Reiseberatung für individuelle Reisen

Portugals Hauptstadt Lissabon – eine individuelle Stadtbesichtigung

Samstag 29.10.11

Blick auf die Dächer der Hauptstadt Lissabon

Verschlafen blinzle ich ins Tageslicht. Gott sei Dank, blauer Himmel und Sonnenschein! Da hat der Wetterbericht anscheinend recht behalten. Genau richtig für unser verlängertes Wochenende in Lissabon!
Unterwegs bin ich auf dieser Städtereise mit Gudrun, die ich über einen meiner Indien-Reiseberichte http://www.reiseberichte-blog.com/indien-erlebnissurlaub-das-taj-mahal-in-agra/ kennen gelernt habe. Unser letztes Treffen war in Mumbai  und nun sind wir gemeinsam von meiner Wahlheimat in Malaga nach Portugal gefahren.
Abreise war gestern Nachmittag mit dem Auto und nach knapp acht Stunden Fahrt sind wir hier angekommen. Nach der Ankunft ein  Abendessen und ein  Absacker in Form eines Rotweines sind wir direkt schlafen gegangen, um für den heutigen Tag fit zu sein.
„Wie spät ist es denn?“ murmelt Gudrun verschlafen aus der Decke. Das weiss ich auch nicht so genau. Da war doch irgendwas mit einer Stunde Unterschied zwischen Portugal und Spanien. Auf meiner Uhr ist es 8ººh, aber es ist dafür noch viel zu ruhig in dem Hotel. Ein kurzer Anruf an der Rezeption klärt die Frage; nach portugiesischer Zeit ist es erst 7ººh. Gut! Wir drehen uns beide auf die andere Seite und dösen in den neuen Tag hinein.
Doch  nach einer Stunde ist es vorbei mit der Ruhe. Auf dem Flur sind Stimmen zu hören, Türen werden geöffnet und auch für uns wird es Zeit zum Aufstehen. Denn um 10ººh sind wir bereits mit Maria verabredet.
Maria  habe ich im September auf meinem Flug nach Bangkok kennen gelernt. Sie ist Portugiesin, wohnt in Lissabon und dank Internet sind wir in Kontakt geblieben.  Nun möchten wir uns nach fast zwei Monaten wieder treffen und Maria hat angeboten uns an diesem Wochenende ihre Heimatstadt zu zeigen.
Verabredet haben wir uns am Rossio, ein Zentraler Punkt im Zentrum von Lissabon. Kein Problem dorthin zu kommen, denn unser Hotel liegt in der Avd. Almirante Reis und  die Metrostation ist direkt vor der Tür. Außerdem war ich ja bereits zuvor in Lissabon- was soll also schief gehen.
Nun, unsere erste Hürde ist der Fahrkartenautomat! Ein Tarif-Dschungel auf portugiesisch! Die freundliche Metro-Mitarbeiterin erklärt langsam und ausführlich, aber verstehen…………..leider null!  Doch wir haben unser Ticket und sie schickt uns zum richtigen Bahnsteig- das ist doch schon viel wert. Wozu wir jedoch drei Tage brauchen um es zu verstehen ist folgendes: das Ticket an sich, also dieses Stückchen Pappe kostet 50 Cent. Darauf kommt dann der Fahrpreis und ich kann das 50 Cent Ticket immer wieder neu „laden“ mit neuen Fahrpreisen. Die 50 Cent muss ich also nur einmal bezahlen. Wenn man´s weiss, ein gutes System- leider haben wir das jedoch erst an unserem letzten Tag heraus gefunden.

