Reiseberatung für individuelle Reisen

Meine Island Reisen von Südwest-Island über Kerlingarfjöll nach Nordost-Island

Ich habe schon viele Island Reisen unternommen und berichte im Folgenden von meiner allerersten Island Reise. Wie die meisten Reisen nach Island fand sie im Sommer, genauer im August, statt. Und wie die meisten Island-Besucher brachte uns die Linienfluggesellschaft Icelandair auf die Insel. Unterwegs waren wir mit einer Minigruppe mit acht Teilnehmern. Unsere Kleingruppenreise nach Island hieß passender Weise Alle Seiten Islands. Die Übernachtungen fanden in wirklich gut ausgesuchten Schlafsackunterkünften mit angenehmer Atmosphäre statt. Einige Unterkünfte hatten wir sogar ganz für uns alleine. Insgesamt hatte diese dreiwöchige Reise ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Soweit die Rahmenbedingungen. Nun aber zu unserer Island Reise …

Island Reisen

Island Reisen – Flughafen Keflavík – Reykjanes

Wie viele Island Reisen begann auch unsere am internationalen Flughafen Keflavík. Hier wurden wir von unserem Reiseleiter abgeholt und fuhren zu unserem ersten Quartier in der kleinen Hafenstadt Grindavík an der Südküste der Lavahalbinsel Reykjanes. Wie so oft bei meinen Ankünften in Island war der Himmel verhangen und die weiten Lavafelder wirkten auf uns wie eine öde Mondlandschaft. Der Reiseleiter war diese leicht bedrückte Stimmungslage offenbar schon gewohnt und brachte uns mit Fragen und Stimmungsbildern seiner vergangenen Island Reisen auf andere Gedanken. Er kündigte die Vielfalt der isländischen Landschaften und Stimmungen an, die uns noch erwarten würden und er sollte Recht behalten. Schon im Hot Pot des kleinen Schwimmbads in Grindavík hatte sich die Stimmungslage geändert und wir stimmten uns entspannt auf die anstehende Reise ein.

Reisen nach Island

Reisen nach Island – Geothermalgebiet Kýsuvík – Reykjanes

Am nächsten Morgen ging es dann los. Nachdem wir die Packordnung in unserem geländegängigen Minibus gefunden hatten, folgten wir der Südküste der geologisch aktiven Halbinsel Reykjanes. Im Gegensatz zu allen mir bekannten Island Reisen umgingen wir so den Großraum Reykjavík auf die einzig mögliche Weise und waren stimmungsmäßig sofort angekommen im ländlichen Island, das wir ja sehen und erleben wollten. Sogar das Wetter spielte mit und überraschte uns mit herrlichem Sonnenschein. Im Gegensatz zur Nordküste der Reykjanes-Halbinsel besteht die Südküste nicht nur aus flachen Lavafeldern. Mächtige Tuffrücken und einzelne Vulkankrater reichen bis an die Küste heran und bilden an einigen Stellen schöne Steilküsten mit reichem Vogelleben. Und im Geothermalgebiet Seltún bei Krýsuvík machten wir auch gleich Bekanntschaft mit den ersten dampfenden Schwefelquellen und deren Geruch. Das Thema Eier zum Abendessen war damit schon mal „gegessen“.

