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Arequipa, die weisse Stadt Perus am Fusse des Vulkan Misti

Freitag

Arequipa

Durch Sonnenschein werden wir zwei Stunden später geweckt, keiner von uns beiden hatte daran gedacht die Vorhänge zu zuziehen. Jetzt sind wir wach und entschlossen den Tag zu nutzen, ausruhen können wir uns noch zu Hause. Also los, aufstehen!
Zuerst besehen wir uns das Hotel bei Tageslicht und es gefällt uns sehr gut. Es gibt einen  großen Garten mit einem gepflegten Pool und im Treppenhaus knirscht das Holz bei jeder Stufe. Der Frühstücksraum ist mit Blumen dekoriert und das Mobiliar aus Holz sorgt für ein gemütliches Ambiente.
Das Wetter meint es gut mit uns, die Wolken sind verschwunden und wir haben blauen Himmel und Sonnenschein. Wie im Bilderbuch! Sobald wir mit dem Frühstück fertig sind machen wir uns auf, um die Stadt zu erkunden. Die Dame an der Rezeption erklärt uns den Weg zur Plaza de Armas, es klingt ein wenig kompliziert aber wir werden es schon finden. Kann ja nicht so schwer sein, wir fragen einfach unterwegs noch mal.

Plaza de Armas

Plaza de Armas in Arequipa

Wir fragen an jeder Ecke, aber so recht scheint keiner den Fußweg zu kennen. Mit einem Bus sei dies kein Problem, aber zu Fuß?
Schließlich begegnet uns eine junge Frau, die zufällig in die gleiche Richtung geht. Sie nimmt uns mit bis an eine Kreuzung und von hier aus müssen wir einfach immer geradeaus. Es geht ein Stück bergan: puh! Wir merken die Höhe von ca. 2.000 m. Kurz darauf werden die Fußwege schmaler und die Neubauten weichen alten Häusern mit großen Toreingängen. Wir gehen vorbei an kleinen Geschäften wie z.B. Bäcker, Drogerie, Eisenwaren und Lottoannahmestellen. Als wir an einem Gebäude vorbei möchten, hören wir Musik. Ich schaue genauer hin und bemerke, dass wir vor einer Kirche stehen. Neugierig blicke ich hinein, es findet gerade ein Gottesdienst statt. Leise, um niemanden zu stören, setzen wir uns in die letzte Bank und hören der Musik zu. Es ist das Abschlusslied der Messe. Jedoch im Gegensatz zu den mir bekannten Kirchenliedern, die immer feierlich und ernst sind, hat dieses Lied eine sehr fröhliche Melodie. Wir bleiben bis zum Schluss sitzen, freuen uns an der Musik und ruhen uns in dem angenehm kühlen Raum ein wenig aus.
Der Pfarrer spricht das Schlussgebet in einer mir unbekannten Sprache, ich vermute es ist Quechua.

Taubenfüttern vor der Kathedrale

Taubenfüttern vor der Kathedrale

Nun setzen wir unseren Weg fort und sind einige Minuten später an der Plaza de Armas. Diesen zentralen Platz findet man in allen Städten und Ortschaften Perus, hier ist die Kirche bzw. Kathedrale und die Stadtverwaltung zu finden. In Städten wie z.B. Lima, Arequipa und Cusco sind sie der Mittelpunkt des historischen Stadtteils. Erreicht man in Peru die „Plaza de Armas“, hat man immer den zentralen Punkt des Ortes gefunden. Lima macht eine kleine Ausnahme, dort hat man die „Plaza de Armas“(Waffenplatz) umgetauft in „Plaza Mayor“.

Auf der hiesigen Plaza de Armas herrscht reges Leben: lachende Kinder füttern Tauben, ein Springbrunnen plätschert in der Mitte des Platzes, Männer und Frauen sitzen auf den gusseisernen Bänken. Wir suchen uns einen Platz, um das bunte Treiben in Ruhe beobachten zu können. Fliegende Händler bieten uns Handys zum Kauf an, das passende Etui gibt es bei diesem Angebot gratis mit dazu. Wir sitzen mit Blick auf die Kathedrale in der Sonne und genießen das Bild und das quirlige Leben um uns herum.

