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Sintra – die einst königliche Sommerresidenz in Portugal

Sonntag, 30.10.11

Heute ist unser zweiter Tag in Lissabon und Maria hat versprochen uns Sintra zu zeigen. Dieser Ort  ist auch für mich neu und ich bin gespannt auf den heutigen Tag. Ist Gudrun schon wach? Ja, irgend etwas bewegt sich unter der Decke.

der Stadtpalast von Sintra

Zwei Stunden später stehen wir vor dem Hotel und da kommt auch schon Maria um uns abzuholen. Nach einer kurzen Begrüßung  fährt uns Maria aus der Stadt hinaus. Es geht dabei in Richtung Campo Pequeno, vorbei an der Stierkampfarena und dem Gubenkain Museum bis das Aqueduto das Aquas Livres in Sicht kommt. Von diesem Aquaduct gibt es tatsächlich eine Verbindung zu dem Weinlager in dem gestrigen Restaurant. Kaum zu glauben! Doch lachend bestätigt mir Maria dies noch einmal.

geschmückt mit Azulejos

Laut Maria ist Sintra einfach ein „Muss“ wenn man Lissabon besucht. Es ist eine alte Maurenstadt, die 1147 von dem portugiesischen König Alfons I erobert wurde. Seit dem Mittelalter war Sintra die Sommerresidenz der portugiesischen Könige und des Adels. „Sintra ist ein kleiner Ort mit nur ca. 33.000 Einwohner“ erklärt uns Maria. „Viele der jahrhundertealten Paläste sind noch heute in Familienbesitz . Manche können nach Terminvereinbarung sogar besucht werden.“  Dies ist einer der Anziehungspunkte, doch die Attraktion ist der Stadtpalast, der Palacio de Vila. Der ist auch das Hauptziel unseres Besuches. „Sintra gehört seit 1995 zum Weltkulturerbe der UNESCO“ schließt Maria ihre Informationen. Kurz darauf haben wir die 25 km von Lissabon nach Sintra hinter uns und suchen als erstes einen Parkplatz in dem heute gut besuchten Städtchen.

„Hier!“ macht Gudrun Maria auf eine Lücke aufmerksam. Glück gehabt, denn an einem Sonntag ist  Sintra ein beliebtes Ziel für einen Familienausflug. Unser Parkplatz befindet sich vor einer pavillonartigen Ausbuchtung in der Mauer, die Sitzgelegenheit bietet und mit Fliesen geschmückt ist. Die Kunst der Fliesenherstellung haben die Araber nach Spanien und Portugal gebracht.  Die Fliesen, genannt Azulejos, dekorieren  Kirchen und Paläste, Treppenhäuser sowie Innen-und Außenwände jeder Art. Auch Namens-oder Straßenschilder sind oft kunstvoll aus Fliesen gestaltet.

Blick vom Palast auf Sintra

Nach einem kurzen Spaziergang haben wir den Stadtpalast mit seinen riesigen, konischen Schornsteinen erreicht. „Die Kamine gehören zur Küche“ erklärt uns Maria. Zur Küche? So was wie übergroße Dunstabzugshauben? Na- da bin ich ja mal gespannt.

Vor dem Palast drängen sich die Besucher, es wird fotografiert und über allem schwebt der Duft nach frischen gerösteten Kastanien, die in einigen Metern Entfernung zum Verkauf angeboten werden.
Der Stadtpalast ist das Wahrzeichen von Sintra und war vom 14. bis zum 20. Jahrhundert ununterbrochen bewohnt. Ich bin ein wenig skeptisch- soll ich wirklich bei dem schönen Wetter durch Palasträume gehen? Vor allem bei diesem großen Andrang von Besuchern? Maria schaut ein wenig entsetzt als ich meine Gedanken äußere- es ist offensichtlich, im Moment hält sie mich für einen Kulturbanausen.

alte portugiesische Einlegearbeiten

Doch auf unserem Rundgang durch den Palacio de Vila bin ich nach kurzem überzeugt- der Besuch lohnt sich, egal wie schön der Sonnenschein draußen ist.