Island Reise

Island Reise – Wasserfall Gullfoss – Südwest-Island

Nach einem kurzen Versorgungsstopp in der kleinen Treibhausstadt Hveragerði, wo die Isländer die im Überschuss vorhandene Geothermalenergie nutzen, um landeseigenes Obst und Gemüse zu produzieren, machten wir uns auf den Weg zum Golden Circle, einen Bestandteil fast aller touristischen Island Reisen. So nennen Isländer und Touristen die drei von Reykjavík aus gut erreichbaren Island-Attraktionen þingvellir, Geysir und Gullfoss. Unsere erste Station war der Nationalpark þingvellir. Hier treffen Geologie und Geschichte aufeinander. Der alte Thingplatz am Rand einer geologischen Spalte ist eine Art Nationalheiligtum für viele Isländer. Hier fanden von der Besiedlungszeit bis Ende des 18. Jahrhunderts die traditionellen gesetzgebenden und rechtsprechenden Versammlungen der Wikinger (þing bzw. Thing) statt. Nachdem wir die „Allmännerschlucht“ und Ihre Umgebung bei einem Spaziergang erkundet hatten, ging es weiter zum wohl bekanntesten Naturschauspiel Islands ins Geothermalgebiet Geysir. Das weltbekannte Phänomen wird auf Reisen nach Island nie ausgelassen. Hier liegt der alte Namensgeber aller Geysire ruhend an der Seite der aktiven Springquelle Strokkur, die zur Begeisterung der zahlreichen Zuschauer alle fünf bis zehn Minuten eine etwa 30 Meter hohe Wasserfontäne Richtung Himmel schleudert. Am Ende unserer Island Reise waren wir uns einig, dass Geysir zwar ein spannender aber bei Weitem nicht der beeindruckendste Ort Islands ist. Ein Gefühl, dass durch die vielen Tagesbesucher natürlich noch deutlich verstärkt wird. Nur zehn Fahrminuten von Geysir entfernt stürzt der „goldene Wasserfall“ Gullfoss zweistufig in eine tektonische Spalte. Wir stiegen am unteren Parkplatz aus, wo sich ein herrlicher Regenbogen in der Gischt abzeichnete. Der Spaziergang zum Wasserfall war ein entsprechend feuchtes Erlebnis. Der Golden Circle ist sicher eine Attraktion auf allen Island Reisen, für uns war er aber nur der Auftakt zu einer intensiven Island Reise mit vielen Highlights und außergewöhnlichen Einblicken in ein Land voller Kontraste.

Hochlandpiste Kjölur - Zentrales Hochland

Hochlandpiste Kjölur – Zentrales Hochland

Direkt am Gullfoss beginnt die Hochlandpiste Kjölur, eine der langen Hochlandpisten auf Island Reisen. Innerhalb weniger, anfangs noch asphaltierter Kilometer verwandelt sich die Landschaft in eine karge Hochebene fast ohne Pflanzenbewuchs. Unser Guide erklärte uns, dass es hier zwar nicht selten regne, das Gestein aber einfach zu jung und grob sei, um Wasser und Nährstoffe zu binden und den Pflanzen zur Verfügung zu stellen. Nach einer knappen Stunde Fahrt tauchten die Ränder der großen Plateaugletscher Langjökull und Hofsjökull, etwas später unser Tagesziel, das Vulkanmassiv Kerlingarfjöll am Horizont auf. Trotzdem dauerte es fast zwei weitere Stunden mit einigen Frischluftpausen bis wir die kleine, grüne Oase am Fuß des Kerlingarfjöll-Massivs erreicht hatten. Sie bietet nach der Fahrt über das wüstenartige Hochplateau einen ebenso überraschenden wie angenehmen Anblick. Zur Übernachtung auf Reisen in Island mit Station am Kerlingarfjöll stehen Hochlandhütten und ein Zeltplatz zur Verfügung. Nach einem einfachen aber reichhaltigen „Hochlandessen“ fielen wir müde und zufrieden in unsere Kojen und schliefen mit den Gedanken an diesen ersten sehr erlebnisreichen Tag schnell ein. Kleiner Tipp am Rande: Wer Ohropax dabei hat, ist besonders in Hochlandhütten klar im Vorteil, denn ganz ohne Schlafgeräusche geht es auch bei kleinen Gruppen in einem Raum selten ab.