die Kathedrale

die Kathedrale

Natürlich wollen wir die Kathedrale auch von innen sehen und so machen wir uns eine Weile später auf den Weg in das beeindruckende Gebäude. Die Kathedrale ist nicht nur von Touristen besucht, viele Gläubige knien andächtig vor den verschiedenen Altären und in einer kleineren Kapelle wird ein Gottesdienst gehalten. Bei unserem Rundgang bewundern wir die aus Belgien importierte Orgel und die kunstvoll geschnitzte Kanzel. Die Kanzel war eine Spende, eine Aristokratin wollte sich damit ihren Platz im Himmel sichern. Ob das geklappt hat?
Rund um die Plaza de Armas gibt es verschiedene Kaffees und Restaurants. Da unser Spaziergang uns durstig gemacht hat, entschließen wir uns etwas trinken zu gehen. Das Café ist im ersten Stock und nachdem wir die schmale Treppe hochgestiegen sind werden wir auf den Balkon geführt, wo wir uns einen sonnigen Tisch mit Blick auf die Plaza aussuchen. Von hier oben haben wir einen noch besseren Blick, es ist wie ein Logenplatz. Was möchten wir denn trinken? Ich werde einen Mate de Coca versuchen, denn seit einiger Zeit habe ich leichte Kopfschmerzen.  Keine Ahnung ob das die ungewohnte Höhe von 2.000m ist oder der mangelnde Schlaf. Oder beides? Der Mate de Coca hilft jedenfalls, das ist die Hauptsache. Ein tolles Getränk!

Blick aus dem Restaurant

Blick aus dem Restaurant

Unser nächstes Ziel ist das „Museo Santuarios Andinos“, ein Museum über die Geschichte der Inkas. Die dortige Attraktion ist die Mumie eines jungen Mädchens, die vor etwa 500 Jahren den Göttern geopfert wurde. Entdeckt wurde die Mumie 1995 zufällig bei einer Expedition von Geologen auf dem Gletscher Ambato.
Doch beim Betreten des Museums bekommen wir mitgeteilt, dass die Mumie, man hat ihr den Namen Juanita gegeben, nicht zu Hause ist. Juanita befindet sich für weitere Untersuchungen in den U.S.A. , sie hat jedoch eine „Vertretung“ bekommen. Eine andere Mumie, in etwa dem gleichen Alter deren Leben ebenfalls den Göttern geopfert wurde.
Es ist ein sehr interessanter Besuch und wir erfahren viel über die Sitten der Inka, auch die Mumie des Mädchens ist sehenswert. Am meisten beeindrucken mich jedoch die Bilder, die von verschieden Mumien an unterschiedlichen Fundorten gemacht wurden. Wussten die Mädchen was mit ihnen geschieht, als sie sich mit den Inkapriestern auf den Weg zum Gipfel machten? „Ja, sie wussten es,“ erklärt uns unserer Führerin „sie wurden von Geburt an speziell für diesen Zweck erzogen und es war eine Ehre für die ganze Familie.“
Aber hatten sie nicht furchtbare Angst? „So genau weiß man das natürlich nicht,“ ist die Erklärung „es besteht die Vermutung, das die Mädchen mit einem Getränk o.ä. betäubt wurden.“  Wie immer es auch war, auf den Bildern sind jedenfalls nicht alle etwa zwölfjährigen Mädchen in einer entspannten Position. Ehre hin Ehre her, ich hätte auf jeden Fall Zeter und Mordio geschrien und mich nach allen Kräften gewehrt!

Innenhof in Arequipa

Innenhof in Arequipa

Nach dem Besuch des Museums bummeln wir durch Geschäfte und landen in einer „Herbosteria“ (Kräuterladen, Reformhaus) wo ich am liebsten einen Grosseinkauf starten würde. Aber die Essenzen, Säfte und Öle sind in Flaschen und die möchte ich nicht den ganzen Tag mit mir herumtragen. Vielleicht schaffe ich es heute Abend noch einmal hierher zu kommen. Den flauschigen Strickjacken aus Baby-Alpaca im nächsten Laden können wir jedoch nicht widerstehen. Die sind nicht so schwer und wer weiß, vielleicht wird es ja im Laufe des Nachmittags doch noch kalt.