Praça de Figueira in Lissabon

Doch ansonsten funktioniert alles prima- die Haltestellen sind klar und deutlich angeschrieben und werden zusätzlich noch per Lautsprecher durchgesagt. Am Rossio steigen wir aus, nehmen einen der vielen Ausgänge und ich schaue mich auf dem großen und belebten Platz nach Maria um. Wo ist sie denn?
Die Verabredung war doch ganz klar- an dem Haupteingang der Station zum Rossio. „Dort drüben ist noch ein Eingang, da steht auch Rossio angeschrieben“ macht mich Gudrun aufmerksam. Na nu? Am besten mal anrufen- Gott sei Dank hat ja heute jeder ein Handy. Maria nimmt auch sofort ab: „Wo seid ihr denn?“ möchte sie wissen.  Na- am Eingang, hier oben auf dem Platz! „Oben?“ höre ich Marias erstaunte Stimme „ich bin hier unten, am Starbucks Café! Aber ich komme hoch!“ Was macht sie denn da unten in der Metro-Station? Und Starbucks habe ich auch keines gesehen! Kurz darauf klingel mein Handy: „Wo seid ihr denn?“ höre ich Marias leicht verzweifelte Stimme. „Oben oder jetzt unten?“  Natürlich oben- wir stehen direkt vor der „Cafeteria Suiza“ mit den schweizer Backwaren. „Ach je!“ lacht Maria „jetzt weiss ich wo ihr seid!“  Und tatsächlich- kurz darauf steht sie vor uns und begrüsst uns nach mediteraner Sitte mit einem Küsschen auf die rechte und die linke Wange. Doch wo hat sie uns nur gesucht?

der „echte“ Rossio

Maria klärt das Missverständnis auf: „Das hier ist eigentlich nicht der Rossio, zumindest nicht bei den Bewohnern von Lissabon. Dieser Platz heißt Praça de Figueira- nur die Metro-Station heißt Rossio.“ Ach??? „Ja, ich weiß“  erklärt sie uns „alle Touristen denken, dies sei der Rossio!“  Aua- dabei dachte ich, ich kenne mich in Lissabon aus. Schließlich bin ich doch nicht das erste mal hier.
Doch nun zeigt uns Maria den „echten“ Rossio und den dazu gehörenden Haupteingang. Es handelt sich um den alten Bahnhof von Lissabon mit seiner imposanten Fassade und den zwei hufeisenförmigen Eingangstoren. Er stammt aus dem Jahr 1886. Der Bahnhof wurde in den Jahren 2006 -2008 komplett restauriert und besteht heute aus zwei Stockwerken. Und hier, direkt neben dem Eingang ist auch das Starbucks Café! Im modernen Inneren des Bahnhofs führt eine Rolltreppe nach oben zu den abfahrenden Zügen, vorwiegend in Richtung Sintra. Der obere Aus- bzw. Eingang führt direkt in den obeneren Teil der Altstadt von Lissabon, genannt Chiado.
Doch wir entscheiden unsere Besichtigungstour  im unteren Teil,der Baixa, zu beginnen. In diesem Teil  verlaufen  die Straßen kerzengerade und parallel zueinander. Es ist der Teil Lissabons, der bei dem großen Erdbeben am 01. November 1755 und dem darauf folgenden Tsunami   die größte Zerstörung erlitt.  Nach heutigen Schätzungen hatte das Erdbeben eine Stärke von 8,7 – 9,0 auf der Richter-Skala. Die Erschütterungen waren in ganz Europa und Nordafrika zu spüren.Wieder aufgebaut wurde die Stadt von dem Marques de Pombal.

Elevador de Santa Justa

Unser erstes Ziel ist natürlich der berühmte Aufzug Elevador de Santa Justa. Dieser Aufzug verbindet den Stadtteil Baixa mit Chiado und die Stahlkonstruktion wurde 1902 nach den Plänen des Ingenieurs Mesnier de Ponsard errichtet. Dieser war ein ehemaliger Schüler Eiffels, der Erbauer des gleichnamigen Turmes in Paris. Der Aufzug ist 45 Meter hoch und hat zwei Kabinen die jeweils  24 Personen fassen.
Bei meinem letzten Besuch in Lissabon war der obere Ausgang in die Altstadt gesperrt und man konnte lediglich auf die Aussichtsplattform oder in das Café mit spektakulärer Aussicht auf die Stadt Lissabon. Inzwischen sind die Bauarbeiten seit 2005 beendet und man kann wieder wie früher über den Verbindungssteg in den höher gelegenen Stadtteil Chiado. Der Grund für die Bauarbeiten war ein Brand in der Altstadt im August 1988.

