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Peru Erlebnisse – der Regenwald bei Puerto Maldonado

Montag

Dschungeltour

Diese Nacht habe ich fast nicht geschlafen, immer wieder wurde ich wach und fragte mich: mitgehen oder lieber hier bleiben? Hier bleiben oder lieber mitgehen? Ich möchte nicht die Gruppe behindern, in der immerhin jeder den Inka Trail mitgemacht hat.
Als wir um fünf Uhr geweckt werden bin ich schon eine ganze Weile am grübeln, entschieden habe ich mich jedoch noch nicht 100%ig. Während Edith sich auf die andere Seite dreht und weiterschläft, stehe ich auf und gehe probehalber zum Frühstück.
Unsere Gruppe ist vollständig und begrüßt mich mit den Worten „Schön, dass Du mitkommst!“. Das gibt den Ausschlag und tapfer packe ich meine Wasserflasche und einige Bananen in meine Tasche,es kann losgehen.

Die Bootsfahrt ist nach zehn Minuten zu Ende und wie gestern steigen

Rio Madre de Dios

Rio Madre de Dios

wir eine steile und rutschige Böschung nach oben. Mit Dans Hilfe geht es heute schon besser, alles eine Sache der Übung. Das Boot kehrt um und wir sind mit Elmar unterwegs im Dschungel zu unserem Ziel „der verlorene See“. Der Pfad ist genauso wie Elmar gestern sagte. Schlimmer! Es gibt keinen Meter in dem wir nicht bis zu den Knöcheln im Matsch versinken und  über Äste steigen. Jeder hat den Blick angestrengt auf den Boden geheftet um auch keinen Fehltritt zu machen. Der Modder zieht an den Gummistiefeln und mit einem „quatsch, quatsch“ ziehe ich sie beim nächsten Schritt wieder heraus. Hoffentlich bleibt nicht irgendwann der Stiefel stecken!
Elmar macht den ersten Stopp und ich beeile mich aufzuholen um seine Erklärung mit anzuhören.

