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Sightseeing in Stockholm: Gamla Stan, Millennium-Tour, Schären

Häuser am Stortorget

Häuser am Stortorget

Es gibt Stockholm-Besucher die erzählen, dass sie bei ihrem ersten Aufenthalt in der schwedischen Hauptstadt das Gefühl hatten, nach Hause zu kommen. Ich gehöre dazu – aber warum das so ist, kann ich nur schwer erklären, es ist einfach dieses heimelige Gefühl das mich überfällt, wenn ich in Arlanda aus dem Flugzeug steige. Stockholm, die königliche Hauptstadt, deren Schönheit in hohem Maß auf der faszinierenden Architektur aus unterschiedlichen Epochen und dem fast 800 Jahre alten Kulturerbe beruht, wird oft als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet – für mich ist sie bei weitem die schönste Stadt Europas mit der schönsten Altstadt der Welt. Gamla Stan, die Altstadt und das Herz der auf 14 Inseln schwimmenden Metropole, war über viele Jahrhunderte das eigentliche Stockholm, denn hier wurde die Stadt 1252 gegründet. Natürlich ist Gamla Stan mein erstes Ziel, denn nichts ist schöner, als am ersten Tag in Stockholm durch die engen Gassen der Altstadt zu schlendern, um sich dann am Stortorget zu einer Tasse Kaffee niederzulassen und einfach die Schönheit des Ortes zu genießen.

 

 

 

 

 

 

 

Marten Trotzig Gasse

Marten Trotzig Gasse

Das einzigartige Flair Gamla Stans

Die gepflasterten Straßen, das Labyrinth aus verwinkelten Gassen, deren schmalste, die Mårten Trotzigs Gränd, nur 90 Zentimeter breit ist, die malerischen alten Häuser, hinter deren Fassaden man auch heute noch Kellergewölbe und Kalkmalereien aus dem Mittelalter findet, die kleinen Läden, gemütlichen Cafés und Restaurants erschaffen eine einmalige Atmosphäre, die Besucher aus aller Welt das ganze Jahr über verzaubert – auch an kalten, verschneiten Wintertagen, denn dann verwandelt sich Gamla Stan in eine Märchenwelt.

Im Zentrum Gamla Stans befindet sich der „Stortorget“, der älteste Platz der Stadt, der seit dem Mittelalter als Treffpunkt und Marktplatz genutzt wurde. Früher befand sich hier auch der Pranger. Der dänische König Christian II., der 1520 den schwedischen Regenten Ben Sture belagerte und schließlich von den Schweden zum König gekrönt wurde, ließ über achtzig Adlige und Bürger auf dem Platz enthaupten. Heute tümmeln sich hier Besucher aus aller Welt, wie ich, besetzen Café-Tische vor den hohen Giebelhäusern rund um den Platz (auch wenn es kalt ist!) oder sonnen sich bei schönem Wetter auf der Freitreppe der alten Börse, deren imposantes Gebäude sich an der Nordseite des Stortorget, der übersetzt „der große Platz“ heißt, befindet. Heute sind in dem Gebäude das Nobel-Museum sowie die Schwedische Akademie der Wissenschaften untergebracht. Am Stortorget beginnt Stockholms älteste Straße, die Köpmangatan, die erstmals 1323 erwähnt wurde. Hier befinden sich viele Antiquitäten- und Kuriositätenläden, in denen ich stundenlang verweilen könnte.

 

 

 

 

 

 

 

Stortorget

Stortorget

Die Hauptattraktionen Gamla Stans

Die Hauptattraktionen sind das 1628 erbaute Königliche Schloss (Kungliga Slottet), das mit über 600 Zimmern eines der größten Schlösser der Welt und zugleich Schwedens ältestes Museum ist, sowie die eindrucksvolle 700 Jahre alte Kathedrale „Storkyrkan“, die Krönungskirche, die voller Schätze aus verschiedenen Epochen ist.