Geothermalgebiet Kerlingarfjöll - Zentrales Hochland

Geothermalgebiet Kerlingarfjöll – Zentrales Hochland

Der dritte Tag begann mit einer Wanderung von der für Island Reisen mit Hochlanddurchquerung ideal gelegenen Oase zum Geothermalgebiet im Zentrum des Kerlingarfjöll-Massivs. Dabei hatten wir etwa 300 Höhenmeter zu überwinden und unsere Wanderstöcke kamen zum ersten Mal zum Einsatz, denn an einigen Stellen war das Gelände recht steil. Oben angekommen verschlägt es einem beim Blick in die bunten und dampfenden „Quellentäler“ Hveradalir fast den Atem. Überall kocht und brodelt es in über tausend Metern Höhe inmitten des ockerfarbenen Rhyolith-Gesteins. Vielfarbige Sinter- und Schwefelablagerungen, schneegefüllte Senken und leuchtend grüne Moose komplettieren den Farbkontrast zu einem Erlebnis fürs Auge. Ein echtes Highlight bei Island Reisen mit Hochlanddurchquerung. Wir durchwanderten das Gebiet in etwa einer Stunde. Jede Wegbiegung hielt neue Eindrücke bereit. Und im Gegensatz zu Geysir waren wir hier fast alleine unterwegs. Nur wenige weitere Besucher teilten mit uns die Eindrücke in diesem phantastischen Gebiet.

Gästehaus Skeið - Nord-Island

Gästehaus Skeið – Nord-Island

Am Nachmittag ging es dann weiter nach Norden. Für den nördlichen Teil der Kjölur-Piste benötigten wir etwa drei weitere Fahrstunden über das wüstenartige Hochplateau und schließlich vorbei an den Blöndulón-Stauseen am Übergang ins nördliche Tiefland. Innerhalb weniger Minuten Fahrt verschlägt es einen hier aus den öden Weiten des Hochlands in ein saftig-grünes Tal. Ein Kontrast, den man auf Island Reisen nicht selten erlebt. Nachdem wir die Ringstraße wieder erreicht und einen Versorgungsstopp eingelegt hatten, benötigten wir etwa zweieinhalb weitere Fahrstunden, um unser nächstes Quartier auf der bergigen Halbinsel Tröllaskagi zu erreichen. Es lag tief im schönen Svarfaðardalur im Herzen der Tröllaskagi-Halbinsel, traumhaft eingebettet in die über tausend Meter hohen Plateauberge. Unsere Gastgeberin Myriam, die die Gebäude dieser ehemaligen Farm im alten isländischen Stil renoviert hat, begrüßte uns in ihren „Toblerone-Bergen“. Das kleine Gästehaus im alten Stall hatten wir ganz für uns. Ein seltener Luxus auf meinen Reisen nach Island. Nach einem weiteren langen, erlebnisreichen Tag fiel das Abendessen kurz aus und wir verkrochen uns früh in die Schlafsäcke.

Trogtal Svarfaðardalur - Nord-Island

Trogtal Svarfaðardalur – Nord-Island

Nach der Hochlanddurchquerung mit den entsprechend langen Fahrten stand nun der vierte Tag ganz ohne Autofahrt an, zumindest für diejenigen, die sich fürs Wandern entschieden hatten. So sollten Island Reisen aufgebaut sein! Direkt vom Hof aus starteten wir zur Erkundung dieser traumhaften Umgebung. Diejenigen, die sich für Whalewatching entschieden hatten, mussten die etwa 20minütige Autofahrt nach Dalvík in Kauf nehmen, von wo ein ehemaliger Fischer mit seinem kleinen Boot Walbeobachtungstouren im und am Meeresarm Eyjafjörður anbietet. Auf vielen Reisen in Island hat man die Möglichkeit zum Whalewatching, aber selten mit so netter Begleitung. Erfreulicherweise für uns alle kam die Whalewatching-Gruppe neben dem Beobachtungserfolg mit mehreren frisch geangelten Dorschen zurück. Deren Zubereitung mussten wir allerdings auf den nächsten Abend verschieben, da die Wanderer bereits das Festessen für den heutigen Abend in den Ofen geschoben hatten: Lammkeule mit Kartoffeln und Rotkohl, alles auf der Insel gewachsen. Unsere Gastgeberin Myriam war mit Ihrer Familie eingeladen und berichtete in gemütlicher Runde vom Leben einer Einwanderin in diesem abgelegenen isländischen Tal. Auch sie war früher auf vielen Island Reisen unterwegs gewesen bevor Sie den Hof gekauft und renoviert hat. Ihren isländischen Mann lernte sie erst später kennen.