Geschäfte in der Baixa

Mit dem Aufzug müssen wir fahren- ein absolutes „muss“ in Lissabon! Doch der Ansicht sind wohl alle Touristen, die heute zur Stadtbesichtigung unterwegs sind. Die Warteschlange zieht sich von der Kasse bis auf die Straße und daneben steht die zweite Schlange: sie warten auf den Aufzug. Vielleicht doch kein absolutes „muss“?  Wir beschließen die Aufzugfahrt erst einmal zu verschieben, vielleicht erwischen wir ja in den Tagen unseres Aufenthaltes einen Moment mit geringerem Ansturm.
So schlendern wir zu dritt durch die Straßen der Baixa und lassen uns von Maria die schönsten Häuser und interessantesten Gebäude zeigen.

das erste Kino Lissabons

Dabei  spazieren wir durch Gassen abseits der Einkaufsstraßen und  hier zeigt uns Maria das erste Kino Lissabons. Heute befindet sich in diesem ehemaligem Theater eine Peep-Show. Doch die alte Kinokasse ist noch zu erkennen und  ebenso der dunkelrote Vorhang zu den Vorführräumen hängt vor der Tür. Na gut- der ist inzwischen vermutlich erneuert worden. Aber  mit ein wenig Fantasie………!
An einer anderen Ecke erklärt uns Maria die Spezialitäten einer der ältesten Konditoreien Lissabons  und in der nächsten Gasse können wir eine der berühmten Spezialitäten Portugals begutachten:

Bacalhau

Stockfisch, in Portugal Bacalhau genannt.  Es soll mehr als 600 verschiedene Rezepte für diesen gesalzenen und getrockneten Kabeljau geben und ca. 360 Geschäfte in Lissabon, die Bacalhau führen. Laut einer Statistik isst jeder Portugiese jährlich ca 20 Kilo Bacalhau. Allerdings kommt der gesalzene Kabeljau grossteils aus Island, Norwegen und Kanada. Frischer Kabeljau, der vor der eigenen Haustür im Atlantik gefangen wird, gibt es heute kaum noch.

Ginghina

Eine weitere Spezialität in Lissabon erhält man in einem winzigen kleinen Laden entweder in kleinen Gläsern oder in Flaschen. Es handelt sich um Ginghina, ein süßer Kirschlikör, der bei den Passanten offensichtlich beliebt ist. Viele Männer gehen kurz in das kleine Geschäft, trinken einen kleinen Likör, plaudern mit anderen umstehenden Männern und gehen danach wieder ihres Weges. Ob ich auch mal probieren soll?  „Maria, wie schmeckt das denn?“ frage ich erst mal nach. „Gut!“ kommt die aufschlussreiche Antwort. Ich versuche Gudrun  zu überreden: „Möchtest du mal einen probieren?“  „Jetzt? Um 11ººh morgens? Nein!“  erwidert Gudrun in  entschiedenem Ton. Na und? Machen andere doch auch!

Platz Bom Succeso

„Maria, schmeckt das süß?“ versuche ich die Frage zu konkretisieren. „Ja, nach Kirschen!“ informiert mich Maria. Nun- dann hat sich die Frage erledigt. Süßer Likör – da klebt mir der Magen zu. Lieber nicht!
Langsam bummeln wir weiter, über den Platz Bom Succeso,  vorbei an der Wand mit dem Hinweis, dass Lissabon die Stadt der Toleranz ist. Genau hier ist ein Treffpunkt von Einwanderern aus den ehemaligen Kolonien wie Angola und dass sich hier Menschen aller Hautfarben treffen, scheint die Aussage auf den Wänden zu bestätigen.

Standseilbahn

Von hier aus geht es in eine mir bisher unbekannte Gegend. Der Weg führt uns durch schmale Straßen und vorbei an einem Theater. Doch was ist das für ein Geräusch? Eine Mischung zwischen kreischen und quietschen?  Es ist eine der  legendären Standseilbahnen Lissabons, die gerade eine der steilen Gassen hinunter fährt  und am Ende der Schiene zum Stehen kommt.
Da Lissabon auf sieben Hügeln liegt und sich stufenförmig an diesen empor zieht, finden sich diese Straßenbahnen an drei Orten in dieser Stadt. Einst ein normales Transportmittel für die Bewohner Lissabons, sind diese Bahnen heute eine Touristenattraktion.
Wir sind nicht die einzigen, die so bequem und mühelos einen der Hügel hinauf möchten. Als die Bahn sich den steilen Weg hinauf zieht, ist der Wagon bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Wie ist dieser Wagen eigentlich gesichert? Ich schaue lieber nach vorne und nicht den steilen Weg zurück.
Oben angekommen bietet sich uns ein fantastischer Ausblick auf die Stadt und das Castelo de Sao Jorge. In dem kleinen Park sitzen Maler und bieten die bekanntesten Motive Lissabons in Öl auf Leinwand an.