Urwaldriese

Urwaldriese im Regenwald bei Puerto Maldonado

Er macht uns auf einen der riesigen, hochgewachsenen Bäume aufmerksam, bricht ein Stück der Rinde ab und lässt uns daran riechen. Der Geruch ist vertraut, doch woher?  Es ist ein „Knoblauch-Baum“ und seine Rinde wird hier im Urwald als Gewürz verwendet, wie bei uns der Knoblauch. Das war der Geruch, der gestern Abend so appetitanregend durch die Küche zog. Ich schnuppere nochmal, ja genau das war´s!
Jedoch nicht nur als Gewürz ist diese Rinde nützlich, es hilft auch gegen Moskitos. Wenn wir uns damit einreiben, meint Elmar, riechen wir zwar nicht besonders gut, aber es sei wirkungsvoller als jedes Anti-Moskito Spray. Ich schnuppere nochmal und glaube ihm, dieser Geruch vertreibt vermutlich fast alles und jeden.
Weiter geht es den anstrengenden Weg, hin und wieder halte ich mich an einem Baumstamm oder einem Zweig fest. Ob es hier viele giftige Pflanzen gibt? Elmar, offen und direkt wie immer, meint “Oh ja, passt bitte auf wo ihr hinfasst!“
Immer häufiger kommen noch tiefere Wasserstellen und inzwischen bin ich froh, wenn der Modder nur bis zu den Knöcheln reicht. Doch jetzt bekomme ich wieder eine Verschnaufpause, denn Elmar hat etwas am Boden entdeckt. Bin ja gespannt, was das ist! Neugierig beuge ich mich so weit wie möglich vor – und mache sofort einen Schritt rückwärts. Eine schwarze Tarantel marschiert mit ihren dicken, langen und haarigen Beinen über den Pfad. Elmar beruhigt uns: „Eine Tarantel ist zwar giftig, aber für den Menschen nicht tödlich. Wir werden krank, bekommen hohes Fieber, die Bissstelle entzündet sich und ist sehr, sehr schmerzhaft. Aber sterben werden wir daran nicht!“
Das ist ja sehr positiv! Doch Elmar hat noch mehr Information: „Viel schlimmer ist jedoch die schwarze Witwe. Der Biss ist absolut tödlich und dabei ist sie so klein, man kann sie kaum sehen!“
Er weiß noch andere Dinge über die Tarantel und zeigt uns ihre „Wohnung“, ein unscheinbares Loch im Boden. Sie hat es auf einer leicht erhöhten Stelle gebaut, so bekommt sie bei Regen keinen „Wasserschaden“. Die Tarantel lebt sehr häufig in einer  Wohngemeinschaft  mit einem hier ansässigen Frosch. Es ist eine Zweckgemeinschaft, bei der der Frosch  Unterschlupf im Bau der Tarantel sucht. Das wesentlich kleinere Fröschlein setzt sich unter den Körper der Spinne und ist so vor seinen hungrigen Feinden geschützt. Als Gegenleistung dafür geht der Frosch auf „Beutezug“ und versorgt seine „Vermieterin“ mit Insekten als Nahrung. Die Tarantel ist „häuslich“ und froh darüber ihre Unterkunft nicht verlassen zu müssen. Ronnie ist skeptisch: „Und der Frosch wird wirklich nicht von seiner „Partnerin“ gefressen?“  Elmar verneint, schließlich bringt der Mitbewohner ihr einen Nutzen.
Während wir uns noch über die Verbindung Spinne/Frosch unterhalten, hält Elmar das Tier mit einem kleinen Stöckchen davon ab, wieder in seiner Höhle zu verschwinden. Falls ihr das öfter passiert, wird sie sicher bald umziehen. Weit weg vom Pfad, an eine Stelle wo sie in Ruhe aus ihrem Loch schauen kann. Elmar nimmt das Stöckchen weg und die Tarantel verschwindet im Eilschritt in ihr „Zuhause“.
Wir setzen unseren Weg fort,  jeder darum bemüht sich nicht aus Unachtsamkeit in den Matsch zu setzen. Doch dann haben wir die erste Etappe geschafft! Bei der ganzen Gruppe macht sich Erleichterung bemerkbar, denn für eine Weile brauchen wir nun nicht mehr durch den Modder zu stiefeln. An einem Holzsteg liegen Paddelboote und nachdem das Regenwasser ausgeschöpft ist, können wir uns auf die Holzbänke setzen. Es sind zu wenig Paddel da und für Sheila und mich bleibt keins übrig. Na so was! 🙂