Torfgehöft Laufás - Nord-Island

Torfgehöft Laufás – Nord-Island

Am fünften Tag unserer Island Reise stand die Fahrt in die bekannte, geologisch sehr aktive Mývatn-Region an. In Akureyri, der mit etwa 15.000 Einwohnern größten Stadt Nord-Islands, legten wir einen längeren Versorgungsstopp ein und erkundeten das kleine Zentrum bei einem kurzen Bummel. Ein Abstecher zum alten Torfgehöft Laufás brachte uns Einblicke in die Lebensbedingungen der isländischen Landbevölkerung im 19. Jahrhundert und natürlich legten wir den obligatorischen Stopp am Wasserfall Goðafoss ein, wo der Sage nach um das Jahr 1000 die isländische Wende zum Christentum stattfand. Gegen Abend erreichten wir die Mývatn-Region. Sie ist ein wichtiger Bestandteil aller Island Reisen rund um die Insel. Der „Mückensee“ verdankt seinen Namen einer kleinen Fruchtfliege, die die guten Brutbedingungen der ausgefransten Seeufer nutzt und wiederum die Nahrungsgrundlage für die Vielzahl der hier brütenden Wasservögel ist. Zum Glück war die Hauptbrut offenbar schon vorüber als wir die Region erreichten, denn nur wenige der kleinen Plagegeister machten uns das Leben schwer. Da sie nicht wie Moskitos auf unser Blut aus sind, sind sie außerdem leichter zu ertragen als Ihre stechenden Verwandten. Als Unterkunft für die kommenden drei Nächte diente uns ein Ferienhaus im kleinen Ort Reykjahlíð am östlichen Seeufer. Auf dem Weg dorthin erkundeten wir zur Einstimmung auf die Mývatn-Region die auf Reisen nach Island häufig besuchte Pseudokraterlandschaft bei Skútustaðir am südlichen Ende des Sees.

Ringkrater Hverfjall - Mývatn-Region

Ringkrater Hverfjall – Mývatn-Region

Im Mittelpunkt des sechsten Tages standen die geologischen Highlights der Mývatn-Region, die wir jeweils auf kurzen bis mittleren Wanderungen erkundeten. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit, obwohl der Nordosten eigentlich die trockenste Region Islands ist, da die Gletscher im Süden und Westen viel Feuchtigkeit aus der Luft „saugen“. Eine Regel auf Island Reisen lautet: Trockenes Wetter im Süden heißt feuchtes Wetter im Norden und umgekehrt. Je nach vorherrschender Windrichtung hat man also durch die Gletscher und Gebirgszüge selten die gleiche Wetterlage auf der ganzen Insel. Und an diesem Tag kam der Wind aus Nordosten und brachte von dort viel Feuchtigkeit mit. Im Dauerregen wirkte das Solfatarenfeld am Fuß des Bergrückens Námafjall nicht ganz so bunt wie bei Sonnenschein, das frische Lavafeld Leirhnjúkur strahlte dafür eine fast mystische Stimmung aus. Im Besucherraum des Geothermalkraftwerks Krafla wärmten wir uns auf und informierten uns über die Nutzung der Geothermalenergie in Island. Als wir anschließend den Explosionskrater Víti umrundeten, hatte es bereits aufgehört zu regnen und abends bewahrheitete sich eine weitere isländische Wetterregel: Eine scheinbar stabile Wetterlage hält in Island niemals lange an. Oder mit isländischen Worten: „Dir gefällt das Wetter nicht? Warte fünf Minuten …“. Eine für verregnete Island Reisen Hoffnung spendende Weisheit. Die tiefstehende Sonne motivierte uns, am Abend auch noch den weiten Ringkrater Hverfjall und die Lavaformation der „dunklen Burgen“ Dimmuborgir zu erkunden und dabei den Blick in die Abendsonne über dem orangefarbenen Mývatn zu genießen.

