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Zugreise mit der Transsib von Peking durch die Mongolei nach Moskau – Drei Länder 8.000 km Bahnstrecke

TransibZauber am Baikalsee

TransibZauber am Baikalsee

Eigentlich wollten wir nicht wirklich nach Russland. Da hat es uns nie hingezogen. Wir waren immer mehr die Orient-Reisenden. Doch mein Freund Vasili hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Reise mit der Transsib zu machen

TranssibZauber Zugansicht

TranssibZauber Zugansicht

. Und die fährt nun mal durch Russland. Also habe ich mich gefügt und wir buchten bei einem Münchner Reiseveranstalter eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Wenigstens konnte ich meinen Kopf insofern durchsetzen, als wir die Reise in der umgekehrten Richtung machten: von Peking nach Moskau. Wir hatten uns extra für eine geführte Tour entschieden, weil wir nicht sicher waren, wie wir uns in Russland und in China verständigen sollten. Wir hatten schon die schlimmsten Sachen gehört und wollten kein Risiko eingehen. Der Anfang war vielversprechend. Wir trafen am Flughafen in Frankfurt ein, wo wir für unseren Flug nach Peking eincheckten. Ich war beruhigt, dass unsere Reise in Peking beginnen sollte, da wollte ich wirklich immer mal hin und von dort aus ging es dann schrittchenweise in fremde Welten…
Am Flughafen erfuhren wir, dass auch aus anderen deutschen Städten noch Mitreisende kommen sollten, die in Peking zu uns stoßen würden. Wir flogen mit Lufthansa, dazu ist wohl nicht viel zu sagen, der Service ist gut, auch das Essen, wenn auch alles immer ein wenig einstudiert und wenig herzlich wirkt. Ich glaube, die Lufthansa ist die kühlste Airline, die ich kenne. Vielleicht liegt das am Nimbus.

Tempel in der verbotenen Stast

Tempel in der verbotenen Stast

Am nächsten Tag landeten wir in Peking. Am Flughafen wurden wir von unserer Reiseleiterin abgeholt, einer lustigen kleinen Frau, die einen interessanten, aber nicht zu definierenden Akzent sprach. Sie begrüßte uns herzlich und erklärte uns, dass wir jetzt erst einmal ins Hotel fahren würden. Um das Gepäck würde sie sich kümmern, auch im Hotel sei schon alles vorbereitet.
Wir konnten gleich unsere Zimmer beziehen, viel Zeit blieb uns allerdings nicht, wenn wir uns frisch machen und was essen wollten, da wir gleich nach dem Mittagessen zu einer Stadtrundfahrt aufbrechen sollten. Wir aßen einen kleinen Imbiss im Hotel, wo man Gottseidank englisch sprach. Als wir in die Auffahrt des Hotels traten, stand unser Bus schon bereit, unsere Reiseleiterin wartete. Wir waren die ersten und waren darüber sehr erstaunt. Nach und nach trudelten die übrigen ein, und wir fuhren los: In die Verbotene Stadt. Schön, dass sie heute nicht mehr verboten ist. Denn das, was man hier zu sehen bekommt, sollte nicht dem Herrscher allein bestimmt sein. Das Areal ist beeindruckend groß. Früher durfte kein Gebäude Pekings die gelb gedeckten Dächer der Verbotenen Stadt überragen. Die Neun-Drachen-Mauer hatte es Vasili angetan. (Und so kauften wir an einem Souvenirstand noch solche Drachen für zu Hause.)
Von hier aus fallen wir direkt auf den Platz des Himmlischen Friedens. Was für eine Hypokrisie, bedenkt man das Tiananmen-Massaker 1989. 1989! Das ist noch gar nicht lang her, und als wir Deutschen uns im Wiedervereinigungsschwulst ergingen, wurden hier 3.000 Menschen niedergemetzelt. Komisch, wie weit entfernt wir doch voneinander sind, obwohl wir immer näher zusammenrücken – angeblich… Der Platz ist ebenfalls gigantisch. Nach Öffnung für das Volk im Jahr 1911 für Aufmärsche der Massen genutzt, ist er ein gepflasterter, riesiger Platz, der auf der Nordseite auf das Tor des Himmlischen Friedens blickt, das den Zugang zur Verbotenen Stadt markiert. Das Bild des (immer noch) allgegenwärtigen Mao, chinesische Schriftzeichen, von denen wir nicht wissen, was sie heißen und es am liebsten auch nicht wissen wollen und überall und immer das Gefühl, beobachtet zu werden. Oder sind wir nur paranoid?

