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Regenzeit im Dschungel am Rio Madre de Dios

Dienstag

Amazonas Lodge

Mitten in der Nacht werde ich kurzfristig durch starkes Rauschen des Regens geweckt, schlafe jedoch bei diesem gleichmäßigen rhythmischen Geräusch sehr schnell wieder ein.  Als Elmar wie jeden Tag durch die Bungalow- Reihe geht und  seine Gruppe weckt, werde ich wieder wach. Es gießt immer noch in Strömen und als wir eine Weile später vor die Tür gehen, sehe ich, dass das Erdreich in der gesamten Lodge aufgeweicht ist. Das Tapir hat sich  unter unserem Bungalow versteckt und die Schnauze im Modder vergraben, er will dieses nasse Wetter auch nicht mehr sehen.
Wir huschen geduckt die drei Meter bis zum überdachten Weg, auf dem wir trocken bis in den Frühstücksraum gelangen. Die Gruppe ist in gedämpfter Stimmung, Paul klagt über Muskelkater und Tom hat Bedenken, dass das Fischen „ins Wasser fällt“.

Amazonia Lodge

Amazonia Lodge am Rio Madre de Dios

Ich selbst gehe heute nicht mit.Vielleicht war ja gestern der Weg des heutigen Ausflugs trockener als zum „verlorenen See“, doch nach dieser regenreichen Nacht sieht das sicher anders aus.
An der Rezeption treffe ich Elmar und teile ihm mit, dass ich heute nicht mit zu dem Ausflug komme. „Mach Dir keine Sorgen, Du brauchst heute nicht laufen“, beruhigt er mich „die Pfade sind alle unpassierbar, wir fahren  mit dem Boot zum Angeln!“ Trotzdem, ich verzichte! Bei strömendem Regen mit einer Angelrute in einem nicht überdachten Boot sitzen und auf Piranhas warten? Tom ist begeistert- ein Piranha an der Angelrute ist für ihn das Highlight dieses Aufenthaltes im Dschungel.
Edith und ich verabschieden unsere Gruppe mit dem Versprechen bei ihrer Rückkehr die Bratpfannen bereitzuhalten und jetzt sind wir die einzigen Gäste in der Lodge.

Ara

Ara

Der Regen hat ein klein wenig nachgelassen, das Tapir hat sein Lager unter unserem Bungalow verlassen und die Aras suchen ihr aufgeweichtes Futter. Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, an diesem Vormittag den Pool zu nutzen und da er überdacht ist können wir im Anschluss auf den bereitstehenden Liegen relaxen und lesen. Endlich ist in diesem Urlaub Zeit einfach nur zu entspannen.
Wir holen unsere Badesachen, ein Handtuch  bekommen wir am Pool und  dann teste ich mit dem großen Zeh die Wassertemperatur. Kalt, ungefähr so wie die Dusche! Doch ich wage es trotzdem und als ich mich nach einer Weile warm geschwommen und an die Temperatur gewöhnt habe ist es sehr angenehm. Auch Edith überwindet sich und es ist fantastisch diesen großen Pool ganz alleine zu nutzen. Wir schwimmen uns so richtig müde und als wir aus dem Wasser kommen scheint draußen schon wieder die Sonne.