Eine weitere Attraktion ist die im 16. Jahrhundert erbaute deutsche Kirche Tyska Kyrkan in der Svartmangatan, deren spitzer grüner Turm 96 Meter hoch in den Himmel ragt und der höchste Punkt Gamla Stans ist. In der Kirche versammeln sich jeden Sonntag um 11.00 Uhr Gemeindemitglieder und Gäste aus aller Welt zum deutschsprachigen Gottesdienst. Als Besonderheit gilt das Glockenspiel der Kirche, welches täglich nach dem Glockenschlag um 8.00, 12.00 und 16.00 Uhr einige Takte eines der beiden Kirchenlieder „Nun danket alle Gott“ und „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ erklingen lässt. Leider bin ich um 11.30 Uhr schon auf dem Weg nach Södermalm und verpasse das Glockenspiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mosebacke Torg

Mosebacke Torg

Millennium-Tour in Södermalm

Als Fan von Stieg Larssons Millennium-Trilogie “Verblendung, Verdammnis, Vergebung”, möchte ich natürlich die wichtigsten Schauplätze des Thrillers in Södermalm besuchen. Samstags bietet das Stadtmuseum um 12 Uhr eine geführte „Millennium-Tour“ in Englisch an, die in der Bellmansgatan 1, wo Mikael Blomkvist wohnt beginnt und unter anderem an der Redaktion der Zeitschrift Millennium, der Luxuswohnung von Lisbeth Salander und Orten, an denen die Filme gedreht wurden, vorbeiführt. Bis Samstag sind es aber noch ein paar Tage und solange möchte ich nicht warten – zu groß ist die Ungeduld, die Schauplätze der Trilogie sofort zu erforschen. Für Ungeduldige wie mich, welche die „Krimi-Stadt“ auf eigene Faust erforschen möchten, wird im Stadtmuseum am Slussen, das direkt unterhalb Södermalms liegt, ein eigens erstellter Millennium-Stadtplan angeboten – meinen hatte ich mir allerdings schon am Morgen beim „Tourist Center“ in der Hamngatan besorgt und mir gleichzeitig im gegenüberliegenden Kaufhaus NK dicke Handschuhe gekauft, denn trotz blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein herrscht Eiseskälte.

Stadtbibliothek am Slussen

Stadtmuseum am Slussen

Am Slussen, dem Verkehrsknotenpunkt zwischen Gamla Stan und Södermalm, nehme ich die Treppe, die zum Mosebacke Torg hinaufführt und plötzlich fühle ich mich wie im Krimi – nicht, dass jemand hinter mir her wäre, aber aus der Trilogie ist mir die Treppe sehr vertraut, denn hier entkam Lisbeth Salander einmal einem Bösewicht. Nur einen Katzensprung vom Mosebacke Torg entfernt befindet sich der über 100 Jahre alte Katarinahissen Lift, der einen vom Slussen auf die 38 Meter Höhe bringt, die ich auf der Treppe gelaufen bin. Direkt am oberen Ende des Lifts hängt wie ein altes Raumschiff das Restaurant Gondolen in der Luft, das eine Institution in der schwedischen Feinschmeckerwelt ist. Ich laufe über den Steg zum Restaurant, von dessen Terrasse man eine atemberaubende Aussicht auf Gamla Stan und Stockholms Wasserstraßen hat – ein Erlebnis ohnegleichen, das ich in rund 100 Bildern in verschiedenen Belichtungen festhalte.

Treppe zum Mosebacke Torg

Treppe zum Mosebacke Torg

Dann beginnt meine Millennium-Tour – jedoch nicht in der Bellmansgatan, wie auf dem Plan empfohlen, sondern am Morsebacke Torg. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war dieser Platz überschäumendes Zentrum städtischen Lebens. Hier steht auch das älteste Theater Stockholms, das 1859 erbaute Södra teatern. Direkt am  Morsebacke Torg liegt die Fiskargatan, wo sich Lisbeth im zweiten Teil der Trilogie im Haus Nummer 9 im obersten Stockwerk eine Wohnung mit 21 Zimmern kaufte. Ein abgeschiedenes Eckchen mitten in Södermalm, wie sie es nannte. Nun kann ich mir bildlich vorstellen, wie sie von ihrem Erker zum Djurgarden und Saltsjön hinüberblickte und über ihr Leben nachdachte.

Jetzt wird mir klar, warum ich die Tour laut Plan in der

Haus in der Fiskargatan

Haus in der Fiskargatan

Bellmansgatan 1 hätte beginnen sollen. Sie liegt etwas weit vom Morsebacke Torg und es wäre nun ein Umweg dorthin zu gehen, wenn man bedenkt, dass die Millenniumsredaktion nur wenige Gehminuten von der Fiskargatan entfernt ist. So sehe ich also nicht, in welchem Haus Mikael Blomkvist in einer Mansardenwohnung mit Giebelfenster und Ausblick über die Dächer in Richtung Riddarfjärden und Gamla Stan wohnt.