Dan und Sheila am paddeln

Dan und Sheila am paddeln im Regenwald

Auf diesem Gewässer verlassen wir den bedeckten Wald mit all seinen Urwaldriesen und paddeln zwischen niedrigen Büschen und tropischen Pflanzen im Sonnenschein. Trotz der frühen Stunde, es ist erst 8:30h, brennt die Sonne schon sehr heiß und die ersten Paddler fangen an zu stöhnen. Jeder hält Ausschau nach einem Kaiman oder einer Anakonda, es lässt sich jedoch kein Reptil blicken. Am Himmel kreisen einige Vögel, jedoch leider zu weit entfernt um zu erkennen um was es sich handelt. Hinter einer Biegung treffen wir auf das halb versunkene Wrack eines Paddelbootes. „Oh, das ist sicher die vermisste Gruppe von letzter Woche!“ lautet der Kommentar von Dan zu diesem Anblick.
Nach etwa einer Stunde ist die  angenehme Paddeltour vorbei und wir müssen wieder aussteigen. Von neuem geht es durch dichten Wald mit feuchtwarmen Temperaturen und der Boden scheint hier noch aufgeweichter als auf dem ersten Teil.
Sheila, Dan und ich bilden das „Schlusslicht“ und versuchen uns hin und wieder gegenseitig mit einer Hand zu stützen. Unsere Blicke sind immerzu nach unten gerichtet, wir möchten nicht über einen der vielen Zweige stolpern die nur zum Teil sichtbar quer über dem Pfad liegen. Nun kommen wir jedoch an eine Gabelung des Weges und wir lösen unsere Augen vom Boden. Wo geht es denn weiter? Und wo ist unsere Gruppe? Wir hören sie, aber in dem dichten Urwald haben wir den Blickkontakt verloren. Und nun?  Ich tippe auf den etwas trockeneren Weg, bestimmt ist das der richtige. Sheila und Dan lassen sich überzeugen, wir kämpfen uns weiter vorwärts und bemerken nach einigen Minuten, dass wir die falsche Seite gewählt haben. Die Stimmen der Gruppe entfernen sich mehr und mehr und der Wald wird immer dichter. Schaut sich Elmar eigentlich auch mal um und zählt seine Gäste? Sicher wird er das tun, hoffentlich nicht erst nach der Ankunft in der Lodge!  Doch Dan hat zum Glück eine laute Stimme und die nutzt er nun: „Hallo, wo seid Ihr?“ tönt es laut und deutlich durch den Dschungel, wir bekommen Antwort und die Gruppe wartet auf ihre verirrten Nachzügler.
Ab jetzt geben wir uns alle Mühe nur nicht den Anschluss zu verlieren, was sich manchmal als sehr schwierig erweist. Auf dem glitschigen und unebenen Boden das Gleichgewicht zu halten erfordert eine speziellen Technik, aber so langsam habe ich den Trick raus. Ich „schliddere“ mit den Füßen auf dem Grund anstatt sie anzuheben, so merke ich Unebenheiten, Zweige und brauche nicht bei jedem Schritt die Kraft den Stiefel aus dem Modder zu ziehen. Falls ich doch ab und an ins Schwanken gerate, breite ich die Arme aus wie ein Seiltänzer. So hat das gestern auch der  Spinnenaffe mit den vier Bananen gemacht, nur war der  flinker und geschickter als ich heute.
Eine Stunde später haben wir das nächste Ziel erreicht, einen Aussichts-Baum. Laut Elmar ist er 30 Meter hoch und an seinem Stamm führt eine Wendeltreppe mit 100 Stufen nach oben.  Wer möchte kann gerne hoch steigen! Doch zuerst nutzen wir alle die hier aufgestellten Holzbänke und lassen uns müde auf den feuchten Brettern nieder. Hauptsache wir sitzen!

der Aussichtsbaum

der Aussichtsbaum auf den Regenwald

Elmar kündigt eine kleine Pause an, Zeit etwas zu trinken und einige der mitgebrachten Bananen zu essen. Danach werden die ersten neugierig. Was gibt es wohl oben auf dem Baum zu sehen? John und Paul sind die ersten, dann macht sich Dan an den Aufstieg. „Immer nur zwei oder drei Personen“, warnt Elmar, „das Holz der Treppe könnte morsch sein“. Als die drei zurück sind machen sich Monica, Tom und Ronnie an den Aufstieg während Dan uns erzählt wie es war. „Schwierig, das Holz ist morsch und von den 98 verbliebenen Stufen sind mindestens drei kaputt“. Und die Aussicht?  „Gut, wenn man graue Regenwolken und ein grünes Blätterdach mag“ ist die Antwort, Paul und John nicken zustimmend. Also ich bleibe unten! Als dann die nächsten drei wieder kommen, Monica mit zitternden Knien vor Anstrengung, entscheidet sich auch Sheila gegen einen Aufstieg.
„Dann“ meint Elmar „können wir ja weitergehen“. Er hat allerdings eine gute Nachricht, bis zu unserem Ziel der „verlorene See“ brauchen wir durch keinen Schlamm mehr zu waten. Oh, das ist schön! Der letzte knappe Kilometer ist trockenes Gelände!

