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Ein Ausflug nach Sagano-Arashiyama und seinen Bambuswald

Dienstag 23.03.10

japanische Damen im Kimono

Meine gestrigen Hoffnungen auf einen endgültigen Frühlingsbeginn werden zerstört als ich morgens aus dem Fenster schaue. Dichte dunkle Wolken hängen am Himmel und auf der Straße sehe ich die Menschen mit aufgespanntem Regenschirm vorbei eilen. Tja, da kann man nichts machen, hoffentlich verziehen sich die Wolken in einigen Stunden.
Heute ist der gesamten Tag frei für eigene Erkundungen in Kyoto.
Wir haben uns vorgenommen, den  Tipp von Jal Tours anzunehmen und einen Ausflug nach Sagano-Arashiyama zu machen. Dort können wir den Zen Tempel Tenryuji mit einem der ältesten und schönsten Gärten Japans besuchen. Eine weitere Attraktion des Ortes ist ein Spaziergang durch den Bambuswald und dies möchten wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen.
Laut der Information von Jal Tours ist es eine ca. 20 minütige Fahrt mit der Bahn und wir können unseren Kansai Thru Pass als Ticket verwenden.
Auf dem Plan des Subways schaue ich mir das nochmal an- mmmh, wir müssen umsteigen. Am besten wir fragen einen Bahnbeamten. Ich zeige ihm ein Bild vom Bambuswald und hilfsbereit wie bisher alle Menschen in Japan erklärt er uns an Hand einer Karte wo wir umsteigen müssen. Kein Problem! Doch als wir an dem angegebenen Bahnhof aussteigen geht leider keine U-Bahn bis nach Arashiyama. Entweder fahren wir nach Kyoto Station zurück oder weiter mit der gleichen Bahn wie wir gekommen sind. Seltsam- ob er sich um eine Haltestelle vertan hat?

Strassenbahn in Sagano-Arashiyama

Vielleicht war der nette Bahnbeamte ja so kurzsichtig wie ich und hatte seine Lesebrille nicht dabei. Wir beschließen eine Station  weiter zu fahren, dort gibt es mehr Umsteigemöglichkeiten. Doch als wir an der nächsten Station nachfragen, bekommen wir die gleiche Auskunft: „Sie müssen eine Haltestelle fahren in Richtung Kyoto-Station“. Wieder zurück? Das kann doch gar nicht sein, da kommen wir doch gerade her. Nun beginne ich etwas genauer den U-Bahn- Plan zu lesen und nach einer Weile werde ich fündig. Mit nur noch zwei mal umsteigen kommen wir an unser Ziel.

Arashiyama

Merkwürdig- warum hat uns das keiner erklärt? Später, auf unserem Heimweg, können wir das Rätsel lösen. Wir hätten einfach bei der angegebenen Haltestelle bis nach oben gehen müssen, in eine Straßenbahn einsteigen und hätten bequem nach Arashiyama  durchfahren können. Doch in den Genuss der Straßenbahn kommen wir trotzdem auf der Strecke  von der U-Bahnstation Arashiyama bis zum Tenryuji  Tempel. Warum  einfach wenn es auch umständlich geht?

Dauerregen

Als wir nach unserer Odyssee an der Endstation ankommen hat inzwischen ein heftiger Regen eingesetzt. Es schüttet wie Bindfäden! Rund um uns ist der Himmel grau und verhangen. Was nun?  Mutig und entschlossen das Beste aus der Situation zu machen spannt Edith ihren Regenschirm auf und ich ziehe die Kapuze meiner Regenjacke fest auf meinen Kopf. Nun geht es los. Mal sehen wie ein botanischer Garten im Regen aussieht.

Blütenknospen

Es ist ein sehr schöner Garten mit einem See und Bäumen an denen die ersten Blüten und Knospen zu sehen sind. Ein Teil ist sogar schon geöffnet , wie wir im Grau des strömenden Regens erkennen können. Im See beobachten  wir das andauernde Tropfen und Plätschern des vom Himmel fallenden Wassers. Meine Jacke ist inzwischen durchnässt und ich spüre die unangenehme feuchte Kälte schon durch meinen Pullover.

Froschteich

Doch tapfer setzen wir unseren Rundgang fort, vorbei an einem liebevoll angelegten Brunnen in dem drei steinerne Frösche sitzen und frech grinsend aus demWasser blicken.