Wasserfall Dettifoss - Mývatn-Region

Wasserfall Dettifoss – Mývatn-Region

Ein weiteres landschaftliches Highlight vieler Island Reisen ist der Jökulsárgljúfur-Nationalpark. Ihm war der siebte Tag unserer Island Reise gewidmet. Über das hübsche Hafenstädtchen Húsavík und die Halbinsel Tjörnes fuhren wir nach Ásbyrgi am nördliche Rand des Nationalparks. Bei einem Stopp an der Steilküste konnten wir das weite Delta des Gletscherflusses Jökulsá á Fjöllum gut überblicken und erahnen, wie gewaltig dieser Strom vor einigen tausend Jahren gewesen sein muss, als er das Schmelzwasser der zurückweichenden Eismassen der letzten Eiszeit zum Meer transportierte. Island war während der Hauptphase der letzten Eiszeit komplett vergletschert. Die landschaftlichen Folgen sind auf Reisen nach Island nicht zu übersehen. Ásbyrgi ist geologisch gesehen eine hufeisenförmige tektonische Senke mit bis zu 90 Meter hohen Steilwänden, über die in der ausklingenden Eiszeit ein gigantischer Wasserfall ins Meer stürzte. Der Sage nach hat hier Odins achtbeiniger Hengst Sleipnir seinen Hufabdruck hinterlassen. Heute hat sich auf den aufgeschütteten Sedimenten ein kleines Birkenwäldchen in dieser geschützten Lage entwickelt. Eine Oase der Ruhe, wenn nicht zu viele Nationalparkbesucher unterwegs sind, denn am Fuß der Steilwände liegt auch einer der beliebtesten Campingplätze für Island Reisen im Zelt oder Wohnmobil. Eine kleine Wanderung führte uns auf den zentralen Felsen Eyan, von dem man das gesamte Gebiet gut überblicken konnte. Weiter südlich im Nationalpark führte uns eine weitere Kurzwanderung durch das Gebiet der „Echofelsen“ Hljóðaklettar, vom Gletscherfluss freigelegte Vulkanschlote mit phantastischen Basaltstrukturen, die die Phantasie anregen. Das unbestrittene Herz des Nationalparks ist das Wasserfalltrio Selfoss, Dettifoss und Hafragilsfoss. Auch für uns waren die kurzen Wanderungen in diesem Gebiet mit phantastischen Einblicken in den beeindruckenden Canyon des längsten isländischen Gletscherflusses das landschaftliche Highlight des Tages. Der Dramaturgie passte also. Und das tiefe Grollen des mächtigen Wasserfalls Dettifoss darf auf Island Reisen in diese Region natürlich nicht fehlen. Man spürt es auch mit geschlossenen Augen. Ein wahrlich gewaltiger Ort! Eine Stunde später waren wir zurück am Mývatn und genossen das warme Wasser der Mývatn Nature Baths. Die künstlich angelegten Becken gefüllt mit heißem, mineralreichem Wasser aus dem Krafla-Gebiet sind das nördliche Gegenstück zur „Blauen Lagune“ in Süd-Island. Nur günstiger und nicht ganz so stark frequentiert. Eine echte Wohltat nach einem langen Wander- und Besichtigungstag.