Tempel

Tempel

Doch die Stadt ist unglaublich, großartig, wir sind gebannt von der Stimmung, die hier herrscht. Es ist ein Gefühl des Aufbruchs, man hat das Gefühl, hier passiert in Kürze etwas ganz Großes…
Danach werden wir wieder zum Hotel zurückgebracht und können den Tag allein ausklingen lassen. Unsere Reiseleiterin gibt uns noch einige Tipps, wo wir hingehen und essen können, schreibt uns ein paar Adressen auf einen Zettel, unter anderem unsere Hoteladresse, die wir dann den Taxifahrern zeigen können. Und so begeben wir uns noch einmal allein auf Wanderschaft und erkunden Peking bei Nacht. In der Wangfujing Street ist richtig was los. Alles ist hell erleuchtet, wir sind begeistert von der Betriebsamkeit. Dutzende aneinander gereihte Imbissstände bieten Essen an und wir suchen uns aus, was unseren Augen und unserer Nase gefällt, ohne zu fragen, was es ist, denn das können wir ja nicht. Mit Händen und Füßen bestellen wir, bezahlen wir und danach genießen wir: was wir essen und was wir sehen. Es ist ein großartiger Abend.

Die chinesische Mauer

Die chinesische Mauer

Am nächsten Morgen fahren wir zur Großen Mauer. Ein Muss hier. Nicht, dass es wirklich besonders schön wäre, es ist lediglich eine Größe, die doch eindrucksvoll ist. Die Umgebung ist traumhaft, wir haben herrliches Wetter und können weit sehen. Doch die Mauer von Nahem ist bei Weitem nicht so beeindruckend wie von weitem, und so stehen wir an einer Seite und blicken in die Ferne, wo die Mauer sich durch die Landschaft schlängelt, immer weiter, als würden sie nie enden.
Wir essen gemeinsam zu Mittag und merken, wie viel Glück wir mit unseren Mitreisenden haben, besonders, da wir ab jetzt in einem Zug so nah zusammen sind. Wir sitzen mit einem netten Ehepaar und einer älteren allein reisenden Dame am Tisch und unterhalten uns angeregt. Am Nachmittag geht es noch zu den Ming-Gräbern und der berühmten Tierallee. Sie ist wirklich lustig, all die großen, in Stein gehauenen Tiere, die einen beim Spaziergang durch sie hindurch zu begrüßen scheinen. Es gibt stehende Elefanten, sitzende Elefanten, Kamele (ebenfalls sitzend und stehend) und Tiere, von denen wir nicht sicher waren, dass es sie wirklich gibt.
Dann noch eine Nacht, noch eine Besichtigung (der kaiserliche Sommerpalast mit dem wirklich sehenswerten Kunmingsee, an dessen Ufern sich eine Menge interessanter Bauwerke wie das Marmorne Schiff befinden) und dann wird eingeschifft – „eingezugt“ vielleicht besser. Ich hatte mir die Transsib doch etwas eindrucksvoller vorgestellt. Doch ich hatte vergessen, dass hier noch ein anderer Zug zum Einsatz kommt, denn die eigentliche Transsib kann nur bis zur chinesischen Grenze in Erlian fahren. China nutzt nämlich die europäische Normalspur, während Russland die Breitspur nutzt. Und so fahren wir erst einmal in einem eher unscheinbaren Zug, in dem wir in der ersten Nacht schlafen. Es gibt in diesem Zug keine Duschmöglichkeiten, aber für eine Nacht geht das mal.
Am nächsten Tag dann Umsteigen. Und hier ist sie, unsere äußerst eindrucksvolle Transsib. Und ich bin ausgesöhnt. Der Zug sieht aus wie aus einem alten Film. Die Abteile sind ganz in blau gehalten, mit blauen Vorhängen, die schön drapiert sind und blauen Bezügen der Sitze. Ich fühle mich wohl und damit ist für mich schon viel gewonnen. Auch der Speisesaal ist in dekorativen Mustern gestaltet und sieht aus, als wäre er um die Jahrhundertwende (allerdings 1900) eingerichtet. Was schön war, was, dass wir uns um nichts kümmern mussten, wir konnten einfach unser Handgepäck nehmen und über den Bahnsteig in den wartenden Zug rüberlaufen. Unsere Koffer wurden für uns in unser Abteil