Zen-Tempel in Arashiyama

Doch wo ist der Bambuswald? Oder sollen wir den Tempel besichtigen? Der ist überdacht! „Was gibt es denn darin zu sehen?“ möchte Edith genauer wissen. Wir werfen einen Blick durch die offen stehenden Türen.  Der Raum ist rasch überblickt, es liegen einige Matten auf dem Boden und auf der anderen Seite können wir durch eine weitere Tür wieder hinaus schauen.  Die Besucher werden durch die Räume geführt und sehen sich bewundernd um. „Also eigentlich muss ich da nicht rein“ ist Ediths Meinung. „Oder meinst du, da gibt es noch was anderes zu sehen?“  Nein, vermutlich nicht. Außerdem habe ich keine Lust in meiner tropfenden Regenjacke in irgendeinen Raum oder in ein Gebäude zu gehen.

Botanischer Garten im Regen

Wir machen uns daher auf die Suche nach dem Bambuswald. Laut der Dame an der Kasse müssen wir dazu den oberen Ausgang aus dem botanischen Garten nehmen.

Wegweiser zum Bambuswald

Dort angekommen folgen wir den anderen Besuchern, die genau wie wir mit eingezogenem Genick durch den Regen stapfen.  An einer Kreuzung herrscht ein klein wenig Verwirrung, das Hinweisschild bringt uns leider keine große Hilfe. Doch wir kommen mit den vier anderen Besuchern ins Gespräch und stellen mit Freude fest, dass sie aus unserer Wahlheimat Spanien kommen. Also fast Landsleute!

Bambuswald

Und nach einem kurzen Plausch über das Wetter sind wir auch schon am Bambuswald. Es ist kein allzu großer Wald, doch wir bekommen einen Eindruck von der uns bekannten, aber doch fremden Vegetation des Bambus. Hoch und schlank gewachsen reiht sich ein Bambus neben den nächsten, während das grüne Dach sogar ein wenig vor dem Regen schützt.  Am Ende des Waldes stellt sich nochmals die Frage des Wohin- nach rechts oder nach links?Wir entscheiden uns dafür nach rechts abzubiegen und verabschieden uns damit von den spanischen Urlaubern.

Rikschafahrer

Vorbei an alten Häusern, Rikschafahrern und Restaurants kommen wir wieder zurück zur Straßenbahnhaltestelle. Schade, dass wir heute so ein Pech mit dem Wetter hatten. Denn Sagano Arashiyama ist ein sehr malerischer Ort  an dem ich mich gerne länger umschauen würde.  Doch stattdessen flüchten wir unter die Dächer der Haltestelle, steigen in die nächste Bahn und treten  die Rückreise an.

Sagano-Arashiyama

Bei unserer Ankunft am Hauptbahnhof Kyoto ist das Wetter unverändert. Da es inzwischen Mittagszeit ist und es in der Restaurantzone verführerisch aus allen Restaurants duftet, beschließen wir erst einmal etwas essen zu gehen. An Hand der im Schaufenster ausgestellten Teller tätigen wir unsere Bestellung. Edith entschließt sich für gebackenen Nudeln nach Kyoto-Art, ich entscheide mich für ein Gericht mit Kartoffeln. Die Spannung steigt:  was werden wir bekommen? Als der Kellner das Essen bringt bin ich zufrieden. Es sind mit Käse überbackene Kartoffeln und schmecken sehr gut. Nicht unbedingt  exotisch und aufregend, aber gut. Edith ihre Nudeln sind auch nicht schlecht, doch überraschenderweise haben die Nudeln einen ausgeprägten  Fischgeschmack. Was mag dieses Aroma auslösen? Bestimmt die kleinen hauchdünn geschnittenen Scheibchen, die oben auf den Nudeln liegen. Sie sind so fein geschnitten, das es fast wirkt als flattern und bewegen sie sich.  „Nein, auf keinen Fall!“ erklärt Edith entschieden. „Das kommt vom Durchzug.“  Welcher Durchzug? Ich spüre nicht einen Windhauch.
Im  Anschluss an unser Mittagessen machen wir noch einen Bummel durch das Kaufhaus und weitere Geschäfte im Bahnhofsbereich. Auf unserem Rückweg legen wir den üblichen Stopp im Irish Pub ein und als wir im Hotel ankommen ist es bereits früher Abend. Wir decken uns in einem Supermarkt mit Getränken, Chips und grünen Erdnüssen ein und entscheiden uns für einen gemütlichen Abend in unserem Zimmer. Dazu  kleiden wir uns typisch japanisch in den vom Hotel  bereitgelegten Kimono, plaudern ein wenig und finden heute sogar die Zeit in den mitgebrachten Büchern zu lesen.
Als ich einschlafe plätschert immer noch der Regen gegen die Scheiben, doch ich bin fest überzeugt: morgen scheint bestimmt wieder die Sonne.

Japanreise

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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