Ruhetag

Ruhetag am Rio Madre de Dios

Das passt doch hervorragend- danke lieber Petrus, Du meinst es gut mit uns. Wir ziehen uns an und gehen mit unseren Büchern auf eine der vielen Terrassen in der Lodge. Die Entscheidung fällt auf die Terrasse mit Blick über den Rio Madre de Dios, dort sind außerdem Hängematten vorhanden. Ob das wirklich bequem ist? Ich probiere es vorsichtig aus und es ist sogar sehr bequem. Das ist  ein hervorragender Platz und ein sehr erholsamer Vormittag.
Das Buch ist spannend und so merke ich nicht wie die Zeit vergeht. Als ich ein leises „peque, peque, peque“ höre schaue ich auf die Uhr. Es ist fast Mittag und da kommt auch schon unsere Gruppe wieder zurück. Haben sie etwas gefangen?
Die enttäuschten Gesichter sehen nicht danach aus und tatsächlich, ein gemeinsames Kopfschütteln ist die Reaktion auf meine Frage. Da durch den nächtlichen Regen der Fußweg unpassierbar war, konnte das für das Angeln vorgesehene Gewässer nicht erreicht werden und auf dem Rio Madre de Dios hat sich kein Fisch blicken lassen. Vermutlich sind die Piranhas bei der heutigen Strömung schon alle in Bolivien und auf dem Weg in den Amazonas.

Hängematten

Hängematten zur Ruhepause im Dschungel

Gemeinsam mit den Anglern gehen wir zum Mittagessen und danach setzen wir den Vormittag fort : in der Hängematte liegen und ein Buch lesen. Einige gehen schwimmen,andere folgen unserer Idee.
John ist der erste, dem auffällt, dass Sheila und Dan heute überhaupt noch nicht zu sehen waren. „Weißt Du wo die beiden sind?“ fragt er mich aus den Tiefen seiner Hängematte. Heute Morgen haben sich die beiden von mir verabschiedet. Sie hatten keine Lust auf Dauerregen, Matsch und Anstrengung, sondern sehnten sich nach kalifornischer Sonne und Alligatoren im Swimmingpool.
Der Nachmittag  vergeht ruhig, ereignislos und angenehm, zwischendurch kommt Elmar und versucht uns zu einem Fakultativausflug zu motivieren. Keiner rührt sich. Aus den Hängematten kommt entweder ein „oh nein, danke“ oder ein leises Schnarchen. John murmelt „meine Beine-die schmerzen gewaltig, heute bewege ich mich nicht mehr.“