Altstadtgasse

Unser Spaziergang führt uns nun durch Chiado, vorbei an schmalen steilen Gassen in denen teilweise Wäsche zum trocknen hängt. Maria jedoch hat ein festes Ziel für unsere erste kleine Pause, das Lokal Trindade in der Rua Mova de Trindade. Hier befand sich vor 800 Jahren das Kloster der Trinitarier –Mönche. Es wurde 1294 gegründet und die Mönche kauften damals den Mauren ihre christlichen Gefangenen ab. Nachdem das Kloster mehrmals durch Brände und  dem Erdbeben von 1755 zerstört wurde, kaufte 1836 ein Unternehmer aus Galizien das Grundstück und errichtete an dieser Stelle eine Brauerei. Seitdem, so sagt man in dem Lokal Trindade, sei nicht ein Tag ohne ein Gast vergangen.  „Aha- das portugiesische Hofbräuhaus!“ stellt Gudrun fest, als wir uns an einen der Holztische setzen.
Das Lokal ist sehr gut besucht und die Kellner eilen von Tisch zu Küche und Tresen um alle Gäste mit dem Gewünschten zu versorgen. Wir nehmen nur eine von Maria empfohlene Kleinigkeit- Pastel de Bacalhau. Es ist eigentlich eine Krokette aus Kabeljau, schmeckt jedoch so gut wie Maria versprochen hat. Und dazu natürlich ein frisch gezapftes Trinidade-Bier!

der Largo de Carmo in Lissabon

Nach dieser Stärkung geht es weiter, vorbei am Platz Largo do Carmo. Hier fand  1974 ein wichtiger Teil der portugiesischen Geschichte statt. Es war am 24. April als  der portugiesische Rundfunk das Liebeslied „nach dem Abschied“ von Paulo de Carvalho spielte und damit das verabredete Zeichen an die aufständischen Truppen gab. Knapp 18 Stunden später war Europas älteste Diktatur gestürzt.
Tausende von Lissaboner jubelten den Befreiern zu und die ersten roten Nelken, die dieser fast unblutigen Revolution ihren Namen gaben, tauchten auf und leuchteten an den Uniformen und Gewehrläufen der Soldaten. Marcelo Caetano , der damalige Premierminister und Nachfolger Salazars, flüchtete in die Kaserne der bewaffneten Polizei am Largo de Carmo.  Am Abend der Belagerung erklärte der Diktator sich bereit die Regierung an General Spinola zu übergeben.

auf dem Verbindungssteg nach Chiado

Vom diesem, für Portugal so entscheidendem Platz, führt uns unser Rundgang zu der Aussichtsplattform des  Aufzuges, bei dem wir die lange Warteschlange hiermit umgangen haben. Die Sicht über die Stadt ist spektakulär und dementsprechend drängt sich jeder so weit wie es geht an den Zaun. Und nun? Sollen wir mit dem Aufzug nach unten fahren? Wenigstens einmal in einer der Aufzugkabinen fahren! Doch die Hoffnung, dass  abwärts ein kleinerer Andrang besteht hatten außer uns noch andere. „Also -das muss ich nicht haben“ ist Gudruns Kommentar und wir setzen unsere Besichtigungstour zu Fuß fort.

Pause in einer der vielen Pastellerias

Geführt von Maria schlendern wir durch die Gassen, machen eine weitere kleine Unterbrechung in einer der ältesten Pastellerias Lissabons und erreichen den Platz Cais do Sodré. Von hier geht es mit einer der historischen Straßenbahnen Lissabons weiter. Die Bahn fährt quietschend durch die Baixa, vorbei an der Kathedrale Se Patriacál und immer weiter bergauf. Am Aussichtspunkt Porta do Sol steigen wir aus der Bahn. Von diesen Aussichtsterrassen sehen wir auf die Dächer der Alfama, einem der  Altstadtviertel von Lissabon, und den Hafen mit drei Kreuzfahrtschiffen. Da kommen also die vielen Menschen her und verstopfen uns die Aufzugkabinen am Elevador de Santa Justa!