Holzsteg über dem Sumpf

Holzsteg über dem Sumpf

So ist es jedoch nicht, ganz im Gegenteil. Das Gelände besteht aus Sumpfgebiet und wir überqueren es auf einem Steg, bestehend aus zwei Holzplanken. Elmar warnt uns: „Gut aufpassen, das Holz ist feucht und man kann sehr leicht ausrutschen.“  Er hat noch weitere nützliche Hinweise. „Hin und wieder ist eine Planke morsch und nicht zu vergessen die Schlangen und Kaimane im Sumpf. Da rein zufallen ist wirklich gefährlich und die Schlingpflanzen könnten sich um Eure Füße wickeln.“ Als wir unseren Weg fortsetzen bin ich die erste auf diesem Steg, direkt hinter Elmar. Denn falls ich doch ausrutsche, den Reiseleiter vor mir und die gesamte Gruppe folgt nach, dann  kann das wenigsten nicht unbemerkt bleiben. Sheila scheint die gleiche Idee zu haben, sie ist direkt hinter mir. Den Blick fest auf die schmalen Planken gerichtet geht es im Gänsemarsch los. Nur nicht nach rechts oder links schauen und schon gar nicht ins Wasser! Auch diese Strecke bringen wir heil und ohne „Verluste“ hinter uns und erreichen den Höhepunkt dieses Ausfluges: der „verlorene See“!

das Paddelboot

das Paddelboot

Paddelboote stehen bereit und nachdem auch hier das Regenwasser ausgeschöpft ist, steigen wir ein. Eine wacklige Geschichte und ich bin froh als ich sitze! Vor mir sind Dan und Sheila, Ronnie setzt sich neben mich und bietet an für mich mitzupaddeln. Aber gerne! Dankeschön! Nun geht es im Zick Zack über den See in der Hoffnung einen Kaiman zu Gesicht zu bekommen. Das Wasser ist schwarz, undurchsichtig und die Vegetation üppig und dicht. Wir paddeln so nahe wie möglich am Dickicht entlang, hin und wieder streifen Zweige und Blätter mein Gesicht. Auf einmal herrscht Aufregung, Ronnie zieht seinen Fotoapparat und Monica raunt mir zu: „Schau, da drüben“!  Eine Wasserschildkröte! Klein und niedlich sitzt sie auf einem Stein, sonnt sich und sieht genauso aus wie ihre Artgenossen in Kenia.

der verlorene See

der verlorene See

Als wir bereits die Hoffnung aufgegeben hatten begegnet uns doch noch ein Kaiman. Viel ist in dem dunklen Wasser nicht zu sehen, aber er blinzelt mir mit einem Auge zu, und ich kann noch den Rest der Schwanzspitze erkennen ehe er sich im Gebüsch versteckt. Ronnie ist begeistert und jubelt: „Ein Kaiman, ein richtiger wilder Kaiman!“
Sheila und Dan sind etwas weniger beeindruckt. Sie leben in den Everglades und müssen vor dem Schwimmen immer zuerst nachsehen, ob sich auch kein Alligator in den Pool verirrt hat. Auch die vier Australier bleiben eher gelassen und halten derweil nach einer Anakonda Ausschau. Doch es bleibt bei der Wasserschildkröte und dem Augenzwinkern des Kaimans, andere Bewohner des verlorenen Sees lassen sich nicht blicken. Auf einmal kommt eine Meldung von der hintersten Bank: „Hier läuft Wasser ins Boot!“  „Viel?“ will Elmar wissen. „Nein, es geht“ ist Toms beruhigende Antwort.
Kurz darauf höre ich Dans Stimme von der vorderen Bank: „Schaut mal, hier läuft ja Wasser ins Boot!“  Diesmal ist es ein wenig mehr. Ronnie und Dan sind mit Eimern am Wasser schöpfen, während Elmar das Leck mit Gräsern und kleinen Zweigen stopft.
Wir paddeln noch eine Runde, der letzte Versuch etwas mehr von der hiesigen Tierwelt zu sehen. Doch die dichte Vegetation macht das unmöglich, es gehört wohl eine gehörige Portion Glück dazu. Ein sehr schöner Schmetterling begegnet uns, handtellergroß mit strahlend blauen Flügeln, auf denen sich das Licht der Sonne fängt. Ein fantastischer Anblick wie er lautlos dahin gleitet, doch außer mir scheint das in dem Moment leider keiner wahrzunehmen.
Elmar dirigiert uns wieder zurück zu dem Holzsteg, wo wir aussteigen und nachdem die Boote vertäut sind machen wir uns auf den Rückweg. Es ist die gleiche Strecke. Als erstes kommt der Weg über die Holzplanken, vorbei an dem Aussichts-Baum und hinein in den Urwald und den Matsch. Es ist genauso beschwerlich wie vorher, meine Hoffnung der Matsch  könnte inzwischen ein klein wenig trockener sein erfüllt sich natürlich nicht. Im Gegenteil, es fängt an zu regnen! Große dicke Tropfen fallen durch das dichte Blätterdach in den Wald. Regencapes und Regenjacken werden ausgepackt und rasch angezogen, auch ich ziehe meine Jacke über.