Stattdessen wandere ich zur Götgatan hinunter, eine der ältesten Straßen Stockholms, wo in der Ecke Götgatan/Hökens Gata über den Räumen von Greenpeace die Redaktion von Millennium liegt, die eine Glasfassade zur Götgatan hin hat. In Wirklichkeit gibt es hier keine Büros, nur Wohnungen. Im Film liegt die Eingangstür in der Götgatan 11. Hier endet meine Millennium-Tour – der schönste Teil war zweifellos die Aussicht vom Morsebacke Torg über die Stockholmer Altstadt, Östermalm und die Schiffe auf dem Mälarsee.

Stockholmer Schärengarten

Stockholmer Schärengarten

Das zauberhafte Inselreich vor der Küste der schwedischen Metropole

Auch wenn es kalt ist, zum Stockholm-Trip gehört ein Abstecher in den Schärengarten, dessen Attraktion in der einzigartigen Natur des Inselreiches mit dem ständigen Kontrast aus roten Felsen, Wasser und dichten Wäldern liegt, dazu. Und der Stockholmer Schärengarten verliert in seinem Herbst- und Winterkleid keineswegs an Schönheit, im Gegenteil:

Imposant und atemberaubend schön liegt er vor der Küste Stockholms – eine weitläufige, fächerförmige Meereslandschaft mit rund 24.000 Inseln aller Formen und Größen, die sich über 6000 Quadratkilometer erstrecken. Nur einige Tausend dieser Inseln sind bewohnt, die meisten sind nur winzige, namenlose Felsen. Während der kalten Jahreszeit fahren die weißen Schärendampfer nur an den Wochenenden einmal täglich um 12.00 Uhr am Strandsvägen im Zentrum zu der zweieinhalbstündigen „Archipelago Tour“ ab.

Der herbstliche Stockholmer Schärengarten

Der herbstliche Stockholmer Schärengarten

Als das Boot losfährt, nehme ich erst einmal drinnen, wo es geheizt ist, Platz, denn nach einem morgendlichen Fußmarsch zum Stockholmer Rathaus bin ich völlig durchfroren – ich muss zugeben, dass sich nicht gerade meine dickste Winterjacke im Gepäck befand, denn wie immer hatte ich den Fehler gemacht, beim Kofferpacken vom deutschen Wetter auszugehen. Sobald wir Djurgarden hinter uns haben, wage ich mich hinaus in die Kälte. Es zieht ganz schön an Deck, aber nun breitet sich der Schärengarten in seiner ganzen Pracht vor mir aus und lässt mich die Kälte ertragen, auch wenn sich meine Finger vom vielen Fotografieren bald wie Eiszapfen anfühlen. Rechts und links am Ufer liegen wunderschöne Häuser, und bei weitem nicht alle rot gestrichen, wie man es aus schwedischen Filmen kennt. Kleine, felsig graue, mit Nadelbäumen bewachsene Erhebungen tauchen vor uns auf, die lediglich mit ein oder zwei Häusern bebaut sind, vor denen sich die obligatorische eigene Schiffsanlegestelle befindet. Ein Paradies für Segler, nicht nur im Sommer, denn zahlreiche Segelboote kreuzen trotz des kalten Wetters unseren Weg. Bei Vaxholm dreht der Dampfer um, und wir fahren nach Stockholm zurück. Mittlerweile hat es zu regnen angefangen und das Fotografieren wird aufgrund des glatten Decks zu ungemütlich. Völlig durchfroren klettere ich am Strandsvägen vom Boot. Nun hilft nur ein heißes Bad und die Vorfreude auf das Abendessen im ältesten Restaurant der Welt „Den Gyldene Freden“ in Gamla Stan.

Fotos: Cornelia Lohs

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Über den Autor

Cornelia Lohs

Cornelia Lohs ist freie Journalistin und schreibt für Print- und Online-Medien in den Bereichen Reise und Lifestyle. Sie lebt in Heidelberg und den USA. Mehr Informationen auf www.cornelia-lohs.de

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