Tapir

Tapir, ein Dschungelbewohner

Wir bleiben bis eine Stunde vor Sonnenuntergang, jetzt beginnt die Zeit, in der die Moskitos auf „Beutesuche“ sind und wir verlassen das Ufer. Nicht weit von unserem Bungalow treffen wir noch mal auf das Tapir, es kommt ganz nahe und lässt sich sogar anfassen, bleibt jedoch nach wie vor kamerascheu.
Wir gehen in den Bungalow, ziehen uns um und fangen an die Koffer für unsere morgige Abfahrt zu packen. Danach kommt unser üblicher „Sundowner“, ein Pisco Sour mit dem wir die Zeit bis zum Abendessen überbrücken.
Der Koch hat für unser Abschiedsessen Huhn mit einer pikanten Soße zubereitet und es schmeckt, wie schon die anderen Tage, sehr gut.
Die Bar, der allgemeine abendliche Treffpunkt, ist auch heute wieder gut besucht. Ich setze mich mit Edith an einen Tisch um noch ein wenig zu erzählen, als wir den Besuch  einer blonden Dame bekommen. Sie ist Amerikanerin, kommt aus Chicago und sucht, da sie alleine hier ist, Gesellschaft. Ich schätze Gina auf ungefähr fünfzig Jahre, also etwa in meinem Alter. Sie erzählt uns von sich, warum sie dieses Jahr in Peru ist und berichtet uns über die Ursache ihrer momentanen Nervosität. Vor mehr als einem Jahr machte sie mit ihrem Mann eine Rundreise mit einem Aufenthalt von 3 Tagen in Cusco. Dort lernten sie ein Mädchen von 12 Jahren kennen, welches nachts auf der Straße Ansichtskarten verkaufte und sie haben sich mit dem Mädchen unterhalten- halb spanisch, halb englisch. Das Kind kommt aus einer sehr armen Familie und muss daher mithelfen das Geld zu verdienen. Am Tag geht sie in eine öffentliche Schule um lesen und schreiben zu lernen. In den drei Tagen ihres Aufenthaltes entwickelte sich ein sehr enger Kontakt zwischen dem Mädchen, ihrer Familie und Gina nebst Ehemann. Sie beschließen den privaten Unterricht zu finanzieren, damit die kleine Perunanerin  Englisch lernt. Das klappte gut, die Familien waren in Briefkontakt und das Kind spricht inzwischen fließend Englisch. Gina und ihr Mann möchten noch einen Schritt weitergehen und haben angeboten, das Mädchen mit nach Chicago zu nehmen. Dort kann sie dann in den nächsten fünf Jahren einen Schulabschluss machen und entweder zurück nach Peru gehen oder in den USA ein Studium beginnen. Der Besuch bei den Eltern ist nach diesen fünf Jahren auf jeden Fall geplant. Um den Kontakt zum Elternhaus zu sichern werden sie einen, bzw. zwei Computer mit Kamera und Telefon kaufen, so kann die Familie in ständigem Kontakt sein. Alle Parteien sind mit diesem Vorschlag einverstanden und das Mädchen freut sich schon sehr auf Nordamerika und das familiäre Zusammensein. Gina wünschte sich immer eine Tochter und hat zu ihrem Bedauern „nur“ drei inzwischen erwachsene Söhne, die nun selbst schon verheiratet sind. Sie und ihr Mann haben von Amerika aus eine Pflegschaft beantragt und alle erforderlichen Papiere besorgt. Was noch fehlt ist ein Visum für das Kind, dies wird von der amerikanischen Botschaft in Lima ausstellt. Und dort ist heute ihr Mann hingeflogen, zusammen mit dem Mädchen und der Termin auf der Botschaft ist morgen. Ginas größte Angst ist eine Ablehnung des Visums und die damit verbundenen Enttäuschungen für alle Betroffenen. Edith und ich versuchen ihr Mut zu machen, warum sollte eine Ablehnung erwartet werden?  Wir hoffen auf jeden Fall das Beste und drücken Gina, sowie dem uns unbekannten Mädchen fest die Daumen und sicherheitshalber klopfe ich auch noch auf Holz.
Während dieses Gespräches ist die Zeit schnell vergangen und es ist fast zehn Uhr, gleich wird das Licht ausgemacht  und der Barkeeper fängt schon an die Gläser zusammenzuräumen. Wir verabschieden uns und gehen in unsere Schildkrötenbehausung, wo wir die letzten verbleibenden Minuten mit Licht nutzen um noch ein wenig in unseren Büchern zu lesen. Kurz darauf wird es dunkel, wir drehen uns auf die Seite und versuchen schnell einzuschlafen.

Peru, eine Rundreise von der Küste in die Anden und den Regenwald Perus

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Über den Autor

Elke Hoppe

Vor ca. 20 Jahren bin ich von Deutschland nach Spanien ausgewandert, um auf der Sonnenseite Europas leben zu können. Doch auch von hier aus habe ich das Bedürfnis mehr von der Welt kennen zu lernen. Da es mir zeitlich und beruflich möglich ist, mache ich seit 2005 einmal im Jahr eine „große Reise“. Begleitet werde ich dabei von Edith, meiner Mutter, die vor 18 Jahre ebenfalls aus dem deutschen Regen in die spanische Sonne geflüchtet ist. Bisher hat uns unsere Reiselust nach Asien, Kenia und Peru geführt. Für das Jahr 2009 hatten wir uns für Indien entschieden und dort neben Rajasthan inzwischen auch andere Regionen besucht. Auf den Rundreisen in Indien waren wir in Begleitung von unserem Fahrer Prakash Acharya. Er ist ein zuverlässiger und informativer Reisebegleiter, den ich sehr empfehlen kann. Prakash hat sich vor einigen Jahren selbständig gemacht und falls jemand mit ihm eine Rundreise machen möchte bin gerne bereit den Kontakt herzustellen.

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