Bei unserem Spaziergang durch das Zentrum sind Edith und ich der gleichen Meinung: Arequipa ist eine schöne Stadt in der wir uns wohlfühlen. Nicht zu groß, nicht zu klein mit Geschäften, Cafes und einladenden Restaurants. Schade, dass wir nur einen Tag hier sein können. Aber wer weiß, vielleicht das nächste Mal.
Allmählich haben wir ein kleines Hungergefühl. Da unsere Verabredung mit Wilson erst in einer Stunde ist gehen wir nochmals in das Cafe auf der Plaza de Armas mit dem sonnigen Balkon. Dort hat vorhin eine Frau am Nebentisch eine große Schale mit Obstsalat gegessen und genau darauf haben wir jetzt Appetit. Es schmeckt auch fast so gut wie wir uns das vorgestellt haben und die Ruhepause tut unseren Beinen gut.

Fussgängerlotse

Fussgängerlotse

Ich schaue noch mal auf meinem Stadtplan nach: das Kloster Santa Catalina, unser Treffpunkt mit Wilson, ist nicht weit von hier. Da jedoch bisher alle unsere Reiseleiter immer sehr pünktlich waren gehen wir lieber ein wenig früher. Wir wollen ja nicht den Ruf der deutschen Pünktlichkeit verderben! Geschafft, wir sind vor Wilson hier und der Ruf  ist gerettet.

Die mittelalterliche Klosterstadt ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Arequipa und hat entsprechend viele Besucher. Damit die Urlauber auch sicher ins Kloster gelangen ist ein „Lotse“ vor dem Eingang, der die Gäste über die Strasse geleitet. Er trägt eine Uniform und  hält ein großes rotes Stoppschild in seiner Hand mit dem er den Autoverkehr stoppt. Er macht dies mit viel Freundlichkeit und ist nicht nur Touristen behilflich sondern auch Señoren/innen, die nicht mehr schnell laufen können. Und das ist in Peru beim überqueren der Strasse ein absolutes Muss: schnell laufen! Ich finde es erstaunlich, denn die Peruaner sind im Umgang miteinander sehr höflich und rücksichtsvoll. Nirgendwo wird übermäßig gedrängelt, auf der Strasse macht ein Fußgänger dem anderen Platz. Jedoch für einen Fußgänger vom Gas gehen oder sogar bremsen? Aber ein gewisses Entgegenkommen ist dann doch da: der Autofahrer hupt und so weiß der Fußgänger, dass er sich beeilen muss.
Renn Buddy, renn!!

Eingang zum Kloster Santa Catalina

Eingang zum Kloster Santa Catalina

Da kommt Wilson um die Ecke und wie wir erwarteten, auch er pünktlich. Die Besichtigung des Klosters macht mit uns nicht Wilson, sondern eine der hier zuständigen Führerinnen. Während sie mit uns durch das Labyrinth von Gassen, Zimmern, Küchen und Innenhöfe geht erzählt sie uns vom Leben der Nonnen im 16.Jahrhundert. Nicht jede durfte in dieses Kloster, nur die Töchter aus ausgesuchten spanischen Familien wurden als Novizinnen aufgenommen. Und nicht nur spanischstämmig sondern auch reich musste die Familie sein. Die Aufnahme hatte einen stolzen Preis von 1000 Goldpesos. Die jungen Novizinnen mussten bei Eintritt in das Kloster ein Schweigegelübde ablegen und lebten die ersten Jahre alleine in einer Zelle mit vergitterten Fenstern und verschlossener Tür.

Klosterstrasse

Klosterstrasse

Privatsphäre gab es keine, durch das Fenster konnten die Mädchen jederzeit beobachtet werden. Das war ja wie ein Gefängnis! Wer geht denn da freiwillig hin und bezahlt auch noch Geld dafür? Wir bekommen erklärt, dass es so ganz freiwillig nicht war. In den „guten“ Familien gab es strenge Sitten und Gebräuche. Die älteste Tochter wurde verheiratet, die zweite ging ins Kloster und die dritte blieb bei den Eltern um sie im Alter zu versorgen. Diese „Pflichten“ galten nur bis zur dritten Tochter, die vierte hatte dann „freie Auswahl“.
Nach Beendigung der Novizinnenzeit durfte  zwar das Zimmer verlassen werden, die Nonne bekam Bedienstete, aber geschwiegen wurde weiter und jede blieb für sich alleine. Wie lief da wohl die Verständigung mit den Bediensteten? Diese Frauen, meist indigener Herkunft, haben in diesem Kloster gewaschen, gekocht und geputzt. Sie schliefen in kleinen Abstellkammern auf dem Boden oder in der Küche und standen jederzeit für die Wünsche der Nonne zur Verfügung.

