweit. Die letzten Stunden unserer Chinareise haben begonnen. Mit einem Taxi fahren wir bis Hongkong Central Station, wo wir direkt am Schalter der Air France einchecken können und anschließend die ca. 25 minütige Fahrt zum Flughafen nutzen. Super klappt das! Falls ich noch einmal nach Hongkong komme, fahre ich direkt bei Ankunft mit dieser Bahn ins Zentrum, bequemer geht es nicht.
Unser Flug geht via Paris bis Malaga und wie immer habe ich den Eindruck, der Rückflug dauert länger. Aber vermutlich fehlt lediglich die freudige Urlaubserwartung.
Dann ist es geschafft- wieder zu Hause!
Es war ein langer und anstrengender Urlaub, jedoch wunderschön. China ist ein Land in das ich jederzeit wieder reisen würde – und es gibt dort ja noch so viel zu sehen. Ob ein zweites mal ausreicht? Ich glaube nicht! Aber wohin die Reise im Land des Lächelns auch geht, ich kann jedem empfehlen China zu bereisen. Es bleibt mit Sicherheit ein unvergesslicher Urlaub!

Mein vorhergehender Bericht ist erschienen unter: http://www.reiseberichte-blog.com/hong-kong-island-und-seine-sehenswuerdigkeiten/

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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