Abteil

Abteil

gebracht. Und so befanden wir uns bereits mitten in der Wüste Gobi. So schnell ändert sich die Umgebung. Die Strecke durch die Wüste ist karg, es ist alles beige und es gibt nicht viel zu sehen, außer Weite und Erhabenheit. Ich sitze viel am Fenster, während Vasili viel liest, vor allem über die von uns durchfahrenen Gebiete und mich auf dem Laufenden hält mit Geschichte und Land und Leute.
Am nächsten Tag halten wir in Ulan Bataar, der Hauptstadt der Mongolei. Ich hatte gedacht, dass es hier eher klein und behäbig zuginge, aber Ulan Bataar ist alles andere als das: es ist eine moderne Großstadt, in der es geschäftig zugeht. Auch hier stehen alte kleine Häuser in Konkurrenz zu hässlichen Hochhäusern, die gebaut wurden, um der immer größer werdenden Gemeinde an Städtern ein Zuhause geben zu können. Der Fortschritt macht eben vor nichts Halt. Auch hier finden sich die unvermeidlichen Prachtbauten, von denen manche mehr, manche weniger europäisch aussehen, alle allerdings nach kommunistischer Prachtentfaltung riechen… Es ist so anders hier als ich es mir vorgestellt hatte, und ich muss meine Meinung revidieren, wenn ich, wie ich zu Beginn gesagt hatte, diese Länder nicht einen Besuch wert fand.
Mongolei-jurteHeute verbrachten wir die Nacht in einem Hotel, so dass wir auch hier das Nachtleben mitnehmen konnten. Es gibt großartige Diskotheken in Ulan, und so, wie hier gefeiert wird, habe ich es nirgends sonst erlebt!
Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug ins Schildkrötental zu den Nomaden und in den Naturschutzpark Terelj. Hier sieht es tatsächlich aus wie in der Schweiz, überall blühen Blumen und es ist grün zwischen kleinen Erhebungen aus Stein. Wunderschön, und so gar nicht zu erwarten.
Dann erwartet uns Russland. Wir machen in Ulan Ude einen Ausflug zum größten buddhistischen Kloster Russlands. Es ist ruhig und entspannt, aber gleichzeitig herrscht hier große Geschäftigkeit. Ich kann es gar nicht richtig erklären, für mich hat Buddhismus immer etwas mit viel Ruhe zu tun, aber auch die Buddhisten haben Termine und eilen zum nächsten Treffen oder Gottweißwohin. Dann fährt der Zug entlang des Baikalsees. Das ist mit Sicherheit die bisher schönste Strecke, der See, ganz tiefblau und ruhig, liegt direkt neben mir, als könnte ich das Wasser berühren. Ich bin tief bewegt von der Stimmung hier. Hier würde ich auch länger bleiben!
Irkutsk ist eine wunderschöne Stadt.