Klosterwäscherei

Klosterwäscherei

In späteren Jahren wurde dies geändert, die Nonnen mussten die üblichen  täglichen Verrichtungen selbst machen. Dazu wurden eine Gemeinschaftsküche und ein gemeinschaftlicher Speisesaal eingerichtet, wo in schweigender Runde die Mahlzeiten eingenommen wurden. Und wer hat nach so vielen Jahren den Nonnen das Kochen beigebracht? Und vor allem wie, wenn niemand sprechen darf? Da sind sicherlich einige Menüs misslungen!

Nach etwas über einer Stunde ist die Führung durch die malerischen Gassen des Klosters beendet und Wilson nimmt uns in Empfang um mit uns zur „City-Tour“ zu starten. Was wir schon gesehen haben?  Ich erzähle ihm von unserem Vormittag, wo wir überall waren und was wir uns angesehen haben. Für einen Moment wirkt er etwas ratlos. Was macht man mit Touristen die schon den ganzen Vormittag in der Altstadt waren? Er will wissen, ob wir irgendwo spezielles noch hin möchten. Irgendeinen Wunsch? Haben wir nicht, tut mir ja Leid.

mit Wilson ausserhalb von Arequipa

mit Wilson ausserhalb von Arequipa

Wilson überlegt einen kurzen Moment und fasst einen Entschluss, wir werden mit dem Auto zu einem Aussichtspunkt fahren. Gute Idee, da brauchen wir nicht mehr zu laufen. Wilson bringt uns zu zwei wirklich sehr schönen und unterschiedlichen Punkten ein wenig oberhalb von Arequipa. Bei unserem ersten Ziel überblicken wir ein sehr fruchtbares Tal, hier ist die landwirtschaftliche Region von Arequipa. An dem Berg gegenüber leben viele ehemalige Andenbewohner, die heute hier in der Landwirtschaft tätig sind. Wilson erzählt ein wenig über die Lebensbedingungen in Arequipa und wie froh er ist eine Schule besucht zu haben. Nun möchte er gerne weiterlernen, am besten eine Fremdsprache.

Engelsgesichter mit Federschmuck an Kirchenfassade

Engelsgesichter mit Federschmuck an Kirchenfassade

Von unserem zweiten Aussichtsplatz haben wir einen Blick über Dächer auf die Innenstadt und die Kathedrale von Arequipa. Hier scheint ein beliebter Treffpunkt für Teenies zu sein, manche sehr verliebt und andere ganz cool in Gruppen. Wir gehen durch einen kleinen Park und sehen uns die Kirche an. Doch nur von außen! Wir sind hundemüde und haben inzwischen nur noch das Bedürfnis nach einer Ruhepause.
Auf dem Weg zum Hotel macht Wilson uns darauf aufmerksam, dass wir für den heutigen Tag noch ein Essen gut haben. Er schlägt vor in einem Restaurant in der Nähe unseres Hotels einen Tisch für das Abendessen zu reservieren und die Rechnung wird dann an die Agentur geschickt. Das hört sich sehr gut an und wir halten kurz an dem Restaurant. Wilson stellt mich dem Oberkellner vor und wir bestellen einen Tisch.
Vor dem Hotel verabschieden wir uns und Edith und ich nutzen die drei Stunden bis zum Abendessen zum Ausruhen. Schuhe ausziehen, Füße hochlegen! Was tut das gut!
Als es Zeit wird zum Restaurant zu gehen haben wir uns wieder regeneriert und Hunger haben wir inzwischen auch, so reichlich war der Obstteller heute Mittag nicht.
Das Restaurant ist gut besucht, die meisten Tische sind besetzt und ein Klavierspieler sorgt mit seiner Darbietung für ein schönes Ambiente. Das Essen ist hervorragend, es gibt hier zwar keine „Rocota rellena“, eine Spezialität von Arequipa, aber wir probieren Alpaca- Steaks und sind rundum zufrieden.
Es ist ein sehr schöner Abend und wunschlos glücklich machen wir uns auf den kurzen Rückweg ins Hotel wo wir auch sofort ins Bett fallen und einschlafen.

Peru, eine Rundreise von der Küste in die Anden und den Regenwald Perus

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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