dichtes undurchdringliches Grün

dichtes undurchdringliches Grün des Regenwaldes

Der Schauer dauert zum Glück nicht lange und als wir zu den nächsten Paddelbooten kommen ist es zwar bewölkt, aber trocken. Diesmal wird sehr zögerlich nach den Paddeln gegriffen, alle sind inzwischen müde und die Energie hat nachgelassen. Dan sitzt ganz vorne, er paddelt und geht mit gutem Beispiel voran. Monica ist geübte Paddlerin. Sie hat schon Paddeltouren in Kanada gemacht und hält mit Dan durch, doch auch ihr fällt es inzwischen schwer. Der Rest der Gruppe paddelt der Form halber mit, doch richtige Lust hat keiner mehr. Alle sind froh, als das Ende des Gewässers erreicht ist und sie das schwere Holzpaddel ablegen können. Nun kommt die letzte Etappe, durch tiefen Matsch an der Behausung der Tarantel vorbei bis zum Rio Madre de Dios, wo unser Boot auf uns warten wird. Elmar bestellt es mit dem „Dschungel-Telefon“. Er nimmt einen dicken, herab gefallenen Ast und schlägt ihn gegen einen Baumstamm. Es ertönt ein dumpfes Geräusch, von dem Elmar sagt, dass man es Kilometer weit hören kann. So weiß der Fahrer des Bootes, dass wir nun auf der letzten Etappe angekommen und in einer Stunde am Fluss sind.
Einige Minuten später fängt es an zu regnen, zuerst ein leichtes Tröpfeln das kurz darauf  in einen kräftigen Regenguss übergeht. Meine Regenjacke lasse ich, wie die anderen auch, aus. Es ist heiß und feucht, die Luft steht und ist schwer. Dazu eine luft- und wasserdichte Plastikjacke? Lieber nass werden, dass trocknet wieder! Entschieden schlimmer ist der Umstand, dass der Boden noch mehr unter Wasser gesetzt wird und innerhalb kürzester Zeit manche Stellen des Pfades nicht mehr passierbar sind. Elmar geht voran und schlägt uns mit seiner Machete einen neuen Weg frei. Sein Tempo ist beachtlich, er möchte bei dem Regen wohl so schnell wie möglich am Fluss sein. Dan kann sich nicht entscheiden was schwieriger ist. Der tiefe Matsch oder das viele Unterholz und die restlichen Zweige, die wir zur Seite schieben müssen. Ich bevorzuge Unterholz und Zweige. Die bessere Alternative, egal was für giftige Pflanzen und Tiere es hier geben mag! Dann,endlich, ist es geschafft! Wir sind am Fluss und dort unten liegt das wartende Boot. Ich bin so erleichtert, dass ich sogar die Böschung allein hinuntersteige!