Azulejos aus Sevilla

Beeindruckende holzgeschnitzte Decken, ein alter Sekretär mit Einlegearbeiten aus Perlmutt und kunstvolle Wandverkleidungen mit Keramikfliesen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Fliesen wurden in Sevilla hergestellt und sind die älteste und umfangreichste Sammlung auf der iberischen Halbinsel. Besonders beeindruckend ist ein  Raum mit Deckenmalerei in der eine Seeschlacht dargestellt wird. Jedes Bild stellt eine andere Situation und ein anderes Schiff dar.

die Palastküche der königlichen Sommerresidenz

Doch mein Lieblingsraum ist die Palastküche mit ihren zwei hohen Kaminen. Kupferfarbene Töpfe und Pfannen stehen über mehreren Feuerstellen am langen gemauerten Herd. Grillspieße befinden sich mitten im Raum, unter ihnen brannten zur damaligen Zeit knisternd  die Holzscheite, um das erlegte Wild oder einen anderen Braten  knusprig zu rösten. Ein großer Backofen- aus ihm ist bestimmt der Duft von frischen Broten gestiegen.  Mit Sicherheit war die Küche in den Wintermonaten der wärmste Raum im gesamten Palast und eine beliebte Schlafstätte für das Gesinde. Doch wie viele der damals weiten und langen Röcke sind hier in den Feuerstellen angebrannt?  Und wer kochte hier im Sommer?  Also- ich werde doch lieber bei meinen elektrischen Kochplatten bleiben!

Gudrun und Maria in Sintra

Kurz darauf ist unser Rundgang durch die Palasträume beendet und wir stehen wieder draußen im Sonnenschein. „Was möchtet ihr denn noch gerne sehen?“ fragt Maria. „Sollen wir ein wenig durch den Ort bummeln?“  Es gibt natürlich in Sintra noch mehr Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die sich hoch über der Stadt erhebende  maurische Festung, deren Verteidigungswalle sich wie eine kleine chinesische Mauer um die Felskämme winden. Doch die sicherlich spektakuläre Aussicht muss mit einem steilen Aufstieg hart erkämpft werden. Da geht keine Autostraße hoch? „Nein“ zerstört Maria meine Hoffnungen. „Nur ein kleines Stück. Den richtig steilen Weg müssten wir zu Fuß gehen.“  Das ist sehr hoch!! Übertroffen an Höhe wird die maurische Festung nur noch von der Burg „Palacio da Pena“ mit seinem 270 ha großen Garten, eines der bedeutendsten Bauwerke der portugiesischen Romantik. Diese märchenhafte Burg entstand 1840 als Sommerresidenz des deutschen Prinzgemahls von Königin Maria II und wird auch das portugiesische Neuschwanstein genannt.

Pasteles in Portugal

Doch wir  entscheiden, doch lieber in dem kleinen Ort Sintra zu bleiben und durch die verwinkelten schmalen Gassen zu schlendern. Fliesengeschmückte Häuser zieren die Wege, gemütliche Restaurants und Konditoreien laden zum Verweilen ein und Souvenirläden animieren zum Kauf von Mitbringsel. Ein großes Angebot herrscht an Korkprodukten. Aus diesem, in Portugal gewachsenem Naturprodukt, wird  Schmuck, Handtaschen, Gürtel  und Geldbörsen angeboten. Maria führt uns in eine der vielen Konditoreien: „Hier gibt es hausgemachte Pasteles, eine Spezialität!“  Hmmm- es scheint als habe in Portugal jede Straße oder zumindest jedes Stadtviertel eine hausgemachte Spezialität an süßem Gebäck. Ich habe vermutlich in meinem Leben noch nicht so viele Cremetörtchen versucht wie in den letzten zwei  Tagen.

am Atlantikstrand von Portugal

Nach dieser süßen Pause schlendern wir langsam zurück zum Auto. Maria beabsichtigt uns noch ein wenig von der schönen Landschaft Portugals zu zeigen, anstatt den direktem Weg auf der Autobahn anzutreten. Es ist eine erholsame und schöne Panoramafahrt durch kleine Dörfer, Berge und hin und wieder haben wir  einen fantastischen Blick auf die Atlantikküste. Genau dort führt uns die Straße auch hin- an die Küste und einen der vielen Sandstrände. Es ist bereits Ende Oktober, doch die Temperaturen sind noch wie im Spätsommer und der Strand ist gut besucht. Sonnenanbeter liegen im weißen Sand und ganz abgehärtete schwimmen im sicherlich schon recht kühlen Atlantik.