der Weg zum Castelo

„Wir sollten noch auf das Castelo gehen, da gibt es einen wunderschönen Aussichtspunkt“  schlägt Maria energiegeladen vor. Schön, welche Bahn fährt da hoch?  „Nein,nein“  lacht Maria mich aus „da gehen wir zu Fuß hin! Oder ist euch das zu steil?“ „Natürlich nicht“ stimmt Gudrun begeistert zu und schon geht es die steilen Treppen und Gassen hinauf in Richtung Castelo Sao Jorge. Wieso werden die beiden eigentlich nicht müde?
Dann ist es geschafft, wir haben den Eingang des Castelos erreicht. Und wie überall stehen auch hier Menschenschlangen vor der Eintrittskasse. Kann man da nicht auf den Kreuzfahrtschiffen eine Art Vorverkauf einrichten? „Lass uns nur in den Garten gehen“ ist Marias Vorschlag „der ist schöner und für das Castelo ist es auch schon ein wenig spät.“ Gute Idee, im Garten gibt´s bestimmt keine Treppen! Doch um das Schlange-stehen kommen wir nicht herum, denn die Eintrittskarten für den Garten sind die gleichen wie für die Festung.
Maria opfert sich und reiht sich bei den Wartenden ein, während ich mit Gudrun das Geschehen auf der Straße beobachte. Wie eine Prozession schieben sich die Menschen durch die alte Gasse, welche auf den Berg führt. Doch wir sind nicht die einzigen Beobachter. Eine portugiesische Familie hat es sich auf der Terrasse vor ihrem Häuschen bequem gemacht und betrachten interessiert die vielen Ausländer die an ihrer Türe vorbei ziehen. Scheint spannender zu sein als Fernsehen.
Doch hier ist schon Maria wieder zurück, das ging ja schneller als erwartet. Mit den Karten schleusen  wir  uns durch die Absperrung und sind kurz darauf auf den Aussichtsterrassen des Castelo Sao Jorge. Diese Aussichtsplattform ermöglicht einen weiten Blick über die gesamte Stadt und den Tejo. Die Festungsanlage stammt aus der Zeit der Mauren und wurde anschließend jahrhundertelang als Königsburg genutzt. Wie so viele alten Gebäude wurde auch das Castelo bei dem großen Erdbeben zerstört.

Restaurant im Abendlicht

Die Sonne steht inzwischen schon sehr tief und ich fange an ein wenig zu frösteln, genau wie meine beiden Begleiterinnen. Gott sei Dank- wenn sie schon nicht müde werde, fangen sie wenigstens ebenfalls an zu frieren. Langsam machen wir uns an den Rückweg, berg- und treppab diesmal. Maria zeigt uns unterwegs das Haus in dem sie ihre Kindheit verbracht hat und die schmalen Gassen, in welchen sie mit ihren Freundinnen gespielt hat.  Auf halber Strecke besichtigen wir ein Restaurant, direkt am Hang gelegen mit einer ebenso schönen Aussicht wie von dem Castelo.

am Praça do Comercio

„Eigentlich wollte ich für heute Abend hier einen Tisch reservieren, aber ich glaube ich habe etwas noch interessanteres für euch“ ist Marias Erklärung bei dem Besuch in dem Gastraum. Hier ist alles aus Holz und die letzten Sonnenstrahlen des Tages fangen sich in dem gemütlichen  und einladenden Raum.

zu dritt am Tejo

Kurz darauf erreichen wir wieder die Baixa, doch bevor wir in unser Hotel fahren um uns für den Abend umzuziehen, statten wir noch dem Praça do Comércio  einen Besuch ab.  Hier legten früher die ankommenden Schiffe mit ihren Waren und Gewürzen aus Übersee an und es fand reger Handel auf diesem Platz statt. Besucher wie Staatsoberhäupter, Eroberer und Kaufleute wurden hier empfangen.  Wir machen noch schnell einige Fotos von dem Platz und finden auch einen freundlichen Touristen der uns zu dritt mit dem Tejo  im Hintergrund fotografiert. Super!
Nun aber rasch zurück ins Hotel und warm anziehen! Maria möchte uns in zwei Stunden vor unserem Hotel mit dem Auto abholen. Ich nutze die Zeit um ein wenig meine müden Füße auszuruhen. Ja, so ein Päuschen zwischendurch ist sehr erholsam!
Pünktlich um 20ººh gehen wir nach unten und da kommt auch schon Maria mit ihrem Auto.
Der Weg führt uns von unserem Hotel in der Avenida Almirante Reis zur Avenida de Liberdade, in deren Nähe wir einen Parkplatz finden. Nun geht es zu Fuß schon wieder bergauf! Da habe ich mir heute aber mein Abendessen verdient.

