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Lissabon – die Stadt an der Mündung des Tejo

Lissabon, Montag der 31.10.11

im Zentrum von Lissabon

Unser letzter Tag in Lissabon!  Wir haben beschlossen ihn ganz ruhig und erholsam zu gestalten. Und das heißt: erst noch mal im Bett auf die andere Seite drehen und ein klein wenig länger schlafen. Danach schaffen wir es gerade noch in der letzten halben Stunde im Frühstücksraum zu erscheinen.
„Hast du etwas bestimmtes, was du noch sehen möchtest?“ fragt mich Gudrun. Nein, eigentlich nicht! Einfach nur so durch die Gassen schlendern, vielleicht können wir noch mal zu dem Maler in Chiado. Da hat mir das eine Bild besonders gut gefallen. „Also ich würde gerne durch den Stadtteil Alfama bummeln“ schlägt Gudrun vor. „Da steht in meinem Reiseführer: in diesem Stadtteil zwitschern in malerischen Gassen Kanarienvögel. Das ist bestimmt schön! Und dann gibt es dort noch ein Haus mit einer architektonischen Besonderheit. Die Casa de los Picos- das würde mich ebenfalls interessieren.“  O.k.! Hört sich gut an!

Schuhputzer auf dem Platz Bom Sucesso

Wir starten also zu einer weiteren Fahrt mit der Metro, deren Haltestelle direkt vor dem Hotelausgang ist. Und heute, am letzten Tag, bekomme ich endlich den Durchblick wie das mit den Fahrkarten funktioniert. Ich benutze meine bereits benutzte Fahrkarte weiter und lade einfach am Automat den weiteren Fahrpreis auf. Super! Hoffentlich haben sie bis zu meinem nächsten Besuch nicht das System geändert.
Genau wie am ersten Tag fahren wir bis zum „Rossio“ und schlendern langsam durch die Stadt, kreuzen den Platz Bom Sucesso und halten uns dann rechts bis zu einer Hauptstraße.

Weihnachtskrippe in der Kathedrale Sé Patriacal

Danach geht es schon wieder bergauf durch das Gewirr vieler kleiner Straßen bis wir die Kathedrale Sé Patriacal erreichen.  Sie steht an dem Standort einer einstigen Moschee und die Bauarbeiten zur Kathedrale begannen im Jahr 1147. Damit gilt die Kathedrale als die älteste Kirche der Stadt.

die archäologische Ausstellung

Auch hier hat das Erdbeben von 1755 viele Schäden verursacht . Wir beschließen die Kirche heute von innen zu besichtigen.
Der Innenraum ist in den Stilen der Romanik und Gotik gestaltet, die Decke wurde in der Zeit des Barocks bemalt. Langsam schlendern wir durch das Kirchenschiff und entdecken in einer der Kapellen eine  Weihnachtkrippe aus dem Jahr 1766. Der östlich gelegene Kreuzgang wurde ende des 13. sowie im 14 Jahrhundert errichtet. Hier befindet sich auch eine archäologische Ausstellung mit antiker Gebäudereste. Die gesamte Ausstellung macht einen etwas unfertigen Eindruck, aber vielleicht wird hier ja nach wie vor von Archäologen gegraben.

Frühstücksgäste in Lissabon

Als wir aus der Kirche treten schaue ich etwas besorgt zum Himmel hinauf. Wolken? doch nur für einen kurzen Augenblick und kurz darauf sind die kleinen hellen Flecken am Himmel wieder verschwunden. Petrus meint es eindeutig sehr gut mit uns. Weiter geht es bergauf, parallel zu den Straßenbahnschienen bis zu dem Aussichtspunkt  Porta do Sol. Hier genießen in den Cafés viele Einwohner Lissabons und  Urlauber die herbstliche Sonne. Als weitere Gäste haben sich gurrende Tauben eingefunden um die letzten Krümel von den Frühstückstellern zu picken.

schmale Gassen in der Alfama

Wir bummeln durch die engen alten Gassen in Alfama, bleiben an Tante-Emma –Läden stehen und entdecken versteckte kleine Restaurants. Eines davon lädt mit seinem sonnigen Vorplatz zum Bleiben ein. „Es riecht hier gut, es gibt Sardinen!“ stellt Gudrun nach kurzem schnuppern fest. „Sollen wir etwas essen?“ Ein schneller Blick auf die Uhr- erst 12ººh- das ist ja eigentlich noch viel zu früh. Haben wir denn jetzt schon Hunger? „Nein, eigentlich nicht!“ gibt Gudrun zu. Ach, wir finden bestimmt was ähnliches, wenn nicht kommen wir einfach nochmal zurück.