von der Welle erwischt

Der Strand wirkt so einladend, dass Maria das Auto parkt, wir unsere Schuhe ausziehen und am Ufer entlang spazieren. Flach laufen die Wellen aus, das Meerwasser umspielt meine Füße und ich bedaure fast, meinen Badeanzug nicht dabei zu haben. Doch wer rechnet um diese Jahreszeit mit solch warmen Wetter?  Aber auf jeden Fall müssen Fotos gemacht werden! Ein wenig näher  an die Wellen- so das die Gischt auch gut auf dem Bild zu sehen ist! Nun bin ich dran und mutig wage ich mich hinaus auf den bereits nassen Sand. Es wird doch nicht ausgerechnet jetzt eine Welle so weit auslaufen? Doch, eine der Wellen macht es! Da hilft mir auch mein schneller Spurt in Richtung trockener Sand nicht weiter, das Wasser ist schneller. Da stehe ich nun mit nassen Hosen und frage mich, wie ich in Maria ihr sauberes Auto einsteigen soll.
Doch in kurzer Zeit hat der frische Wind meine Kleidung getrocknet und abgesehen von einem Salzrand und einigen Sandkörner ist von meinem Missgeschick fast nichts mehr zu sehen.

Boca de Inferno

Die Kraft der Sonne lässt allmählich nach, als wir uns an die Weiterfahrt machen. Der nächste Stopp auf unserem Weg nach Lissabon ist die „Boca de Inferno“ , der Höllenschlund. Hier können wir die faszinierende Naturgewalt des Meeres beobachten. In ca. 20 Metern Tiefe brechen sich unter großem Tosen die mächtigen Wellen an den Felsenklippen. Der Name Höllenschlund  verdankt diese Stelle einem Loch in den Felsen, welches  im Laufe vieler Jahre von der Kraft des Wassers geformt wurde. Nein, hier möchte ich nicht den Kräften der Natur ausgeliefert sein.

Cascais

Von hier geht es weiter in das nahe gelegene Städtchen Cascais, ein Urlaubsort mit einem kleinen Hafen und malerischen Gassen.  Wir bummeln ein wenig durch die Einkaufsstraße und ich hoffe heimlich auf den Kauf einer neuen Hose. Sonst muss ich zu unserem heutigen Abend in einem eleganten Fado-Lokal mit salzverkrusteten Jeans gehen. Unangenehm! Aber so geht´s wenn man Gepäck sparen möchte. Doch ich habe Pech, es ist kein für mich passendes Outfit zu entdecken.
Die Rückfahrt nach Lissabon geht entlang der Küstenstraße und wir erreichen Lissabon in dem Stadtteil Belem. Dieser Teil Lissabons steht noch auf unserer Besichtigungsliste, denn hier sind einige der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Wir passieren den Turm von Belem, das Denkmal der Entdecker  in Form eines Schiffsbugs und das berühmte Jeronimuskloster. Doch heute ist es bereits zu spät und morgen ist das Jeronimuskloster geschlossen. Daher steht dieser Teil für Dienstag früh auf unserem gedanklichen Plan. Doch Maria möchte trotzdem mit uns noch einen Abstecher in Belem machen: „Es gibt hier eine Spezialität, die Pasteles de Belem. Die müsst ihr unbedingt versuchen!“ erklärt sie uns während der Parkplatzsuche. Nochmal Cremetörtchen? „Diese hier sind etwas ganz besonderes, das Rezept ist ein altes Familiengeheimnis und liegt in einem Safe.“  Ach ja? So wie Coca Cola? Na gut, in dem Fall sollten wir es wirklich probieren. Wo ist denn diese Konditorei? „Gleich dort vorne“ zeigt uns Maria. „Siehst du die Warteschlange?“  Das ist eine Warteschlange vor der Pasteleria? Ich dachte die vielen Menschen warten dort auf Busse und Bahnen! Wir sind nicht die einzigen, die von diesen besonderen Törtchen kosten möchten.  Zwei Schlangen stehen meterlang bis hinaus auf die Straße! Nein- das ist mir ein Cremetörtchen wirklich nicht wert!
„Dann lasst uns aber das Lokal anschauen, es ist eine alte Pasteleria und innen sehr schön dekoriert“ schlägt Maria stattdessen vor. „Vielleicht ist ja innen ein Tisch frei!“ Das ist sehr optimistisch von Maria, denn im Inneren herrscht nicht weniger Gedränge als vor der Tür. Wir schieben uns einmal durch die Räume, drängeln und drücken, bis wir endlich wieder vor der Tür stehen. Gott sei Dank- da gehe ich nie wieder freiwillig rein! So gut kann kein Törtchen schmecken! „Heute ist Sonntag“ erklärt Maria schulterzuckend , „da gehen natürlich viele Familien in eine Pasteleria.“ Doch ich habe nicht nur Portugiesen gesehen, die meisten Menschen in der Warteschlange waren eindeutig Touristen. Vermutlich erzählt jeder Reiseleiter seinen Gästen im Bus von diesen besonderen „Pasteles de Belem“ und empfiehlt einen Großeinkauf im Anschluss an die Belem-Besichtigungstour.
Nun geht es  direkt zum Hotel, so können wir uns eine Weile ausruhen und uns für den Abend umziehen. Das heißt in meinem Fall den Sand und die Salzkruste von den Jeans bürsten!
Maria möchte auch für eine Weile nach Hause und wir verabreden uns für halb neun vor dem Hotel.
Die Zeit verfliegt mit ausruhen, der schwierigen Entscheidung welche meiner beiden Blusen ich anziehe und Make -up- Auffrischung. Dann ist es soweit, Maria steht bereits im Foyer und wir nehmen heute wie besprochen ein Taxi.  Denn das von Maria ausgewählte Restaurant befindet sich in der Baixa und dort ist die Parkplatzsuche vermutlich so erfolgreich wie Cremtörtchen-Einkauf in Belem.