Irkutsk

Irkutsk

Die vielen Gebäude im Plattenbaucharme haben einen etwas morbiden Charakter, aber es gibt so viele nette Gebäude, die eine Fahrt hierher wirklich zu einem Erlebnis machen. Irkustsk gilt als das Paris des Ostens, das habe ich irgendwo gelesen, aber werden die Städte hier nicht alle in irgendeiner Weise als Paris oder Venedig des Ostens beschrieben? Heute findet auch ein Sonderkonzert für die Teilnehmer der Reise statt, im Privathaus des Fürsten Volonsky. Wir schenken uns dies und ziehen lieber durch die Stadt. Jetzt liegen noch 5.185 km vor uns.
Quer durch die Taiga fahren wir in Richtung Novosibirsk. Wir halten in Krasnojarsk, aber das ist kaum der Rede wert, zumindest nicht, was wir so gesehen haben.
Auch Novosibirsk erscheint uns wie eine typisch russische Stadt, viel zu großtuerisch, dafür gespickt mit hässlichen Bauten aus der Sowjetzeit. Schon der Name „Neue Stadt“ (sie wurde 1893 gegründet) scheint dafür Pate zu stehen, wir sehen hier kaum etwas Altes. Jekaterinburg hat uns da schon wieder mehr interessiert, vor allem, weil es voller Geschgichte steckt. Vielleicht liegt es aber auch am Wetter, denn der Himmel reißt auf und blauer Himmel begrüßt uns, als wir den Zug verlassen. In dieser Stadt wurden 1918 der letzte Zar Nikolaus II. und seine Familie ermordet.  Insgesamt starben in kürzester Zeit 18 Mitglieder der Zarenfamilie Romanow durch die Hand der Bolschewiken. Danach wurde Jekaterinburg zu Ehren des Revolutionärs Jakow Swerdlow in Swerdlowsk umbenannt. Das hat man erst 1991 wieder geändert. Kurz hinter Jekaterinburg liegt die europäisch-asiatische Grenze. Wir fahren zu dem Obelisken, der diese Stelle markiert. Viel sieht man hier nicht, aber wir sind einfach Grenzen gewöhnt mit Grenzhäuschen und Wachposten. Aber das hier ist ja auch eine andere Art von Grenze, Europa und Asien, von uns zu Hause aus so weit entfernt, doch hier gleich nebeneinander. Und wieder merkt man, dass Grenzen und Unterschiede eigentlich nur in unseren Köpfen existieren, denn inwiefern unterscheiden sich hier an dieser Grenze die Europäer von den Asiaten? Wahrscheinlich doch gar nicht. Viel sieht man hier wirklich nicht, aber in meinem Herzen hat sich für mich eine neue Welt aufgetan, ein Aha-Erlebnis.

Speisewagen

Speisewagen

Dann überwindet die Zugstrecke den Ural, noch einmal eine Strecke mit einer wunderschönen Aussicht.
Kasan ist unser letzter Halt vor Moskau. Die Stadt ist berühmt für ihre alte Universität, an der schon Lenin und Tolstoi studierten. Die Stadt soll architektonisch Orient und Okzident vereinen, das steht im Reiseführer. Wir müssen über eine so schwülstige Formulierung lachen, sieht Kasan eigentlich nicht viel anders aus als die übrigen russischen Städte. Allerdings ist der Kasaner Kreml wirklich eine Schönheit, seine Lage an einem Nebenfluss der Wolga und sieht wirklich majestätisch aus. Überhaupt gibt es hier einige sehr beeindruckende architektonische Meisterleistungen, und so verstehen wir immer besser, was der Reiseführer gemeint hat. Allerdings würden wir das anders ausdrücken.

basilius Kathedrale

Basilius Kathedrale

Dann kommen wir in Moskau an. Der Bahnhof ist bereits eine Offenbarung, wir stehen staunend ob der vielen feinen Materialien und Farben. Moskau ist eine mitreißende Stadt. Modern und gleichzeitig doch das Alte schätzend, eine tolle Kombination. Die Architektur ist eine Mischung aus allerlei Kulturen und Richtungen. Die Stadt muss einen einfach mitreißen. Bei einer Stadtrundfahrt lernen wir erst einmal alles in Ruhe kennen. Wir sind begeistert und ich nehme definitiv alles zurück: Russland ist sehenswert!
Die Bahnfahrt hat uns viel Spaß gemacht, die Abteile sind nicht zu eng, die Ausstattung hervorragend. Ich weiß nicht, wie es in der regulären Transsib zugeht, aber dieser Sonderzug von Kiwi Tours war allemal das Geld wert. Wir haben sehr gut gegessen, vor allem in diesem Ambiente. Die Nächte waren geruhsam, keiner von uns hatte Probleme mit den Betten, die herrlich bequem waren und die Decken waren schön und warm. Alles in allem eine gelungene Reise, die wir jederzeit wiederholen würden!

Michael

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