beschauliches Leben in der Altstadt Lissabons

Weiter geht es bergab, mal Stufen, mal ein steiler Pfad. Hier ist wirklich noch ein Stück „altes“ Portugal mit einem ruhigen und gelassenen Lebensrhythmus. Nur die Kanarienvögel- davon habe ich bisher keinen gehört. Stattdessen begegnet uns eine Katze, wohlgenährt und mit glänzendem Fell. Sie wird doch nichts mit den fehlenden Kanarienvögel zu tun haben? Doch dann finden wir ihn! Es ist nur einer, doch er zwitschert dafür um so lauter und sein Gesang schallt aus einem Käfig im dritten Stock auf dem Balkon. Na also! Ist doch alles da -wie im Reiseführer versprochen!
So langsam kommen wir wieder auf Meereshöhe und die ersten Kreuzfahrer begegnen uns. Der Reiseleiter vorneweg mit einem kleinen Fähnlein, die Gruppe geht im Schlepptau hinterher und hält vermutlich Ausschau nach Kanarienvögel. Jetzt kommt so langsam auch wieder ein wenig Appetit, doch die typischen Restaurants sind hier nicht mehr zu sehen. Lange Tische sind reserviert für Touristengruppen und das gemütliche und beschauliche der Alfama suchen wir hier vergebens. „Was machen wir?“ möchte Gudrun wissen. „Eine Kleinigkeit zu Essen könnte ich inzwischen vertragen.“ Nun, sollen wir zurück gehen? Das war aber ganz schön steil und hoch. Gudrun denkt nach- sie scheint sich von den steilen Treppen nicht abschrecken zu lassen. „Wer weiß ob wir das überhaupt wieder finden!“ gebe ich zu bedenken. Das rettet mich, Gudrun lässt von dem Gedanken an das lauschige Lokal ab. Vielleicht finden wir ja wirklich noch etwas gleichwertiges. Denn nicht nur mein Magen möchte eine kleine Pause, sondern auch meine Füße. Wir halten uns nun bei unserem Spaziergang rechts in Richtung Praça de Comercio und so finden wir auch die nächste Sehenswürdigkeit. Die Casa de los Picos!

Casa de los Picos

Nun, so recht weiß ich nicht, was ich dazu sagen soll. Auch Gudrun scheinen im ersten Moment die Worte zu fehlen, denn außer einem leisen „Hmmm- na ja“ höre ich erst mal nichts. Die Casa de los Picos ist ein recht modern anmutendes Wohnhaus mit der Besonderheit, das die Bausteine pyramidenförmig nach vorne stehen. Pflichtbewusst machen wir Fotos, doch eigentlich sieht das Nebenhaus mit der Wäsche vor den Fenstern entschieden interessanter aus.
Langsam bummeln wir weiter bis zur Einkaufsstraße und schauen uns nochmal die lange Warteschlange am Elevador de Santa Justa an. Nein, es lohnt nicht so lange zu warten um in einer geschlossenen Aufzugkabine ein paar Meter nach oben zu fahren.
Als wir den Praça Don Pedro IV erreichen, beschließen wir eine Pause zu machen.Doch es soll ein Plätzchen in der Sonne sein- das auf jeden Fall. Es verschlägt uns in eine Cafeteria und ich gehen hinein um uns jedem ein Sandwich zu bestellen. Wir möchten ja nur eine Kleinigkeit. Die Bestellung erweist sich als ein wenig  schwierig, denn als der Kellner mich anspricht bin ich abgelenkt und meine Antwort ist ein höfliches „Wie bitte?“ Gewohnt an Ausländer geht der Kellner auf Nummer sicher bei seiner Antwort: „SIE  KÖNNEN  SITZEN! ICH  BRINGE  ESSEN!“   Aha! Ich setze mich also wieder auf meinen Sonnenplatz an Gudruns Seite und wir warten auf unseren kleinen Snack. Es ist zwar nicht das Sandwich welches ich bestellt habe, schmeckt aber trotzdem.