Kap Rauðinúpur - Nordost-Island

Kap Rauðinúpur – Nordost-Island

Nach drei Nächten in der spektakulären Mývatn-Region fuhren wir am achten Tag weiter in den äußersten Nordosten Islands, in ein Gebiet, das sehr selten auf Island Reisen besucht wird. Obwohl oder gerade weil die großen, bekannten Highlights in dieser sehr dünn besiedelten und abgelegenen Region fehlen, meinten wir die Seele Islands hier besonders intensiv zu spüren. Auf der Halbinsel Melrakkasétta führte uns eine eindrucksvolle Küstenwanderung zum Kap Rauðinupur. Die Steilküste rund um den kleinen, orangen Leuchtturm ist von vielen Seevögeln bevölkert. Besonders die pittoresken Papageitaucher und Eissturmvögel lassen sich hier gut aus der Nähe beobachten. Die grünen Wiesen oberhalb der Klippen sind auf Reisen nach Island an einem sonnigen Tag wie diesem ein herrlicher Ort der Ruhe und Entspannung. Wir spürten, dass sich selbst im Hochsommer kaum andere Touristen an diesen friedlichen Ort „verirren“ würden. Nur wenige Kilometer nördlich von uns lag der imaginäre Polarkreis im Meer und nur wenig östlich von uns die nördlichste Spitze des isländischen Festlands. Gedankenversunken merkten wir erst auf den Hinweis unseres Reiseleiters, dass wir uns auf einem alten, bewachsenen Vulkankrater befanden, an dessen Seiten bereits die Brandung nagte. Damit konnten wir uns auch die roten Ascheschichten erklären, die einen Teil der Steilküste bilden. Trotz der vielen landschaftlichen Highlights, die ich bislang auf meinen Island Reisen entdeckt habe, blieb mir dieser Ort besonders im Gedächtnis und ist bis heute einer meiner Lieblingsorte auf der kontrastreichen Vulkaninsel. Unser Quartier für die kommenden beiden Nächte war ein kleines, gemütliches Gästehaus auf der nicht weniger abgelegenen Halbinsel Langanes.

Ruinen auf Langanes - Nordost-Island

Ruinen auf Langanes – Nordost-Island

Diese wie ein gebogener Zeigefinger ins Meer ragende Landzunge war unser Wanderrefugium für den neunten Tag. Unsere holländische Gastgeberin Mirjam und ihr isländischer Ehemann Sverrir brachten uns zu einer verlassenen Farm, an der wir unsere Wanderung entlang der Südküste der Halbinsel starteten. Die äußeren Bereiche der Langanes-Halbinsel wurden nach der Aufgabe einer britischen Radarstation in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts verlassen. Die Lebensbedingungen in diesem abgelegenen Teil Islands waren zu hart geworden, die Hauptstadt Reykjavík war fern und ein wichtiger Handelspartner für die lokal produzierten Agrargüter und Fischprodukte fehlte dem Abzug der Briten. Auch heutige Island Reisen besuchen die schmale Halbinsel nur sehr selten. Auf unserer Wanderung entlang der einsamen Küste passierten wir viele verfallene Torfgehöfte. Wir malten uns aus, wie das Leben in vergangenen Tagen hier wohl ausgesehen haben mag und obwohl es sicher auch viele fröhliche Seiten hatte, überkam uns eine leicht melancholische Stimmung. Einige neugierige Seehunde, die uns schon ein ganzes Stück des Weges begleitet hatten, brachten uns auf andere Gedanken. Schon von Weitem entdeckten wir die Überreste einer alten Fischfabrik, die das Ende dieser stimmungsvollen Wanderung markierten. Wir erreichten Sie nach knapp fünf Stunden Fußmarsch. Unsere Schuhe waren vom feuchten, hohen Gras komplett durchnässt und wir waren dankbar, dass Mirjam schon mit einem heißen Pott Kakao auf uns wartete. Auf der Rückfahrt über eine holprige Piste legten wir noch einen Stopp an der Steilküste Hrafnabjörg ein, die eine der größten Basstölpelkolonien Islands beheimatet. Ein wichtiger Stopp für Freunde vogelkundlicher Island Reisen. Uns aber trieb es bald zurück zur Unterkunft, denn wir freuten uns auf die gegrillten Lammsteaks aus eigener Produktion, die Sverrir für uns vorbereitet hatte.