unsere Gummistiefel

unsere Gummistiefel

Nach zehn Minuten Fahrt, in denen wir gegenseitig unser schmutzigen Gummistiefel und Hosenaufschläge bewundern, kommen wir in der Lodge an. Die Gruppe macht eine Umfrage, wer kommt mit und trinkt zuerst ein Bier?  Trotz meinem Durst, eine Dusche ist mir im Moment wichtiger. Im „Schildkrötentempo“ gehe ich zu unserem Bungalow, ziehe mich die drei Stufen hoch und werde von einer ausgeruhten und ausgeschlafenen Edith hereingelassen. Sie hilft mir aus den Gummistiefeln und ich wanke unter die Dusche. Wer hätte gedacht, dass eine kalte Brause so ein Genuss sein kann?  Auf jeden Fall hat dies meine Lebensgeister so weit geweckt, dass ich es schaffe zum Mittagessen zu gehen.
Doch danach kommt  die wohlverdiente Siesta und nach zwei Stunden Schlaf fühle ich mich wieder halbwegs fit. Den angebotenen Ausflug in einen botanischen Garten mache ich nicht mit, jedoch für eine genauere Besichtigung der Lodge reicht meine Kraft wieder aus.
Wir schauen uns den überdachten und mit Moskitoschutz umgebenen Pool an, versuchen, das auf dem Gelände lebende Tapir zu fotografieren und gehen in den Garten wo sich einige Aras aufhalten. Sie haben hier ihre Futterstelle und sind ständig in der Lodge. Eigentlich hatte ich ja gehofft bei einer unserer Dschungeltouren Aras in freier Wildnis zu sehen. Es gibt sogenannte „Lehmschlecken“ an Flussstellen, dort gehen die Aras regelmäßig  in Scharen hin und fressen von dem kalkhaltigem Lehm. Aber wo sind diese Stellen? Ich frage einen Mitarbeiter der Lodge. Er weiß was ich meine, doch das gibt es hier nicht. Acht Stunden von hier entfernt an der bolivianischen Grenze, oder im Manu- Nationalpark. Hier jedoch nicht!
Die Zeit vergeht rasch, schon wird es dunkel. In der Bar sitzen immer noch die müden Krieger, die sich entschlossen hatten vor dem Duschen ein Bier zu trinken. Wir leisten ihnen Gesellschaft mit einem Pisco Sour  bis zum Abendessen.
Der Koch kommt zur üblichen Zeit, heute mit einem Gong damit er auch wirklich gehört wird. Es gibt Fisch, eine Amazonas –Dorada,  verrät uns Elmar. Ich kenne den Fisch nicht, aber er schmeckt hervorragend.
Nach dem Essen kommt Elmar zur Besprechung des morgigen Tages. Was steht da auf dem Plan? Laut unserem Programm soll ein Dorf der Ureinwohner besichtigt werden, mal hören was stattfindet. Piranha–Fischen ist angesagt! Ich zweifle immer noch, dass es hier Piranhas gibt, außerdem ist fischen absolut nicht mein Fall.
Arme Piranhas, werden die dann wenigsten gegessen oder nur geangelt?  Elmar versichert mir, dass es zum Mittagessen morgen Piranhas gibt. Da bin ich ja gespannt! Außer fischen steht noch das Schwimmen in einer Lagune auf dem Plan, wir sollen alle unbedingt unsere Badeanzüge mitnehme. Müssen wir wieder durch Matsch laufen?  Elmar lächelt mich freundlich an: „nur einen Kilometer und viel trockener als heute!“  Ich werde es mir bis morgen früh überlegen, heute bin ich für schwere Entscheidungen einfach zu müde.
Obwohl ich die nötige Bettschwere habe, gönne ich mir noch eine Pisco Sour und danach geht es direkt in unser „Schildkröten-Zuhause“ und kurz nachdem um zehn Uhr die Lichter ausgehen schlafen wir ein.

Peru, eine Rundreise von der Küste in die Anden und den Regenwald Perus

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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