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Santa Caterina im Veneto: Wo die Zeit still zu stehen scheint

Santa CaterinaDas Leben ist ein langsamer, ruhiger Fluss. Dieser Satz kommt einem spontan in den Sinn, wenn man in Santa Caterina di Lusiana ankommt, dem kleinen Ort im Alto Piano, der venezianischen Hochebene, der eingebettet in einer Talmulde zwischen Lusiana und Conco liegt und auf kaum einer Landkarte zu finden ist. Santa Caterina ist Teil von Lusiana, einer der sieben Gemeinden der Hochebene. Die sechs anderen Gemeinden sind Conco, Enego, Foza, Gallio, Roana und Rotzo. Der Hauptort ist Asiago (aus dem der gleichnamige Käse kommt), weshalb das gesamte Gebiet „L’Altopiano di Asiago e dei sette Comuni“ genannt wird. Das Altopiano erstreckt sich zwischen dem Valsugana-Tal und der Po-Ebene und wird von den Tälern der Etsch (Adige) und der Brenta begrenzt.

Umgeben von sanften Anhöhen, Wiesen und Wäldern, die sich in endloser Weite bis zum Horizont erstrecken, fühlt man sich vom Rest der Welt abgeschnitten. Wenn man zudem auf Fernsehnachrichten und Zeitungen verzichtet und man nicht mitbekommt, was in der Welt außerhalb der Hochebene vor sich geht, hat man das Gefühl, der Rest der Welt würde überhaupt nicht existieren. Kaum zu glauben, dass Venedig nur eine Autostunde entfernt liegt.

Dolce Far‘ Niente, Mountainbiking und Wandern

Santa Caterina und das Alto Piano sind ideal für drei Dinge: Das absolute Nichtstun, das Wandern in den nahe gelegenen Bergen, den Ostalpen und Mountainbiking. Und viele Städter, die vor der Sommerhitze aus Venedig und dem nicht all zu fernen Mailand in die Hochebene flüchten, tun genau das: Sie frönen dem Dolce far Niente im Garten ihres Ferienhauses oder in einem der Liegestühle auf der Terrasse ihrer Pension … wenn es sie nicht schon am frühen Morgen in die Berge zieht.

Bis nach Asiago ist es nur eine halbe Stunde mit dem Auto (Hartgesottene schwingen sich auf ihr Mountainbike), und von dort aus gelangt man in drei bis vier Stunden Fußmarsch über Almen, Wälder und alte Militärstraßen, vorbei an alten Forts aus dem 1. Weltkrieg, zum Monte Ortigara, der 2105 m hoch liegt oder dem Pizzo di Vezzena, von dessen Gipfel es 1400 m so senkrecht bergab geht, wie man es nur von den Felswänden in den norwegischen Fjorden kennt. Vom Pizzo di Vezzana hat man einen einzigartigen Ausblick über den Caldonazzo- und den Levicosee, die beide direkt unter dem Gipfel liegen.

Bassano del Grappa

Bassano del Grappa

Ausflug nach Bassano del Grappa

Die Schinderei des langen Fußmarsches ist sofort vergessen, erblickt man dieses überwältigende Panorama. Und man vergisst auch die Schinderei des Abstieges, der noch vor einem liegt! Erholen kann man sich am nächsten Tag allemal in einem der malerischen Cafés in Bassano del Grappa, dem Städtchen am Fusse des Monte Grappa, das fast schon wie eine Großstadt wirkt. Von Santa Caterina aus erreicht man Bassano mit dem Bus (der allerdings nur zweimal am Tag fährt) oder Auto in 30 Minuten.

Die Sonne scheint, die Zeit steht still

Die Sommer sind heiß in Santa Caterina, aber die Hitze ist erträglich, da der Ort 800 m hoch liegt und immer ein leichter Wind weht. Die Zeit scheint still zu stehen, und das einzige Geräusch, das man hört, ist das Zirpen der Grillen, das ab und zu unterbrochen wird vom Bellen eines Hundes oder von der Musik aus dem Lautsprecher des fahrenden Gemüsehändlers. Die Nächte sind von Januar bis Dezember so klar, dass am Himmel alle Sterne-Konstellationen zu erkennen sind, und man sollte es daher nicht versäumen, die Sternwarte in Asiago zu besuchen.

Im August, dem offiziellen Ferienmonat in Italien, verwandeln sich die Piazzas der verschlafenen Örtchen der Sette Comuni in rauschende Ballsäle, denn ein Tanzfest löst das andere ab. Bis um drei Uhr morgens wird pro Ort fünf Tage lang zu Live-Musik gefeiert und getanzt. Abschluss eines jeden Tanzfestes ist ein Feuerwerk, das in der Hochebene ganz schön donnert.

Bassano vor der Kulisse des Monte Grappa

Bassano vor der Kulisse des Monte Grappa

Der Himmel ist blau, das Wetter klar und beständig, und die Sonne scheint neun Stunden am Tag. Auch Ende Oktober/Anfang November liegen die Temperaturen während des Tages oft noch bei 25°, während es am Abend ab 17.00 Uhr jedoch ruckartig kalt wird. Herbstnebel, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden, lassen die Landschaft oft gespenstisch erscheinen. In den Wintermonaten fällt sehr viel Schnee, und Skifahrer kommen im Skigebiet von Asiago voll auf ihre Kosten. Wenn jedoch in Santa Caterina 1,20 m hoch Schnee liegt, kommt die Einsamkeit der Hochebene mehr denn je zur Geltung und man fühlt sich mehr noch als zu jeder anderen Jahreszeit von der restlichen Welt abgeschnitten.

INFOS:

Region: Venezien, Provinz: Vicenza

Anreise:

Mit dem Flugzeug: Bis Venedig, dann mit dem Auto Richtung Vicenza bzw. dem Zug nach Bassano del Grappa. Es empfiehlt sich jedoch ein Leihwagen, da die Busverbindungen in die Hochebene nicht sehr gut sind. Die Autofahrt vom Flughafen bis nach Santa Caterina dauert eine Stunde.

Mit dem Auto: Brennerautobahn Ausfahrt Trento Nord, weiter über die Valsugana bis Primolano, dort links hoch über Enego nach Asiago.

Beste Reisezeit: Mai bis Oktober

Santa Caterina im Veneto: Wo die Zeit still zu stehen scheint
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Über den Autor

Cornelia Lohs

Cornelia Lohs ist freie Journalistin und schreibt für Print- und Online-Medien in den Bereichen Reise und Lifestyle. Sie lebt in Heidelberg und den USA. Mehr Informationen auf www.cornelia-lohs.de

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