Standseilbahn in Lissabon

Ich würde gerne nochmal mit der Bahn hoch nach Chiado fahren, dort wo wir am ersten Tag die Maler gesehen haben. Da war ein Bild- das hat mir einfach besonders gut gefallen. Es zeigt zwar auch das viel benutzte Motiv der gelben Standseilbahn, doch irgendwie finde ich die Gemälde von diesem Maler schöner. „In Ordnung“ stimmt mir Gudrun zu, „schauen wir nach deinem Gemälde.“

Bildkauf bei Oleg Basyur

So machen wir eine weitere Fahrt mit der Lissaboner -Standseilbahn, kommen noch in ein kurzes Geplauder mit gut gelaunten französischen Urlaubern und oben angekommen suchen wir „meinen“ Maler. Da ist er ja schon! Und mein Bild? Das hat er verkauft! In der von mir gewünschten Größe ist leider nichts mehr da. Er schaut ein wenig betroffen, als ich ihm danach frage. „Tut mir leid“ erklärt er mir. „Aber ich habe nicht daran geglaubt, dass du wieder kommst.“ So suche ich mir ein anderes Bild, ein wenig kleiner, aber es passt mit Sicherheit auch in meine Wohnung. Zum Abschluss noch eine Signatur des Künstlers, er heißt Oleg Basyur und kommt aus der Ukraine.
Mit meinem Bild unter dem Arm machen wir einen Abschiedsspaziergang, vorbei an der Brauerei Trinidade und einem der vielen Lissaboner Pastelerias mit ihren Cremetörtchen.

die Avenida Almirante Reis

Der Spaziergang führt uns in bis zu einem Park mit Aussicht auf die Brücke des 25. Aprils. Wo sind wir hier eigentlich? Und wie weit ist es zurück zum Hotel? Die Sonne steht bereits recht tief und die Temperatur wird kühler. Nun aber zurück!! Wir gehen zügig bis zum Praça do Sol und von dort weiter zum Praça do Comercio. Fast haben wir es geschafft, nicht weit von hier ist die Metro-Station. Doch trotz aller Müdigkeit lassen wir es uns nicht nehmen in die Geschäfte zu schauen. Handtaschen in Form von Eulen oder einer Arche Noah, Schuhe und Kleider sowie Accessoires in allen Formen und Farben. Doch so wirklich zum Kaufen reizt mich eigentlich nichts. Unser einziger Erwerb an diesem Abend ist eine Tüte gerösteter Kastanien. Die sind so weiß eingestaubt, ob die anders schmecken als in Spanien oder Deutschland? Nein, der Geschmack ist zwar gut, aber genau der gleiche wie bei uns zu hause.
Nicht lange danach sind wir im Hotel und ruhen uns für eine Weile auf unserem Zimmer aus. Was machen wir heute Abend? Eigentlich bin ich noch von den Kastanien satt! Gerade als wir über die Restaurant-Auswahl beraten klingelt mein Handy. Es ist Maria, sie ist in der Hotelhalle um sich nochmals zu verabschieden. Und nicht nur das- sie bring uns auch portugiesische Spezialitäten wie Käse und Wein mit. „Das könnt ihr dann in Spanien essen und an eure Tage in Lissabon denken.“ Ich bin sprachlos, da kann ich wirklich nur ein dickes „Danke“ sagen.Und ich hoffe, dass ich bald die Gelegenheit haben werde, Maria die spanische Costa del Sol zu zeigen.
Gudrun und ich beschließen den Abend in dem gleichen Restaurant wie bei unserer Ankunft zu  verbringen und gehen anschließend recht früh schlafen. Denn vor unserer morgigen Abreise nach Spanien möchten wir natürlich noch die Sehenswürdigkeiten in Belem besuchen.

Der vorhergehende Bericht zu lesen unter: http://www.reiseberichte-blog.com/sintra-die-einst-koenigliche-sommerresidenz-in-portugal/

Lissabon- die Hauptstadt Portugals

StepMap Lissabon- die Hauptstadt Portugals
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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor fast 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 15 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Thailand, Kenia (Tagebuchbericht zu lesen unter www.safari-wangu.de) und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden. Auf unseren Rundreisen durch Rajasthan (Jan. 2009), Kaschmir (Aug.2009) und Gujarat (Dez. 2010) waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor kurzem selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

Eine Reaktion bis “ Lissabon – die Stadt an der Mündung des Tejo ”

  1. [...] Mein vorhergehender Bericht ist erschienen unter:http://www.reiseberichte-blog.com/lissabon-die-stadt-an-der-muendung-des-tejo/ [...]

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