Weinlagerung

Oberhalb des Praca de Alegria, nicht weit entfernt vom anthropologischen Museum, erreichen wir unser Ziel. Es ist ein Restaurant das, wie viele Stellen in Lissabon, Anschluss hat an das weitverzweigte Tunnelsystem des berühmten Aqueduto das Águas Livres. Dieser fast 20 km entfernte Aquaduct verfügt neben den unterirdischen Tunneln auch über 30 Brunnen, die in der Stadt Lissabon verteilt sind. Einer dieser Brunnen befindet sich direkt vor dem inzwischen zu einem Restaurant umgebauten Gebäude. Im Inneren des Lokales dürfen wir das Tunnelsystem besichtigen, zumindest die ersten Meter. Theoretisch könnten wir von hier die 20 km bis zum Aquaduct unterirdisch zu Fuß gehen. Das Restaurant nutzt die Tunnel mit ihrer gleichbleibenden Kellertemperatur heute für die Lagerung ihrer Weine. Vielleicht sollte man sich doch mal zu Fuß  auf den Weg machen? Doch heute bin ich genug gelaufen, ich genieße es viel mehr an dem von Maria reservierten Tisch zu sitzen mit Blick auf den Brunnen.
Das Essen ist ausgezeichnet und wir probieren natürlich auch ein Spezialität mit Bacalhau. Der Wein hat die richtige Temperatur, klar- bei der perfekten  Lagerung. Es ist auf jeden Fall ein gelungener Abschluss an einem wunderschönen Tag.
Auf dem Rückweg lässt sich Maria nicht nehmen für  uns noch einen Umweg einzulegen. Sie führt uns in eine relativ abgelegene Straße bis zu einer kleinen Tür in einem unscheinbaren Haus. Auf ihr Klingeln hin schaut ein Mann  durch ein kleines  Klappfenster bevor er uns einlässt. Und was wir im Inneren sehen macht  uns wirklich staunen: eine Spielzeugsammlung, die sich über mehrere Räume verteilt. Altes Spielzeug aus Blech, Puppen, Eisenbahnen, Antiquitäten – es ist alles vorhanden. Ein Museum als Nachtlokal! In einem anderen Teil steht ein Billardtisch und das Lokal verfügt über mehrere Räume. Kein Wunder, das hier jeder Gast erst mal in Augenschein genommen wird.
Es war ein Tag voller Überraschungen, vor allem da ich mir einbildete Lissabon zu kennen. Doch heute habe ich dank Maria  viel Neues gesehen  und erneut festgestellt: Lissabon ist immer wieder eine Reise wert.
Morgen möchte uns Maria Sintra zeigen, eine Stadt die ich bisher noch nicht besucht habe. „Hoffentlich haben wir morgen auch so viel Glück mit dem Wetter“  sind meine letzten Worte zu Gudrun, bevor mir im Hotelbett die Augen zufallen.

Lissabon- die Hauptstadt Portugals

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Portugals Hauptstadt Lissabon – eine individuelle Stadtbesichtigung
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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen.
Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist.
Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

4 Reaktionen bis “ Portugals Hauptstadt Lissabon – eine individuelle Stadtbesichtigung ”

  1. […] letzter Bericht ist erschienen unter: http://www.reiseberichte-blog.com/portugals-hauptstadt-lissabon-eine-individuelle-stadtbesichtigung/ stepmap.de: Jetzt eigene Landkarte […]

  2. Danke für den Reisebericht. Fahren im Sommer nach Lissabon. Kannst du dich vielleicht noch erinnern wie das Restaurant hieß mit Anschluß an das unterirdische Tunnelsystem? Klingt spannend! Danke Uschi

  3. Elke Hoppe

    Hallo Uschi
    Danke für die Zuschrift auf meinen blog 🙂
    An den Namen des Restaurants kann ich mich im Moment nicht erinnern, werde jedoch meine Freundin aus Lissabon fragen. Sobald ich den Namen weiß, werde ich dir eine mail senden.
    Viele Grüße aus dem sonnigen Spanien
    Elke

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