Reisen Nordost-Island

Selárdalslaug – Reisen Nordost-Island

Der zehnte Tag unserer Island Reise führte uns entlang der einsamen Strände und Buchten Nordost-Island. Ein Abstecher ins Selárdalur führte uns in ein kleines, idyllisch gelegenes Schwimmbad. Das Eintrittsgeld von 300 Kronen, also etwa zwei Euro, war auf Vertrauensbasis in eine kleine Box zu entrichten. Auf Island Reisen in abgelegene Gebiete macht man nicht selten Bekanntschaft mit dieser angenehmen Form des Vertrauens. Im Hot Pot ließen wir die Eindrücke der vergangenen Tage Revue passieren. Später brachte eine nette Isländerin sogar Kaffee zu Selbstbedienung vorbei. Ein nicht alltäglicher Service auf Reisen in Island. Nach einem kurzen Versorgungsstopp in Vopnafjörður machten wir einen Abstecher ins sehr sehenswerte Museumsgehöft Bustarfell. Hinter der roten Holzfassade des alten Torfgebäudes erhält man Einblicke in die Lebensweise der Landbevölkerung über viele Jahrhunderte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Dann musste unser Minibus Schwerstarbeit leisten. Über viele Serpentinen brachte er uns auf die Hellisheiði, die höchste Passstraße Islands, eine äußerst selten befahrene Strecke auf touristischen Island Reisen. Von oben hatten wir einen herrlichen Blick über die Landschaft Hróarstunga, die weite Schwemmebene der Flüsse Jökulsá á Dal und Lagarfljót. Und genau zwischen ihnen entdeckten wir im Mündungsbereich auch schon unser heutiges Tagesziel, die blauen Häuser der Pferdefarm Húsey, die wir allerdings erst zwei Stunden später erreichten, da die einzige Brücke der Region weit landeinwärts liegt. Dort angekommen begrüßten uns der Farmer Örn und die anderen Bewohner der Farm und wiesen uns in das kleine, gemütliche Gästehaus ein, in dem wir die kommenden beiden Nächte verbrachten.

Husey - Ost-Island Reisen

Husey – Ost-Island Reisen

Der elfte Tag stand zum Entspannen, eigenständigen Spazierengehen oder Reiten zur freien Verfügung. Ein Tag zum Abschalten oder für Aktivtouren ist meiner Meinung nach sehr wichtig auf längeren Island Reisen, da der Kopf schnell überlastet ist mit den vielen landschaftlichen Highlights der Vulkaninsel. Wer wollte konnte vormittags oder nachmittags an Reitausflügen in die Umgebung teilnehmen und dabei die herrliche Natur dieser Landschaft näher kennenlernen. Húsey ist ein Paradies für bodenbrütende Vogelarten wie den Skua. Allerdings sollte man sich sowohl beim Reiten als auch beim Spazierengehen in Acht nehmen, die Reviere der großen Raubmöwen respektieren und stets einen Kopfschutz oder Stock dabei haben, denn Skuas verteidigen ihre Gelege besonders aggressiv und machen dabei auch vor größeren Eindringlingen nicht Halt. Dies gilt auch für andere Stationen auf Reisen nach Island. Nach Örns Berichten ist schon so mancher Wanderer verschwitzt und leicht verstört wieder auf dem Hof angekommen, weil er die Wehrhaftigkeit und Hartnäckigkeit der Skuas unterschätzt oder nichts davon geahnt hatte. Zum Glück fanden sich alle Teilnehmer wieder unversehrt zum Abendessen ein, für das ein dicker Lachs in Örns Netze im Fluss gegangen war, den wir uns nach schmackhafter Zubereitung trefflich schmecken ließen.

Der Aufenthalt in Húsey war ein angenehmer Ruhetag, der die Halbzeit unserer Island Reise markierte. Der zweite Teil dieses Rundreiseberichts sowie Reiseberichte von meinen weiteren Island Reisen folgen in unregelmäßigen Abständen …

 

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Lundi

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