Fado

In einer schmalen versteckten Gasse liegt das von Maria gebuchte Lokal, der „Clube de Fado“. Trotz meiner vorherigen Besuche in Portugal habe ich noch nie ein Fado Lokal besucht und bin nun gespannt, was mich erwartet. Doch zuerst bekommen wir eine exzellente Speisekarte, wählen Essen und Getränke und bekommen in der Wartezeit den in Portugal üblichen Teller mit kleinen Leckereien  wie Käse, Oliven und Brot.

im „Clube de Fado“

Das Lokal ist gut besucht und die Vorbereitungen für den Auftritt der Künstler sind in vollen Gange. Instrumente werden gestimmt und eine junge Frau mit Stola über den Schultern scheint letzte Instruktionen an einen Kollegen zu geben. Aus der Küche kommt in der Zwischenzeit unsere Vorspeise und kurz darauf beginnt bereits der erste Auftritt einer der Fado-Sängerinnen. Tiefe melodische Klänge erfüllen den Raum und die Gespräche der Gäste verstummen, selbst das Klappern des Essbestecks wird eingestellt. Am Ende des musikalischen Vortrags ertönt lauter Applaus. Und so bleibt es auch, die Sänger verdienen den Namen Künstler zu Recht. Es ist ein rundum gelungener Abend mit sehr gutem Essen, einer gemütlichen Ambiente in den alten Gemäuern des Lokales und ein perfekter Vortrag  des Gesangs und der Instrumente.
Wir sind bei den letzten, die das Lokal verlassen und als uns das Taxi am Hotel absetzt müssen wir uns leider von Maria verabschieden. Sie muss morgen wieder arbeiten und wir werden den morgigen Tag ohne sie in Lissabon verbringen. „Ich komme morgen Abend aber noch mal zu euch ins Hotel“ verspricht Maria und wir verabreden, uns so bald wie möglich in Spanien wieder zu sehen. „Oder in Deutschland“ bietet Gudrun Maria an „bist  jeder Zeit bei mir willkommen.“
Noch ein letztes Winken, dann verschwindet Marias  Auto um die Kurve und wir machen uns auf den Weg in unser Zimmer.
Und morgen? Wir werden einfach nur bummeln gehen, in die vielen kleine Geschäfte schauen und wer weiß- vielleicht ist die Warteschlange vor dem Elevador de Santa Justa morgen ja nicht so lange wie am Wochenende. Doch nun werden wir uns erst einmal ausschlafen, denn es war ein schöner, aber auch sehr langer Tag. Wir haben uns unseren Schlaf wirklich verdient. Gute Nacht, bis morgen früh!

Mein letzter Bericht ist erschienen unter: http://www.reiseberichte-blog.com/portugals-hauptstadt-lissabon-eine-individuelle-stadtbesichtigung/

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

2 Reaktionen bis “ Sintra – die einst königliche Sommerresidenz in Portugal ”

  1. Ich vermisse Sintra! Schöne…

    /Sofie

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